Eine Tafel erzählt
Beitrag: Jürgen Sakuth

Neben der St. Petri-und Pauli-Kirche hängt am jetzigen Küsterhaus mit dem runden Turm eine alte, ein wenig verwitterte, aber noch gut lesbare Tafel.
In diesem Hause, das damals nicht den runden Turm als Anbau hatte, wohnte einst mit seiner Frau Abel Christine der Organist Peter Hasse, Sonntag um Sonntag sitzt er an der Orgel, die sich einst die Bergedorfer im Jahre 1593 für gar nicht billiges Geld hatten aufnötigen lassen. Schon Paul Harders, sein Vorgänger, hatte das alte Positiv aus der Klosterkirche St. Johannes Hamburg nicht gut beurteilt: „dass sie in allen Stimmen falsch war und sonderlich von den Bälgen keinen beständigen Wind geben konnte und dass sie in den siebzehn Jahren nicht durchgestimmt und gebessert war, deretwegen die besten und stärksten Stimmen stille stünden und nicht mehr gebraucht werden könnten“.

Aber die 104 Hausbesitzer, 36 Budenbesitzer und 56 Mietsleute, die das alte Positiv voller Stolz gekauft hatten, waren froh, aus der berühmten Johanneskirche in der großen Stadt das Instrument zu besitzen.
Die schwarze Tafel am Organistenhaus der alten Zeit berichtet in goldenen Buchstaben von dem berühmten Sohn, der in diesem Hause dem Organisten Peter Hasse geboren wurde:
Johann Adolf Hasse
Komponist und Kgl. Hofkapellmeister
geb. 23. 1.1699 in Bergedorf
gest. 16.12.1783 in Venedig
ist in diesem Hause geboren.“

Dieser Sohn, dem der Organist Peter Hasse in väterlichem Stolz und Dank gegen Gott „Das Te Deum“ gespielt haben mag, hat vielleicht schon in der Stunde der Taufe unter den segnenden Händen des ehrwürdigen Pastors Caspar Wringer stimmlaut seine begnadete Musikalität zum Ausdruck gebracht. Jedenfalls hat der Bergedorfer Organistensohn Johann Adolf Hasse später seiner Heimatstadt besondere Ehre gemacht. Auch im großen „Brockhaus“ findet man seinen Namen als den Lieblingsschüler Scarlattis in Neapel, den Tenoristen, den Opernkomponisten und den Hofkapellmeister August des Starken, in Dresden.
In Venedig lernte Hasse seine Frau kennen und lieben. Er heiratete Faustina Bordoni, eine „der größten Sängerinnen ihrer Zeit“ (geb. 1693 in Venedig). Ihr Todesjahr ist unbekannt. Hasse aber starb am 16.12. 1783 in Venedig und wurde dort in der kleinen Kirche San Marcuole beigesetzt. In Bergedorf erzählt nicht nur die Tafel am einstigen schlichten Organistenhaus von ihm, sondern die Hassestraße in der Stadt, der alte runde Turm, den sie jetzt „Hasseturm“ nennen, und vor allem die „Hassegesellschaft“. Sie pflegt nicht nur seine Erinnerung, sondern repräsentiert gute klassische Musik im künstlerischem Leben der Stadt.
Quelle: Hudemann / Daur: Bergedorf Vier- und Marschlande, Christians Verlag 1974