Aus der Region, Damals war's

Damals in Bergedorf

Bergedorfer Briefmarken

Beitrag: Jürgen Sakuth

Es gab einmal eine „Beiderstädtische Schiffspost“. Allerdings nur kurze Zeit im Sommer 1865. „Flora“ hieß der Dampfer mit Schaufelrad. Mit Schaufelrad damit dieDove-Elbe, wenn er in ihr entlangschipperte durch Wellengang nicht überlief.

Morgens ging es mit dem Kondukteur an Bord von Curslack nach Hamburg und abends zurück, immer nach der jeweiligen Tide sich richtend. Für die weitere Beförderung sorgten dann die Landpostboten. Seit 1846 gab es die „Bergedorfer Landpost“,deren Einrichtung wohl auf den aktiven Bergedorfer Stadtschreibergehilfen Johann Heinrich Reppenhagen zurückgeht. Vorher hatten Bierfahrer und Brotkutscher gelegentlich die Post mitgenommen.

Für die offizielle „Bergedorfer Amtspost“ war der Königliche Postverwalter Franz Wilhelm Ludwig Paalzour zuständig. Durch diese „Bergedorfer Amtspost“ wurde die Privatpost zwischen Bergedorf und Hamburg befördert.

Vom 1. November 1861 bis 31. Dezember 1867 hatte Bergedorf eigene Briefmarken. Es gab hellblaue und dunkelbaue 1/2 Schilling-, weiße 1 Schilling-, gelbe 1 1/2 Schiling-,blau auf rosafarbene 3 Schilling- und braune 4 Schillingmarken.

Sie unterschieden sich nicht nur in der Farbe, sonder auch in der Größe und hatten alle, eben als beiderstädtische Marken, als Motiv einen halben Lubischen Adler und ein halbes Hamburger Tor – je die Hälfte von den beiden Hansestädten. Darum standen, über die vier inneren Écken verteilt, die Buchstaben eingraviert LH PA. Das hieß Lübeck-Hamburger Postamt.

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Kalenderblätter

April

Erich Kästner

Der Regen klimpert mit einem Finger
die grüne Ostermelodie.
Das Jahr wird älter und täglich jünger.
O Widerspruch voll Harmonie!
Der Mond in seiner goldnen Jacke
versteckt sich hinter dem Wolken-Store.
Der Ärmste hat links eine dicke Backe
und kommt sich ein bisschen lächerlich vor.
Auch diesmal ist es dem März geglückt:
Er hat ihn in den April geschickt.
Und schon hoppeln die Hasen
mit Pinseln und Tuben
und schnuppernden Nasen,
aus Höhlen und Gruben
durch Gärten und Straßen
und über den Rasen
in Ställe und Stuben.

Dort legen sie Eier, als ob’s gar nichts wäre,
aus Nougat, Krokant und Marzipan.
Der Tapferste legt eine Bonbonniere,
er blickt dabei entschlossen ins Leere –
Bonbonnieren sind leichter gesagt als getan.

Dann geht es ans Malen. Das dauert Stunden.
Dann werden noch seidene Schleifen gebunden.
Und Verstecke gesucht. Und Verstecke gefunden:
Hinterm Ofen, unterm Sofa,
in der Wanduhr, auf dem Gang,
hinterm Schuppen, unterm Birnbaum,
in der Standuhr, auf dem Schrank.
Dakräht der Hahn den Morgen an!
Schwupp, sind die Hasen verschwunden.

Ein Giebelfenster erglänzt im Gemäuer.
Am Gartentor lehnt und gähnt ein Mann.
Über die Hänge läuft grünes Feuer
die Büsche entlang und die Pappeln hinan.
Der Frühling, denkt der, kommt also auch heuer.
Er spürt nicht Wunder noch Abenteuer,
weil er sich nicht mehr wundern kann.

Liegt dort nicht ein kleiner Pinsel im Grase?
Auch das kommt dem Mann nicht seltsam vor.
Er merkt gar nicht, dass ihn der Osterhase
auf dem Heimweg verlor.

Fotos: privat, pexels

Dieses und Jenes, Wissenswertes

Wal und Wolf verirren sich

Beitrag: Boike Jacobs

Keine Nachrichtensendung, in der er nicht erwähnt wird, keine Fachleute, die nicht über sein Befinden Auskunft geben: „Er ist bedrohlich geschwächt.“ „Seine Haut löst sich ab.“ „Er heult laut und hat wahrscheinlich große Schmerzen.“ Ein vor Timmendorfer Strand auf Grund geschwommener Buckelwal ist es, der Deutschland in Atem hält. Große Erleichterung, als er endlich freigebaggert wurde. Ebenso große Enttäuschung, als er nur wenige Stunden später auf der nächsten Sandbank strandete. Und nun scheut er schon wieder den rettenden Weg in den Atlantik und bleibt in der Ostsee, in der er nicht überleben kann. Wie auch immer, er musste einen Namen haben, und so heißt der etwa 15 Meter lange und 25 Tonnen schwere Meeressäuger nun ausgerechnet „Timmy“.

Man möchte nach so viel Aufregung meinen, Tierschutz habe hierzulande höchste Priorität. Ist das wirklich der Fall? Empörung darüber, dass in Norwegen, Japan und Alaska immer noch Walfang betrieben wird, wenn auch nur noch in geringen Mengen. Aber da gibt es viel größere Bedrohungen für diese Tiere: Schiffsverkehr, Lärm, Umweltverschmutzung. Und vor allem Fischernetze. Wenn noch etwas vom Fang darin hängen geblieben ist, schnappen die Wale gerne zu und bringen sich damit in akute Lebensgefahr. Tatsächlich wurde auch Buckelwal Timmy schon von Netzteilen befreit, aber große Stücke hängen noch in seinem Maul. Und so sehr derzeit jede neue Sandbank als Gegner angesehen wird, so wenig interessieren sich die Menschen für diese Fischernetze, die nicht nur Buckelwalen den Tod bringen.

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Aus der Region, Veranstaltungen

Termine April

Beitrag: Jürgen Sakuth

Tipps aus der Redaktion

WannThemaWo
Fr, 10. April
19 Uhr 30
Swingkonzert:
S‘Wonderful – Celebrating George Gershwin
Bergedorfer Schloss

Eintritt 16 Euro

Karten im Vorverkauf am Schloss, online oder an der Abendkasse
Mo, 13. April
19 Uhr 30




Filmvorführung :
Ein Kuchen für den Präsidenten

Spielfilm aus dem Irak

Sachsenwald-Forum

Hamburger Straße 8
Reinbek
Eintrittspreis 8 Euro
Online-Vorverkauf:
http://www.kultur-reinbek.de
Di, 14. April
19 Uhr

Diskussion:
Zu alt oder unersetzlich?
Berufstätige Frauen 50+


KörberHaus




Anmeldung ab 31. März
Di, 28. April
19 Uhr
Gespräch:
Alt genug, um jung zu bleiben

mit Dieter Bednarz


KörberHaus





Anmeldung ab 14.April
Mi, 29. April
19 Uhr
Gespräch:
Die Vertrauensfrage: Wenn Politik die Menschen verliert




KörberHaus

Stand: 29. März

Aus der Region

Bettler im öffentlichen Nahverkehr

Beitrag: Jürgen Sakuth

Photo by Wolfgang Weiser on Pexels.com

Wir hatten den ganzen Tag auf unsere kleinen Enkelinnen aufgepasst. Das war schön, aber auch sehr anstrengend. Am Abend wollten wir nur nach Hause, um uns auszuruhen.

Auf dem Bahnsteig Stadthausbrücke waren wir fast allein, als wir von einem aus unserer Sicht jungen Bettler (25 bis 30 Jahre) angesprochen wurden. Er bräuchte dringend Geld, weil er in einer Notlage ist. Er war sehr schmutzig und stank.

Meine Frau sagte ihm, dass wir ihm nichts geben. Daraufhin wurde er aggressiv: Wir sollten ihm das laut und deutlich ins Gesicht sagen und nicht so leise und verschämt. Sowas erlebt er immer wieder und „das gehe ihm auf den Senkel“. Er sprach weiter auf uns ein.

Wir fühlten uns stark belästigt und wussten nicht, wie wir mit der Situation umgehen sollten.

Ich bin über 40 Jahre täglich meist mit der Linie S3 aus dem Süden Hamburgs zur Arbeit gefahren, die als problematische Strecke gilt und habe während dieser Zeit nie Bettler erlebt außer zweifelhaften Musikdarbietungen mit anschließenden Geldwünschen.

Nach meinem persönlichen Empfinden nimmt die Zahl der Bettler im Moment stark zu. Ich gebe nichts, damit es nicht noch mehr werden, und ich glaube auch, dass man diesen Menschen mit ihren Drogenproblemen mittel- und langfristig durch monetäre Zuwendungen nicht hilft.

Mich würde interessieren, ob unsere Leser solche Situationen auch schon erlebt haben. Vielleicht haben Sie Tipps, wie man damit umgeht.

Lesenswertes

„Pflicht ist Pflicht“

Beitrag: Boike Jacobs

Als ich 1968 den Roman „Deutschstunde“ von Siegfried Lenz zum ersten Mal gelesen habe, hat es mich regelrecht durchgeschüttelt. Wenige Jahre zuvor hatten mich auch „Die Blechtrommel“ und “Hundejahre“ von Günther Grass fasziniert und begeistert. Aber „Deutschstunde“ traf mich ganz persönlich, weil hier eine Atmosphäre geschildert wird, die ich aus bitterer Erfahrung selber kannte. Dabei spielt sich das eigentliche Drama in diesem Roman in den Jahren 1942 bis 1945 ab und zeigt in der Gestalt des Polizisten Ole Jepsen einen Gehorsam gegenüber Befehlen, der selbst bei Freunden und den eigenen Kindern keine Gnade kennt. „Pflicht ist Pflicht“, heißt seine Devise. Aber nicht nur im Krieg, auch in der Nachkriegszeit blieben seelische und körperliche Gewalt ein Mittel zur Erziehung. Genau wie sie es in der NS-Zeit gelernt hatten, schlugen Eltern ihre Kinder, Lehrer ihre Schüler, und dabei war bei den einen die Teppichbürste, bei den anderen der Rohrstock ein beliebtes Hilfsmittel. Mitgefühl und Nachsicht hatten da kaum Platz. Erst die 68er Generation stand dagegen auf und machte dem Ungeist auf vielen Ebenen ein Ende.

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Aus der Region, Humorvolles

Stadt oder Dorf?

Beitrag: Jürgen Sakuth

Unsere kleinen Enkelinnen aus der Hamburger Neustadt sind zu Besuch bei Oma und Opa in Bergedorf.

Sie streiten sich darüber, ob sie hier noch in der Stadt oder in einem Dorf sind.

Die Jüngste hat schließlich die Lösung, die alle überzeugt.

“Das ist doch klar. Wie der Name schon sagt:

Bergedorf“.

Foto: Jürgen Sakuth

Aus der Region

Wer war Abelke Bleken?

Beitrag: Sabine Ziesmer

Wie diese Frauen im Jahr 1585 starb auch Abelke Bleken in den Flammen

Ich lebe seit fast vierzig Jahren in den Vier- und Marschlanden. Die Geschichte dieses zu Hamburg gehörenden Landstrichs, die Kultur, die Menschen und der Einfluss des Elbstroms üben auf viele von uns Zugezogene eine besondere Anziehungskraft aus. Durch die unmittelbare Nähe des Konzentrationslagers Neuengamme beschränkte sich mein Interesse lange auf die Rolle der Vier- und Marschländer im Nationalsozialismus. Es gibt in meiner unmittelbaren Umgebung noch viele Zeitzeugen, die allerdings ungern über die Rolle ihrer Höfe im Zusammenhang mit Zwangsarbeit sprechen mögen. Ein Blick in die Archive des Konzentrationslagers entlarvt die relativierenden Angaben der Bauern als das was sie sind: Verleugnung von Mitschuld oder folgenschweres Wegschauen.

Als ich in der Buchhandlung auf den Roman „Marschlande“ von Jarka Kubsova stieß, war mein Interesse sofort geweckt. Ich hatte mich bereits mit Hexenverfolgung in Hamburg beschäftigt. Mindestens vierzig Frauen und mehr als ein Dutzend Männer fanden über mehrere Jahrhunderte nach grausamen Schauprozessen den Tod. Viele Hinrichtungen erfolgten nach der Reformation im Jahr 1529. Die letzte bekannte Hinrichtung wegen Zauberei in Hamburg geht auf das Jahr 1642 zurück, als Cillie Hemels verbrannt wurde. „Marschlande“ erzählt die wahre Geschichte der Abelke Bleken aus Ochsenwerder, die am 18. März 1583 als Hexe verbrannt wurde. Ein Frauenschicksal in meiner näheren Umgebung. Das durch die „peinliche Befragung“, eine Umschreibung für grausame Folter, herbeigeführte Geständnis, liegt als Gedächtnisprotokoll vor. Dieses Protokoll ist in seiner Form einzigartig und liefert interessante Einblicke in Abelkes vermeintliche Taten und ihre angeblichen Zauberpraktiken. Man kann es im geschichtsbuch.hamburg.de nachlesen.

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Geschichten und Gedichte

Frühling

Beitrag: Helmut Marquardt

Photo by Petr Ganaj on Pexels.com

                                                            
Horch, hörst Du den Frühling nicht,
er naht auf leisen Schwingen.
Wenn in der Früh beim ersten Tageslicht
die Vögel ihm ein Ständchen bringen.
Dann ist erfüllt die Luft mit froh Gesang,
im Frühling jetzt, da sucht er seinesgleichen.
Es ist dies ein besonderer Klang
den nur im Frühjahr sie erreichen.
Die Lebensfreude ist ihnen anzuhören,
sie singen, trällern um die Wette
und streiten sich, ich könnte schwören
wer von ihnen denn die schönste Stimme hätte.


Humorvolles, Plattdeutsche Texte

De Snösel

Beitrag: Jürgen Sakuth

En olen Plattdüütschen, en bannig smucke Deern, en Nonn in ehr Dracht, as ok so’n aalglatten Snösel mit ’n Kaschmir-Paletot un ’n düre Rolex an’n Arm sitt güntsiet in de lesenbahn in en Afdeel. Miteens warrt dat pickendüüster. De Tog is in’n Tunnel föhrt, un to’n Unglück is ok noch dat Licht utfull’n.

Dor höört alltohoop miteens, wat een vun de Mitfohrers ’n olligen Backs kregen hett. As de Tog na’n Stoot weller ut’n Tunnel rut is, warrt de Mitfohrers dat wies: De Snösel hett een an’e Snuut kregen. Sien linke Back is jümmers noch heel root.He rifft sik dat Gesicht, un een süht, dat hett em wull böös wehdaan.

„Dat is Recht so“, denkt sik de Nonn. „De ole Snösel hett natüürlich versöcht, de junge Deern in Düüstern ’n lütt beten to begrappeln. Se wull dat aver nich un hett em bauts ene smeert.“

„Genau richtig,“ denkt de smucke Deern. „De aalglatte Snösel wull mi seker in Düüstern begrapschen, hett aver to sien Pech de Nonn erwischt. De wull dat aver natüürlich ok nich un hett em glieks ene ballert.“

„So ’n Mest aver ok“, denkt de Snösel dor. „De Plattdüütsche hett wull versöcht in’n Düüstern de smucke Deern to begrappeln. Hett dorbi aver de Nonn tofatenkregen, wat de aver nich wull. As se den Plattdüütschen een an de Riestüten geven wull, hett de Sausack wull wat markt, sik afduckt, un so heff ik den Slag vull afkregen.“

De plattdüütsch Mitfohrer dorgegen sinneert swiensplietsch: „Na, dat löppt jo allerbest vundaag. Wenn noch ’n Tunnel kummt, hau ik den affektierten Snösel noch een an’e Snuut.“

Quelle: Heinrich Evers „Fleitjepiepen, Utbüxen hölpt nix!“
(Balticum Verlagsgesellschaft und Werbeagentur GmbH)
Illustration: Elke Grotelüschen