Einige Jahre habe ich jeden Monat jeweils für mehrere Tage in Paris gearbeitet. Die französischen Kollegen waren nicht immer ganz einfach, aber die Stadt habe ich geliebt.
Gearbeitet und gewohnt hatte ich mitten in Paris im 8. Arrondissement. Das ist in der Nähe der Champs Elysee.
Obwohl die Arbeit tagsüber sehr anstrengend war, hatte ich nachts lange Spaziergänge durch die Stadt gemacht.
Meine Lieblingsviertel waren das Gebiet, in dem ich wohnte, das Marais-Viertel und Saint-Germain des Prés. Ich konnte stundenlang durch die lauten oder stillen wunderschönen Straßen laufen mit den immer lebhaften Cafés und Restaurants.
Von einem unvergesslichen Erlebnis möchte ich hier erzählen.
„Die Welt zu verbessern, ist in jedem Alter möglich“, heißt es in einem Text zum Zugabe Preis der Körber-Stiftung. Mit diesem Preis werden Menschen geehrt, die in ihrer zweiten Lebenshälfte Kraft und Mut aufbringen, ein Unternehmen mit sozialer Wirkung zu gründen. „Nicht reden sondern handeln“, war ein Motto des Stifters Kurt A. Körber. Der Preis wird jährlich verliehen, es gibt ihn seit 2019, dem 60. Jubiläumsjahr der Stiftung.
Am 15. Juni 2023 wurde nun im Lichtwark-Theater zum 5. Mal der Zugabe Preis an Unternehmensgründer*innen 60plus verliehen. Eine Frau und zwei Männer stellten ihr Projekt vor, für das sie jeweils 60.000 Euro gewannen.
Die Preisträger*innen 2023 von links nach rechts: Titus Bahner stellt sein Projekt vor, Judith Grümmer mit ihrer Preisurkunde zwischen den Juror*innen Brigitte Zypries und Lothar Dittmer, und Frank Hoffmann lauscht seiner Laudatio
Die Journalistin Judith Grümmer gibt mit der Produktion von Hörbüchern sterbenden Menschen eine Stimme, die den Kindern erzählt , wer Mutter oder Vater war, und der sterbende Mensch kann mit einfühlsamer Begleitung die Ernte seines Lebensackers betrachten.
Der Agrar- und Wirtschaftswissenschaftler Dr. Titus Bahner kauft mit der „Kulturlandschaft-Genossenschaft“ landwirtschaftliche Flächen, entzieht sie damit Spekulationsgeschäften mit intensivster Landwirtschaft oder einer Versiegelung und stellt sie ökologisch wirtschaftenden Bauern und Bäuerinnen unbefristet zur Verfügung.
Dr. Hoffmann unter der Veranschaulichung der Fähigkeit von taktiler Brustuntersuchung
Der Arzt Dr. Frank Hoffmann bildet stark sehbehinderte und blinde Frauen zu Medizinisch Taktilen Untersucherinnen (MTU) aus. Denn „Blinde sehen besser“, so Frank Hoffmann, und können Brustkrebs in einem sehr frühen Stadium erkennen, was die Heilungschancen enorm erhöht.
Die Sängerin Pe Werner gab mit Pianist und Tonmeister ein unterhaltendes Kontrast-Programm zu den bewegenden Berichten der einzelnen Projekte.
In lauer Sommernacht, bei Wein und Häppchen klang der Abend auf der Terrasse des Körber Hauses mit Gesprächen über das Gehörte oder Fragen an die Preisträger*innen aus.
Was haben Abelke Bleken aus Ochsenwerder, Mette Harden und Cathrin Danckwers aus Kirchwerder, Cathrin Schmalfeldes aus Curslack und Margareth Uhler aus Bergedorf miteinander gemein? Zwischen 1583 und 1676 wurden sie der Hexerei bezichtigt, im Kerker an Ketten gelegt und gefoltert, und eine der fünf Frauen wurde schließlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Ängste und Aberglauben führten in dieser Zeit zu Anschuldigungen und Verurteilungen, deren Opfer fast ausschließlich Frauen waren. Typisch katholisch, oder?
Lucas Cranach: Hexenverbrennung in Wittenberg im Jahre 1540
Es gibt so viele Museen in Hamburg. Längst habe ich nicht alle besucht. Aber wie es so ist, kaum gibt´s was Neues, schon ist die Neugier erwacht. Eröffnet wurde das Achilles-Stiftung Glasmuseum im Oktober 2022. In einem Sektionssaal der ehemaligen Pathologie des denkmalgeschützten Krankenhauses in Barmbek.
Wen erst einmal die Sammelleidenschaft gepackt hat, kommt davon nicht mehr los. So erging es auch Edith Achilles (später auch ihrer Tochter). Sie begann bereits in den 60er Jahren Glas zu sammeln. Erst war es der Jugendstil, der sie begeisterte. Aber Jahre später versteigerte sie ihre Sammlung und widmete sich dem „schweren Glas“ (sagte sie von sich). Das kann ich nur bestätigen, nachdem wir die Sammlung angeschaut haben. Das sind „ganz schöne Brocken“. Das 20. Jahrhundert bis ins Heute war nun ihr Thema. Spannend!
Ich glaube: Fußballvereine und Kirchen haben mit Blick auf ihre Fans bzw. Mitglieder große Ähnlichkeiten. Es gibt alles von Ultras bis Erfolgsfans. Dabei können Kirchen im Umgang mit ihren Mitgliedern einiges von den Vereinen lernen. Ich bin HSV-Fan, weil ich aus Hamburg komme und weil wir bei uns in der Familie alle HSV-Fans sind. Ich war sogar beim letzten Spiel in der ersten Bundesliga dabei, also bei dem Spiel, als der HSV das erste Mal abgestiegen ist. Das war traurig, aber meine Welt ist jetzt nicht zusammengebrochen. Und da habe ich festgestellt: Es ist mit den Kirchen ein wenig wie mit dem HSV.
HSV-Fans vor dem Anpfiff. Foto: Archiv
Die treuesten HSV-Fans sind erstaunlich wenig am Spiel selbst interessiert. Es wird eigentlich durchgehend gesungen, relativ egal, was auf dem Platz geschehen ist. Es gibt auch Konflikte im Block, und die sind dann auch erstmal wichtiger als das Spiel.
Die treuesten HSV-Fans kommen aus sozialen Gründen. Es gibt zwar Stress zwischen Gruppen, aber innerhalb der Gruppe passt man sehr auf sich auf. Also kurzgefasst war ich immer erstaunt, dass die „richtigen Fans“ aus meiner Sicht eigentlich das Spiel mehr als Funktion nutzten.
Insgesamt würde ich sagen: Da kommen Menschen aus sehr unterschiedlichen Gründen zum HSV. Die deutliche Minderheit sind treue Fans wie meine Brüder. Der absolute Großteil sind Fans wie ich oder ähnlich wie ich. Doch so ein Spiel bzw. ein Stadion wäre ganz schön „tot“, wenn es nicht diese treuen Fans in der Minderheit gäbe. Ganz ehrlich: Mit Leuten wie mir kommt kaum Stimmung ins Stadion. Und erst recht käme keine Unterstützung für Mannschaft zustande, selbst wenn das Spiel schlecht läuft.
Also: Die meisten Fans kommen ab und zu. Die meisten Fans kommen, wenn die Mannschaft erfolgreicher ist. Die meisten Fans kommen, weil sie das Spiel wirklich sehen wollen. Aber den meisten Fans würde am Stadion-Erlebnis etwas fehlen, wenn die treuen Fans in der Minderheit nicht dabei wären.
Was können wir als Kirchen davon lernen? Auch wir haben verschiedene „Fans“ (Mitglieder). Wir haben „Ultras“, die kommen jeden Sonntag in den Gottesdienst. Wir haben Leute, die kommen ab und zu. Beide Gruppen sind wichtig. Auch bei uns machen die „treuen Fans“ oft die Stimmung (singen laut mit). Aber auch bei uns wird der Laden allein mit ihnen nicht voll.
Pastor Jonas Goebel in der Auferstehungskirche am Kurt-Adam-Platz in Lohbrügge. Foto: privat
Wenige engagieren sich, die meisten konsumieren. Beim HSV engagieren sich die treuen Fans sehr stark – aber die allermeisten Fans engagieren sich gar nicht. Sie konsumieren nur. Das ist aber kein Mangel, kein Fehler, das ist am Ende sogar in Teilen notwendig:
Die Vielen sind finanziell wichtiger. Auch bei uns gilt, dass wir mit den wenigen treuen Fans uns nicht finanzieren können. Aber die Masse hilft auf andere Weise: mit Geld. Sie engagiert sich vielleicht nicht, sie singt nicht laut mit – aber sie kommt, macht das Stadion voll und zahlt dafür gerne.
Ultras dürfen nicht zu viel Macht erhalten. Ich könnte auch sagen: Wenn wir uns nur auf den „inneren Kern“ konzentrieren, auf unsere „Kirchen-Ultras“, dann ist das ein Weg aufs Abstellgleis. Ein Verein, der sich zu stark von seinen Ultras sagen lässt, was er zu tun hat, ist kein erfolgreicher Verein. Aber gleichzeitig dürfen diese treuen Fans auch nicht ignoriert, vergessen oder verdrängt werden. Wir brauchen sie mindestens für die Stimmung und für das Engagement.
Der HSV lebt im Luxus, dass das Stadion fast immer voll ist, obwohl die Mannschaft weder besonders attraktiv, noch besonders erfolgreich spielt. Wir Kirchen spielen meistens auch nicht besonders attraktiv, wir steigen von Jahr zu Jahr irgendwie weiter ab – und bei uns gibt es keine vollen Stadien, sondern immer leerere Kirchen. Was bleibt, sind oft unsere Ultras. Die, für die aber auch gilt, dass sie sich erstaunlich oft erstaunlich wenig für das „Spiel“ interessieren, und die in den meisten Fällen vor allem mit sich selbst beschäftigt sind und zu großen Teilen aus sozialen Gründen kommen.
Ich behaupte: Wir müssen als Kirchen vom HSV lernen, dass es nicht darum geht, nur unsere Ultras glücklich zu machen. Wir wollen ein volles Stadion! Und das bekommen wir nicht voll, wenn wir uns zu sehr von ihnen diktieren lassen, wo es lang geht und was wir anbieten.
Unglaublich spannend - danke für diesen informativen Beitrag!