Geschichten und Gedichte, Humorvolles

Aussichten

Beitrag: Helmut Marquardt

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Junior-Wurm sich durch den Apfel fraß,
denn ein Apfel, der tat köstlich schmecken.
Sein Vorteil war, dass er im Innern saß,
kein Vogel konnt‘ ihn so entdecken.
Doch weil auf Dauer er’s langweilig fand,
im Dunkeln stets zu kauen,
fraß Junior-Wurm sich durch die Apfelwand,
die weite Welt zu schauen.
Nun birgt ja diese weite Welt
so allerhand Gefahren,
und niemand hat dem Wurm erzählt,
wie er sich sollt’ davor bewahren.
Während er arglos aus dem Apfel schaute,
das Unheil sich über ihm zusammenbraute.
Es entdeckte eine Meise
den Wurm für sich als Speise.
Man glaubt, dies ist jetzt des Wurmes Ende,
es gibt für ihn auch kein Entrinnen,
da bahnt sich plötzlich an die Wende,
denn die Rettung selbst, sie kommt von Innen.  
Junior-Wurm der hatte wirklich Glück,
die Meise zwar kräftig an ihm zerrte
sein Hinterteil war vom Fressen viel zu dick,
ihm so nach außen hin den Weg versperrte.

Geschichten und Gedichte

Der Mai

Erich Kästner

Fotos: pexels
Im Galarock des heiteren Verschwenders,
ein Blumenzepter in der schmalen Hand,
fährt nun der Mai, der Mozart des Kalenders,
aus seiner Kutsche grüßend, über Land.

Es überblüht sich, er braucht nur zu winken.
Er winkt! Und rollt durch einen Farbenhain.
Blaumeisen flattern ihm voraus und Finken.
Und Pfauenaugen flügeln hinterdrein.
Die Apfelbäume hinterm Zaun erröten.
Die Birken machen einen grünen Knicks.
Die Drosseln spielen, auf ganz kleinen Flöten,
das Scherzo aus der Symphonie des Glücks.

Die Kutsche rollt durch atmende Pastelle.
Wir ziehn den Hut. Die Kutsche rollt vorbei.
Die Zeit versinkt in einer Fliederwelle.
O, gäb es doch ein Jahr aus lauter Mai!
Melancholie und Freude sind wohl Schwestern.
Und aus den Zweigen fällt verblühter Schnee.
Mit jedem Pulsschlag wird aus Heute Gestern.
Auch Glück kann weh tun. Auch der Mai tut weh.

Er nickt uns zu und ruft: "Ich komm ja wieder!"
Aus Himmelblau wird langsam Abendgold.
Er grüßt die Hügel, und er winkt dem Flieder.
Er lächelt. Lächelt. Und die Kutsche rollt.

Geschichten und Gedichte, Humorvolles

Übertrieben

Beitrag: Helmut Marquardt

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Es gibt Geschöpfe hier auf Erden,
die sind wirklich eine Plage.
Schwierig ist es, ihrer habhaft werden,
oft ist man nicht Herr der Lage.
Eins davon ist wohl bekannt,
Flinkbuddler auch genannt.
Beim Menschen ist er recht verhasst,
denn dieses schwarze Individuum,
hat es im Garten erst mal Fuß gefasst,
gräbt dann mit Chance die ganzen Beete um.
Auch Herr B. aus Wurmelingen
wußt ein Lied davon zu singen.
Als er morgens in den Garten schaute,
seinen Augen er kaum traute.
Denn im Rasen, welcher gestern noch schön eben,
acht schwarze Hügel taten sich erheben.
Sein Gesicht, das wurde kreidebleich,
doch einen Plan hatte er sogleich.
Ihm fiel ein der Rat vom Nachbarn Klopp
nimm vom alten Fisch den Kopp,
steck ihn in die Gänge rein
und alsbald wird er verschwunden sein.
Der Buddler jedoch sich nicht drum scherte
sondern seine Haufen noch vermehrte.
Schwager Willi war mit Rat zur Stell,
füll saure Milch in seine Gänge.
Du wirst sehen blitzeschnell,
flieht er aus seiner dunklen Enge.
Man ahnt, der Buddler hat sich nicht verzogen,
die schwarze Erde hat’s ihm angetan,
er schlug sogar noch einen Bogen
und kam dann bei den Rosen an.
Herrn B.’s Geduld war jetzt am Ende,
er schnaubt, das mach ich nicht mehr mit.
Er denkt, dies Mittel bringt bestimmt die Wende.
Das Zauberwort heißt Dynamit.
Es dauert dann auch gar nicht lange
und er versenkt das Zeug im Buddlergange.

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Geschichten und Gedichte

Frühling

Beitrag: Helmut Marquardt

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Horch, hörst Du den Frühling nicht,
er naht auf leisen Schwingen.
Wenn in der Früh beim ersten Tageslicht
die Vögel ihm ein Ständchen bringen.
Dann ist erfüllt die Luft mit froh Gesang,
im Frühling jetzt, da sucht er seinesgleichen.
Es ist dies ein besonderer Klang
den nur im Frühjahr sie erreichen.
Die Lebensfreude ist ihnen anzuhören,
sie singen, trällern um die Wette
und streiten sich, ich könnte schwören
wer von ihnen denn die schönste Stimme hätte.


Geschichten und Gedichte, Humorvolles

Orchesterprobe

Beitrag: Helmut Marquardt

                                                                                                                                                       
Den musikalischen Reigen
eröffnen heute die Geigen.
Wehe, wenn eine falsch klingt,
der Ton bis zum Dirigenten gar dringt,
lässt das dessen Blutdruck ansteigen.

Der Besitzer vom Cello
hat einen Hund namens Bello
Wenn der lässt sich kraulen,
beginnt er zu jaulen,
natürlich nur a ca bello.

Es klang die Trompete
wie wenn ein Hahn krähte.
Das kann ich viel besser
rief der Trompeter kesser
und die Trompete umdrehte.

Wo bleibt denn nur die Klarinette,
sie doch schon längst ihren Einsatz hätte.
Ein wildes Gerücht die Runde macht,
dass der Klarinettist nach durchzechter Nacht
liegt noch immer betrunken im fremden Bette.

Frau B. an der Harfe,
das war 'ne ganz Scharfe.
Wann immer sie spielte,
der Hornist nach ihr schielte.
Leider entsprach der nicht ihrem Bedarfe.

Ein falscher Ton der Querflöte
trieb dem Flötisten ins Gesicht tiefdunkle Röte.
So sehr er sich auch plagte,
die Flöte das Spiel ihm versagte
mit der Luft bekam er dann ganz arge Nöte.
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Geschichten und Gedichte

Weltweit

Beitrag: Helmut Marquardt

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Herr und Frau F. aus Altenahr
waren ein gut betuchtes Ehepaar.
Weil sie konnten es sich leisten,
taten sie meist eines nur, sie reisten.
Beinah schon um die ganze Welt,
es mangelte ihnen ja nicht an Geld.
Von dieser Reise sie noch träumten,
weil sie die bisher versäumten.
Eine Kreuzfahrt auf der Hurtigruten,
wollten sie sich noch zumuten.
Zum Nordkap sollt‘ die Reise geh’n,
denn das hatten sie noch nicht geseh’n.
In Hamburg dann, ganz unbefangen,
sind die beiden hier an Bord gegangen.
Wenig später hieß es Leinen los,
ihre Erwartungen waren groß.
Entlang an Bergen und an Fjorden
gings ab Richtung Kap im Norden.
Es kam die Zeit, sich zu bequemen,
im Salon die Speisen einzunehmen.
Daraufhin begannen die beiden,
sich dementsprechend einzukleiden
und ihre Garderobe bitte sehr
gab doch wirklich schon was her.
Das Buffet war reich und haltig
und die Auswahl ganz gewaltig.
Frau F., ihr Name war Beate,
probierte zunächst mal die Salate.
Danach die Suppe mit der Zwiebel,
das Rezept, das stand schon in der Bibel.
Dazu vier leckre Taubenbrüstchen,
gehüllt in leckre Mandelkrüstchen.
Alwin, ihr Gatte, das Buffet erstürmt,
Fleisch sich auf seinem Teller türmt.
Dann, er konnt’s einfach nicht lassen,
als würd‘ er irgendwas verpassen,
kamen noch hinzu, statt nacheinander,
drei Filets vom leckren Zander.
Derweil ist hier im hohen Norden,
die See etwas rauher schon geworden.

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Geschichten und Gedichte, Plattdeutsche Texte

Ut mien Kinnertiet

Beitrag: Helmut Marquardt

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Denk ik an mien Kinnertiet,
is de so leeg nich wäsen.
Un güng dat up de Wintertiet,
wörr Freid in mien Gesicht tau läsen.
Wenn ick vun Dag dat vör mi seh,
ward mi so egen üm dat Hatt,
denn ok de Wintertiet mit Ies un Snee
harr männicheen Vergnögen praat.
Ick rüüsch dann buckligen Barg hendal
up mien olen Iesensläden.
Dat wörr’n Geföhl, ick segg dat mal,
as op’n willen Peerd büst reden.

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Geschichten und Gedichte, Wissenswertes

Weihnachten basteln wir uns ein Gedicht

Beitrag: Elisabeth Hartmann

Sie werden Weihnachten mit Freunden oder Verwandten, Kindern und Erwachsenen  feiern? Das ist schön, und Sie freuen sicherlich darauf. Aber manchmal, so nach dem Essen und dem Kaffee, hat man das Wichtigste schon gesagt, es drohen Langeweile oder gar ein bisschen Zwist aufzukommen. Die alten Spiele sind reizlos geworden, und ein neues lag nicht unterm Tannenbaum. Wie wäre es da mit Dichten? Ja – Sie machen einzeln, paarweise oder alle zusammen Gedichte. Und zwar Haikus. Ein Haiku ist ein japanisches Kurzgedicht mit 17 Silben, verteilt auf 3 Zeilen. Die erste Zeile hat 5, die zweite 7 und die dritte wieder 5 Silben. Auch mit der deutschen Sprache kann man so dichten. Ich habe es mal versucht:  

Roter Fensterstern
jetzt wieder im Dezember
öffnet mir das Herz.

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Geschichten und Gedichte, Plattdeutsche Texte

Afnadelt

Beitrag: Helmut Marquardt

Een Dag noch, dann is’t so wiet,
dann is vörbi de lange Tiet.
Dann is dat wohrhaftig wohr,
dann is Hillig Avend dor.
Hillig Avend, dat’s Tratschoon,
kriggt he sien Kleed, de Dannenboom.
De Kinner hölpt bi’n Utstaffeern,
dat makt se vun Harten geern.
Mudder dreiht noch mal een Runn,
dörch dat Huus un hett wat funn’n.
In de Stuuv dor geiht ehr Blick
un ehr Hals ward täämlich dick.
Mudder bölkt: Hier fählt doch wat !!!
Vadder fragt: Wat is denn dat?
Mudder in’n Kommandoton:
Wo steiht denn hier de Dannenboom !!!!
Vadder suust dann af geswind
dat he noch’n Dannenboom find.
Kummt tau’n Markt un hett noch Glück,
dor steiht noch een, dat letzte Stück.
De Macker seggt noch tau em lies:
Den gifft dat hüüt tau’n halven Pries.
De Boom kummt rin in’t Zimmer
Vadder harr so’n blassen Schimmer.
As he annern Morgen vör den Dannenboom steiht,
de Anblick em sien Puust versleit.
Sien Gesicht ward bannig lang,
denn all de Twiegen sünd blitzblank.
Un blangenbi de Wiehnachtskripp,
steiht blots ’n Dannenboomgeripp.
Mit n‘ Mal ward em de Pries ok kloor,
dat wörr’n Boom vun letztet Johr.

Bild: per KI generiert

Geschichten und Gedichte

Zwischenmenschliches

Beitrag: Helmut Marquardt

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Zunächst wussten wir gar nichts voneinander,
doch irgendwann fanden wir zueinander.
Weil wir spürten, wir sind bestimmt füreinander,
waren wir auch richtig verliebt ineinander.
Wir kuschelten ganz eng beieinander,
und streichelten uns zärtlich nacheinander.
Doch dann gerieten wir plötzlich aneinander
und wegen dem ganzen Durcheinander
waren wir fürchterlich sauer aufeinander.
Wir beschimpften uns gegeneinander
und das anfangs so zärtliche Miteinander
brach dann plötzlich auseinander.
In der Wohnung lag alles übereinander.
Wir kümmerten uns noch kurz umeinander,
und verließen das Haus dann hintereinander.
Vor der Tür standen wir noch kurz nebeneinander,
wir zeigten aber auch Respekt voreinander
verständigten uns dann untereinander,
vielleicht finden wir ja irgendwann wieder zueinander.
So viel zu menschlichem Zwischeneinander.

Photo by Vera Arsic on Pexels.com