Beitrag: Sabine Ziesmer
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Es ist durchaus plausibel, dass Dinge und Lebewesen einen Namen besitzen. Nur so können wir uns sinnvoll verständigen. Warum aber die Generationen des letzten und dieses Jahrhunderts mit zuweilen unaussprechlichen Namen versehen werden, ist nicht zu verstehen. Per Definition bezeichnet eine Generation eine Gruppe von Menschen, die durch vergleichbare gesellschaftliche, historische und technologische Ereignisse geprägt sind. Eine solche Generation umfasst etwa 15-20 Jahre. Ich gehöre zu den sogenannten Babyboomern, die zwischen 1950 und 1964 geboren wurden. Wer glaubt, dass wir Boomer den Startschuss für die Definition der Generationen gaben, liegt falsch. Die Geburtenjahrgänge von 1928 bis 1945 tragen die Bezeichnung Silent Generation, was so viel wie „Stille Generation“ heißt. Die Kriegsgeneration zeichnete sich durch stilles Ertragen der Krisen und des Krieges aus, aber auch durch Pünktlichkeit, Arbeitsmoral, Respekt vor Autoritäten und Beeinflussbarkeit.
Wie nun sind wir zu unserem Namen „Boomer“ gekommen? Nach Ende des Zweiten Weltkrieges, besonders seit Mitte der 1950er Jahre, gab es auf Grund des wirtschaftlichen Aufschwungs einen rasanten Anstieg der Geburtenrate, einen sogenannten Boom. Wir waren immer und überall viele: in den Schulen, im Wettbewerb um Ausbildungs- und Studienplätze, auf dem Wohnungsmarkt und beim Ansturm auf Schlussverkäufe und auf italienische Strände. Überall fielen wir wie eine Heuschreckenplage ein. Vielleicht ist es unserer Unerschrockenheit und Resilienz zu verdanken, dass wir innerhalb weniger Jahrzehnte Wohlstand, Wirtschaftswachstum, moderne Sozialsysteme, politische Stabilität und gesellschaftlichen Wandel geprägt haben. Wir haben auch den ökologischen Aufbruch und die Anti-Atomkraft- und Friedensbewegung angestoßen. Wir stehen für Gleichberechtigung, Emanzipation und liberale Erziehungsmodelle. Als Boomer hinterlassen wir aber auch Rentenlücke und Klimakrise. Boomer wird zum Schimpfwort. Immer noch viele und alle auf ihren ökonomischen Vorteil bedacht. Wenn die Ablehnung einen Namen hat, kann man prächtig drauflos agitieren. Es ist keine gute Idee, die Generationen gegeneinander aufzuhetzen.
Weiterlesen „Boomer bis Beta“























Vielen Dank für diesen wunderbaren Artikel. Als direkter Anwohner am "Konzertsaal" Kirchwerder Wiesen werde ich das kostenlose Froschkonzert zukünftig etwas…