Bücher finden ihren Weg in die Herzen ihrer Leserinnen und Leser. Wie durch eine unsichtbare Tür gelangen wir in unbekannte Welten. Manche Geschichten sind wie große Schlosstüren, beeindruckend und imposant. Andere hingegen sind die unscheinbaren Türchen für die kleine, aber feine Freude am geschriebenen Wort. Seit ich erste Sätze erlesen kann, begleiten mich Bücher durch mein Leben. Sie haben mir Mut gemacht, mir neue Wege aufgezeigt, meine Gefühle umschrieben, mich zu Tränen gerührt, mir die Welt erklärt und Ruhe in meinen Tag getragen. Nicht alle Bücher werden zu Wegbegleitern, die es aber schaffen, bleiben für immer.
Der Regen klimpert mit einem Finger
die grüne Ostermelodie.
Das Jahr wird älter und täglich jünger.
O Widerspruch voll Harmonie!
Der Mond in seiner goldnen Jacke versteckt sich hinter dem Wolken-Store. Der Ärmste hat links eine dicke Backe und kommt sich ein bisschen lächerlich vor. Auch diesmal ist es dem März geglückt: Er hat ihn in den April geschickt.
Und schon hoppeln die Hasen mit Pinseln und Tuben und schnuppernden Nasen, aus Höhlen und Gruben durch Gärten und Straßen und über den Rasen in Ställe und Stuben.
Dort legen sie Eier, als ob’s gar nichts wäre, aus Nougat, Krokant und Marzipan. Der Tapferste legt eine Bonbonniere, er blickt dabei entschlossen ins Leere – Bonbonnieren sind leichter gesagt als getan.
Dann geht es ans Malen. Das dauert Stunden.
Dann werden noch seidene Schleifen gebunden.
Und Verstecke gesucht. Und Verstecke gefunden:
Hinterm Ofen, unterm Sofa,
in der Wanduhr, auf dem Gang,
hinterm Schuppen, unterm Birnbaum,
in der Standuhr, auf dem Schrank.
Dakräht der Hahn den Morgen an!
Schwupp, sind die Hasen verschwunden.
Ein Giebelfenster erglänzt im Gemäuer.
Am Gartentor lehnt und gähnt ein Mann.
Über die Hänge läuft grünes Feuer
die Büsche entlang und die Pappeln hinan.
Der Frühling, denkt der, kommt also auch heuer.
Er spürt nicht Wunder noch Abenteuer,
weil er sich nicht mehr wundern kann.
Liegt dort nicht ein kleiner Pinsel im Grase?
Auch das kommt dem Mann nicht seltsam vor.
Er merkt gar nicht, dass ihn der Osterhase
auf dem Heimweg verlor.
Keine Nachrichtensendung, in der er nicht erwähnt wird, keine Fachleute, die nicht über sein Befinden Auskunft geben: „Er ist bedrohlich geschwächt.“ „Seine Haut löst sich ab.“ „Er heult laut und hat wahrscheinlich große Schmerzen.“ Ein vor Timmendorfer Strand auf Grund geschwommener Buckelwal ist es, der Deutschland in Atem hält. Große Erleichterung, als er endlich freigebaggert wurde. Ebenso große Enttäuschung, als er nur wenige Stunden später auf der nächsten Sandbank strandete. Und nun scheut er schon wieder den rettenden Weg in den Atlantik und bleibt in der Ostsee, in der er nicht überleben kann. Wie auch immer, er musste einen Namen haben, und so heißt der etwa 15 Meter lange und 25 Tonnen schwere Meeressäuger nun ausgerechnet „Timmy“.
Man möchte nach so viel Aufregung meinen, Tierschutz habe hierzulande höchste Priorität. Ist das wirklich der Fall? Empörung darüber, dass in Norwegen, Japan und Alaska immer noch Walfang betrieben wird, wenn auch nur noch in geringen Mengen. Aber da gibt es viel größere Bedrohungen für diese Tiere: Schiffsverkehr, Lärm, Umweltverschmutzung. Und vor allem Fischernetze. Wenn noch etwas vom Fang darin hängen geblieben ist, schnappen die Wale gerne zu und bringen sich damit in akute Lebensgefahr. Tatsächlich wurde auch Buckelwal Timmy schon von Netzteilen befreit, aber große Stücke hängen noch in seinem Maul. Und so sehr derzeit jede neue Sandbank als Gegner angesehen wird, so wenig interessieren sich die Menschen für diese Fischernetze, die nicht nur Buckelwalen den Tod bringen.
Als ich 1968 den Roman „Deutschstunde“ von Siegfried Lenz zum ersten Mal gelesen habe, hat es mich regelrecht durchgeschüttelt. Wenige Jahre zuvor hatten mich auch „Die Blechtrommel“ und “Hundejahre“ von Günther Grass fasziniert und begeistert. Aber „Deutschstunde“ traf mich ganz persönlich, weil hier eine Atmosphäre geschildert wird, die ich aus bitterer Erfahrung selber kannte. Dabei spielt sich das eigentliche Drama in diesem Roman in den Jahren 1942 bis 1945 ab und zeigt in der Gestalt des Polizisten Ole Jepsen einen Gehorsam gegenüber Befehlen, der selbst bei Freunden und den eigenen Kindern keine Gnade kennt. „Pflicht ist Pflicht“, heißt seine Devise. Aber nicht nur im Krieg, auch in der Nachkriegszeit blieben seelische und körperliche Gewalt ein Mittel zur Erziehung. Genau wie sie es in der NS-Zeit gelernt hatten, schlugen Eltern ihre Kinder, Lehrer ihre Schüler, und dabei war bei den einen die Teppichbürste, bei den anderen der Rohrstock ein beliebtes Hilfsmittel. Mitgefühl und Nachsicht hatten da kaum Platz. Erst die 68er Generation stand dagegen auf und machte dem Ungeist auf vielen Ebenen ein Ende.
Wie diese Frauen im Jahr 1585 starb auch Abelke Bleken in den Flammen
Ich lebe seit fast vierzig Jahren in den Vier- und Marschlanden. Die Geschichte dieses zu Hamburg gehörenden Landstrichs, die Kultur, die Menschen und der Einfluss des Elbstroms üben auf viele von uns Zugezogene eine besondere Anziehungskraft aus. Durch die unmittelbare Nähe des Konzentrationslagers Neuengamme beschränkte sich mein Interesse lange auf die Rolle der Vier- und Marschländer im Nationalsozialismus. Es gibt in meiner unmittelbaren Umgebung noch viele Zeitzeugen, die allerdings ungern über die Rolle ihrer Höfe im Zusammenhang mit Zwangsarbeit sprechen mögen. Ein Blick in die Archive des Konzentrationslagers entlarvt die relativierenden Angaben der Bauern als das was sie sind: Verleugnung von Mitschuld oder folgenschweres Wegschauen.
Als ich in der Buchhandlung auf den Roman „Marschlande“ von Jarka Kubsova stieß, war mein Interesse sofort geweckt. Ich hatte mich bereits mit Hexenverfolgung in Hamburg beschäftigt. Mindestens vierzig Frauen und mehr als ein Dutzend Männer fanden über mehrere Jahrhunderte nach grausamen Schauprozessen den Tod. Viele Hinrichtungen erfolgten nach der Reformation im Jahr 1529. Die letzte bekannte Hinrichtung wegen Zauberei in Hamburg geht auf das Jahr 1642 zurück, als Cillie Hemels verbrannt wurde. „Marschlande“ erzählt die wahre Geschichte der Abelke Bleken aus Ochsenwerder, die am 18. März 1583 als Hexe verbrannt wurde. Ein Frauenschicksal in meiner näheren Umgebung. Das durch die „peinliche Befragung“, eine Umschreibung für grausame Folter, herbeigeführte Geständnis, liegt als Gedächtnisprotokoll vor. Dieses Protokoll ist in seiner Form einzigartig und liefert interessante Einblicke in Abelkes vermeintliche Taten und ihre angeblichen Zauberpraktiken. Man kann es im geschichtsbuch.hamburg.de nachlesen.
Wieder einmal zogen die Kinder am Dienstag und Mittwoch nach Rosenmontag durch die Straßen in Ochsenwerder und Kirchwerder. Manche in originellen Faschingskostümen, andere lieber unauffällig, alle aber ausgestattet mit Leinenbeutel, Holzhammer oder Holzlöffel, um an die Türen der Häuser zu klopfen. An manchen Schulen wurden die Löffel im Werkunterricht selbst hergestellt. Dieser traditionelle Fastnachtsbrauch folgt alljährlich einer festen Choreographie. Geklopft wird nur an Haustüren, vor denen Holzkisten oder Bretter auf die kleinen Klopfer warten. Nur hier können die Kinder ganz sicher sein, dass sich hinter diesen Türen Menschen auf sie freuen und nette Naschereien für sie bereithalten. Bereits während des Klopfens singen sie das traditionelle Lied: „Hammer, Hammer-Hü, giff mi`n lütje Klü! Lot mi nich to lange stahn, ick mutt noch een Hus wieder gahn! Een Hus wieder, wohnt de Snieder, een Hus achter wohnt de Slachter, een Hus in de Mitt, wohnt de (olle) Smitt. Een Hus am Enn, dor giiff dat`nen Pinn!“
Bis in die 1960er-Jahren gingen die Kinder ohne Klopfgerät von Haus zu Haus. Damals traf man in den meisten Häusern jemanden an. Wenn sich die Leute trotz lustigem Gesang nicht blicken ließen, gab es eine erboste letzte Zeile: „Witten, Tweern, swatten Tweern, disse Olsch, de gifft nich geern!“ Der Hausherr kam ungeschoren davon, er war ja bei der Arbeit.
Bis in die 1990er Jahre galt als krönender Abschluss am Donnerstagnachmittag die „Hammer-Hü-Party“ in Rieges Gasthof in Ochsenwerder, veranstaltet vom Gesangsverein Edelweiß.
Immer wieder im Frühjahr lädt die Hamburgische Kulturstiftung zur Überraschungsgala ins Hansa Theater am Steindamm ein. In einem vielseitigen Programm präsentieren sich ausgewählte Förderprojekte der Stiftung. Gezeigt werden sowohl Ausschnitte aus Projekten junger Künstlerinnen und Künstler als auch der Kinder- und Jugendkultur. Vom Poetry Slam und musikalischen Acts, von Breakdance-Einlagen bis zum Kurzfim – das Programm macht die Bandbreite der Förderung durch die Hamburgische Kulturstiftung anschaulich. Und ist jedes Jahr voller Überraschungen.
Umfangreiche Vorbereitungen mit großartigem Ergebnis
Wie in den vergangenen Jahren war Bergedorf wieder mit einem Kurzfilm vertreten, und so gehörten auch an diesem Abend Regine Uhlig, Ute Klapschuweit und Sabine Erler sowie Regisseur und Filmemacher Paul Uhlig zu den Gästen. Unter ihrer Anleitung hatten die Kinder aus der Flüchtlings-Unterkunft an der Brookkehre in wochenlanger Arbeit gebastelt, angemalt, geklebt. Und auch die Texte, von Paul Uhlig geschrieben, präsentierten sie mit Charme, Witz und viel schauspielerischem Talent. Bei der Vorführung wurde jedenfalls viel gelacht und applaudiert.
Den musikalischen Reigen eröffnen heute die Geigen. Wehe, wenn eine falsch klingt, der Ton bis zum Dirigenten gar dringt, lässt das dessen Blutdruck ansteigen.
Der Besitzer vom Cello hat einen Hund namens Bello Wenn der lässt sich kraulen, beginnt er zu jaulen, natürlich nur a ca bello.
Es klang die Trompete wie wenn ein Hahn krähte. Das kann ich viel besser rief der Trompeter kesser und die Trompete umdrehte.
Wo bleibt denn nur die Klarinette, sie doch schon längst ihren Einsatz hätte. Ein wildes Gerücht die Runde macht, dass der Klarinettist nach durchzechter Nacht liegt noch immer betrunken im fremden Bette.
Frau B. an der Harfe, das war 'ne ganz Scharfe. Wann immer sie spielte, der Hornist nach ihr schielte. Leider entsprach der nicht ihrem Bedarfe.
Ein falscher Ton der Querflöte trieb dem Flötisten ins Gesicht tiefdunkle Röte. So sehr er sich auch plagte, die Flöte das Spiel ihm versagte mit der Luft bekam er dann ganz arge Nöte.
Dankeschön, das werden wir beim nächsten Mal so machen.