Anfang Januar: „Bist du gut ins Neue Jahr gekommen?“ frage ich meine Nachbarin. „Nun ja, alleine mit meiner Katze, die hat sich unter das Sofa verkrochen, und ich hab mit dem Fernseher angestoßen. Aber ich wollte das arme Tier bei der ganzen Knallerei nicht völlig alleine lassen. Sie ist sowieso immer ein paar Tage um Sylvester herum verstört, geht z.B. nicht mehr raus, wo sie doch sonst stundenlang ihre Streifzüge durch die nähere Umgebung macht.“ So ähnlich geht es Jahr für Jahr an Sylvester vielen Haus- und Nutztierhaltern. Ein anderer Nachbar musste sich ein Taschentuch vor die Nase halten, er hat empfindliche Bronchien und leidet unter der Luftverschmutzung durch das Sylvesterfeuerwerk allerorten.
Den Jahreswechsel habe ich in Thüringen verbracht. Silvester feiern.
Klar. Am nächsten Tag verkündet unser Reiseleiter, dass er uns einen Höhepunkt nicht vorenthalten möchte (obwohl dieser Ausflug nicht im Programm vorgesehen war). Denn wenn schon Thüringen, das Mittelgebirge, ist Oberhof doch ein „Muss“. Mehr als 800 Meter über dem Meeresspiegel werden erklommen (mit dem Bus). Alles ist dort vorbereitet für die Wintersportereignisse, die in den nächsten Tagen stattfinden werden.
Ein zarter Hauch von Schnee verwöhnt unser Auge. Dementsprechend wird fotografiert. Ist ja auch zu schön, dieses Glitzern, dieses Weiß. Obwohl die Schneeflocken nur scheinbar weiß sind. Sie sind durchsichtig. Nur durch die kleinen Eiskristalle, die das Sonnenlicht in alle Richtungen zurückwirft (habe ich gelesen), erscheinen sie für uns weiß.
Odje Möller un Matten Kohrs hebbt sik na vele Johr’n tofällig anin Haven drapen. Dor verwunnert dat nich, wat se al na in Veerdelstünn in de neegst legen Kööminsel landt sünd. All de olen Geschichten ut de Kinner-, School- un Jugendtiet kummt nu mit hoochrode Köpp op’n Disch, un männicheen Kööm un Beer hett mitholpen, wat dat Besinnen op de olen Tieden noch wat beter tostann’n keem. An’n Enn kummt se ok op dat Eten to snacken, un se besinnt sik op all de smackliche Kost ut de Jugendtiet: Beern, Bohnen un Speck, Bookwetengrütt, Swattsuer, Gröönkohl mit Swiensback un bruunröst söte Kantüffeln, Boddermelksklümp un so wieder, un so wieder. Dor seggt Odje Möller miteenst: „Weets du Matten, ik eet siet Johren an’n leefsten Hackfleeschklüten mit ’n pikante Sooß na’n egen Rezept!“ „Jümmers blots Hackfleeschklüten? Naja, Odje, dor harr ik denn aver bilütten keen Bock mehr op“, meen Matten Kohrs nu. „Na kloor doch, dat kannst du mi glöven, mien leevst Eten is siet vele Johren mien huusmaakt Hackfleeschklüten!“ „Hest du denn ’n besünneres Rezept or besünneres Fleesch? Or wat is dien Geheemnis?“ „Och ne, dat egens nich. De Hackfleeschklüten, de maak ik jüst so as uns Möder dat fröher ok maakt hebbt. Man, wenn se goot bruunbraadt sünd, denn warrt de Pann mit söss Glöös Himbeergeist flambeert un mit’n lütten Schööt Berenlikör aflöscht!“ Minsch Odie“, meen Matten dor, „Kann een dat överhaupt so eten? Smeckt dat denn överhaupt?“ „Naja, de Hackfleschklüten, de smeckt jüst so, as solk Klüten nu mal smeckt. Aver na de Sooß, Matten, dat segg ik di, na de Sooß, dor lickst di all teihn Finger na af!“
Quelle: Heinrich Evers „Dat dröfft doch mal seggt warrn!“ (Balticum Verlagsgesellschaft und Werbeagentur GmbH)
Die Anregung kam in diesem Blog von Elisabeth Hartmann, die unter dem Titel „Weihnachten basteln wir uns einen Haiku“ schrieb: „Sie werden Weihnachten mit Freunden oder Verwandten, Kindern und Erwachsenen feiern? Das ist schön, und Sie freuen sich sicherlich darauf. Aber manchmal, so nach dem Essen und dem Kaffee, hat man das Wichtigste schon gesagt, es drohen Langeweile oder gar ein bisschen Zwist aufzukommen. Die alten Spiele sind reizlos geworden, und ein neues lag nicht unterm Tannenbaum. Wie wäre es da mit Dichten? Ja – Sie machen einzeln, paarweise oder alle zusammen Gedichte. Und zwar Haikus. Ein Haiku ist ein japanisches Kurzgedicht mit 17 Silben, verteilt auf 3 Zeilen. Die erste Zeile hat 5, die zweite 7 und die dritte wieder 5 Silben.“
Wir haben erst am Neujahrsabend in kleiner Runde beisammen gesessen, und ich hatte Blöcke und Stifte mitgebracht – für alle Fälle. Tatsächlich, irgendwann war dann die Stimmung ganz ähnlich wie von Elisabeth Hartmann geschildert. Und so verteilte ich Blöcke und Stifte und erklärte den Aufbau von Haikus.
Ostfassade bei Nacht (Copyright: Großmarkt-Hamburg.de)
Es ist 23.00 Uhr, das Aroma des frisch gebrühten Espresso duftet bereits, die Brote sind geschmiert. Ein Blick auf die Uhr sagt mir, in 30 Minuten geht es los. Gegen 24.00 Uhr soll ich auf dem Blumen Großmarkt in Hamburg sein und auf dem Verkaufsstand meines Schwagers aushelfen, da ein Mitarbeiter ausgefallen ist. Ohne konkret zu wissen, was letztendlich auf mich zu kommt, ging ich die erste Nachtschicht in meinem Leben entspannt an.
Der Hamburger Großmarkt befindet sich zwischen dem Oberhafen und der Amsinckstraße im Stadtteil Hammerbrook auf einem 27,3 ha großen Grundstück. Der alte Spruch „die Nacht zum Tage machen“ trifft hier uneingeschränkt zu, gearbeitet wird nachts!
Als ich auf dem Großmarkt Hamburg die Schranke am Haupttor Ost passiert hatte und in Richtung der imposanten, bogenförmigen Hallen fuhr, herrschte auf dem Parkplatz vor der Halle des Gemüsemarkts bereits ein reges Treiben. Dazu muss man wissen, Gemüse – und Blumen Großmarkt sind in nebeneinander liegenden Hallen untergebracht, und der Arbeitsbeginn in den Hallen des Obst- und Gemüse Großmarktes liegt vor dem des Blumen Großmarktes. Vorsichtig fuhr ich weiter, achtete darauf, nicht mit einem der unzähligen Gabelstapler, die vollbeladen mit ihren Paletten zwischen den LKWs herum wuselten, zusammen zu stoßen.
Endlich angekommen, hatte ich noch Zeit, mich ein wenig umzusehen. Das ist also einer der größten Blumen Großmärkte in Deutschland, dachte ich mir. Von hier aus werden unzählige Wochenmärkte und Geschäfte des Blumenfachhandels in ganz Norddeutschland mit Blumen und Zierpflanzen versorgt. Ungefähr 100 Anbieter, die sich aus Erzeugern, Großhändlern und Kommissionären zusammensetzen, bieten hier in einer 180 Meter langen, 57 Meter breiten und 14 Meter hohen Halle ihre Waren an. Und wer sich für Architektur interessiert: Die Hallen sind eine der eindrucksvollsten Beton Schalenkonstruktionen in Hamburg, ähnlich wie das zur Universität zählende Audi Max im Stadtteil Rotherbaum, und stehen seit 1996 unter Denkmalschutz. Der Umzug des Blumen Großmarktes erfolgte 1984 von den Deichtorhallen auf das Gelände des Großmarktes neben der Halle des Obst – und Gemüsemarktes.
Mein Schwager war mittlerweile angekommen und somit betraten wir das Herzstück des Blumen Großmarktes. Mein Blick streifte kurz durch die gigantische Halle und ich wurde zu dieser unchristlichen Zeit von einer Blüten- und Farbenpracht begrüßt, die ihresgleichen sucht. Mit Sicherheit gibt es schlechtere Arbeitsplätze als diesen, sagte ich mir. Mal schauen, ob ich das in acht Stunden immer noch denke.
Nach einer kurzen Einweisung ging es los, den Stand möglichst schnell für die Kunden vorzubereiten. Zum Transport bzw. zur Präsentation auf dem Stand werden die Pflanzen in CC-Container gepackt. Die Container sind auf dem Großmarkt nicht wegzudenken, haben einen festen Boden und durchschnittlich vier bis sechs weitere Bretter, die individuell je nach Bedarf und Pflanzenhöhe verstellt werden können. Da die beiden vorderen Rollen lenkbar sind, bedeutet das für einen Anfänger wie mich, dass diese Transportmittel schnell ein Eigenleben entwickeln können. Besonders, wenn man mit zwei Containern voll bepackt auf dem Großmarkt unterwegs ist und ziehend oder schiebend und gleichzeitig lenkend alles umkurven muss, was einem in den engen Gängen entgegenkommt oder im Weg steht. Für einen Anfänger eine schweißtreibende Fortbewegung, zumal die „Biester“ voll bepackt schwer sind. Passend dazu der Spruch eines Kollegen, als ich mich wieder einmal voll bepackt mit zwei Containern durch die Gänge schlängelte und natürlich irgendwo hängen blieb: „Wir sind hier nicht auf dem Übungsplatz des ADAC.“ Entsprechend waren die Container letztendlich heute Nacht meine ganz persönliche Herausforderung.
Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege. Der Weihnachtsmann ging heim in seinen Wald. Doch riecht es noch nach Krapfen auf der Stiege. Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege. Man steht am Fenster und wird langsam alt.
Die Amseln frieren. Und die Krähen darben. Und auch der Mensch hat seine liebe Not. Die leeren Felder sehnen sich nach Garben. Die Welt ist schwarz und weiß und ohne Farben. Und wär so gerne gelb und blau und rot.
Umringt von Kindern wie der Rattenfänger, tanzt auf dem Eise stolz der Januar. Der Bussard zieht die Kreise eng und enger. Es heißt, die Tage würden wieder länger. Man merkt es nicht. Und es ist trotzdem wahr.
Die Wolken bringen Schnee aus fremden Ländern. Und niemand hält sie auf und fordert Zoll. Silvester hörte man’s auf allen Sendern, dass sich auch unterm Himmel manches ändern und, außer uns, viel besser werden soll.
Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege. Und ist doch hunderttausend Jahre alt. Es träumt von Frieden. Oder träumt’s vom Kriege? Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege. Und stirbt in einem Jahr. Und das ist bald.
Advents- und Weihnachtsbräuche, die zur Freude der Kinder und der jung Gebliebenen Einzug in unsere Stuben gehalten haben, gibt es bekanntlich einige. Ich liebe Weihnachtsbräuche und schmücke gern das Haus und den Garten, auch wenn sich daran nicht mehr oder noch nicht Kinderherzen erwärmen können. Als Grundschullehrerin begann die Vorweihnachtszeit bereits Anfang November. Es wurde gebastelt, Kulissen für die Weihnachtsaufführung entstanden, und erste Proben fanden statt. Ich war immer für Basteleien, Deko und Theater zuständig. In all den Jahren wurde mir das nie zu viel. Eine neue Idee, Kindern die Adventszeit zu versüßen, lernte ich bereits vor längerer Zeit von einer Kollegin kennen, die skandinavische Traditionen hervorragend mit eigener Kreativität zu verbinden wusste.
In ihrem Klassenraum wohnte Tomte. 22 eifrige Kinder erklärten mir ruck zuck was man über ihn wissen musste. Tomte ist ein freundlicher skandinavischer Hauswichtel oder Nisse, der Menschen und Tiere beschützt und von dem man weiß, dass er eine rote Mütze trägt und nachts über das Haus, in das er Einzug gehalten hat, wacht. Zuweilen spielt er auch kleine Streiche.
Wat dünkt wi uns blots stark un groot, op Groot op Lütt, wi alltohoop. Sull’n wi nich mal, op Jung or Deern, to Wiehnachtstiet besünners geern, ok eenst an uns’re Mitminsch‘ denken un de ’n goot Gedanken schenken?
Gah‘ doch mal daal an Strand un Küst, denn markst du dat, wat lütt du büst, graad an de See bi Wind un Weder. Weer dat nich mal ’n beten beter, wi leden eens all’n Striet bisiet, so as dat höört to Wiehnachtstiet?
Wenn wi verdeent dat an de See, schenkt uns de Herrgott Wiehnacht‘ Snee De Snee deckt allens af wat weer verleden Johr un ok dorvör. Verzeih’n, vergeten, denk mal no, denn warrst du Wiehnacht‘ dubbelt froh.
Quelle: Heinrich Evers „Dat dröfft doch mal seggt warrn!“ (Balticum Verlagsgesellschaft und Werbeagentur GmbH) Illustration: Elke Grotelüschen
Sie werden Weihnachten mit Freunden oder Verwandten, Kindern und Erwachsenen feiern? Das ist schön, und Sie freuen sicherlich darauf. Aber manchmal, so nach dem Essen und dem Kaffee, hat man das Wichtigste schon gesagt, es drohen Langeweile oder gar ein bisschen Zwist aufzukommen. Die alten Spiele sind reizlos geworden, und ein neues lag nicht unterm Tannenbaum. Wie wäre es da mit Dichten? Ja – Sie machen einzeln, paarweise oder alle zusammen Gedichte. Und zwar Haikus. Ein Haiku ist ein japanisches Kurzgedicht mit 17 Silben, verteilt auf 3 Zeilen. Die erste Zeile hat 5, die zweite 7 und die dritte wieder 5 Silben. Auch mit der deutschen Sprache kann man so dichten. Ich habe es mal versucht:
Roter Fensterstern jetzt wieder im Dezember öffnet mir das Herz.
Danke für diesen schönen Beitrag, liebe Elisabeth. Vielleicht gelingt uns Geschwistern beim Familientreffen auch so ein Haiku. Fröhliche Weihnachten!