Freizeit & Reise, Wissenswertes

Vermeer, der Maler der Geheimnisse

Beitrag: Boike Jacobs

Er hat insgesamt nur 37 Bilder gemalt, die meisten von ihnen über mehrere Jahre – im Gegensatz etwa zu Rembrandt, von dem 350 Gemälde bekannt sind. 28 meist kleinformatige Werke von Jan Vermeer van Delft waren nun im Rijksmuseum von Amsterdam ausgestellt – die erste Gesamtschau dieses Meisters aus Hollands „Goldenem Zeitalter“, in dem der Reichtum und damit auch die Kunst zu ungeahnten Höhen wuchsen. Und zu ungeahnten Höhen wuchs auch die Zahl der Besucherinnen und Besucher, die diese Ausstellung sehen wollten. Schon weit vor der Schließung wurden keine neuen Karten verkauft, dafür aber im Internet mit Preisen weit über 200 € angeboten.

Amsterdams Rijksmuseum während der großen Vermeer-Ausstellung. Foto: wikipedia

Ende Juni wurde die Ausstellung geschlossen, aber im Hamburger Zeise Kino wird am Montag, dem 30. Juli, eine Dokumentation gezeigt mit großartigen Erläuterungen über den „Maler der Geheimnisse“, der Alltagsszenen so lebendig festgehalten hat. Selbst Bilder, die man schon oft gesehen hat, werden in diesem Film ganz neu erklärt und sichtbar gemacht.

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Aus der Region, Wissenswertes

„Mit Hexen kein Mitleid haben“

Beitrag: Boike Jacobs

Was haben Abelke Bleken aus Ochsenwerder, Mette Harden und Cathrin Danckwers aus Kirchwerder, Cathrin Schmalfeldes aus Curslack und Margareth Uhler aus Bergedorf miteinander gemein? Zwischen 1583 und 1676 wurden sie der Hexerei bezichtigt, im Kerker an Ketten gelegt und gefoltert, und eine der fünf Frauen wurde schließlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Ängste und Aberglauben führten in dieser Zeit zu Anschuldigungen und Verurteilungen, deren Opfer fast ausschließlich Frauen waren. Typisch katholisch, oder?

Lucas Cranach: Hexenverbrennung in Wittenberg im Jahre 1540

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Aus der Region

Was Kirchen vom HSV lernen können

Gastbeitrag: Pastor Jonas Goebel

Ich glaube: Fußballvereine und Kirchen haben mit Blick auf ihre Fans bzw. Mitglieder große Ähnlichkeiten. Es gibt alles von Ultras bis Erfolgsfans. Dabei können Kirchen im Umgang mit ihren Mitgliedern einiges von den Vereinen lernen. Ich bin HSV-Fan, weil ich aus Hamburg komme und weil wir bei uns in der Familie alle HSV-Fans sind. Ich war sogar beim letzten Spiel in der ersten Bundesliga dabei, also bei dem Spiel, als der HSV das erste Mal abgestiegen ist. Das war traurig, aber meine Welt ist jetzt nicht zusammengebrochen. Und da habe ich festgestellt: Es ist mit den Kirchen ein wenig wie mit dem HSV.

HSV-Fans vor dem Anpfiff. Foto: Archiv

Die treuesten HSV-Fans sind erstaunlich wenig am Spiel selbst interessiert. Es wird eigentlich durchgehend gesungen, relativ egal, was auf dem Platz geschehen ist. Es gibt auch Konflikte im Block, und die sind dann auch erstmal wichtiger als das Spiel.

Die treuesten HSV-Fans kommen aus sozialen Gründen. Es gibt zwar Stress zwischen Gruppen, aber innerhalb der Gruppe passt man sehr auf sich auf. Also kurzgefasst war ich immer erstaunt, dass die „richtigen Fans“ aus meiner Sicht eigentlich das Spiel mehr als Funktion nutzten.

Insgesamt würde ich sagen: Da kommen Menschen aus sehr unterschiedlichen Gründen zum HSV. Die deutliche Minderheit sind treue Fans wie meine Brüder. Der absolute Großteil sind Fans wie ich oder ähnlich wie ich. Doch so ein Spiel bzw. ein Stadion wäre ganz schön „tot“, wenn es nicht diese treuen Fans in der Minderheit gäbe. Ganz ehrlich: Mit Leuten wie mir kommt kaum Stimmung ins Stadion. Und erst recht käme keine Unterstützung für Mannschaft zustande, selbst wenn das Spiel schlecht läuft.

Also: Die meisten Fans kommen ab und zu. Die meisten Fans kommen, wenn die Mannschaft erfolgreicher ist. Die meisten Fans kommen, weil sie das Spiel wirklich sehen wollen. Aber den meisten Fans würde am Stadion-Erlebnis etwas fehlen, wenn die treuen Fans in der Minderheit nicht dabei wären.

Was können wir als Kirchen davon lernen? Auch wir haben verschiedene „Fans“ (Mitglieder). Wir haben „Ultras“, die kommen jeden Sonntag in den Gottesdienst. Wir haben Leute, die kommen ab und zu. Beide Gruppen sind wichtig. Auch bei uns machen die „treuen Fans“ oft die Stimmung (singen laut mit). Aber auch bei uns wird der Laden allein mit ihnen nicht voll.

Pastor Jonas Goebel in der Auferstehungskirche am Kurt-Adam-Platz in Lohbrügge. Foto: privat

Wenige engagieren sich, die meisten konsumieren. Beim HSV engagieren sich die treuen Fans sehr stark – aber die allermeisten Fans engagieren sich gar nicht. Sie konsumieren nur. Das ist aber kein Mangel, kein Fehler, das ist am Ende sogar in Teilen notwendig:

Die Vielen sind finanziell wichtiger. Auch bei uns gilt, dass wir mit den wenigen treuen Fans uns nicht finanzieren können. Aber die Masse hilft auf andere Weise: mit Geld. Sie engagiert sich vielleicht nicht, sie singt nicht laut mit – aber sie kommt, macht das Stadion voll und zahlt dafür gerne.

Ultras dürfen nicht zu viel Macht erhalten. Ich könnte auch sagen: Wenn wir uns nur auf den „inneren Kern“ konzentrieren, auf unsere „Kirchen-Ultras“, dann ist das ein Weg aufs Abstellgleis. Ein Verein, der sich zu stark von seinen Ultras sagen lässt, was er zu tun hat, ist kein erfolgreicher Verein. Aber gleichzeitig dürfen diese treuen Fans auch nicht ignoriert, vergessen oder verdrängt werden. Wir brauchen sie mindestens für die Stimmung und für das Engagement.

Der HSV lebt im Luxus, dass das Stadion fast immer voll ist, obwohl die Mannschaft weder besonders attraktiv, noch besonders erfolgreich spielt. Wir Kirchen spielen meistens auch nicht besonders attraktiv, wir steigen von Jahr zu Jahr irgendwie weiter ab – und bei uns gibt es keine vollen Stadien, sondern immer leerere Kirchen. Was bleibt, sind oft unsere Ultras. Die, für die aber auch gilt, dass sie sich erstaunlich oft erstaunlich wenig für das „Spiel“ interessieren, und die in den meisten Fällen vor allem mit sich selbst beschäftigt sind und zu großen Teilen aus sozialen Gründen kommen.

Ich behaupte: Wir müssen als Kirchen vom HSV lernen, dass es nicht darum geht, nur unsere Ultras glücklich zu machen. Wir wollen ein volles Stadion! Und das bekommen wir nicht voll, wenn wir uns zu sehr von ihnen diktieren lassen, wo es lang geht und was wir anbieten.

Geschichten und Gedichte

Ich freue mich, dass ich eine Alte bin

Gastautorin Ellen Lotichius

Bei einem Kaffeekränzchen mit Seniorinnen und Senioren wurde ich gefragt, ob ich nicht mal einen kurzen Artikel über das Positive im Alter schreiben könne. Das hat mich doch ins Grübeln gebracht. Ich hatte gerade in der letzten Zeit jeden Tag als Herausforderung empfunden, weil mein Rücken mir ständig Schmerzen bereitete. Aber dann wurde mir doch bewusst, wie gut es mir mit meinen 93 Jahren im Grunde geht.

Ellen Lotichius lebt in der Seniorenwohnanlage der Poensgen-Stiftung. Foto: Archiv
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Aus der Region

Bergedorf hat endlich ein Hospiz

Gastbeitrag von Lilo Schneider

Als ich beim Tag der Offenen Tür das neue „Hamburger Hospiz am Deich“ in der ehemaligen Alten Schule Allermöhe zum ersten Mal gesehen habe, war ich angenehm überrascht. Das Gebäude, das lange Zeit leer stand, sieht nun hell und freundlich aus, und die Lage im Grünen ist sehr schön.

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Damals war's

Wenn der Computer versagt

Beitrag: Boike Jacobs

Ja, ich weiß, das müsste eigentlich nicht sein. Im Jahr 1989 bin ich schließlich von der Schreibmaschine auf den Computer gewechselt – siehe Foto. Und es hat mir Spaß gemacht, täglich habe ich gesessen und Artikel, Briefe und mails geschrieben, später auch Layout und Seitenumbruch gelernt. Das ging mir leicht von der Hand, und man möchte eigentlich meinen, heute könnte ich mit ebenso leichter Hand meinen Computer reparieren. Aber da geht es eben los …

2002 waren Computer noch schwere, unhandliche Kästen
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Wissenswertes

Nur Zoff im Kaff

Beitrag: Boike Jacobs

„Guten Rutsch ins neue Jahr!“, ruft mir mein Nachbar um 24 Uhr fröhlich zu und hebt das Sektglas. Wir alle rundum, Frauen und Männer, tun es ihm nach: „Guten Rutsch!“ Und da läuten schon die Kirchenglocken, Böller und Raketen schießen in die Luft. Tags zuvor hat es sogar geschneit. „Guten Rutsch“ also. Aber was ist das eigentlich für ein seltsamer Glückwunsch – sollen wir ausrutschen? Bei überfrierender Nässe von einem Jahr ins nächste schliddern? Oder hat der Satz eine ganz andere Bedeutung?

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Aus der Region, Wissenswertes

Gabriele Münters Menschenbilder

Beitrag: Boike Jacobs

Als ich lese, dass im Bucerius Kunst Forum die Ausstellung „Gabriele Münter: Menschenbilder“ wird, bin ich sogleich Feuer und Flamme. Nein, nicht die beliebten leuchtendfarbigen Gemälde aus Murnau sind dort zu sehen, sondern eine Fülle weitgehend unbekannter Porträts in unterschiedlicher Technik. Gemeinsam mit meiner Tochter gehe ich an einem kalten, windigen Sonntag zum Alten Wall.

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Freizeit & Reise

Marc Chagall – Welt in Aufruhr

Beitrag: Boike Jacobs

Gestern früh bin ich nach Frankfurt gefahren, um die Ausstellung in der Kunsthalle Schirn zu sehen: „Marc Chagall – Welt in Aufruhr.“ Über 100 Bilder sind hier seit dem November zu sehen, viele davon kaum bekannt.

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Aus der Region

Bunte Bilder auf grauen Stromkästen

Beitrag: Boike Jacobs

Schon mal die hübsch bemalten Stromkästen in Bergedorf, Lohbrügge und den Vierlanden bewundert? Schon mal fröhlich gelacht, wenn wieder ein ehemals hässlicher Kasten ein frisches Gesicht bekommen hatte? „Vincent Schulze“ steht unter jedem Bild, und ich war fast sicher, dass dieser Künstler ein Bergedorfer sei. Schließlich konnte ich hier, in Lohbrügge und sogar in den Vierlanden viele seiner bunten Werke entdecken. Aber Vincent Schulze wohnt und arbeitet seit langem in Eimsbüttel, und hier bekam er vor zwölf Jahren auch seinen ersten Auftrag. Mittlerweile aber sei er „wohl in jedem Hamburger Stadtteil vertreten“, erklärt er. In Bergedorf und Umgebung werde er besonders oft angefragt von der Baugenossenschaft Bergedorf-Bille und der VierlandenStiftung.

Vincent Schulze vor einem Stromkasten in den Vierlanden
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