Geschichten und Gedichte, Humorvolles

Aussichten

Beitrag: Helmut Marquardt

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Junior-Wurm sich durch den Apfel fraß,
denn ein Apfel, der tat köstlich schmecken.
Sein Vorteil war, dass er im Innern saß,
kein Vogel konnt‘ ihn so entdecken.
Doch weil auf Dauer er’s langweilig fand,
im Dunkeln stets zu kauen,
fraß Junior-Wurm sich durch die Apfelwand,
die weite Welt zu schauen.
Nun birgt ja diese weite Welt
so allerhand Gefahren,
und niemand hat dem Wurm erzählt,
wie er sich sollt’ davor bewahren.
Während er arglos aus dem Apfel schaute,
das Unheil sich über ihm zusammenbraute.
Es entdeckte eine Meise
den Wurm für sich als Speise.
Man glaubt, dies ist jetzt des Wurmes Ende,
es gibt für ihn auch kein Entrinnen,
da bahnt sich plötzlich an die Wende,
denn die Rettung selbst, sie kommt von Innen.  
Junior-Wurm der hatte wirklich Glück,
die Meise zwar kräftig an ihm zerrte
sein Hinterteil war vom Fressen viel zu dick,
ihm so nach außen hin den Weg versperrte.

Geschichten und Gedichte, Humorvolles

Übertrieben

Beitrag: Helmut Marquardt

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Es gibt Geschöpfe hier auf Erden,
die sind wirklich eine Plage.
Schwierig ist es, ihrer habhaft werden,
oft ist man nicht Herr der Lage.
Eins davon ist wohl bekannt,
Flinkbuddler auch genannt.
Beim Menschen ist er recht verhasst,
denn dieses schwarze Individuum,
hat es im Garten erst mal Fuß gefasst,
gräbt dann mit Chance die ganzen Beete um.
Auch Herr B. aus Wurmelingen
wußt ein Lied davon zu singen.
Als er morgens in den Garten schaute,
seinen Augen er kaum traute.
Denn im Rasen, welcher gestern noch schön eben,
acht schwarze Hügel taten sich erheben.
Sein Gesicht, das wurde kreidebleich,
doch einen Plan hatte er sogleich.
Ihm fiel ein der Rat vom Nachbarn Klopp
nimm vom alten Fisch den Kopp,
steck ihn in die Gänge rein
und alsbald wird er verschwunden sein.
Der Buddler jedoch sich nicht drum scherte
sondern seine Haufen noch vermehrte.
Schwager Willi war mit Rat zur Stell,
füll saure Milch in seine Gänge.
Du wirst sehen blitzeschnell,
flieht er aus seiner dunklen Enge.
Man ahnt, der Buddler hat sich nicht verzogen,
die schwarze Erde hat’s ihm angetan,
er schlug sogar noch einen Bogen
und kam dann bei den Rosen an.
Herrn B.’s Geduld war jetzt am Ende,
er schnaubt, das mach ich nicht mehr mit.
Er denkt, dies Mittel bringt bestimmt die Wende.
Das Zauberwort heißt Dynamit.
Es dauert dann auch gar nicht lange
und er versenkt das Zeug im Buddlergange.

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Humorvolles, Plattdeutsche Texte

In Schapptüüch

Beitrag: Jürgen Sakuth


Fiete Matzen dröppt sien’n olen Fründ Hannes Mallmöhl op’n Markt vun Niestadt in Holsteen.
Hannes is in sien best Schapptüüch un hett ’n Rükelbusch in’e Hannen.

„Wo wullt du denn in dien Verkleden op af?“ fraagt Fiete nielig. „Dat is doch noch keen Karnevalstiet!“

„Ik tööv op’n Taxi. Ik will na Olenkremp fohren un Wilma Bruhse
fragen, wat se mien Frau warrn will!“

„Wat wullt du, Hannes? Du wisst Wilma frieg’n?
Du büst jo wull mall in’n Kopp.
Weetst du nich, wat se al wat mit all de Keerls ut Kremp hatt hett?

Dor laat blots de Finger vun. Gah man lever mit mi ’n poor Kööm un Beer drinken. Denn geiht di dat morgen villicht nich so goot, man de annern Daag aver veel beter!“

Na, Hannes lött sik flink wat vörsnacken, un se gaht tosamen to Kroog. Na veer Weken draapt sik de Twee tofällig weller. Düttmal hett aver Fiete Matzen sien’n Sünndagsantog an un ’n Blomenstruusch in de Hannen.

„Wat hett dat denn nu op sik? Du mit Blomen un in best Schapptüüch?“ fraagt Hannes.

„Dat bedüüdt, wat ik nu mit de Taxe na Kremp for un Wilma heiraden will. Ik bün bit Amt Niestadt Land west un heff mi klook maakt. So veel Mannslüüd gifft dat gor nich in Olenkremp!“

Illustration: Elke Grotelüschen

Quelle: Heinrich Evers „Dat dröfft doch mal seggt warrn!“
(Balticum Verlagsgesellschaft und Werbeagentur GmbH)

Aus der Region, Humorvolles

Stadt oder Dorf?

Beitrag: Jürgen Sakuth

Unsere kleinen Enkelinnen aus der Hamburger Neustadt sind zu Besuch bei Oma und Opa in Bergedorf.

Sie streiten sich darüber, ob sie hier noch in der Stadt oder in einem Dorf sind.

Die Jüngste hat schließlich die Lösung, die alle überzeugt.

“Das ist doch klar. Wie der Name schon sagt:

Bergedorf“.

Foto: Jürgen Sakuth

Humorvolles, Plattdeutsche Texte

De Snösel

Beitrag: Jürgen Sakuth

En olen Plattdüütschen, en bannig smucke Deern, en Nonn in ehr Dracht, as ok so’n aalglatten Snösel mit ’n Kaschmir-Paletot un ’n düre Rolex an’n Arm sitt güntsiet in de lesenbahn in en Afdeel. Miteens warrt dat pickendüüster. De Tog is in’n Tunnel föhrt, un to’n Unglück is ok noch dat Licht utfull’n.

Dor höört alltohoop miteens, wat een vun de Mitfohrers ’n olligen Backs kregen hett. As de Tog na’n Stoot weller ut’n Tunnel rut is, warrt de Mitfohrers dat wies: De Snösel hett een an’e Snuut kregen. Sien linke Back is jümmers noch heel root.He rifft sik dat Gesicht, un een süht, dat hett em wull böös wehdaan.

„Dat is Recht so“, denkt sik de Nonn. „De ole Snösel hett natüürlich versöcht, de junge Deern in Düüstern ’n lütt beten to begrappeln. Se wull dat aver nich un hett em bauts ene smeert.“

„Genau richtig,“ denkt de smucke Deern. „De aalglatte Snösel wull mi seker in Düüstern begrapschen, hett aver to sien Pech de Nonn erwischt. De wull dat aver natüürlich ok nich un hett em glieks ene ballert.“

„So ’n Mest aver ok“, denkt de Snösel dor. „De Plattdüütsche hett wull versöcht in’n Düüstern de smucke Deern to begrappeln. Hett dorbi aver de Nonn tofatenkregen, wat de aver nich wull. As se den Plattdüütschen een an de Riestüten geven wull, hett de Sausack wull wat markt, sik afduckt, un so heff ik den Slag vull afkregen.“

De plattdüütsch Mitfohrer dorgegen sinneert swiensplietsch: „Na, dat löppt jo allerbest vundaag. Wenn noch ’n Tunnel kummt, hau ik den affektierten Snösel noch een an’e Snuut.“

Quelle: Heinrich Evers „Fleitjepiepen, Utbüxen hölpt nix!“
(Balticum Verlagsgesellschaft und Werbeagentur GmbH)
Illustration: Elke Grotelüschen

Geschichten und Gedichte, Humorvolles

Orchesterprobe

Beitrag: Helmut Marquardt

                                                                                                                                                       
Den musikalischen Reigen
eröffnen heute die Geigen.
Wehe, wenn eine falsch klingt,
der Ton bis zum Dirigenten gar dringt,
lässt das dessen Blutdruck ansteigen.

Der Besitzer vom Cello
hat einen Hund namens Bello
Wenn der lässt sich kraulen,
beginnt er zu jaulen,
natürlich nur a ca bello.

Es klang die Trompete
wie wenn ein Hahn krähte.
Das kann ich viel besser
rief der Trompeter kesser
und die Trompete umdrehte.

Wo bleibt denn nur die Klarinette,
sie doch schon längst ihren Einsatz hätte.
Ein wildes Gerücht die Runde macht,
dass der Klarinettist nach durchzechter Nacht
liegt noch immer betrunken im fremden Bette.

Frau B. an der Harfe,
das war 'ne ganz Scharfe.
Wann immer sie spielte,
der Hornist nach ihr schielte.
Leider entsprach der nicht ihrem Bedarfe.

Ein falscher Ton der Querflöte
trieb dem Flötisten ins Gesicht tiefdunkle Röte.
So sehr er sich auch plagte,
die Flöte das Spiel ihm versagte
mit der Luft bekam er dann ganz arge Nöte.
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Humorvolles

Gedächtnisstütze

Beitrag: Edith Kalisch

Lesestunde vorm Einschlafen. Ich sitze vorsichtig in einer Ecke des Hochbettes, das vor lauter Gewühle von Janosch hin und her geruckelt wird. Es werden Kissen drapiert, Kuscheltiere verteilt. Es dauert. Schließlich will er es ja gemütlich haben. Es knarzt und knackt. Meine Bedenken, dass irgendwann das Bett bestimmt zusammenkracht, werden mit einer empörten Bemerkung weggewischt. „Das hat Papa gebaut!“ Ja, wenn Papa es gebaut hat, können wir wühlen. Ich bin aber weiterhin vorsichtig. Schrauben könnten sich lösen zum Beispiel. Ich sag´ nichts mehr.

Endlich kann ich mit dem Vorlesen beginnen. Es wird die Lesezeit ausgehandelt. Da wird um Minuten gefeilscht.

Ich lese vor. Janosch gibt Kommentare zu einzelnen Szenen. Daran merke ich, dass er aufmerksam zuhört, obwohl er weiterhin das eine Kissen hierhin verlegt oder fast unter der Bettdecke verschwindet. Es ist schon ein ziemliches „Gewoddel“ hier oben.

Aber solange er zuhört …

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Humorvolles, Plattdeutsche Texte

Emmas letzte Breef

Beitrag: Jürgen Sakuth

Fernand weer Matroos bi de Marine un to Tiet op’n Utlandinsatz vör de libaneesche Küst. Gottsleider kunn he vuntjohr ok över de Wiehnachtsdaag nich na Düütschland torüch. Wat harr doch sien hamborger Kaptein to em seggt:
„Deenst is Deenst, un Snaps is Snaps!“
Man as all de annern Suldoten kreeg ok Fernand to Wiehnachten n Breef vun sien Leefste. Se schreev:

Fernand is jo nu total trecht mit de Nerven. Mit allens harr he jo rekent, man doch mit sowat nich. He baller sik nu eerstmal ollich een. De Weh-daag mutt jo jichtenswenn ok mal weller nalaten. Un as sien Verstand an’n tokamen Dag bilütten wellerkeem, harr he ’n plietschen Infall. He güng to all sien Kameraden un sammel all Biller in, de se över harrn. Biller vun Fründinnen, Süstern, Pin-Up-Girls, even allens, wat ’n beten na wat utseeg. Tosamen mit dat Bild vun Emma steek he nu all de Fotos vun de smucken Fruenslüüd in en Ümslag. Summa summarum 57 Stück harr he tohooosammelt.
Dorto schreev he:

Quelle: Heinrich Evers „Fleitjepiepen, Utbüxen hölpt nix!“
Illustration: Elke Grotelüschen
(Balticum Verlagsgesellschaft und Werbeagentur GmbH)

Humorvolles, Plattdeutsche Texte

Op de Sooß kümmt dat an

Beitrag: Jürgen Sakuth

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Odje Möller un Matten Kohrs hebbt sik na vele Johr’n tofällig anin Haven drapen. Dor verwunnert dat nich, wat se al na in Veerdelstünn in de neegst legen Kööminsel landt sünd. All de olen Geschichten ut de Kinner-, School- un Jugendtiet kummt nu mit hoochrode Köpp op’n Disch, un männicheen Kööm un Beer hett mitholpen, wat dat Besinnen op de olen Tieden noch wat beter tostann’n keem.
An’n Enn kummt se ok op dat Eten to snacken, un se besinnt sik op all de smackliche Kost ut de Jugendtiet: Beern, Bohnen un Speck, Bookwetengrütt, Swattsuer, Gröönkohl mit Swiensback un bruunröst söte Kantüffeln, Boddermelksklümp un so wieder, un so wieder. Dor seggt Odje Möller miteenst:
„Weets du Matten, ik eet siet Johren an’n leefsten Hackfleeschklüten mit ’n pikante Sooß na’n egen Rezept!“
„Jümmers blots Hackfleeschklüten? Naja, Odje, dor harr ik denn aver bilütten keen Bock mehr op“, meen Matten Kohrs nu.
„Na kloor doch, dat kannst du mi glöven, mien leevst Eten is siet vele Johren mien huusmaakt Hackfleeschklüten!“
„Hest du denn ’n besünneres Rezept or besünneres Fleesch? Or wat is dien Geheemnis?“
„Och ne, dat egens nich. De Hackfleeschklüten, de maak ik jüst so as uns Möder dat fröher ok maakt hebbt. Man, wenn se goot bruunbraadt sünd, denn warrt de Pann mit söss Glöös Himbeergeist flambeert un mit’n lütten Schööt Berenlikör aflöscht!“
Minsch Odie“, meen Matten dor, „Kann een dat överhaupt so eten? Smeckt dat denn överhaupt?“
„Naja, de Hackfleschklüten, de smeckt jüst so, as solk Klüten nu mal smeckt. Aver na de Sooß, Matten, dat segg ik di, na de Sooß, dor lickst di all teihn Finger na af!“

Quelle: Heinrich Evers „Dat dröfft doch mal seggt warrn!“
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Humorvolles, Plattdeutsche Texte

Dat heff ik mi dacht

Beitrag: Jürgen Sakuth

Berni Overdieck leep mit sien 39 Johren jümmers noch as Eenspänner dörch de Welt. He harr eenfach noch nich de Fru för’t Hart un Leven funnen. Man he weer egens mehr as tofreden mit düssen Tostand un dee sien Daagwark as Knecht op Buer Osterkamp sien Hoff in Seh lendörp mit Leev un Fliet.
Dat änner sik aver opeenst, as Stiene Schlichting op de Buernsteed vun’n Naver as Kööksch anfüng. Düsse Deern gefüll em bannig goot. Stiene, de müch he lieden.
Jo un Stiene, de harr em ok al de gröttst plattdüütsch Leevsverkloren tokamen laten, de dat bi de Plattdüütsche geven deit. Se harr to em seggt:
„Berni, du büst mi egens ok nich ganz unsympaatsch!“
Vunavend harrn de Twee weller ’n Verafreden, se wull’n sik mal weller drapen. Dor dat ’n zappendüüster Nacht weer, nehm Berni sik de bren nen Lantücht vun’n Haken, de in’n Düüstern vör de Schüün vun’n Hoff opbummelt weer.
As he graad los wull, keem Buer Osterkamp dor överto un wull sien Knecht mal so’n beten op’e Schipp nehm’n. He see mi’t swiensplietsch Smuustern:
„Wenn ik fröher to mien Wanda güng, Berni, heff ik nie nich ’n Lantücht mitnahmen. Dat güng doch ahn veel beter. Een harr denn doch tominnst beide Hannen frie!“ Berni grien torüch: „Dat heff ik mi doch glieks dacht, as ik dien Fru ankeken heff. Harrst man beter ok ’n Lantücht mitnahmen, Buer!“

Quelle: Heinrich Evers „Dat dröfft doch mal seggt warrn!“
(Balticum Verlagsgesellschaft und Werbeagentur GmbH)
Illustration: Elke Grotelüschen