Wieder einmal zogen die Kinder am Dienstag und Mittwoch nach Rosenmontag durch die Straßen in Ochsenwerder und Kirchwerder. Manche in originellen Faschingskostümen, andere lieber unauffällig, alle aber ausgestattet mit Leinenbeutel, Holzhammer oder Holzlöffel, um an die Türen der Häuser zu klopfen. An manchen Schulen wurden die Löffel im Werkunterricht selbst hergestellt. Dieser traditionelle Fastnachtsbrauch folgt alljährlich einer festen Choreographie. Geklopft wird nur an Haustüren, vor denen Holzkisten oder Bretter auf die kleinen Klopfer warten. Nur hier können die Kinder ganz sicher sein, dass sich hinter diesen Türen Menschen auf sie freuen und nette Naschereien für sie bereithalten. Bereits während des Klopfens singen sie das traditionelle Lied: „Hammer, Hammer-Hü, giff mi`n lütje Klü! Lot mi nich to lange stahn, ick mutt noch een Hus wieder gahn! Een Hus wieder, wohnt de Snieder, een Hus achter wohnt de Slachter, een Hus in de Mitt, wohnt de (olle) Smitt. Een Hus am Enn, dor giiff dat`nen Pinn!“
Bis in die 1960er-Jahren gingen die Kinder ohne Klopfgerät von Haus zu Haus. Damals traf man in den meisten Häusern jemanden an. Wenn sich die Leute trotz lustigem Gesang nicht blicken ließen, gab es eine erboste letzte Zeile: „Witten, Tweern, swatten Tweern, disse Olsch, de gifft nich geern!“ Der Hausherr kam ungeschoren davon, er war ja bei der Arbeit.
Bis in die 1990er Jahre galt als krönender Abschluss am Donnerstagnachmittag die „Hammer-Hü-Party“ in Rieges Gasthof in Ochsenwerder, veranstaltet vom Gesangsverein Edelweiß.
Immer wieder im Frühjahr lädt die Hamburgische Kulturstiftung zur Überraschungsgala ins Hansa Theater am Steindamm ein. In einem vielseitigen Programm präsentieren sich ausgewählte Förderprojekte der Stiftung. Gezeigt werden sowohl Ausschnitte aus Projekten junger Künstlerinnen und Künstler als auch der Kinder- und Jugendkultur. Vom Poetry Slam und musikalischen Acts, von Breakdance-Einlagen bis zum Kurzfim – das Programm macht die Bandbreite der Förderung durch die Hamburgische Kulturstiftung anschaulich. Und ist jedes Jahr voller Überraschungen.
Umfangreiche Vorbereitungen mit großartigem Ergebnis
Wie in den vergangenen Jahren war Bergedorf wieder mit einem Kurzfilm vertreten, und so gehörten auch an diesem Abend Regine Uhlig, Ute Klapschuweit und Sabine Erler sowie Regisseur und Filmemacher Paul Uhlig zu den Gästen. Unter ihrer Anleitung hatten die Kinder aus der Flüchtlings-Unterkunft an der Brookkehre in wochenlanger Arbeit gebastelt, angemalt, geklebt. Und auch die Texte, von Paul Uhlig geschrieben, präsentierten sie mit Charme, Witz und viel schauspielerischem Talent. Bei der Vorführung wurde jedenfalls viel gelacht und applaudiert.
Den musikalischen Reigen eröffnen heute die Geigen. Wehe, wenn eine falsch klingt, der Ton bis zum Dirigenten gar dringt, lässt das dessen Blutdruck ansteigen.
Der Besitzer vom Cello hat einen Hund namens Bello Wenn der lässt sich kraulen, beginnt er zu jaulen, natürlich nur a ca bello.
Es klang die Trompete wie wenn ein Hahn krähte. Das kann ich viel besser rief der Trompeter kesser und die Trompete umdrehte.
Wo bleibt denn nur die Klarinette, sie doch schon längst ihren Einsatz hätte. Ein wildes Gerücht die Runde macht, dass der Klarinettist nach durchzechter Nacht liegt noch immer betrunken im fremden Bette.
Frau B. an der Harfe, das war 'ne ganz Scharfe. Wann immer sie spielte, der Hornist nach ihr schielte. Leider entsprach der nicht ihrem Bedarfe.
Ein falscher Ton der Querflöte trieb dem Flötisten ins Gesicht tiefdunkle Röte. So sehr er sich auch plagte, die Flöte das Spiel ihm versagte mit der Luft bekam er dann ganz arge Nöte.
Seit 1997 gibt es die Bergedorfer Tafel und den Suppentopf
Wer hat sie nicht schon gesehen, die langen Schlangen von Menschen in der Schlossstraße am Gemeindehaus von St. Petri und Pauli? Manche stehen dort schon Stunden, bevor die Bergedorfer Tafel öffnet und Nummern verteilt werden, damit alle der Reihenfolge nach gespendete Lebensmittel in Empfang nehmen können – Brot, Brötchen, Kuchen, Joghurt, Obst und Gemüse und je nach Tagesangebot manches andere liegen dann zum kostenlosen Abholen bereit. Das alles ist in unserem Land reichlich vorhanden, aber 20 Prozent aller Lebensmittel werden weggeworfen. Dabei gibt es in Hamburg viele Menschen, die nicht genug zu essen haben, ein Drittel davon sind Kinder und Jugendliche.
Allerdings muss auch sichergestellt werden, dass dies Angebot nicht missbraucht wird, und daher gibt es eine Voraussetzung: „Bringen Sie uns eine Kopie Ihres Ausweises, ein Passfoto und ein amtliches Schriftstück, aus dem hervorgeht, dass Sie bedürftig sind. Erhalten Sie ALG II, ist das der Bescheid des Jobcenters. Haben Sie ein anderes geringes Einkommen (z.B. Rente, Lohn, Gehalt, Leistungen der Grundsicherung), bringen Sie bitte auch darüber einen Bescheid mit. Danach erhalten Sie von uns einen Abholausweis.“
Lesestunde vorm Einschlafen. Ich sitze vorsichtig in einer Ecke des Hochbettes, das vor lauter Gewühle von Janosch hin und her geruckelt wird. Es werden Kissen drapiert, Kuscheltiere verteilt. Es dauert. Schließlich will er es ja gemütlich haben. Es knarzt und knackt. Meine Bedenken, dass irgendwann das Bett bestimmt zusammenkracht, werden mit einer empörten Bemerkung weggewischt. „Das hat Papa gebaut!“ Ja, wenn Papa es gebaut hat, können wir wühlen. Ich bin aber weiterhin vorsichtig. Schrauben könnten sich lösen zum Beispiel. Ich sag´ nichts mehr.
Endlich kann ich mit dem Vorlesen beginnen. Es wird die Lesezeit ausgehandelt. Da wird um Minuten gefeilscht.
Ich lese vor. Janosch gibt Kommentare zu einzelnen Szenen. Daran merke ich, dass er aufmerksam zuhört, obwohl er weiterhin das eine Kissen hierhin verlegt oder fast unter der Bettdecke verschwindet. Es ist schon ein ziemliches „Gewoddel“ hier oben.
Sie essen gerne Fisch und möchten einmal etwas Neues ausprobieren? Bei uns quasi vor der Haustür aus der Elbe kommend? In geschrotetem Roggenmehl gewendet und mit Butter und Speck in der Pfanne goldbraun gebraten, serviert mit Bratkartoffeln oder warmen Kartoffelsalat und Gurkensalat? Dann dürften die Monate Februar und März etwas für Sie bereithalten, was für viele Fischliebhaber mittlerweile eine Delikatesse ist: Stint. Und auch für den Stint gilt, wie bei anderen Dingen des täglichen Lebens, entweder man mag ihn oder man mag ihn nicht.
Meine erste Berührung mit Stint war vor Jahren die gutgemeinte Frage an meinen Schwiegervater, ein alteingesessener Vierländer, ob wir mit der Familie einmal Stint essen gehen wollen. Wurde ja in fast allen Restaurants in der Region angepriesen. Den Blick und die Antwort werde ich nicht vergessen. „Dat kann man neet eten, dat smeckt nich. Dat hebbt wi froher de Schwene und Hühner zum fodern geven“, war seine lapidare Antwort. Der muss ja lecker schmecken, dachte ich mir. Meine Frau hingegen bekam leuchtende Augen und sagte: Stint ist eine Delikatesse, den musst du unbedingt probieren. Jetzt wollte ich es natürlich genauer wissen, bevor ich als vermeintlicher Testesser vor einem Überraschungsteller saß und letztendlich von einer Currywurst träumte.
Katastrophe. Desaster. Drama epischen Ausmaßes. Riesenschock, so die deutschen Medien. Was ist geschehen? Wo bebt die Erde? Ist ein Vulkan ausgebrochen, reißt ein Tsunami alles nieder? Nichts dergleichen. Es geht lediglich um den Eiskunstlauf der Herren: Bei den Olympischen Spielen in Mailand zeigte der haushohe Favorit Ilia Malinin „eine Kür zum Vergessen“, bei der keiner seiner legendären Vierfach-Sprünge gelang. Im Internet hieß es: „ARD-Reporter entsetzt.“ Und die BILD-Zeitung titelte: „Der junge Gott ist abgestürzt.“
Man mag es kaum glauben, welche Ansprüche da an eine Sportart gestellt werden. Und was für ein Druck sich aufbaut in einem ehrgeizigen, talentierten 21-Jährigen, der am Ende vor den Augen der ganzen Welt sein Ziel weit verfehlte. Ein selbst gewähltes Ziel? Ein von der Gesellschaft herbei gejubeltes Ziel? Ein von den Eltern über viele Jahre gefordertes Ziel? In der wohl bislang größten Niederlage seines Sohnes wandte sich Ilia Malinins Vater demonstrativ ab – kein Trost, kein Mitgefühl.
Ein sehr schöner Artikel. Da kommen bei mir auch viele schöne Erinnerungen auf. Die Maskerade bei Riege war immer legendär.…