Geschichten und Gedichte, Humorvolles

Alles unter Dach und Fach

Beitrag: Helmut Marquardt

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Der Mensch muss sich in seinem Leben
hin und wieder auf ein Amt begeben.
So auch Hein Pott, seines Zeichens Landwirt,
der endlich wissen will, was mit seinem Land wird.
Denn der Architekt ruft täglich an,
wann er mit dem Bau beginnen kann.
Ein Herz deshalb sich fasst er
und begibt sich auf’s Amt, wo das Kataster.
Dort gleich in den ersten Stock
Zimmer 14, bei Herrn Nock.
Über dessen Tür warnt ihn ein rotes Licht,
das heißt soviel, betrete dieses Zimmer nicht.
Das grüne Licht bloß nicht verpassen,
denkt Pottens Hein und bleibt gelassen.
Doch nach einer halben Stunde später dann,
grinst ihn das rote Licht noch immer an.
Und Pottens Hein Gelassenheit
kehrt sich jetzt in Verdrossenheit.
Erneut vergeht ne’ halbe Stund.
Doch Pottens Hein wird es jetzt zu bunt.
Wutentbrannt reißt er die Türe auf
und das Schicksal nimmt jetzt seinen Lauf.
Denn Pottens Hein, der ahn ja nicht,
dass er hier ein Schäferstündchen unterbricht.
Nock, der bekannte Schürzenjäger,
streift ab sich grad die Hosenträger.
Während sein Mädel andererseits
mit ihren Reizen auch nicht geizt.
Nock, der schreit: Was fällt Ihnen ein,
was platzen Sie einfach so zur Tür herein!!
Haben Sie denn beachtet nicht,
über der Tür das Rote Licht?
Pottens Hein, der ist verwirrt,
hat er sich in der Tür geirrt?
Er stottert: Ich bin Hein Pott der Landwirt
und wollte wissen was mit meinem Land wird.
Nock, der stutzt einen Augenblick,
hat seine Fassung jedoch schnell zurück.
Denn der gewiefte Bürohengst
kennt natürlich seine Akte längst.
Nachdem geklärt die allgemeine Lage
steht noch die Antwort aus auf Pottens Frage.
Wenn Sie hierüber können stillschweigen,
so will ich mich erkenntlich zeigen.
Kommen Sie morgen auf’s Amt um acht,
ihre Angelegenheit bring ich dann unter Dach und Fach.
Hein Pott der denkt, das ist wirklich ja famos,
mit einem Schlag bin ich meine Sorgen los.
Und er hofft, die beiden ganz avanti
erwischt noch einmal in flagranti.
Denn er hätt noch eine andre Sach,
die müsste auch noch unter Dach und Fach.

Dieses und Jenes

Boomer bis Beta

Beitrag: Sabine Ziesmer

Aufgrund fehlender Textteile erscheint der Beitrag erneut.

Es ist durchaus plausibel, dass Dinge und Lebewesen einen Namen besitzen. Nur so können wir uns sinnvoll verständigen. Warum aber die Generationen des letzten und dieses Jahrhunderts mit zuweilen unaussprechlichen Namen versehen werden, ist nicht zu verstehen. Per Definition bezeichnet eine Generation eine Gruppe von Menschen, die durch vergleichbare gesellschaftliche, historische und technologische Ereignisse geprägt sind. Eine solche Generation umfasst etwa 15-20 Jahre. Ich gehöre zu den sogenannten Babyboomern, die zwischen 1950 und 1964 geboren wurden. Wer glaubt, dass wir Boomer den Startschuss für die Definition der Generationen gaben, liegt falsch. Die Geburtenjahrgänge von 1928 bis 1945 tragen die Bezeichnung Silent Generation, was so viel wie „Stille Generation“ heißt. Die Kriegsgeneration zeichnete sich durch stilles Ertragen der Krisen und des Krieges aus, aber auch durch Pünktlichkeit, Arbeitsmoral, Respekt vor Autoritäten und Beeinflussbarkeit.

Wie nun sind wir zu unserem Namen „Boomer“ gekommen? Nach Ende des Zweiten Weltkrieges, besonders seit Mitte der 1950er Jahre, gab es auf Grund des wirtschaftlichen Aufschwungs einen rasanten Anstieg der Geburtenrate, einen sogenannten Boom. Wir waren immer und überall viele: in den Schulen, im Wettbewerb um Ausbildungs- und Studienplätze, auf dem Wohnungsmarkt und beim Ansturm auf Schlussverkäufe und auf italienische Strände. Überall fielen wir wie eine Heuschreckenplage ein. Vielleicht ist es unserer Unerschrockenheit und Resilienz zu verdanken, dass wir innerhalb weniger Jahrzehnte Wohlstand, Wirtschaftswachstum, moderne Sozialsysteme, politische Stabilität und gesellschaftlichen Wandel geprägt haben. Wir haben auch den ökologischen Aufbruch und die Anti-Atomkraft- und Friedensbewegung angestoßen. Wir stehen für Gleichberechtigung, Emanzipation und liberale Erziehungsmodelle. Als Boomer hinterlassen wir aber auch Rentenlücke und Klimakrise. Boomer wird zum Schimpfwort. Immer noch viele und alle auf ihren ökonomischen Vorteil bedacht. Wenn die Ablehnung einen Namen hat, kann man prächtig drauflos agitieren. Es ist keine gute Idee, die Generationen gegeneinander aufzuhetzen.

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Aus der Region

Mamma Mia statt Vater Unser

Beitrag: Jürgen Sakuth

Eine schöne laue Sommernacht und dazu Open-Air-Kino. So hatten wir uns das zumindest vorgestellt. Wir, das ist eine Gruppe von Ehrenamtlichen, die in Reinbek Kinofilme zeigt. Dabei sind wir erfolgreich. An guten Tagen durften wir über 500 Zuschauer begrüßen.

Alles war so gut geplant. Wir wollten einen leichten unterhaltsamen Sommerfilm zeigen mit viel Musik. Schließlich einigten wir uns auf „Mamma Mia“. Ein Gute-Laune-Film mit den größten Hits von Abba nach dem gleichnamigen Musical. Auch einen guten Standort hatten wir nach langer Suche gefunden. Aber „draußen“ ist in unseren Breiten halt immer ein Glücksspiel.

Am Vorstellungstag fing es irgendwann an zu regnen und die Wetterprognosen wurden für den Abend und die Nacht stündlich schlechter. Um alles gut vorzubereiten, trafen wir uns trotzdem wie verabredet um 18 Uhr 30.

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Aus der Region, Veranstaltungen

Termine Juli

Beitrag: Jürgen Sakuth

Tipps aus der Redaktion

WannThemaWo

Fr. 10.07. bis So 12.07.



Bergedorfer AltstadtfestCity Bergedorf


Sa, 11.07.
19 Uhr




Konzert:

Die große Nacht der Filmmusik




Lichtwark Theater im KörberHaus


Eintrittspreis ab 38.60 Euro
So, 19.07.
11 Uhr bis 13 Uhr 30

Jazz Konzert:

Classic Stomp Kids







Schlosshof Bergedorfer Schloss

Eintrittspreis 16 Euro




Sa, 25.07.
ab 11 Uhr

Bergedorfer Kranmarkt






Serrahn 1






Stand: 05. Juli

Dieses und Jenes

Der Juli

Erich Kästner

Still ruht die Stadt. Es wogt die Flur.
Die Menschheit geht auf Reisen
oder wandert sehr oder wandelt nur.
Und die Bauern vermieten die Natur
zu sehenswerten Preisen.

Sie vermieten den Himmel, den Sand am Meer,
die Platzmusik der Ortsfeuerwehr
und den Blick auf die Kuh auf der Wiese.
Limousinen rasen hin und her
und finden und finden den Weg nicht mehr
zum Verlorenen Paradiese.

Im Feld wächst Brot. Und es wachsen dort
auch die zukünftigen Brötchen und Brezeln.
Eidechsen zucken von Ort zu Ort.
Und die Wolken führen Regen an Bord
und den spitzen Blitz und das Donnerwort.
Der Mensch treibt Berg- und Wassersport
und hält nicht viel von Rätseln.

Er hält die Welt für ein Bilderbuch
mit Ansichtskartenserien.
Die Landschaft belächelt den lauten Besuch.
Sie weiß Bescheid.
Sie weiß, die Zeit
überdauert sogar die Ferien.

Sie weiß auch: Einen Steinwurf schon
von hier beginnt das Märchen.
Verborgen im Korn, auf zerdrücktem Mohn,
ruht ein zerzaustes Pärchen.
Hier steigt kein Preis, hier sinkt kein Lohn.
Hier steigen und sinken die Lerchen.

Das Mädchen schläft entzückten Gesichts.
Die Bienen summen zufrieden.
Der Jüngling heißt, immer noch, Taugenichts.
Er tritt durch das Gitter des Schattens und Lichts
in den Wald und zieht, durch den Schluss des Gedichts,
wie in alten Zeiten gen Süden.

Dieses und Jenes

Blind Date in einer Buchhandlung

Beitrag: Tom Schmidt

Hatten Sie eigentlich schon einmal ein Blind Date? Nein? Dann geht es Ihnen wie mir, ich kenne auch nicht die klassische Situation, in einem Restaurant mit einem unverwechselbaren Erkennungszeichen zu sitzen und zu warten, wer durch die Tür das Restaurant betritt. Zugegebenermaßen ein Vabanquespiel mit offenem Ausgang, verbunden mit der Hoffnung, dass die Idee zu einem Blind Date letztendlich glimpflich ausgeht und nicht im Desaster endet.

Aber wie ich jetzt gemerkt habe, ist es nie zu spät für ein Blind Date, wobei mein Blind Date keine Verabredung mit einer unbekannten Person war, sondern sich durch Zufall im CCB ergeben hat. Der Grund war ein massiver Regenschauer, der mich dorthin flüchten ließ. Um die Zeit zu überbrücken, schlenderte ich dann durch das Erdgeschoss und kam an der Buchhandlung Heymann vorbei. Sofort fiel mein Blick auf einen größeren Tisch in der Nähe des Eingangsbereichs, auf dem unzählige braune Päckchen lagen. Da an diesem Tisch bereits einige Kunden standen, jeweils mit einem Päckchen in der Hand, und vertieft darauf schauten, wurde ich neugierig und steuerte umgehend auf den Tisch zu.

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Dieses und Jenes

Sommergedicht

Mascha Kaléko


Ich bin der Sommer.
In erbsengrünen Hosen
und kirschrotem Wams
ziehe ich lustig einher.

Heb ich den Finger,
blüh' n Rosen,
heb' ich die Hand,
rauscht die Welle im Meer.

Spiel ich die Flöte,
tanzt der Delfin,
duftet's nach Wiesengrün
und Jasmin.

Dieses und Jenes

Busfahrten

Beitrag: Boike Jacobs

Mittags im Bus, ein Vater schiebt einen Buggy rein, setzt sich, der Bus fährt an, der etwa eineinhalbjährige Junge schaut zum Vater und fängt an zu schreien. Der Vater aber ist mit seinem Tablet beschäftigt. Der Junge schreit lauter, der Vater reagiert nicht, da ruft eine Frau ihm zu, er solle gefälligst auf sein Kind achten. Keine Reaktion, der Junge schreit noch lauter, und die Frau ruft ebenfalls lauter. Schließlich stellt der Vater ein Kinderprogramm ein und gibt das Tablet dem kleinen Jungen. Augenblicklich ist er still, starrt auf die bunten Bilder und drückt immer wieder eine der Tasten.

Mein Bus kommt, aber als ich zur geöffneten Tür gehen will, rast ein E-Biker in hohem Tempo an mir vorbei. Er klingelt nicht, blickt durch seine Sonnenbrille starr über mich hinweg und setzt wortlos seine Fahrt fort. Fußgänger drängen sich zur Seite, schauen dem Mann nach, und eine Frau schreit: „Verdammte Radfahrer, eines Tages geschieht hier noch ein Unglück!“

Es soll in den kommenden Tagen sehr heiß werden, und so kaufe ich mehr Obst, Saft und Wasser ein als ursprünglich geplant. Wie kann ich mit dem Einkaufstrolley und der Tasche die Treppe neben der Bushaltestelle bewältigen? Zwei junge Männer kommen mir entgegen, angeregt in ein Gespräch vertieft. „Können Sie mir das hier bitte hoch tragen, damit ich meinen Bus noch kriege?“, frage ich sie. „Natürlich, natürlich“, sagt der Größere, greift zu und trägt alles leichtfüßig die Treppe hoch, während sein Kumpel fragt, ob ich es allein schaffe oder lieber seinen Arm nehmen wolle. „Ich helfe Ihnen auch in den Bus.“ Beide Angebote nehme ich dankbar an, und als der Bus anfährt, winken sie mir zu.

Vor wenigen Wochen hat meine 70-jährige Freundin eine Hüftoperation mit anschließender Reha hinter sich gebracht. Sie hat noch Schmerzen, bewegt sich mühsamer als sonst, aber sie kann immerhin gehen. Unser Bus ist voll, kein Sitzplatz frei, so frage ich ein junges Mädchen, ob sie wohl für meine Freundin aufstehen würde. Doch ehe die sich von ihrem Sitz erhoben hat, wehrt meine Freundin bereits ab. „Das brauch ich nicht“, wendet sie sich energisch mir zu, „so alt bin ich doch nun wirklich nicht.“ Schweigend lehnt sich das junge Mädchen wieder zurück und tippt erneut auf seinem Smartphone.

Am Busbahnhof ist mir genau vor der Nase mein 135-er davongefahren. Der nächste kommt erst in zehn Minuten, müde gehe ich zur Bank. Nur ein Platz ist noch frei, denn ein Mann hat sich quer über die übrigen Sitze gelegt. Schläft er? Nein, er raucht und trinkt dazwischen ein Dosenbier, Zigarettenschachtel und Feuerzeug liegen auf dem Boden, ein Stück weit von ihm entfernt. „Hallo“, sage ich, „denken Sie an Ihr Feuerzeug, das könnte sonst jemand wegnehmen.“ Keine Reaktion, er macht nur einen tiefen Zug und schnippt die Asche unter die Bank. Der 124-er fährt bis zum Hauptbahnhof, und als er ankommt, richtet der Mann sich mühsam auf, greift nach Zigarettenschachtel und Feuerzeug und steigt langsam in den Bus ein.

Fotos: pexels

Dieses und Jenes

Ein Bergedorfer in Amerika

Beitrag: Jürgen Sakuth

Photo by Md Jawadur Rahman on Pexels.com

Wir können im Bergedorf.Blog auch sehr aktuell sein. In diesem Beitrag geht es um die Fußball WM in Amerika. Die aktuelle Sport-Berichterstattung überlasse ich lieber den Profis. Aber hier geht es um ein Social Media-Phänomen.
Drei junge deutsche Fußballfans berichten als „freddyla7“ über ihre Alltagserlebnisse in Amerika und sind damit in den USA so erfolgreich, dass sie dort bereits über 722 Tsd. Follower haben und für Furore sorgen. Sie wurden sogar schon ins Weiße Haus eingeladen.
Warum schreibe ich darüber bei uns im Blog?

Es handelt sich um Bergedorfer. Das ist doch eine Meldung wert.

Humorvolles, Plattdeutsche Texte

Vörjohr

Beitrag: Jürgen Sakuth

För de Lüüd, de buerwarken doot, is de Sommertiet de wichtigste Tiet vun’t Johr. Jüst nu hett buten dat Koorn, de Raps, de Kohl, de Röven un all de velen annern Gröönsaken dat best Wassdom. Dorn warrt dat Fröhjohr, de Johrstiet vör den Sommer, ok Vörjohr nöömt. De Harvsttiet, de Johrstiet na den Sommer, warrt passlich as Najor betekent. Nu, dat ik dütt hier opschriev, fallt mi in, wat Buer Strohbeen jümmers mit ’n Plierögen see, wenn de Snack op dat Vörjohr keem:

„Dat is weller Fröhjohrstiet,
de Vagels doot dat nu,
de Immen doot dat,
un de Bottervagels doot dat ok. Ik wörr dat jo egens ok heel geern maken, man dat Lege is,
ik kann blots nich flegen!“

„Honi soit qui mal y pense!“ wörr wull de Franzoos nu seggen. Dat heet op Hoochdüütsch: „Ein Schelm, der Böses dabei denkt!“
Man de Plattsnacker seggt dorto kort un bünnig:
“Man nix för ungoot!“

Quelle: Heinrich Evers „Fleitjepiepen, Utbüxen hölpt nix!“
(Balticum Verlagsgesellschaft und Werbeagentur GmbH)
Illustration: Elke Grotelüschen