Aus der Region, Damals war's

Damals in Bergedorf

Schulen in der Stadt

Beitrag: Jürgen Sakuth

Fast 400 Jahre ist die „Stadtschule“ alt. Sie hat prächtige Lehrer gehabt: Unter ihnen blieb einer ganz besonders in Erinnerung. Das war der Rektor und Kantor Georg Friedrich Ritter, auch Kandidat der Theologie. Zu seinem 100. Geburtstag wurde eine Gedenktafel angebracht, und ehemalige Schüler stifteten ein Erinnerungsblatt mit seinem Bild und dem von zwei anderen Lehrern. Rektor Ritter gründete die Bergedorfer Liedertafel im Jahre 1838, zog mit ihr auf das Norddeutsche Sängerfest in Lübeck. Zum ersten Mal und in aller Öffentlichkeit erklang hier das Deutschlandlied. Hoffmann von Fallersleben, der es dichtete, war ein Jugendfreund Ritters. Er besuchte den Bergedorfer Freund, als er sich im Kurheim „Bellevue“ zur Erholung aufhielt.

Wo einst dieses Kurheim stand, am Rande des Bergedorfer Gehölzes, wurde 1931 das neue Gebäude der Luisenschule, von Professor Schumacher geplant, in seiner Gegenwart eingeweiht. Der Bronzegruß von Rex, ein Vierländer Tanzpaar, 1931 aufgestellt, könnte die jungen Leute, die hier nicht gerade in ein Kurheim, aber in eine Schule gehen, beschwingen.

Die private Initiative, aus der dieses Lyzeum entstand, liegt viele Jahre zurück. Im Jahre 1888 gründeten Erna Martens und Mathilde Hipp eine höhere Mädchenschule. Die Lehrpläne waren für damalige Zeiten fortschrittlich, und „beim Turnen durfte kein Korsett getragen werden. “ Bei aller Ordnung also keine Enge.



Heute gehen Mädchen und Jungen in dieses frühere Mädchenlyzeum. Auch in der Hansaschule, humanistischem Gymnasium und Oberrealschule, ist es nicht anders. Als die Doppelanstalt das neue Schulgebäude in der Hermann-Distel-Straße bezog, war Professor Dr. Ferdinand Ohly der Direktor – ein hochangesehener Mann, von seinen alten Schülern nicht vergessen. Die Brandstiftung, die im Jahre 1969 die Aula zerstörte, hätte in seine Vorstellung von Disziplin und Respekt nicht gepasst.-

Neue Schulen entstanden, besonders im Stadtteil Lohbrügge. Alte Gebäude wurden modernisiert. Das imponierende Gebäude der Ingenieur-Schule in Lohbrügge ist ein Beispiel für neues Bauen.


Quelle: Hudemann / Daur: Bergedorf Vier- und Marschlande, Christians Verlag 1974

Humorvolles, Plattdeutsche Texte

Bi’n Dokter

Beitrag: Jürgen Sakuth

Photo by Vitaly Gariev on Pexels.com

Buer Odje Hansen ut Marxdörp geiht na de olen Landarzt Petersen ut
Groot Slamien, un de seggt: „Kiek an, Odje Hansen! Wi hebbt uns jo
al ’n lütt Ewigkeit nich mehr sehn. Wat is denn los, knippt dat enerwegens?“
Hansen kiekt den Dokter so’n beten swiensplietsch an un meent denn:
„Na, so lang is dat jo ok nich her, wat ik hier in’n Töövruum seten heff!“
Nu, wenn Dr. Petersen ok nich mehr to de ganz Jungen höör, man sein
Landpraxis weer hoochmodern utstaffeert un op’n niegsten Stand. He
tipp blots en poormal op de Tasten vun sien lesern Bregen, un denn
see he: „Söven Johr, fief Maande un twee Weken is dat her, wat se bi mi
weern!“
„Dunnerslag!“, see Odje Hansen dor, „weet se dat allens ut den verdrei-
ten Kassen dor? Dat is jo nich to glöven, wat dat vundaag allens gifft!“
Un denn fraagt de Dokter:
„Na los, Hansen, nu man rut mit de Spraak! Wat is los, woneem deit
dat weh, wat hebbt se op’n Harten, wat wüllt se weten or wat kann ik
för se doon?“
Na, eerst druckst Odje Hansen jo noch so’n lütt beten rüm. Man denn
kümmt he dormit rut:„Herr Dokter, ik wull egens blots weten,
wo oolt kann ik wull noch warrn?“
De Dokter kiekt em in’e Ogen, un denn fraagt he:„Smöökt se egens,
Hansen?“
„Nee, miendaag nich!“
„Un wo is dat mit Kööm un Beer? Nu mal ehrlich, suupt se mal so’n
Lütten un af un an villicht ok mal een mehr?“
„Nee, dat kann een nu ganz un gor nich segg’n, Herr Dokter.
Bi Familienfiern mal ’n Glas Rootwien, man sünst afsluuts gor nix, nich
een Drüppen!“
„Un wo is dat mit Sex?“
„Nee, hal’n  se mi blots op mit den Kraam. Dör bin ik mit dörch, dat is
al lang vörbi!“
Dor kann de ole Landarzt Petersen nu nich mehr an sik holen un platz
dormit rut:
„Verdammi noch mal to, Hansen, worüm to’n Düvel, wüllt se denn
egens oolt warr’n?“

Quelle: Heinrich Evers „Fleitjepiepen, Utbüxen hölpt nix!“
(Balticum Verlagsgesellschaft und Werbeagentur GmbH)

Aus der Region

Wohnen im Denkmal

Beitrag: Sabine Ziesmer

Seit 1993 findet der Tag des Denkmals bundesweit statt. Viele normalerweise nicht zugängliche Denkmale können jedes Jahr am zweiten Sonntag im September besucht werden. Mehrere Millionen Menschen nutzen diesen Aktionstag, der als deutscher Beitrag zu den europaweit stattfindenden „European Heritage Days“ gilt. Auch in den Vier- und Marschlanden konnten Baudenkmale besichtigt werden. Das Zollenspieker Fährhaus öffnete nach längerer Pause seine Türen für Rundgänge, in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme fanden Führungen statt, aber auch private Eigentümer ließen Besucher in ihre Häuser. So auch meine Freunde Andrea und Tom. Auf ihrem Mohrmannshof am Kirchwerder Elbdeich bekamen die Besucher nicht nur leckeren selbstgebackenen Kuchen, sondern auch viele interessante Einblicke in die Sanierung des Fachwerks.

Das um 1750 erbaute Wirtschaftsgebäude mit Scheune wird seit nunmehr fast fünf Jahren liebevoll instandgesetzt. Der eigentliche Mohrmannshof war ein großes Hufnerhaus direkt am Deich, das noch 1945 zerstört wurde. Obwohl das Wirtschaftsgebäude bereits 1951 für unbewohnbar erklärt worden war, war es dennoch durchgängig belebt. Die Bergedorfer Zeitung berichtete 1972 von „Verrückten“, die dort unerlaubt als Kommune wohnten. Sie schafften es tatsächlich, noch nachträglich Baugenehmigungen für den Erhalt des Hofes zu erhalten. Über die Jahrzehnte fanden sich immer wieder neue mutige Leute, die den Mohrmannshof mehr schlecht als recht am Leben hielten. In den 70er Jahren wurden viele schöne historische Gebäude abgerissen und durch die Architektur dieser Jahre ersetzt. Das Landgebiet ist voll davon.

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Geschichten und Gedichte, Plattdeutsche Texte

Droom

Beitrag: Helmut Marquardt

Photo by Kevin Malik on Pexels.com




Mi dröömt eens vun een Land,
jichtenswo up düsse Welt.
Wo Krieg kummt nich tostann
un de Minsch as Minsch noch tellt.
Wo de Haat keen Bodden finnt
un de Gier sik sülvst wegneiht.
Wo all dat Leed up’n Stutz verswinnt
un de Freeheit to all Minschen geiht.
Wo man nich een Nieder finnt
un de Minschen strieden för n’rechte Saak.
Wo de Grips sik mit Vernunft verbinnt
un de Minschen finnen dat rechte Maat.
Wo sik Woot mit Hisseree nich poort
un Twiefel, de is nich bekannt.
Hier wöör ik geern an düssen Oort,
hier wöör ik geern in düssen Land.
Aver een Land mit so een Leven,
warrt dat hier up Ier nich geven.
Denn düsse Tostänn, dat is wiss,
geev dat domals blots, in’n Paradies.

Geschichten und Gedichte

Der Oktober

Erich Kästner

Fröstelnd geht die Zeit spazieren.
Was vorüber schien, beginnt.
Chrysanthemen blühn und frieren.
Fröstelnd geht die Zeit spazieren.
Und du folgst ihr wie ein Kind.

Geh nur weiter, bleib nicht stehen.
Kehr nicht um, als sei’s zuviel.
Bis ans Ende musst du gehen,
hadre nicht in den Alleen.
Ist der Weg denn schuld am Ziel?

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Aus der Region, Veranstaltungen

Termine Oktober

Beitrag: Jürgen Sakuth

Tipps aus der Redaktion

WannThemaWo

So, 04.10.
17 Uhr


Konzert:

A Mekhaye

Klezmertänze und Jiddische Lieder
SerrahnEins

Mo, 05.10
19 Uhr 30








Programmkino :

So klingt das Leben

Spanische Tragikkomödie
Sachsenwald-Forum

Hamburger Straße 8
Reinbek
Eintrittspreis 8 Euro
Online-Vorverkauf:
http://www.kultur-reinbek.de
Sa, 10.10.
19 Uhr 30

Konzert:

Heaven Can Wait Chor

Lichtwark Theater

Eintritt 30 Euro


So, 11.10.
19 bis 21 Uhr
Konzert:

Guitarras A Dos
Bergedorfer Schloss

Eintritt 15 Euro
Mi, 14.10.
19 Uhr 30 Uhr
Theater:

Last Call – Letzte Runde

Bernstein und Karajan nehmen einen Drink
Lichtwark Theater

Eintritt 25 – 45 Euro
9 Uhr

Stand: 5. September

Dieses und Jenes, Veranstaltungen

„Grabe wo du stehst“

Beitrag: Sabine Ziesmer

Nach längerer Pause bot sich mir wieder die Möglichkeit, einen interessanten Vortrag im KörberHaus zu besuchen. Der Sozialphilosoph und Kulturhistoriker Roman Krznaric konfrontierte seine Zuschauer mit der Frage, welche unerwarteten Anregungen wir aus der Geschichte der letzten tausend Jahre ziehen können, um einige der größten Herausforderungen unserer Zeit anzugehen. Der Saal war bis auf den letzten Platz belegt. Der Vortrag mit dem Titel “Die Geschichte als radikale Hoffnung“ sollte in englischer Sprache gehalten werden, und ich freute mich über den Übersetzungskopfhörer. Das Publikum war im Durchschnitt deutlich unter 30 Jahre alt, da diese Veranstaltung in den Rahmen eines EU-Festivals eingebunden war.

Anhand von Beispielen aus aller Welt argumentierte Roman Krznaric, dass die Vergangenheit eine Quelle für unsere zukunftsorientierten Handlungen sein kann. Wir sind nicht nur in der Lage, aus der Vergangenheit zu lernen, wir können, darauf aufbauend, Demokratie ganz neu denken, den Toleranzbegriff erweitern und soziale Bewegungen stärken. Menschliche Zivilisationen haben uns bereits vorgelebt, wie sie wichtige Herausforderungen des politischen, wirtschaftlichen und sozialen Lebens lösen konnten. Dieses Potential der Geschichte nicht zu nutzen ist fahrlässig und gefährlich in Hinblick auf die Gestaltung unserer Zukunft.

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Aus der Region

Steckerlfischfiasko oder Chérie, ich komme

Beitrag: Jürgen Sakuth

Photo by cottonbro studio on Pexels.com

Popcorn stand schon auf den Tischen. Dazu ein leckerer Sommersalat. Am Montagabend war es wieder so weit. Filmauswahl für das kommende Quartal.

Wir sind Ehrenamtliche vom Filmring-Reinbek. Vorher hatte jeder Filmring-Teamer je drei Vorschläge eingereicht. Dazu kamen die Zuschauerwünsche. 38 Filme für drei Filmabende standen zur Auswahl.

Der gemeinsame Abend begann aber mit einem überraschenden Anruf vom Augustinum Aumühle. „Wo bleibt ihr denn? Wir hatten doch vereinbart, dass ihr bei uns Maria Callas zeigt.“ Zu diesem Termin gab es bei uns eine abweichende Erinnerung. Trotzdem fuhr ein Filmring-Teammitglied sofort nach Aumühle, um den Film dort vorzuführen.

Weiter zur Filmauswahl für das Sachsenwald-Forum. Zunächst wurden die Filme aussortiert, die nicht unseren Kriterien entsprechen: Gesamtlänge höchstens zwei Stunden, FSK-Altersbegrenzung nicht höher als 12 Jahre und zum Zeitpunkt unserer Vorführung noch kein DVD-Verkauf bzw. Streaming. Jetzt blieben noch 30 Film übrig, deren Trailer wir uns gemeinsam ansehen wollten. In diesem Quartal waren viele Filme so gut, dass uns die Auswahl sehr schwer fiel. Wir sind im Moment 16 Mitglieder im Filmring. Natürlich treffen hier unterschiedliche Meinungen aufeinander, aber eine einvernehmliche Einigung gab es bisher immer. Ich erinnere mich an folgende Aussagen an diesem Abend:
„Charly Hübner geht immer“
„Adams Acht spielt in unserer Region in Ratzeburg, der Film ist eigentlich gesetzt“
„Jede gute Komödie enthält auch einen Schuss Tragik.“
„Die Eberhofer-Krimis sind eine Klasse für sich.“
„Nicht schon wieder eine romantische Komödie mit schönen Bildern aus Italien.“

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Humorvolles, Plattdeutsche Texte

Rechtschrieven

Beitrag: Jürgen Sakuth

As ik in’e Mitt vun de föfftiger Johren op de Middelschool vun Niestadt in Holsteen to School güng, wörr uns anbaden, friewillig Kortschrift to lehren.

Nu wull ik jo keen Stenotypist warrn, man ik heff domals al dacht, veel weten un doon künnen, dat kann seker nich schaden.

Ünnerrichten dee uns en Schoolmeester Nissen, de vörher in Merkendörp in’e Dörpsschool sien Deenst maakt harr. Vun de Kortschrift heff ik schier gor nix behol’n. Vergeten heff ik aver nich en Geschicht vun sien Dörpsschool, de Herr Nissen uns vertellt hett:

De lütte Hannes weer blots mit de plattdüütsche Spraak opwussen. Hoochdüütsch harr he eerst, as ok vele anner Kinner ut dat Dörp, in’e School lehrt. Dorum stünn he mit de hoochdüütsche Grammatik jümmers noch so’n beten op Kriegsfoot. To’n Bispill schreev he jümmers „Ich habe geschreibt“ staats „Ich habe geschrieben“.

Herr Nissen harr em dat nu al so faken Mal to verkloren versöcht, man Hannes wull un wull dat nich begriepen. Nu weer bi den Schoolmeester dat Maat bilütten vull, un Hannes müss nasitten. He sull to Straaf hunnert Mal opschrieven: „Ich habe geschrieben“.

Meist twee Stünnen weern vergahn, as den Lehrer infull, dat de lütt Hannes jo noch in de Schoolklass nasitten dee. Flink leep he in den Klassenruum, man wokeen nich dor weer, dat weer Hannes.

Aver op dat Pult leeg en Zeddel. Dor harr Hannes ropschreven: „Ich habe hundertmal ‚Ich habe geschrieben‘ geschreibt, un denn bün ik tohuus gahn!“

Quelle: Heinrich Evers „Fleitjepiepen, Utbüxen hölpt nix!“
(Balticum Verlagsgesellschaft und Werbeagentur GmbH)
Illustration: Elke Grotelüschen

Geschichten und Gedichte, Humorvolles

Nicht gesund

Beitrag: Helmut Marquardt

Photo by Lakhinandan Borah on Pexels.com

Der Mensch verspürt in seinem Gesicht,
links unten einen Schmerz, der sticht.
Da ist etwas, was nicht gesund,
deshalb geht er der Sache auf den Grund.
Und nach der vorläufigen Prognose,
stellt er dann folgende Diagnose:
Der ihm den Schmerz hier angetan,
das ist sein linker Backenzahn.
Auch für die Backe selbst jetzt gilt,
sie kennt nur einen Weg, sie schwillt.
Damit diese fiesen Beschwerden,
jetzt nicht noch schlimmer werden,
geht er zum Dentisten um die Ecke,
der das Übel möge bringen zur Strecke.
Der untersucht den Fall etwas genauer
(sein Finger riecht ein wenig sauer)
Die Spritze ja, die müsst schon sein,
sonst wird sie doch zu groß, die Pein.
Dann er das Übel an der Wurzel packt
und zieht den Zahn, der nicht intakt.
Zu Hause dann nach ein zwei Stunden,
die Betäubung sie ist längst verschwunden,
ist die Backe immer noch geschwollen
und die Schmerzen auch nicht enden wollen.
Ein Blick in den Spiegel bringt ihm Klarheit
und was er sieht, ist bittre Wahrheit.
Da hat doch dieser der Dr. dent.,
den er hier nicht beim Namen nennt
und das ist wirklich ungelogen,
ihm den falschen Zahn gezogen.