En olen Plattdüütschen, en bannig smucke Deern, en Nonn in ehr Dracht, as ok so’n aalglatten Snösel mit ’n Kaschmir-Paletot un ’n düre Rolex an’n Arm sitt güntsiet in de lesenbahn in en Afdeel. Miteens warrt dat pickendüüster. De Tog is in’n Tunnel föhrt, un to’n Unglück is ok noch dat Licht utfull’n.
Dor höört alltohoop miteens, wat een vun de Mitfohrers ’n olligen Backs kregen hett. As de Tog na’n Stoot weller ut’n Tunnel rut is, warrt de Mitfohrers dat wies: De Snösel hett een an’e Snuut kregen. Sien linke Back is jümmers noch heel root.He rifft sik dat Gesicht, un een süht, dat hett em wull böös wehdaan.
„Dat is Recht so“, denkt sik de Nonn. „De ole Snösel hett natüürlich versöcht, de junge Deern in Düüstern ’n lütt beten to begrappeln. Se wull dat aver nich un hett em bauts ene smeert.“
„Genau richtig,“ denkt de smucke Deern. „De aalglatte Snösel wull mi seker in Düüstern begrapschen, hett aver to sien Pech de Nonn erwischt. De wull dat aver natüürlich ok nich un hett em glieks ene ballert.“
„So ’n Mest aver ok“, denkt de Snösel dor. „De Plattdüütsche hett wull versöcht in’n Düüstern de smucke Deern to begrappeln. Hett dorbi aver de Nonn tofatenkregen, wat de aver nich wull. As se den Plattdüütschen een an de Riestüten geven wull, hett de Sausack wull wat markt, sik afduckt, un so heff ik den Slag vull afkregen.“
De plattdüütsch Mitfohrer dorgegen sinneert swiensplietsch: „Na, dat löppt jo allerbest vundaag. Wenn noch ’n Tunnel kummt, hau ik den affektierten Snösel noch een an’e Snuut.“
Quelle: Heinrich Evers „Fleitjepiepen, Utbüxen hölpt nix!“ (Balticum Verlagsgesellschaft und Werbeagentur GmbH) Illustration: Elke Grotelüschen
Es sind das Holz und die Farben, früher leuchtend grün und rot und golden, heute matter und gedämpfter, es sind die niedrige Decke und die Querbalken und auch die Bilder, die Bergedorfs St. Petri und Pauli-Kirche zu unseres Herrgotts Wohnstube machen.
Alt ist diese dörfliche Bürgerkirche, die an die Stelle einer noch älteren trat. Über deren Abbruch berichtet eine Abrechnung aus dem Jahre 1499. Nicht moderne Kühle, sondern anheimelnde Stille empfängt den Besucher. Eine Fülle von Bildern erzählen wie ein biblisches Lesebuch und ein buntes Buch der Geschichte. Von den Altar- und Emporebildern – „biblia pauperum“, die Bibel der Armen genannt – hielt Martin Luther viel. Von der Bilderstürmerei hielt er nichts.
Wenige Schritte von der Tür des Brauthauses, jenes besonderen Vorbaus, entfernt steht die Kanzel aus dem Jahre 1586. Magdalena von Stitten des derzeitigen Amtmannes Frantz von Stitten Gattin, hat sie gestiftet. Auf solcher Kanzel unter dem Schalldeckel und plattdeutschen Bibelsprüchen und lateinischer Widmung, den der Lübecker Ratsherr Gerd Grantzin, von 1596 bis 1602 Amtmann in Bergedorf, schenkte, macht sich der Prediger im hamburgischen Ornat mit der spanischen Krause besonders feierlich. Diese Kanzel hat Hamburgs einstiger Denkmalpfleger Professor Stettiner als eine der schönsten im norddeutschen Raum bezeichnet.
Die schöne genschnitzte Kanzel zeigt hier Kreuzigung und Auferstehung
Unter den mehr oder minder großen Epitaphien und Ölbildern fällt ein bescheidenes in einfachem Rahmen auf. Es ist das Bild des ersten evangelischen Bergedorfer Predigers, der hier wohl am Ende des Jahres 1543 seine Amtstätigkeit begann und fast 50 Jahre blieb. Verstaubt hatte es auf dem Kirchenboden gelegen. Die Kunst des Restaurators machte die Züge von Andreas Falckenberg wieder erkennbar. Es waren gewiss ehrwürdige Herren und Prediger von Gottes Wort, auch der geistvolle Johann Ludwig Schlosser, dessen Streit mit dem Hauptpastor Johann Melchior Goeze an St. Katharinen über die Frage, ob ein Pastor Theaterstücke schreiben dürfe, über Bergdorfs, ja Hamburgs Grenzen bekannt wurde. Einem Schiedsrichter ähnlich soll Gotthold Ephraim Lessing auf die Frage: „Darf ein Prediger Komödien machen? “ geantwortet haben: „Warum nicht, wenn er kann “ – und auf die andere: „Und darf ein Komödienschreiber Predigten machen“ – „Warum nicht, wenn er will.“
Jedenfalls füllte der berühmt gewordene Bergedorfer Pastor seine Kirche, so dass Klappsitze angebracht werden mussten. Wer aber die Sanduhr – vier geteilt – an der linken Seite der Kanzelwand mit der fröhlichen Bemerkung, „noch ein Gläschen, liebe Gemeinde“ umdrehte, wenn die Gemeinde das Amen vermutete, steht nicht fest. Viele Jahre später saß unter der Kanzel auf der Bank an der Treppe, die zur Kanzel heraufführte, ein fleißiger Gottesdienstbesucher, der es mit anderen Gläschen, Gläsern und Flaschen zu tun hatte. Es war ein Gastwirt. Er hieß Land. Weil das Wort des Propheten Jeremia über dem Platz auf der Bank geschrieben stand: „O Land, Land, höre des Herrn Wort“, nahm er diesen Platz so ganz persönlich für sich in Anspruch.
Die Kanzel und der Amts- oder Landherrenstuhl mit dem Hamburger Staatswappen flankieren den Chorraum, in dessen Mitte „die Taufe“ aufgestellt wird. Ihre beiden Getäfelstücke aus dem 16. Jahrhundert haben eine besondere Geschichte. Sie sollten einst die Kanzeltür gebildet haben, die Pastor Halske, von 1815 bis 1848 im Amt, als unbequem empfand. Darum ließ er sie entfernen. Der damalige Prokurator Meyns hat sie dadurch gerettet, dass er sie mit nach Hause nahm und als Ziertüren eines Schrankes einbauen ließ. Erben in des Prokurators Familie gaben sie dem Pfarramt zurück.
Wieder einmal zogen die Kinder am Dienstag und Mittwoch nach Rosenmontag durch die Straßen in Ochsenwerder und Kirchwerder. Manche in originellen Faschingskostümen, andere lieber unauffällig, alle aber ausgestattet mit Leinenbeutel, Holzhammer oder Holzlöffel, um an die Türen der Häuser zu klopfen. An manchen Schulen wurden die Löffel im Werkunterricht selbst hergestellt. Dieser traditionelle Fastnachtsbrauch folgt alljährlich einer festen Choreographie. Geklopft wird nur an Haustüren, vor denen Holzkisten oder Bretter auf die kleinen Klopfer warten. Nur hier können die Kinder ganz sicher sein, dass sich hinter diesen Türen Menschen auf sie freuen und nette Naschereien für sie bereithalten. Bereits während des Klopfens singen sie das traditionelle Lied: „Hammer, Hammer-Hü, giff mi`n lütje Klü! Lot mi nich to lange stahn, ick mutt noch een Hus wieder gahn! Een Hus wieder, wohnt de Snieder, een Hus achter wohnt de Slachter, een Hus in de Mitt, wohnt de (olle) Smitt. Een Hus am Enn, dor giiff dat`nen Pinn!“
Bis in die 1960er-Jahren gingen die Kinder ohne Klopfgerät von Haus zu Haus. Damals traf man in den meisten Häusern jemanden an. Wenn sich die Leute trotz lustigem Gesang nicht blicken ließen, gab es eine erboste letzte Zeile: „Witten, Tweern, swatten Tweern, disse Olsch, de gifft nich geern!“ Der Hausherr kam ungeschoren davon, er war ja bei der Arbeit.
Bis in die 1990er Jahre galt als krönender Abschluss am Donnerstagnachmittag die „Hammer-Hü-Party“ in Rieges Gasthof in Ochsenwerder, veranstaltet vom Gesangsverein Edelweiß.
Immer wieder im Frühjahr lädt die Hamburgische Kulturstiftung zur Überraschungsgala ins Hansa Theater am Steindamm ein. In einem vielseitigen Programm präsentieren sich ausgewählte Förderprojekte der Stiftung. Gezeigt werden sowohl Ausschnitte aus Projekten junger Künstlerinnen und Künstler als auch der Kinder- und Jugendkultur. Vom Poetry Slam und musikalischen Acts, von Breakdance-Einlagen bis zum Kurzfim – das Programm macht die Bandbreite der Förderung durch die Hamburgische Kulturstiftung anschaulich. Und ist jedes Jahr voller Überraschungen.
Umfangreiche Vorbereitungen mit großartigem Ergebnis
Wie in den vergangenen Jahren war Bergedorf wieder mit einem Kurzfilm vertreten, und so gehörten auch an diesem Abend Regine Uhlig, Ute Klapschuweit und Sabine Erler sowie Regisseur und Filmemacher Paul Uhlig zu den Gästen. Unter ihrer Anleitung hatten die Kinder aus der Flüchtlings-Unterkunft an der Brookkehre in wochenlanger Arbeit gebastelt, angemalt, geklebt. Und auch die Texte, von Paul Uhlig geschrieben, präsentierten sie mit Charme, Witz und viel schauspielerischem Talent. Bei der Vorführung wurde jedenfalls viel gelacht und applaudiert.
Den musikalischen Reigen eröffnen heute die Geigen. Wehe, wenn eine falsch klingt, der Ton bis zum Dirigenten gar dringt, lässt das dessen Blutdruck ansteigen.
Der Besitzer vom Cello hat einen Hund namens Bello Wenn der lässt sich kraulen, beginnt er zu jaulen, natürlich nur a ca bello.
Es klang die Trompete wie wenn ein Hahn krähte. Das kann ich viel besser rief der Trompeter kesser und die Trompete umdrehte.
Wo bleibt denn nur die Klarinette, sie doch schon längst ihren Einsatz hätte. Ein wildes Gerücht die Runde macht, dass der Klarinettist nach durchzechter Nacht liegt noch immer betrunken im fremden Bette.
Frau B. an der Harfe, das war 'ne ganz Scharfe. Wann immer sie spielte, der Hornist nach ihr schielte. Leider entsprach der nicht ihrem Bedarfe.
Ein falscher Ton der Querflöte trieb dem Flötisten ins Gesicht tiefdunkle Röte. So sehr er sich auch plagte, die Flöte das Spiel ihm versagte mit der Luft bekam er dann ganz arge Nöte.
Seit 1997 gibt es die Bergedorfer Tafel und den Suppentopf
Wer hat sie nicht schon gesehen, die langen Schlangen von Menschen in der Schlossstraße am Gemeindehaus von St. Petri und Pauli? Manche stehen dort schon Stunden, bevor die Bergedorfer Tafel öffnet und Nummern verteilt werden, damit alle der Reihenfolge nach gespendete Lebensmittel in Empfang nehmen können – Brot, Brötchen, Kuchen, Joghurt, Obst und Gemüse und je nach Tagesangebot manches andere liegen dann zum kostenlosen Abholen bereit. Das alles ist in unserem Land reichlich vorhanden, aber 20 Prozent aller Lebensmittel werden weggeworfen. Dabei gibt es in Hamburg viele Menschen, die nicht genug zu essen haben, ein Drittel davon sind Kinder und Jugendliche.
Allerdings muss auch sichergestellt werden, dass dies Angebot nicht missbraucht wird, und daher gibt es eine Voraussetzung: „Bringen Sie uns eine Kopie Ihres Ausweises, ein Passfoto und ein amtliches Schriftstück, aus dem hervorgeht, dass Sie bedürftig sind. Erhalten Sie ALG II, ist das der Bescheid des Jobcenters. Haben Sie ein anderes geringes Einkommen (z.B. Rente, Lohn, Gehalt, Leistungen der Grundsicherung), bringen Sie bitte auch darüber einen Bescheid mit. Danach erhalten Sie von uns einen Abholausweis.“
Lesestunde vorm Einschlafen. Ich sitze vorsichtig in einer Ecke des Hochbettes, das vor lauter Gewühle von Janosch hin und her geruckelt wird. Es werden Kissen drapiert, Kuscheltiere verteilt. Es dauert. Schließlich will er es ja gemütlich haben. Es knarzt und knackt. Meine Bedenken, dass irgendwann das Bett bestimmt zusammenkracht, werden mit einer empörten Bemerkung weggewischt. „Das hat Papa gebaut!“ Ja, wenn Papa es gebaut hat, können wir wühlen. Ich bin aber weiterhin vorsichtig. Schrauben könnten sich lösen zum Beispiel. Ich sag´ nichts mehr.
Endlich kann ich mit dem Vorlesen beginnen. Es wird die Lesezeit ausgehandelt. Da wird um Minuten gefeilscht.
Ich lese vor. Janosch gibt Kommentare zu einzelnen Szenen. Daran merke ich, dass er aufmerksam zuhört, obwohl er weiterhin das eine Kissen hierhin verlegt oder fast unter der Bettdecke verschwindet. Es ist schon ein ziemliches „Gewoddel“ hier oben.
Ich habe den Film jetzt meinen Enkelinnen gezeigt. Die waren auch ganz begeistert.