Wir hatten den ganzen Tag auf unsere kleinen Enkelinnen aufgepasst. Das war schön, aber auch sehr anstrengend. Am Abend wollten wir nur nach Hause, um uns auszuruhen.
Auf dem Bahnsteig Stadthausbrücke waren wir fast allein, als wir von einem aus unserer Sicht jungen Bettler (25 bis 30 Jahre) angesprochen wurden. Er bräuchte dringend Geld, weil er in einer Notlage ist. Er war sehr schmutzig und stank.
Meine Frau sagte ihm, dass wir ihm nichts geben. Daraufhin wurde er aggressiv: Wir sollten ihm das laut und deutlich ins Gesicht sagen und nicht so leise und verschämt. Sowas erlebt er immer wieder und „das gehe ihm auf den Senkel“. Er sprach weiter auf uns ein.
Wir fühlten uns stark belästigt und wussten nicht, wie wir mit der Situation umgehen sollten.
Ich bin über 40 Jahre täglich meist mit der Linie S3 aus dem Süden Hamburgs zur Arbeit gefahren, die als problematische Strecke gilt und habe während dieser Zeit nie Bettler erlebt außer zweifelhaften Musikdarbietungen mit anschließenden Geldwünschen.
Nach meinem persönlichen Empfinden nimmt die Zahl der Bettler im Moment stark zu. Ich gebe nichts, damit es nicht noch mehr werden, und ich glaube auch, dass man diesen Menschen mit ihren Drogenproblemen mittel- und langfristig durch monetäre Zuwendungen nicht hilft.
Mich würde interessieren, ob unsere Leser solche Situationen auch schon erlebt haben. Vielleicht haben Sie Tipps, wie man damit umgeht.
Wie diese Frauen im Jahr 1585 starb auch Abelke Bleken in den Flammen
Ich lebe seit fast vierzig Jahren in den Vier- und Marschlanden. Die Geschichte dieses zu Hamburg gehörenden Landstrichs, die Kultur, die Menschen und der Einfluss des Elbstroms üben auf viele von uns Zugezogene eine besondere Anziehungskraft aus. Durch die unmittelbare Nähe des Konzentrationslagers Neuengamme beschränkte sich mein Interesse lange auf die Rolle der Vier- und Marschländer im Nationalsozialismus. Es gibt in meiner unmittelbaren Umgebung noch viele Zeitzeugen, die allerdings ungern über die Rolle ihrer Höfe im Zusammenhang mit Zwangsarbeit sprechen mögen. Ein Blick in die Archive des Konzentrationslagers entlarvt die relativierenden Angaben der Bauern als das was sie sind: Verleugnung von Mitschuld oder folgenschweres Wegschauen.
Als ich in der Buchhandlung auf den Roman „Marschlande“ von Jarka Kubsova stieß, war mein Interesse sofort geweckt. Ich hatte mich bereits mit Hexenverfolgung in Hamburg beschäftigt. Mindestens vierzig Frauen und mehr als ein Dutzend Männer fanden über mehrere Jahrhunderte nach grausamen Schauprozessen den Tod. Viele Hinrichtungen erfolgten nach der Reformation im Jahr 1529. Die letzte bekannte Hinrichtung wegen Zauberei in Hamburg geht auf das Jahr 1642 zurück, als Cillie Hemels verbrannt wurde. „Marschlande“ erzählt die wahre Geschichte der Abelke Bleken aus Ochsenwerder, die am 18. März 1583 als Hexe verbrannt wurde. Ein Frauenschicksal in meiner näheren Umgebung. Das durch die „peinliche Befragung“, eine Umschreibung für grausame Folter, herbeigeführte Geständnis, liegt als Gedächtnisprotokoll vor. Dieses Protokoll ist in seiner Form einzigartig und liefert interessante Einblicke in Abelkes vermeintliche Taten und ihre angeblichen Zauberpraktiken. Man kann es im geschichtsbuch.hamburg.de nachlesen.
Es sind das Holz und die Farben, früher leuchtend grün und rot und golden, heute matter und gedämpfter, es sind die niedrige Decke und die Querbalken und auch die Bilder, die Bergedorfs St. Petri und Pauli-Kirche zu unseres Herrgotts Wohnstube machen.
Alt ist diese dörfliche Bürgerkirche, die an die Stelle einer noch älteren trat. Über deren Abbruch berichtet eine Abrechnung aus dem Jahre 1499. Nicht moderne Kühle, sondern anheimelnde Stille empfängt den Besucher. Eine Fülle von Bildern erzählen wie ein biblisches Lesebuch und ein buntes Buch der Geschichte. Von den Altar- und Emporebildern – „biblia pauperum“, die Bibel der Armen genannt – hielt Martin Luther viel. Von der Bilderstürmerei hielt er nichts.
Wenige Schritte von der Tür des Brauthauses, jenes besonderen Vorbaus, entfernt steht die Kanzel aus dem Jahre 1586. Magdalena von Stitten des derzeitigen Amtmannes Frantz von Stitten Gattin, hat sie gestiftet. Auf solcher Kanzel unter dem Schalldeckel und plattdeutschen Bibelsprüchen und lateinischer Widmung, den der Lübecker Ratsherr Gerd Grantzin, von 1596 bis 1602 Amtmann in Bergedorf, schenkte, macht sich der Prediger im hamburgischen Ornat mit der spanischen Krause besonders feierlich. Diese Kanzel hat Hamburgs einstiger Denkmalpfleger Professor Stettiner als eine der schönsten im norddeutschen Raum bezeichnet.
Die schöne genschnitzte Kanzel zeigt hier Kreuzigung und Auferstehung
Unter den mehr oder minder großen Epitaphien und Ölbildern fällt ein bescheidenes in einfachem Rahmen auf. Es ist das Bild des ersten evangelischen Bergedorfer Predigers, der hier wohl am Ende des Jahres 1543 seine Amtstätigkeit begann und fast 50 Jahre blieb. Verstaubt hatte es auf dem Kirchenboden gelegen. Die Kunst des Restaurators machte die Züge von Andreas Falckenberg wieder erkennbar. Es waren gewiss ehrwürdige Herren und Prediger von Gottes Wort, auch der geistvolle Johann Ludwig Schlosser, dessen Streit mit dem Hauptpastor Johann Melchior Goeze an St. Katharinen über die Frage, ob ein Pastor Theaterstücke schreiben dürfe, über Bergdorfs, ja Hamburgs Grenzen bekannt wurde. Einem Schiedsrichter ähnlich soll Gotthold Ephraim Lessing auf die Frage: „Darf ein Prediger Komödien machen? “ geantwortet haben: „Warum nicht, wenn er kann “ – und auf die andere: „Und darf ein Komödienschreiber Predigten machen“ – „Warum nicht, wenn er will.“
Jedenfalls füllte der berühmt gewordene Bergedorfer Pastor seine Kirche, so dass Klappsitze angebracht werden mussten. Wer aber die Sanduhr – vier geteilt – an der linken Seite der Kanzelwand mit der fröhlichen Bemerkung, „noch ein Gläschen, liebe Gemeinde“ umdrehte, wenn die Gemeinde das Amen vermutete, steht nicht fest. Viele Jahre später saß unter der Kanzel auf der Bank an der Treppe, die zur Kanzel heraufführte, ein fleißiger Gottesdienstbesucher, der es mit anderen Gläschen, Gläsern und Flaschen zu tun hatte. Es war ein Gastwirt. Er hieß Land. Weil das Wort des Propheten Jeremia über dem Platz auf der Bank geschrieben stand: „O Land, Land, höre des Herrn Wort“, nahm er diesen Platz so ganz persönlich für sich in Anspruch.
Die Kanzel und der Amts- oder Landherrenstuhl mit dem Hamburger Staatswappen flankieren den Chorraum, in dessen Mitte „die Taufe“ aufgestellt wird. Ihre beiden Getäfelstücke aus dem 16. Jahrhundert haben eine besondere Geschichte. Sie sollten einst die Kanzeltür gebildet haben, die Pastor Halske, von 1815 bis 1848 im Amt, als unbequem empfand. Darum ließ er sie entfernen. Der damalige Prokurator Meyns hat sie dadurch gerettet, dass er sie mit nach Hause nahm und als Ziertüren eines Schrankes einbauen ließ. Erben in des Prokurators Familie gaben sie dem Pfarramt zurück.
Wieder einmal zogen die Kinder am Dienstag und Mittwoch nach Rosenmontag durch die Straßen in Ochsenwerder und Kirchwerder. Manche in originellen Faschingskostümen, andere lieber unauffällig, alle aber ausgestattet mit Leinenbeutel, Holzhammer oder Holzlöffel, um an die Türen der Häuser zu klopfen. An manchen Schulen wurden die Löffel im Werkunterricht selbst hergestellt. Dieser traditionelle Fastnachtsbrauch folgt alljährlich einer festen Choreographie. Geklopft wird nur an Haustüren, vor denen Holzkisten oder Bretter auf die kleinen Klopfer warten. Nur hier können die Kinder ganz sicher sein, dass sich hinter diesen Türen Menschen auf sie freuen und nette Naschereien für sie bereithalten. Bereits während des Klopfens singen sie das traditionelle Lied: „Hammer, Hammer-Hü, giff mi`n lütje Klü! Lot mi nich to lange stahn, ick mutt noch een Hus wieder gahn! Een Hus wieder, wohnt de Snieder, een Hus achter wohnt de Slachter, een Hus in de Mitt, wohnt de (olle) Smitt. Een Hus am Enn, dor giiff dat`nen Pinn!“
Bis in die 1960er-Jahren gingen die Kinder ohne Klopfgerät von Haus zu Haus. Damals traf man in den meisten Häusern jemanden an. Wenn sich die Leute trotz lustigem Gesang nicht blicken ließen, gab es eine erboste letzte Zeile: „Witten, Tweern, swatten Tweern, disse Olsch, de gifft nich geern!“ Der Hausherr kam ungeschoren davon, er war ja bei der Arbeit.
Bis in die 1990er Jahre galt als krönender Abschluss am Donnerstagnachmittag die „Hammer-Hü-Party“ in Rieges Gasthof in Ochsenwerder, veranstaltet vom Gesangsverein Edelweiß.
Immer wieder im Frühjahr lädt die Hamburgische Kulturstiftung zur Überraschungsgala ins Hansa Theater am Steindamm ein. In einem vielseitigen Programm präsentieren sich ausgewählte Förderprojekte der Stiftung. Gezeigt werden sowohl Ausschnitte aus Projekten junger Künstlerinnen und Künstler als auch der Kinder- und Jugendkultur. Vom Poetry Slam und musikalischen Acts, von Breakdance-Einlagen bis zum Kurzfim – das Programm macht die Bandbreite der Förderung durch die Hamburgische Kulturstiftung anschaulich. Und ist jedes Jahr voller Überraschungen.
Umfangreiche Vorbereitungen mit großartigem Ergebnis
Wie in den vergangenen Jahren war Bergedorf wieder mit einem Kurzfilm vertreten, und so gehörten auch an diesem Abend Regine Uhlig, Ute Klapschuweit und Sabine Erler sowie Regisseur und Filmemacher Paul Uhlig zu den Gästen. Unter ihrer Anleitung hatten die Kinder aus der Flüchtlings-Unterkunft an der Brookkehre in wochenlanger Arbeit gebastelt, angemalt, geklebt. Und auch die Texte, von Paul Uhlig geschrieben, präsentierten sie mit Charme, Witz und viel schauspielerischem Talent. Bei der Vorführung wurde jedenfalls viel gelacht und applaudiert.
Seit 1997 gibt es die Bergedorfer Tafel und den Suppentopf
Wer hat sie nicht schon gesehen, die langen Schlangen von Menschen in der Schlossstraße am Gemeindehaus von St. Petri und Pauli? Manche stehen dort schon Stunden, bevor die Bergedorfer Tafel öffnet und Nummern verteilt werden, damit alle der Reihenfolge nach gespendete Lebensmittel in Empfang nehmen können – Brot, Brötchen, Kuchen, Joghurt, Obst und Gemüse und je nach Tagesangebot manches andere liegen dann zum kostenlosen Abholen bereit. Das alles ist in unserem Land reichlich vorhanden, aber 20 Prozent aller Lebensmittel werden weggeworfen. Dabei gibt es in Hamburg viele Menschen, die nicht genug zu essen haben, ein Drittel davon sind Kinder und Jugendliche.
Allerdings muss auch sichergestellt werden, dass dies Angebot nicht missbraucht wird, und daher gibt es eine Voraussetzung: „Bringen Sie uns eine Kopie Ihres Ausweises, ein Passfoto und ein amtliches Schriftstück, aus dem hervorgeht, dass Sie bedürftig sind. Erhalten Sie ALG II, ist das der Bescheid des Jobcenters. Haben Sie ein anderes geringes Einkommen (z.B. Rente, Lohn, Gehalt, Leistungen der Grundsicherung), bringen Sie bitte auch darüber einen Bescheid mit. Danach erhalten Sie von uns einen Abholausweis.“
Sie essen gerne Fisch und möchten einmal etwas Neues ausprobieren? Bei uns quasi vor der Haustür aus der Elbe kommend? In geschrotetem Roggenmehl gewendet und mit Butter und Speck in der Pfanne goldbraun gebraten, serviert mit Bratkartoffeln oder warmen Kartoffelsalat und Gurkensalat? Dann dürften die Monate Februar und März etwas für Sie bereithalten, was für viele Fischliebhaber mittlerweile eine Delikatesse ist: Stint. Und auch für den Stint gilt, wie bei anderen Dingen des täglichen Lebens, entweder man mag ihn oder man mag ihn nicht.
Meine erste Berührung mit Stint war vor Jahren die gutgemeinte Frage an meinen Schwiegervater, ein alteingesessener Vierländer, ob wir mit der Familie einmal Stint essen gehen wollen. Wurde ja in fast allen Restaurants in der Region angepriesen. Den Blick und die Antwort werde ich nicht vergessen. „Dat kann man neet eten, dat smeckt nich. Dat hebbt wi froher de Schwene und Hühner zum fodern geven“, war seine lapidare Antwort. Der muss ja lecker schmecken, dachte ich mir. Meine Frau hingegen bekam leuchtende Augen und sagte: Stint ist eine Delikatesse, den musst du unbedingt probieren. Jetzt wollte ich es natürlich genauer wissen, bevor ich als vermeintlicher Testesser vor einem Überraschungsteller saß und letztendlich von einer Currywurst träumte.
Dankeschön, das werden wir beim nächsten Mal so machen.