Geschichten und Gedichte, Humorvolles

Übertrieben

Beitrag: Helmut Marquardt

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Es gibt Geschöpfe hier auf Erden,
die sind wirklich eine Plage.
Schwierig ist es, ihrer habhaft werden,
oft ist man nicht Herr der Lage.
Eins davon ist wohl bekannt,
Flinkbuddler auch genannt.
Beim Menschen ist er recht verhasst,
denn dieses schwarze Individuum,
hat es im Garten erst mal Fuß gefasst,
gräbt dann mit Chance die ganzen Beete um.
Auch Herr B. aus Wurmelingen
wußt ein Lied davon zu singen.
Als er morgens in den Garten schaute,
seinen Augen er kaum traute.
Denn im Rasen, welcher gestern noch schön eben,
acht schwarze Hügel taten sich erheben.
Sein Gesicht, das wurde kreidebleich,
doch einen Plan hatte er sogleich.
Ihm fiel ein der Rat vom Nachbarn Klopp
nimm vom alten Fisch den Kopp,
steck ihn in die Gänge rein
und alsbald wird er verschwunden sein.
Der Buddler jedoch sich nicht drum scherte
sondern seine Haufen noch vermehrte.
Schwager Willi war mit Rat zur Stell,
füll saure Milch in seine Gänge.
Du wirst sehen blitzeschnell,
flieht er aus seiner dunklen Enge.
Man ahnt, der Buddler hat sich nicht verzogen,
die schwarze Erde hat’s ihm angetan,
er schlug sogar noch einen Bogen
und kam dann bei den Rosen an.
Herrn B.’s Geduld war jetzt am Ende,
er schnaubt, das mach ich nicht mehr mit.
Er denkt, dies Mittel bringt bestimmt die Wende.
Das Zauberwort heißt Dynamit.
Es dauert dann auch gar nicht lange
und er versenkt das Zeug im Buddlergange.

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Aus der Region

Der Rest vom Fest

Beitrag: Sabine Ziesmer

Ich bin mitten in der Stadt aufgewachsen. Mit Ostern verbinde ich ganz eigene Rituale, die auch großstädtisch geprägt waren. Ostereier habe ich in unserer großen Altbauwohnung und auf dem Balkon gesucht. Der Osterspaziergang führte uns durch „Planten un Blomen“. Das Essen war gut und reichlich, die Oma kam zu Besuch und es gab Hefezopf und Kaffee am Nachmittag. Dass ich völlig unabhängig vom Wetter Ostern noch keine Kniestrümpfe anziehen durfte, fällt mir beim Nachdenken über Rituale immer zuerst ein. So lief ich in manchen Jahren in kratzender Strumpfhose durch den sommerlichen Park und sehnte Pfingsten herbei, den Tag, an dem die Strumpfhosen in der Kommode bleiben durften. Kirchgang war bei uns unüblich, ein Osterfeuer gab es in der Stadt natürlich nicht.

Als ich in die Vier- und Marschlande zog, passte ich die Osterrituale schnell an. Ich erklärte meiner Tochter die Bedeutung des Festes und der Fastenzeit. Ich verzichtete auf Alkohol, und gemeinsam stellten wir das Naschen ein. Wir blätterten in der Kinderbibel und forschten zu Hase, Osterei und Osterfeuer. Wir suchten die Ostereier nun im großen Garten, meistens bei norddeutschem Nieselregen. Genau dieses Schmuddelwetter schmälerte nicht selten die Freude am großen Osterfeuer an der Elbe oder im eigenen Garten. Unerschütterlich bereiteten wir uns dennoch rechtzeitig vor, im Kleinen wie im Großen. Es ist ja allgemein bekannt, dass Osterfeuer eine lange Tradition haben. Die alten Ägypter versuchten mit großen Feuern die Sonne auf die Erde zu locken, um den Winter zu vertreiben. Die Christen nutzten das Feuer, um daran die Osterkerze zu entzünden, die in die dunkle Kirche getragen wurde. Sie symbolisiert Christus als Licht der Welt.

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Humorvolles, Plattdeutsche Texte

In Schapptüüch

Beitrag: Jürgen Sakuth


Fiete Matzen dröppt sien’n olen Fründ Hannes Mallmöhl op’n Markt vun Niestadt in Holsteen.
Hannes is in sien best Schapptüüch un hett ’n Rükelbusch in’e Hannen.

„Wo wullt du denn in dien Verkleden op af?“ fraagt Fiete nielig. „Dat is doch noch keen Karnevalstiet!“

„Ik tööv op’n Taxi. Ik will na Olenkremp fohren un Wilma Bruhse
fragen, wat se mien Frau warrn will!“

„Wat wullt du, Hannes? Du wisst Wilma frieg’n?
Du büst jo wull mall in’n Kopp.
Weetst du nich, wat se al wat mit all de Keerls ut Kremp hatt hett?

Dor laat blots de Finger vun. Gah man lever mit mi ’n poor Kööm un Beer drinken. Denn geiht di dat morgen villicht nich so goot, man de annern Daag aver veel beter!“

Na, Hannes lött sik flink wat vörsnacken, un se gaht tosamen to Kroog. Na veer Weken draapt sik de Twee tofällig weller. Düttmal hett aver Fiete Matzen sien’n Sünndagsantog an un ’n Blomenstruusch in de Hannen.

„Wat hett dat denn nu op sik? Du mit Blomen un in best Schapptüüch?“ fraagt Hannes.

„Dat bedüüdt, wat ik nu mit de Taxe na Kremp for un Wilma heiraden will. Ik bün bit Amt Niestadt Land west un heff mi klook maakt. So veel Mannslüüd gifft dat gor nich in Olenkremp!“

Illustration: Elke Grotelüschen

Quelle: Heinrich Evers „Dat dröfft doch mal seggt warrn!“
(Balticum Verlagsgesellschaft und Werbeagentur GmbH)

Dieses und Jenes

LiteraTürchen

Beitrag: Sabine Ziesmer

Bücher finden ihren Weg in die Herzen ihrer Leserinnen und Leser. Wie durch eine unsichtbare Tür gelangen wir in unbekannte Welten. Manche Geschichten sind wie große Schlosstüren, beeindruckend und imposant. Andere hingegen sind die unscheinbaren Türchen für die kleine, aber feine Freude am geschriebenen Wort. Seit ich erste Sätze erlesen kann, begleiten mich Bücher durch mein Leben. Sie haben mir Mut gemacht, mir neue Wege aufgezeigt, meine Gefühle umschrieben, mich zu Tränen gerührt, mir die Welt erklärt und Ruhe in meinen Tag getragen. Nicht alle Bücher werden zu Wegbegleitern, die es aber schaffen, bleiben für immer.

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Kalenderblätter

April

Erich Kästner

Der Regen klimpert mit einem Finger
die grüne Ostermelodie.
Das Jahr wird älter und täglich jünger.
O Widerspruch voll Harmonie!
Der Mond in seiner goldnen Jacke
versteckt sich hinter dem Wolken-Store.
Der Ärmste hat links eine dicke Backe
und kommt sich ein bisschen lächerlich vor.
Auch diesmal ist es dem März geglückt:
Er hat ihn in den April geschickt.
Und schon hoppeln die Hasen
mit Pinseln und Tuben
und schnuppernden Nasen,
aus Höhlen und Gruben
durch Gärten und Straßen
und über den Rasen
in Ställe und Stuben.

Dort legen sie Eier, als ob’s gar nichts wäre,
aus Nougat, Krokant und Marzipan.
Der Tapferste legt eine Bonbonniere,
er blickt dabei entschlossen ins Leere –
Bonbonnieren sind leichter gesagt als getan.

Dann geht es ans Malen. Das dauert Stunden.
Dann werden noch seidene Schleifen gebunden.
Und Verstecke gesucht. Und Verstecke gefunden:
Hinterm Ofen, unterm Sofa,
in der Wanduhr, auf dem Gang,
hinterm Schuppen, unterm Birnbaum,
in der Standuhr, auf dem Schrank.
Dakräht der Hahn den Morgen an!
Schwupp, sind die Hasen verschwunden.

Ein Giebelfenster erglänzt im Gemäuer.
Am Gartentor lehnt und gähnt ein Mann.
Über die Hänge läuft grünes Feuer
die Büsche entlang und die Pappeln hinan.
Der Frühling, denkt der, kommt also auch heuer.
Er spürt nicht Wunder noch Abenteuer,
weil er sich nicht mehr wundern kann.

Liegt dort nicht ein kleiner Pinsel im Grase?
Auch das kommt dem Mann nicht seltsam vor.
Er merkt gar nicht, dass ihn der Osterhase
auf dem Heimweg verlor.

Fotos: privat, pexels

Dieses und Jenes, Wissenswertes

Wal und Wolf verirren sich

Beitrag: Boike Jacobs

Keine Nachrichtensendung, in der er nicht erwähnt wird, keine Fachleute, die nicht über sein Befinden Auskunft geben: „Er ist bedrohlich geschwächt.“ „Seine Haut löst sich ab.“ „Er heult laut und hat wahrscheinlich große Schmerzen.“ Ein vor Timmendorfer Strand auf Grund geschwommener Buckelwal ist es, der Deutschland in Atem hält. Große Erleichterung, als er endlich freigebaggert wurde. Ebenso große Enttäuschung, als er nur wenige Stunden später auf der nächsten Sandbank strandete. Und nun scheut er schon wieder den rettenden Weg in den Atlantik und bleibt in der Ostsee, in der er nicht überleben kann. Wie auch immer, er musste einen Namen haben, und so heißt der etwa 15 Meter lange und 25 Tonnen schwere Meeressäuger nun ausgerechnet „Timmy“.

Man möchte nach so viel Aufregung meinen, Tierschutz habe hierzulande höchste Priorität. Ist das wirklich der Fall? Empörung darüber, dass in Norwegen, Japan und Alaska immer noch Walfang betrieben wird, wenn auch nur noch in geringen Mengen. Aber da gibt es viel größere Bedrohungen für diese Tiere: Schiffsverkehr, Lärm, Umweltverschmutzung. Und vor allem Fischernetze. Wenn noch etwas vom Fang darin hängen geblieben ist, schnappen die Wale gerne zu und bringen sich damit in akute Lebensgefahr. Tatsächlich wurde auch Buckelwal Timmy schon von Netzteilen befreit, aber große Stücke hängen noch in seinem Maul. Und so sehr derzeit jede neue Sandbank als Gegner angesehen wird, so wenig interessieren sich die Menschen für diese Fischernetze, die nicht nur Buckelwalen den Tod bringen.

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Aus der Region, Veranstaltungen

Termine April

Beitrag: Jürgen Sakuth

Tipps aus der Redaktion

WannThemaWo
Fr, 10. April
19 Uhr 30
Swingkonzert:
S‘Wonderful – Celebrating George Gershwin
Bergedorfer Schloss

Eintritt 16 Euro

Karten im Vorverkauf am Schloss, online oder an der Abendkasse
Mo, 13. April
19 Uhr 30




Filmvorführung :
Ein Kuchen für den Präsidenten

Spielfilm aus dem Irak

Sachsenwald-Forum

Hamburger Straße 8
Reinbek
Eintrittspreis 8 Euro
Online-Vorverkauf:
http://www.kultur-reinbek.de
Di, 14. April
19 Uhr

Diskussion:
Zu alt oder unersetzlich?
Berufstätige Frauen 50+


KörberHaus




Anmeldung ab 31. März
Di, 28. April
19 Uhr
Gespräch:
Alt genug, um jung zu bleiben

mit Dieter Bednarz


KörberHaus





Anmeldung ab 14.April
Mi, 29. April
19 Uhr
Gespräch:
Die Vertrauensfrage: Wenn Politik die Menschen verliert




KörberHaus

Stand: 29. März

Aus der Region

Bettler im öffentlichen Nahverkehr

Beitrag: Jürgen Sakuth

Photo by Wolfgang Weiser on Pexels.com

Wir hatten den ganzen Tag auf unsere kleinen Enkelinnen aufgepasst. Das war schön, aber auch sehr anstrengend. Am Abend wollten wir nur nach Hause, um uns auszuruhen.

Auf dem Bahnsteig Stadthausbrücke waren wir fast allein, als wir von einem aus unserer Sicht jungen Bettler (25 bis 30 Jahre) angesprochen wurden. Er bräuchte dringend Geld, weil er in einer Notlage ist. Er war sehr schmutzig und stank.

Meine Frau sagte ihm, dass wir ihm nichts geben. Daraufhin wurde er aggressiv: Wir sollten ihm das laut und deutlich ins Gesicht sagen und nicht so leise und verschämt. Sowas erlebt er immer wieder und „das gehe ihm auf den Senkel“. Er sprach weiter auf uns ein.

Wir fühlten uns stark belästigt und wussten nicht, wie wir mit der Situation umgehen sollten.

Ich bin über 40 Jahre täglich meist mit der Linie S3 aus dem Süden Hamburgs zur Arbeit gefahren, die als problematische Strecke gilt und habe während dieser Zeit nie Bettler erlebt außer zweifelhaften Musikdarbietungen mit anschließenden Geldwünschen.

Nach meinem persönlichen Empfinden nimmt die Zahl der Bettler im Moment stark zu. Ich gebe nichts, damit es nicht noch mehr werden, und ich glaube auch, dass man diesen Menschen mit ihren Drogenproblemen mittel- und langfristig durch monetäre Zuwendungen nicht hilft.

Mich würde interessieren, ob unsere Leser solche Situationen auch schon erlebt haben. Vielleicht haben Sie Tipps, wie man damit umgeht.

Lesenswertes

„Pflicht ist Pflicht“

Beitrag: Boike Jacobs

Als ich 1968 den Roman „Deutschstunde“ von Siegfried Lenz zum ersten Mal gelesen habe, hat es mich regelrecht durchgeschüttelt. Wenige Jahre zuvor hatten mich auch „Die Blechtrommel“ und “Hundejahre“ von Günther Grass fasziniert und begeistert. Aber „Deutschstunde“ traf mich ganz persönlich, weil hier eine Atmosphäre geschildert wird, die ich aus bitterer Erfahrung selber kannte. Dabei spielt sich das eigentliche Drama in diesem Roman in den Jahren 1942 bis 1945 ab und zeigt in der Gestalt des Polizisten Ole Jepsen einen Gehorsam gegenüber Befehlen, der selbst bei Freunden und den eigenen Kindern keine Gnade kennt. „Pflicht ist Pflicht“, heißt seine Devise. Aber nicht nur im Krieg, auch in der Nachkriegszeit blieben seelische und körperliche Gewalt ein Mittel zur Erziehung. Genau wie sie es in der NS-Zeit gelernt hatten, schlugen Eltern ihre Kinder, Lehrer ihre Schüler, und dabei war bei den einen die Teppichbürste, bei den anderen der Rohrstock ein beliebtes Hilfsmittel. Mitgefühl und Nachsicht hatten da kaum Platz. Erst die 68er Generation stand dagegen auf und machte dem Ungeist auf vielen Ebenen ein Ende.

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Aus der Region, Humorvolles

Stadt oder Dorf?

Beitrag: Jürgen Sakuth

Unsere kleinen Enkelinnen aus der Hamburger Neustadt sind zu Besuch bei Oma und Opa in Bergedorf.

Sie streiten sich darüber, ob sie hier noch in der Stadt oder in einem Dorf sind.

Die Jüngste hat schließlich die Lösung, die alle überzeugt.

“Das ist doch klar. Wie der Name schon sagt:

Bergedorf“.

Foto: Jürgen Sakuth