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Vermeer, der Maler der Geheimnisse

Beitrag: Boike Jacobs

Er hat insgesamt nur 37 Bilder gemalt, die meisten von ihnen über mehrere Jahre – im Gegensatz etwa zu Rembrandt, von dem 350 Gemälde bekannt sind. 28 meist kleinformatige Werke von Jan Vermeer van Delft waren nun im Rijksmuseum von Amsterdam ausgestellt – die erste Gesamtschau dieses Meisters aus Hollands „Goldenem Zeitalter“, in dem der Reichtum und damit auch die Kunst zu ungeahnten Höhen wuchsen. Und zu ungeahnten Höhen wuchs auch die Zahl der Besucherinnen und Besucher, die diese Ausstellung sehen wollten. Schon weit vor der Schließung wurden keine neuen Karten verkauft, dafür aber im Internet mit Preisen weit über 200 € angeboten.

Amsterdams Rijksmuseum während der großen Vermeer-Ausstellung. Foto: wikipedia

Ende Juni wurde die Ausstellung geschlossen, aber im Hamburger Zeise Kino wird am Montag, dem 30. Juli, eine Dokumentation gezeigt mit großartigen Erläuterungen über den „Maler der Geheimnisse“, der Alltagsszenen so lebendig festgehalten hat. Selbst Bilder, die man schon oft gesehen hat, werden in diesem Film ganz neu erklärt und sichtbar gemacht.

Da ist etwa das Bild vom Milchmädchen, das zu den bekanntesten Werken Vermeers gehört. „Alles ist still im Bild, nur die Milch, die von dem Krug in der Hand des Dienstmädchens in einen anderen Krug fließt, ist zu hören. Davor liegen Brote und Brötchen. Alles zusammen wird vielleicht gleich dem Herrn des Hauses serviert. Die Magd ist konzentriert auf das Umgießen, sie blickt herab, und ihre rechte Gesichtshälfte wird von dem Licht, das durch das Fenster scheint, beleuchtet“, heißt es in der Dokumentation.

Das Milchmädchen. Foto pixabay

Und doch hat Vermeer lange gearbeitet, um diesen vollkommenen Eindruck in einem Bild zu erreichen, das den Betrachter geradezu hereinzieht in das Geschehen. Röntgenaufnahmen zeigen, dass ursprünglich ein Bord mit Tellern vor einer unruhigen Tapete zu sehen und die Schürze des Milchmädchens in verwaschenem Taubenblau gemalt war. Nun lenkt nichts mehr ab von der einfachen Frau, die in einem hellen, weißen Raum steht und eine leuchtend blaue Schürze trägt.

Frauenporträts auf der Eintrittskarte zur Vermeer-Ausstellung. Foto: Rijksmuseum

Das ist typisch für viele Bilder, die im Rijksmuseum zu sehen waren. Vermeer zeigt immer wieder intime stille Momente mit jungen Frauen. Sie haben etwas in der Hand – eine Kette, ein Instrument, einen Brief. Es sind elegante, sinnliche Szenen, und der Maler macht aus den Betrachtern Voyeure, die halb versteckt hinter einem Vorhang etwas beobachten, was gar nicht für ihre Augen bestimmt ist. Vermeer erzählt Geschichten, aber welche?

Junge Frau in Blau. Foto: Rijksmuseum

Das gilt auch für die Frau, die vor einem Fenster steht und einen Brief liest. Offenbar ist sie hastig von ihrem Stuhl aufgestanden und schaut eher besorgt auf das Schriftstück. Vincent van Gogh war besonders fasziniert von diesem Bild und berichtete darüber seinem Bruder Theo: „Kennst du einen Maler namens Vermeer? Er hat die würdevolle und schöne Figur einer schwangeren Holländerin gemalt. Die Farbenskala besteht aus Blau, Zitronengelb, Perlgrau und Weiß. Es ist wahr, in den wenigen Bildern, die wir von ihm haben, kann man alle Farben der Palette finden; aber es ist eben doch charakteristisch für ihn, dass er Zitronengelb, ein stumpfes Blau und ein helles Grau kombiniert, so wie Velasquez Schwarz, Weiß, Grau und Rosa zu einer Harmonie bindet.”

Die Ausstellung ist vorbei, aber der Film wird noch ein letztes Mal gezeigt, und zwar am Montag, dem 30. Juli, im Altonaer Zeise Kino.

Boike Jacobs

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