Keine Nachrichtensendung, in der er nicht erwähnt wird, keine Fachleute, die nicht über sein Befinden Auskunft geben: „Er ist bedrohlich geschwächt.“ „Seine Haut löst sich ab.“ „Er heult laut und hat wahrscheinlich große Schmerzen.“ Ein vor Timmendorfer Strand auf Grund geschwommener Buckelwal ist es, der Deutschland in Atem hält. Große Erleichterung, als er endlich freigebaggert wurde. Ebenso große Enttäuschung, als er nur wenige Stunden später auf der nächsten Sandbank strandete. Und nun scheut er schon wieder den rettenden Weg in den Atlantik und bleibt in der Ostsee, in der er nicht überleben kann. Wie auch immer, er musste einen Namen haben, und so heißt der etwa 15 Meter lange und 25 Tonnen schwere Meeressäuger nun ausgerechnet „Timmy“.
Man möchte nach so viel Aufregung meinen, Tierschutz habe hierzulande höchste Priorität. Ist das wirklich der Fall? Empörung darüber, dass in Norwegen, Japan und Alaska immer noch Walfang betrieben wird, wenn auch nur noch in geringen Mengen. Aber da gibt es viel größere Bedrohungen für diese Tiere: Schiffsverkehr, Lärm, Umweltverschmutzung. Und vor allem Fischernetze. Wenn noch etwas vom Fang darin hängen geblieben ist, schnappen die Wale gerne zu und bringen sich damit in akute Lebensgefahr. Tatsächlich wurde auch Buckelwal Timmy schon von Netzteilen befreit, aber große Stücke hängen noch in seinem Maul. Und so sehr derzeit jede neue Sandbank als Gegner angesehen wird, so wenig interessieren sich die Menschen für diese Fischernetze, die nicht nur Buckelwalen den Tod bringen.
Katastrophe. Desaster. Drama epischen Ausmaßes. Riesenschock, so die deutschen Medien. Was ist geschehen? Wo bebt die Erde? Ist ein Vulkan ausgebrochen, reißt ein Tsunami alles nieder? Nichts dergleichen. Es geht lediglich um den Eiskunstlauf der Herren: Bei den Olympischen Spielen in Mailand zeigte der haushohe Favorit Ilia Malinin „eine Kür zum Vergessen“, bei der keiner seiner legendären Vierfach-Sprünge gelang. Im Internet hieß es: „ARD-Reporter entsetzt.“ Und die BILD-Zeitung titelte: „Der junge Gott ist abgestürzt.“
Man mag es kaum glauben, welche Ansprüche da an eine Sportart gestellt werden. Und was für ein Druck sich aufbaut in einem ehrgeizigen, talentierten 21-Jährigen, der am Ende vor den Augen der ganzen Welt sein Ziel weit verfehlte. Ein selbst gewähltes Ziel? Ein von der Gesellschaft herbei gejubeltes Ziel? Ein von den Eltern über viele Jahre gefordertes Ziel? In der wohl bislang größten Niederlage seines Sohnes wandte sich Ilia Malinins Vater demonstrativ ab – kein Trost, kein Mitgefühl.
Wer interessiert sich schon für den Valentinstag? Blumenhändler, Frauen, oder alle, die gerne schenken und sich beschenken lassen? Frau bin ich auch und zudem am Valentinstag geboren. Ich erinnere mich an Geburtstage, an denen nicht eine einzige kleine Blume meinen Gabentisch schmückte. Auch Süßigkeiten waren selten. Alle meine Lieben vertrösteten mich auf die Tage nach dem 14. Februar, da sollte es Blumen und Schokolade regnen, weil man dann garantiert ein Schnäppchen ergattern konnte. Natürlich geriet nach ausschweifender Geburtstagsparty der gute Vorsatz in Vergessenheit. Als wir alle begannen, kritisch über importierte Blumen und ungesunde Süßigkeiten nachzudenken, bekam ich Bücher und Gutscheine geschenkt. Ich kaufe mir die Blumen ohnehin am liebsten selbst, denn nur ich weiß, zu welcher Stimmung die richtige Blume passt. Für Rosen habe ich bis heute keine passende Stimmung ausmachen können, und laut Statistik liegt die Rose bei Frauen deutlich hinter der Tulpe. Wenn es Vierländer Tulpen zu kaufen gibt, steht immer ein frischer Strauß auf meinem Esstisch. Zwei Wochen vor meinem Geburtstag kaufe ich aber keine Tulpen mehr, denn seit einigen Jahren werde ich am 14. Februar mit Tulpen überhäuft. Mein Mann, meine Tochter, Freunde und Verwandte stehen strahlend mit üppigen Sträußen vor der Tür, denn nach dem schmalen Studentenbudget können wir uns den kleinen Luxus des Blumengeschenks am Valentinstag nun auch alle leisten. Die Zeiten von Mon Cherie sind sowieso längst vorbei, und ich liebe Tulpen.
Nun ist das Jahr 2026 bereits einige Wochen alt, und ich versuche immer noch, meine „guten Vorsätze“ zu sortieren. „Gute Vorsätze“ haben zu jedem Jahreswechsel Hochkonjunktur. Das merke ich am Massenauftrieb im Fitnessstudio. Ich blicke auf ein gutes 2025 zurück, wenn ich es ganz individuell betrachte. Vieles ist wider Erwarten gut verlaufen, anderes hat einfach an Bedeutung verloren, oder ich habe nicht mehr daran gedacht. Meine „guten Vorsätze“ für das vergangene Jahr sind einfach versandet. Mit dem neuen Jahr kommt das Versprechen, dass alles möglich wird, wenn man das will, was man sich im Oktober nicht einmal zu denken getraut hat.
Nun ertappe ich mich wieder, mit der Optimierung meiner Person und meiner Entscheidungen ins neue Jahr zu starten. Es ist völlig absurd, sich zum ersten Januar neu erfinden zu wollen. Nach nicht einmal vier Wochen habe ich bereits Schiffbruch erlitten und hadere mit mir. Habe ich mich für etwas entschieden, rücken andere Möglichkeiten bedrohlich in mein Blickfeld und ich versinke in Selbstzweifel. Guter Vorsatz für gerade jetzt: Mehr Selbstliebe praktizieren. Dann ist es einfach mal dumm gelaufen. Wer weiß welche Türen sich noch öffnen. Vielleicht sollte man die „guten Vorsätze“ einfach von Tag zu Tag neu formulieren und auch wirklich umsetzen. Ich werde auch ohne Lust morgen zum Sport gehen, den schlecht gelaunten Mitturnern gelassen und freundlich entgegentreten, mich auf keine unnötigen politischen Diskussionen einlassen, die Trainer aus vollem Herzen loben und dennoch nicht wissen, ob ich das übermorgen wieder so gut hinbekomme.
Noch nie habe ich bei facebook auf einen einfachen Kommentar so viele Antworten bekommen – alle negativ. Worum geht es dabei? Nun, Wirtschaftsministerin Katharina Reiche hat mit folgender Ankündigung für Wirbel gesorgt: „Der demographische Wandel und die weiter steigende Lebenserwartung machen es unumgänglich: Die Lebensarbeitszeit muss steigen.“ Es könne auf Dauer nicht gut gehen, nur zwei Drittel des Erwachsenenlebens zu arbeiten und ein Drittel in der Rente zu verbringen. „Bist Du bereit, für die deutsche Wirtschaft mehr und länger zu arbeiten?“, lautete daraufhin die Frage an die facebook community. Meine spontane Antwort: „Ja. Ich arbeite gerne, und wirtschaftlich können wir uns die von der SPD geforderte Rente ab 63 nicht leisten. Ich denke, ich stehe mit dieser Haltung nicht allein.“ Aber da hatte ich mich gründlich vertan. „Was arbeitest Du denn, Dachdecker?“, lautet die erste ironische Frage an mich. Und der Nächste legt nach: „Ich vermute, Sie sind mit 55 in Pension gegangen. Ich arbeite, seit ich 16 bin, im Drei-Schichten-System. Ich sehe mit meinen 55 Jahren und 39 Jahren Berufszeit nicht mehr so frisch aus wie Sie.“ Das war in diesem Fall gewiss nicht als Kompliment gemeint.
Ostfassade bei Nacht (Copyright: Großmarkt-Hamburg.de)
Es ist 23.00 Uhr, das Aroma des frisch gebrühten Espresso duftet bereits, die Brote sind geschmiert. Ein Blick auf die Uhr sagt mir, in 30 Minuten geht es los. Gegen 24.00 Uhr soll ich auf dem Blumen Großmarkt in Hamburg sein und auf dem Verkaufsstand meines Schwagers aushelfen, da ein Mitarbeiter ausgefallen ist. Ohne konkret zu wissen, was letztendlich auf mich zu kommt, ging ich die erste Nachtschicht in meinem Leben entspannt an.
Der Hamburger Großmarkt befindet sich zwischen dem Oberhafen und der Amsinckstraße im Stadtteil Hammerbrook auf einem 27,3 ha großen Grundstück. Der alte Spruch „die Nacht zum Tage machen“ trifft hier uneingeschränkt zu, gearbeitet wird nachts!
Als ich auf dem Großmarkt Hamburg die Schranke am Haupttor Ost passiert hatte und in Richtung der imposanten, bogenförmigen Hallen fuhr, herrschte auf dem Parkplatz vor der Halle des Gemüsemarkts bereits ein reges Treiben. Dazu muss man wissen, Gemüse – und Blumen Großmarkt sind in nebeneinander liegenden Hallen untergebracht, und der Arbeitsbeginn in den Hallen des Obst- und Gemüse Großmarktes liegt vor dem des Blumen Großmarktes. Vorsichtig fuhr ich weiter, achtete darauf, nicht mit einem der unzähligen Gabelstapler, die vollbeladen mit ihren Paletten zwischen den LKWs herum wuselten, zusammen zu stoßen.
Endlich angekommen, hatte ich noch Zeit, mich ein wenig umzusehen. Das ist also einer der größten Blumen Großmärkte in Deutschland, dachte ich mir. Von hier aus werden unzählige Wochenmärkte und Geschäfte des Blumenfachhandels in ganz Norddeutschland mit Blumen und Zierpflanzen versorgt. Ungefähr 100 Anbieter, die sich aus Erzeugern, Großhändlern und Kommissionären zusammensetzen, bieten hier in einer 180 Meter langen, 57 Meter breiten und 14 Meter hohen Halle ihre Waren an. Und wer sich für Architektur interessiert: Die Hallen sind eine der eindrucksvollsten Beton Schalenkonstruktionen in Hamburg, ähnlich wie das zur Universität zählende Audi Max im Stadtteil Rotherbaum, und stehen seit 1996 unter Denkmalschutz. Der Umzug des Blumen Großmarktes erfolgte 1984 von den Deichtorhallen auf das Gelände des Großmarktes neben der Halle des Obst – und Gemüsemarktes.
Mein Schwager war mittlerweile angekommen und somit betraten wir das Herzstück des Blumen Großmarktes. Mein Blick streifte kurz durch die gigantische Halle und ich wurde zu dieser unchristlichen Zeit von einer Blüten- und Farbenpracht begrüßt, die ihresgleichen sucht. Mit Sicherheit gibt es schlechtere Arbeitsplätze als diesen, sagte ich mir. Mal schauen, ob ich das in acht Stunden immer noch denke.
Nach einer kurzen Einweisung ging es los, den Stand möglichst schnell für die Kunden vorzubereiten. Zum Transport bzw. zur Präsentation auf dem Stand werden die Pflanzen in CC-Container gepackt. Die Container sind auf dem Großmarkt nicht wegzudenken, haben einen festen Boden und durchschnittlich vier bis sechs weitere Bretter, die individuell je nach Bedarf und Pflanzenhöhe verstellt werden können. Da die beiden vorderen Rollen lenkbar sind, bedeutet das für einen Anfänger wie mich, dass diese Transportmittel schnell ein Eigenleben entwickeln können. Besonders, wenn man mit zwei Containern voll bepackt auf dem Großmarkt unterwegs ist und ziehend oder schiebend und gleichzeitig lenkend alles umkurven muss, was einem in den engen Gängen entgegenkommt oder im Weg steht. Für einen Anfänger eine schweißtreibende Fortbewegung, zumal die „Biester“ voll bepackt schwer sind. Passend dazu der Spruch eines Kollegen, als ich mich wieder einmal voll bepackt mit zwei Containern durch die Gänge schlängelte und natürlich irgendwo hängen blieb: „Wir sind hier nicht auf dem Übungsplatz des ADAC.“ Entsprechend waren die Container letztendlich heute Nacht meine ganz persönliche Herausforderung.
Sie werden Weihnachten mit Freunden oder Verwandten, Kindern und Erwachsenen feiern? Das ist schön, und Sie freuen sicherlich darauf. Aber manchmal, so nach dem Essen und dem Kaffee, hat man das Wichtigste schon gesagt, es drohen Langeweile oder gar ein bisschen Zwist aufzukommen. Die alten Spiele sind reizlos geworden, und ein neues lag nicht unterm Tannenbaum. Wie wäre es da mit Dichten? Ja – Sie machen einzeln, paarweise oder alle zusammen Gedichte. Und zwar Haikus. Ein Haiku ist ein japanisches Kurzgedicht mit 17 Silben, verteilt auf 3 Zeilen. Die erste Zeile hat 5, die zweite 7 und die dritte wieder 5 Silben. Auch mit der deutschen Sprache kann man so dichten. Ich habe es mal versucht:
Roter Fensterstern jetzt wieder im Dezember öffnet mir das Herz.
Beim Aufräumen entdeckte ich ein Buch aus meiner Kindheit „Die schönsten Seefahrergeschichten“. Neugierig blätterte ich in dem Buch, las von Francis Drake und seiner Weltumsegelung. Die Golden Hind ist etwa genau so lang wie die Sea Explorer von Boris Hermann.
Drake hatte Besatzung, 18 Kanonen und Proviant in so einem kleinen Schiff untergebracht. Wie war es bei seiner Weltumsegelung? Ich träumte:
„Francis Drakes Weltumsegelung – Der Piratenkapitän wird Ritter“
Die Reise der Pelican (später Golden Hind), das Herz der Flotte, sollte fast drei Jahre dauern und die geopolitischen Karten Europas neu schreiben.
Am 13. Dezember 1577 stach Francis Drake mit einer Flotte von fünf Schiffen – darunter sein Flagschiff, die Pelican – aus dem Hafen von Plymouth in See. Der Auftrag von Königin Elisabeth I. war ein staatliches Geheimnis: Nicht nur die Welt sollte umsegelt werden, sondern vor allem sollten die spanischen Goldschiffe im Pazifik geplündert werden, wo die Küsten Perus und Chiles kaum verteidigt wurden.
Das Flagschiff war Drakes ganzer Stolz und sein Überlebensgarant. Es war zwar klein im Vergleich zu spanischen Kriegsgaleonen, aber schnell, wendig und robust für die gewaltigen Ozeane.
Jedes Jahr, wenn die Blätter golden werden und die Nächte länger, tauchen Kürbisse mit gruseligen Fratzen auf, und die Welt bereitet sich auf eine Nacht voller Geister, Hexen und zuckersüßer Erpressung vor.
Doch während wir heute an Halloween vor allem an Kostüme und Süßigkeiten denken, reicht der Ursprung dieses Festes tief in die Geschichte zurück – bis zu einem uralten keltischen Fest, das das Ende der Ernte und den Beginn der Dunkelheit feierte: Samhain.
Das Laub hat seine grüne Farbe verloren und fällt langsam auf die Erde. In verschiedenen dunklen Gelbtönen, in Rot und Orange raschelt es unter unseren Füßen. Es ist Herbst. Der Regen prasselt gegen unsere Fensterscheiben, die Kinder sammeln Kastanien, es werden Erntefeste gefeiert, und wir freuen uns über die Farbvielfalt der Natur.
Ein Hauptakteur des Herbstes scheint seit einigen Jahren der Kürbis geworden zu sein. Auf vielen Wagen des schönen Vierländer Festumzugs zum Erntedankfest waren auch unterschiedlichste Kürbisse zu sehen. Der Kürbis hat sich seit einigen Jahren einen Stammplatz in den Herzen der Menschen erobert. Ursprünglich stammt er aus Süd- und Mittelamerika und wird dort seit über 12000 Jahren angebaut. Damit ist er das älteste landwirtschaftliche Produkt überhaupt. Nach Europa schaffte es der Kürbis erst im 15. Jahrhundert zusammen mit der Kartoffel und allem was nicht auf der langen Schiffsreise einging oder verfaulte.
Dankeschön, das werden wir beim nächsten Mal so machen.