Aus der Region, Damals war's

Damals in Bergedorf

Eine Tafel erzählt

Beitrag: Jürgen Sakuth

Neben der St. Petri-und Pauli-Kirche hängt am jetzigen Küsterhaus mit dem runden Turm eine alte, ein wenig verwitterte, aber noch gut lesbare Tafel.

In diesem Hause, das damals nicht den runden Turm als Anbau hatte, wohnte einst mit seiner Frau Abel Christine der Organist Peter Hasse, Sonntag um Sonntag sitzt er an der Orgel, die sich einst die Bergedorfer im Jahre 1593 für gar nicht billiges Geld hatten aufnötigen lassen. Schon Paul Harders, sein Vorgänger, hatte das alte Positiv aus der Klosterkirche St. Johannes Hamburg nicht gut beurteilt: „dass sie in allen Stimmen falsch war und sonderlich von den Bälgen keinen beständigen Wind geben konnte und dass sie in den siebzehn Jahren nicht durchgestimmt und gebessert war, deretwegen die besten und stärksten Stimmen stille stünden und nicht mehr gebraucht werden könnten“.

Hassehaus

Aber die 104 Hausbesitzer, 36 Budenbesitzer und 56 Mietsleute, die das alte Positiv voller Stolz gekauft hatten, waren froh, aus der berühmten Johanneskirche in der großen Stadt das Instrument zu besitzen.

Weiterlesen „Damals in Bergedorf“
Aus der Region

Ein Jude auf der Kanzel

Beitrag: Boike Jacobs

Die geschnitzte und bunt bemalte Kanzel hatte es mir gleich angetan, als ich Bergedorfs Kirche St. Petri und Pauli zum ersten Mal betrat. Herrlich, wie Jesu Füße bei seiner Himmelfahrt noch aus dem goldenen Gewand hängen, als er schon fast in den Wolken verschwunden ist. Zwei Schritte weiter, ebenfalls geschnitzt und in starken Farben, die Auferstehung. Um die Grabplatte sitzen drei erschrockene Männer und im Hintergrund … Ich traue meinen Augen nicht. Da hockt ein Jude und starrt ins Leere. Ein Jude? Nun, er ist deutlich zu erkennen an Judenhut und Bündel, das er an einem Stab über der Schulter trägt. Der ewige Jude in St. Petri und Pauli, nicht irgendwo versteckt, sondern auf der Kanzel ganz nahe beim Auferstandenen. Wie ist das möglich, da zu dieser Zeit weder in Bergedorf noch in den Vier- und Marschlanden Juden lebten.

Erst nach langem Suchen werde ich in der Schrift „Wunderbarlicher Bericht von einem Juden Ahasvero“ fündig, in der es heißt: „Unter den vielen und großen Vorzügen, die Hamburg vor andern Städten genießt, ist einer von allen Lobrednern unserer Vaterstadt stets übersehen: dass Ahasverus, der ewige Jude, dessen Umherirren im Morgenlande zwar längst bekannt gewesen sein mag, im Abendlande zu allererst in Hamburg aufgetreten ist.“ Und dies ist die Geschichte, die mit vielen Ausschmückungen erzählt wird:

Weiterlesen „Ein Jude auf der Kanzel“
Aus der Region

Welttag des Buches 2026

1,1 Millionen Bücher kostenlos für Schüler*innen in Deutschland

Beitrag: Thomas Schmidt

Sie haben richtig gelesen. Im Rahmen des Welttags des Buches werden noch bis zum 31. Mai ca. 1,1 Millionen Bücher kostenlos an Schüler*innen der 4. und 5. Klassen sowie Förder-/ Willkommens-Klassen in Deutschland verteilt. Es handelt sich hier um eine deutschlandweite Leseförderungskampagne, die ihresgleichen sucht und besonders im digitalen Zeitalter das Buch bzw. Lesen für Jugendliche in den Mittelpunkt stellt.

Unter dem Motto „Ich schenk dir eine Geschichte“ werden seit 1995 eigens für diese Aktion Bücher explizit für die Zielgruppe der Schüler*innen entwickelt, geschrieben und illustriert. Thematisch immer aktuell am Zeitgeschehen, so dass man möglichst viele Jugendliche inhaltlich abholt. In diesem Jahr handelt es sich um einen Comicroman mit dem Titel „Der fliegende Klassenscooter“. Die Autoren sind Andreas Hüging und Angelika Niestrath, für die Illustration verantwortlich ist Timo Grubing. Alle drei sind in der Jugendbuch-Szene anerkannt und erfolgreich. Natürlich habe ich das Buch gelesen und muss gestehen, dass ich es trotz meines hohen Alters sehr unterhaltsam finde und es in einem durchgelesen habe. Die drei Protagonisten, die am Anfang des Buches vorgestellt werden, können unterschiedlicher nicht sein, ergänzen sich aber hervorragend und stehen stellvertretend für die Schüler*innen von heute. Das Abenteuer, dass sie erleben, beginnt mit einer herben Enttäuschung bei einem Wettbewerb in dem Fach Naturwissenschaften und Technik, das alle drei grausam finden. Ihre vorgestellte Erfindung im Rahmen dieses Wettbewerbs bringt sie aber durch einen Zufall in das Jahr 2176, und dieses Abenteuer veränderte alles. Die NaWi-Nieten waren plötzlich in der Klasse in den Fächern Physik, Chemie und Biologie ganz weit vorne und entwickelten ihre erste eigene Erfindung. Diese kurze Zusammenfassung gibt den Inhalt des Buches nur bedingt wieder, es selber zu lesen oder es Ihren Kindern zu geben, lohnt sich mit Sicherheit.

Weiterlesen „Welttag des Buches 2026“
Aus der Region, Veranstaltungen

Termine Mai

Beitrag: Jürgen Sakuth

Tipps aus der Redaktion

WannThemaWo


Mo, 04.05
19 Uhr 30




Filmvorführung :
Die Ältern

Deutscher Spielfilm von
Sönke Wortmann

Sachsenwald-Forum

Hamburger Straße 8
Reinbek
Eintrittspreis 8 Euro
Online-Vorverkauf:
http://www.kultur-reinbek.de
Mi, 06.05.
19 Uhr

Vortrag:
Bürgermeister informiert über Olympia-Konzept

Peter Tschentscher vor Ort



KörberHaus

Raum 213/214




Sa, 23.05.
19 bis 21 Uhr 30
Konzert:
Bergedorfer Musiktage

Mozart-Abend im Schloss




Bergedorfer Schloss





Eintritt: 30 Euro
Do, 28.05.
19 bis 21 Uhr 30
Gespräch:
Länger gesund leben

Was hilft wirklich?




KörberHaus

Anmeldung ab 14. Mai

Stand: 30. April

Aus der Region

Jesus aus den Vier- und Marschlanden

Beitrag: Boike Jacobs

Da hängt er am Kreuz, bleich und abgemagert, wie wir Jesus aus unzähligen Darstellungen kennen. Aber siehe da, schon ein Bild weiter steigt er aus dem Grab in ganz anderer Gestalt: ein Heiland, stämmig und tatkräftig, als sei er nicht als Gottessohn in Bethlehem, sondern als Bauernsohn in Kirchwerder zur Welt gekommen. Das hat mich bei meinem ersten Gang durch die Bergedorfer Kirche St. Petri und Pauli gleich für ihn eingenommen. Und dann erst die geschnitzte Himmelfahrt an der Kanzel. Fast ist er schon verschwunden in den dicht geballten Haufenwolken, der Glanz seines Mantelsaumes lässt auch die Gewänder der acht staunenden Jünger in goldenem Licht erstrahlen. Aber was ist das Schönste an dieser Darstellung? Natürlich, es sind die nackten rosa Füße des Erlösers, die sichtbar machen, dass er nicht nur als wahrer Gott, sondern auch als wahrer Mensch in diese Welt kam.

Weiterlesen „Jesus aus den Vier- und Marschlanden“
Aus der Region, Damals war's

Damals in Bergedorf

Bergedorfer Briefmarken

Beitrag: Jürgen Sakuth

Es gab einmal eine „Beiderstädtische Schiffspost“. Allerdings nur kurze Zeit im Sommer 1865. „Flora“ hieß der Dampfer mit Schaufelrad. Mit Schaufelrad, damit die Dove Elbe, wenn er in ihr entlangschipperte, durch Wellengang nicht überlief.

Morgens ging es mit dem Kondukteur an Bord von Curslack nach Hamburg und abends zurück, immer nach der jeweiligen Tide sich richtend. Für die weitere Beförderung sorgten dann die Landpostboten. Seit 1846 gab es die „Bergedorfer Landpost“,deren Einrichtung wohl auf den aktiven Bergedorfer Stadtschreibergehilfen Johann Heinrich Reppenhagen zurückgeht. Vorher hatten Bierfahrer und Brotkutscher gelegentlich die Post mitgenommen.

Für die offizielle „Bergedorfer Amtspost“ war der Königliche Postverwalter Franz Wilhelm Ludwig Paalzour zuständig. Durch diese „Bergedorfer Amtspost“ wurde die Privatpost zwischen Bergedorf und Hamburg befördert.

Vom 1. November 1861 bis 31. Dezember 1867 hatte Bergedorf eigene Briefmarken. Es gab hellblaue und dunkelbaue 1/2 Schilling-, weiße 1 Schilling-, gelbe 1 1/2 Schiling-,blau auf rosafarbene 3 Schilling- und braune 4 Schillingmarken.

Sie unterschieden sich nicht nur in der Farbe, sondern auch in der Größe und hatten alle, eben als beiderstädtische Marken, als Motiv einen halben Lubischen Adler und ein halbes Hamburger Tor – je die Hälfte von den beiden Hansestädten. Darum standen, über die vier inneren Ecken verteilt, die Buchstaben eingraviert LH PA. Das hieß Lübeck-Hamburger Postamt.

Weiterlesen „Damals in Bergedorf“
Aus der Region

Der Rest vom Fest

Beitrag: Sabine Ziesmer

Ich bin mitten in der Stadt aufgewachsen. Mit Ostern verbinde ich ganz eigene Rituale, die auch großstädtisch geprägt waren. Ostereier habe ich in unserer großen Altbauwohnung und auf dem Balkon gesucht. Der Osterspaziergang führte uns durch „Planten un Blomen“. Das Essen war gut und reichlich, die Oma kam zu Besuch und es gab Hefezopf und Kaffee am Nachmittag. Dass ich völlig unabhängig vom Wetter Ostern noch keine Kniestrümpfe anziehen durfte, fällt mir beim Nachdenken über Rituale immer zuerst ein. So lief ich in manchen Jahren in kratzender Strumpfhose durch den sommerlichen Park und sehnte Pfingsten herbei, den Tag, an dem die Strumpfhosen in der Kommode bleiben durften. Kirchgang war bei uns unüblich, ein Osterfeuer gab es in der Stadt natürlich nicht.

Als ich in die Vier- und Marschlande zog, passte ich die Osterrituale schnell an. Ich erklärte meiner Tochter die Bedeutung des Festes und der Fastenzeit. Ich verzichtete auf Alkohol, und gemeinsam stellten wir das Naschen ein. Wir blätterten in der Kinderbibel und forschten zu Hase, Osterei und Osterfeuer. Wir suchten die Ostereier nun im großen Garten, meistens bei norddeutschem Nieselregen. Genau dieses Schmuddelwetter schmälerte nicht selten die Freude am großen Osterfeuer an der Elbe oder im eigenen Garten. Unerschütterlich bereiteten wir uns dennoch rechtzeitig vor, im Kleinen wie im Großen. Es ist ja allgemein bekannt, dass Osterfeuer eine lange Tradition haben. Die alten Ägypter versuchten mit großen Feuern die Sonne auf die Erde zu locken, um den Winter zu vertreiben. Die Christen nutzten das Feuer, um daran die Osterkerze zu entzünden, die in die dunkle Kirche getragen wurde. Sie symbolisiert Christus als Licht der Welt.

Weiterlesen „Der Rest vom Fest“
Aus der Region, Veranstaltungen

Termine April

Beitrag: Jürgen Sakuth

Tipps aus der Redaktion

WannThemaWo
Fr, 10. April
19 Uhr 30
Swingkonzert:
S‘Wonderful – Celebrating George Gershwin
Bergedorfer Schloss

Eintritt 16 Euro

Karten im Vorverkauf am Schloss, online oder an der Abendkasse
Mo, 13. April
19 Uhr 30




Filmvorführung :
Ein Kuchen für den Präsidenten

Spielfilm aus dem Irak

Sachsenwald-Forum

Hamburger Straße 8
Reinbek
Eintrittspreis 8 Euro
Online-Vorverkauf:
http://www.kultur-reinbek.de
Di, 14. April
19 Uhr

Diskussion:
Zu alt oder unersetzlich?
Berufstätige Frauen 50+


KörberHaus




Anmeldung ab 31. März
Di, 28. April
19 Uhr
Gespräch:
Alt genug, um jung zu bleiben

mit Dieter Bednarz


KörberHaus





Anmeldung ab 14.April
Mi, 29. April
19 Uhr
Gespräch:
Die Vertrauensfrage: Wenn Politik die Menschen verliert




KörberHaus

Stand: 29. März

Aus der Region

Bettler im öffentlichen Nahverkehr

Beitrag: Jürgen Sakuth

Photo by Wolfgang Weiser on Pexels.com

Wir hatten den ganzen Tag auf unsere kleinen Enkelinnen aufgepasst. Das war schön, aber auch sehr anstrengend. Am Abend wollten wir nur nach Hause, um uns auszuruhen.

Auf dem Bahnsteig Stadthausbrücke waren wir fast allein, als wir von einem aus unserer Sicht jungen Bettler (25 bis 30 Jahre) angesprochen wurden. Er bräuchte dringend Geld, weil er in einer Notlage ist. Er war sehr schmutzig und stank.

Meine Frau sagte ihm, dass wir ihm nichts geben. Daraufhin wurde er aggressiv: Wir sollten ihm das laut und deutlich ins Gesicht sagen und nicht so leise und verschämt. Sowas erlebt er immer wieder und „das gehe ihm auf den Senkel“. Er sprach weiter auf uns ein.

Wir fühlten uns stark belästigt und wussten nicht, wie wir mit der Situation umgehen sollten.

Ich bin über 40 Jahre täglich meist mit der Linie S3 aus dem Süden Hamburgs zur Arbeit gefahren, die als problematische Strecke gilt und habe während dieser Zeit nie Bettler erlebt außer zweifelhaften Musikdarbietungen mit anschließenden Geldwünschen.

Nach meinem persönlichen Empfinden nimmt die Zahl der Bettler im Moment stark zu. Ich gebe nichts, damit es nicht noch mehr werden, und ich glaube auch, dass man diesen Menschen mit ihren Drogenproblemen mittel- und langfristig durch monetäre Zuwendungen nicht hilft.

Mich würde interessieren, ob unsere Leser solche Situationen auch schon erlebt haben. Vielleicht haben Sie Tipps, wie man damit umgeht.

Aus der Region, Humorvolles

Stadt oder Dorf?

Beitrag: Jürgen Sakuth

Unsere kleinen Enkelinnen aus der Hamburger Neustadt sind zu Besuch bei Oma und Opa in Bergedorf.

Sie streiten sich darüber, ob sie hier noch in der Stadt oder in einem Dorf sind.

Die Jüngste hat schließlich die Lösung, die alle überzeugt.

“Das ist doch klar. Wie der Name schon sagt:

Bergedorf“.

Foto: Jürgen Sakuth