Aus der Region

Nackte Verzweiflung

Beitrag: Boike Jacobs

Trauer ist weiblich, und Trauer ist erotisch. Den Eindruck kann man jedenfalls bekommen, wenn man über ältere Friedhöfe geht. Von Barcelona bis Göteborg und von London bis Warschau, ganz besonders in Mailand und Genua, aber ebenso in Budapest, Wien, Paris oder Zürich. Und selbst der Ohlsdorfer Friedhof macht da keine Ausnahme. Auch hier findet man eine große Zahl von schönen Grabmal-Plastiken, in der überwiegenden Mehrzahl Frauen, einige von ihnen noch kindlich, andere reifer, die meisten in voller Blüte. Aber gemeinsam ist ihnen allen, dass sie lasziv, ja, unverhohlen sinnlich auf Grabsteinen liegen, sich an sie lehnen oder sich über sie werfen. Und zumeist fanden dort Männer ihre ewige Ruhe.

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Aus der Region, Veranstaltungen

Ausgezeichnet! Der Zugabe-Preis 2025

Beitrag: Sabine Ziesmer

Inka Schneider

Was ist der Zugabe-Preis? Es werden Gründerinnen und Gründer ab 60 Jahren geehrt, die auch im Alter ihren Auftrag darin sehen, die Welt ein bisschen lebenswerter zu machen. Engagement und Innovationskraft sind nicht der Jugend vorbehalten. Auch ältere Menschen können mit ihren Erfahrungen wichtige Beiträge zur Gestaltung der Gesellschaft leisten.

Ich hatte mich sehr auf diese Veranstaltung gefreut. Im letzten Jahr war ich von den Preisträgerinnen und Preisträgern, dem Ablauf der Veranstaltung und der Möglichkeit, bei einem perfekten Catering mit anderen Besucherinnen ins Gespräch zu kommen, begeistert. Nun saß ich wieder vor der Bühne des Lichtwark Theaters im KörberHaus, mit Stift und Block ausgestattet, um mich dann auch später an alles erinnern zu können, was vier Gründerinnen und Gründer zu ihren Projekten zu sagen hatten.

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Aus der Region, Damals war's, Wissenswertes

Nostalgie im digitalen Zeitalter

Beitrag: Tom Schmidt

Als ich vor einigen Tagen wieder einmal in Bergedorf den Wiebekingweg entlang am Hotel Kuhberg Richtung Sachsentor ging, freute ich mich schon, sie wieder zu sehen und war gespannt, was sie denn heute zu berichten hatte. Und wie immer lächelte sie mich an und trug stolz ein neues, buntes Outfit, angestrahlt durch die Mittagssonne. Sie ist groß, wohl proportioniert und hat ein gepflegtes Äußeres. Einfach eine auffällige Erscheinung, an der man nicht vorbeikommt, ohne stehenzubleiben: Die Grande Dame der Außenwerbung! Es handelt sich hier um eine der wenig verbliebenen „klassischen Litfaßsäulen“ in Bergedorf, die in unterschiedlichen Größen ausschließlich mit Plakaten für kulturelle Veranstaltungen in Hamburg beklebt werden.

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Damals war's

Schweinsöhrchen und Kartoffelsalat

Beitrag: Boike Jacobs

Nun bin ich schon wieder drauf reingefallen. Zum Frühstücken war ich nicht gekommen, also im Bahnhof noch schnell etwas zu essen kaufen. Und da seh ich sie säuberlich aufgereiht in der Theke: Schweineohren oder „Schweinsöhrchen“, wie sie bei uns zu Hause hießen. Das klang freundlicher und schmeckte auch ganz anders. Aber alles der Reihe nach.

In meiner Kinderzeit wohnte mein Großvater bei uns im Haus, und wenn ich in der Schule eine besonders gute Note bekommen hatte, gab es auch eine besondere Belohnung. Zu Fuß gingen wir nachmittags zwei Kilometer vom Dorf ins Städtchen zum Café Central, und dort spendierte mein Großvater mir ein Schweinsöhrchen. Nicht auf die Hand, sondern wir saßen dazu am Fenstertisch wie feine Leute. Dies Knistern und Krümeln schon beim ersten Bissen war einfach herrlich. Dazu gab es eine Tasse Kakao mit Schlagsahne – echter Schlagsahne. Zu Hause gab es zum Geburtstagskuchen nur geschlagenes Eiweiß, nichts also im Vergleich zu dem, was ich mir im Café Central auf der Zunge zergehen lassen konnte.

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Humorvolles

Techtelmechtel

Beitrag: Helmut Marquardt

In der Nordsee fanden sie zusammen,
die platte Scholle und der dicke Dorsch.
Der Schollen Herz sogleich stand lichterloh in Flammen,
denn sie wusste, so ein Dorsch ist unglaublich forsch.
Dieser auch nicht lange fackelt,
kurz mit seinen Kiemen wackelt
und auf dem Weg zum Nordseegrunde
reicht er die Flosse ihr zum Bunde.
Alsdann ging’s ab in Richtung Küste,
wo er ein stilles Plätzchen wüsste.
Da sprach die Scholle, sag mal ehrlich,
ist das für uns nicht zu gefährlich.
Der dicke Dorsch verzieht nicht eine Kieme,      
sagt der Scholle dann mit ernster Miene
Seit vielen Jahren schwimm ich hier in Gruppe
und niemand hat bisher gekrümmt mir eine Schuppe.
Du kannst mir glauben, ich weiß es besser,
dies hier ist ein sicheres Gewässer.
Die Scholl fasst allen Mut zusammen
und alsbald sie dann in Richtung Küste schwammen.
Allerdings schon auf dem Weg dort hin,
wurd’ der Dorsch dann sehr intim.
Und es staunt nicht schlecht die Scholl, die platte,
was der Dorsch alles so in petto hatte.
Jedoch nur kurz währt dieses Techtelmechtel,
mit seinem Kutter naht der Fischer Prechtel.
Die beiden sich im Netz verfingen
und fortan getrennte Wege gingen.
Sie macht Karriere als Scholl vom Kutter,
garniert mit Kräutern in zerlassner Butter.
Ihm geht es auch nicht sehr viel besser,
zerlegt mit einem scharfen Messer,
doch anstatt auf einem Teller
landet er im Tiefkühlkeller.
Das Techtelmechtel jedoch nicht ohne Folgen blieb,
und manch Fischer sich verdutzt die Augen rieb,
denn man fängt heut außer Scholl und Dorsch
in der Nordsee einen Fisch und der heißt Schorsch.

Bild: Jürgen Sakuth, generiert mit KI

Aus der Region, Veranstaltungen

AltersBilder

Beitrag: Sabine Ziesmer

In einem grünen Sommerkleid sitzt Frau Käßmann dem Moderator Andreas Bormann lachend gegenüber. Der Saal ist voll, die Laune auch des Publikums, dem wunderbaren Sommerwetter entsprechend, ausgelassen und der Start ins Gespräch launig. Gefragt nach ihrem Lieblingsfilm bekennt sie sich zu „Der Schatz im Silbersee“ von 1962 mit dem jugendlichen Götz George. Sie wuchs mit ihren beiden Schwestern in Stadtallendorf mit einem lebensfrohen Vater und einer strengen Mutter auf. Die Autowerkstatt des Vaters war für sie ein Lieblingsort um zu lernen und dem Vater nah zu sein. Er war ein fleißiger und geselliger Mensch, der mit Kunden und Freunden eher nachsichtig war und seiner Frau die buchhalterischen Aufgaben überließ. Ich bin derselbe Jahrgang wie Frau Käßmann. Mein Vater saß auch gern mit mir zusammen, um mir von seiner Welt im Hafen zu erzählen, mit mir zu lachen und kleine Geheimnisse zu teilen, während meine Mutter die Zügel fest in den Händen hielt. Diese Väter haben uns geprägt, gemacht haben uns die Mütter. Auf dem Gymnasium wurden wir darauf hingewiesen, dass Kinder aus der Arbeiter- und Handwerkerschicht nicht dorthin gehörten – Armes Deutschland!  So sitze ich mitten unter den Zuschauenden und dennoch zugleich mit der jungen Margot in einer bundesrepublikanischen Wirklichkeit der 70er Jahre, in der wir uns einen Platz hart erarbeiten mussten.

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Wissenswertes

Freitag, der 13.: Warum wir bei dieser Kombi Herzklopfen bekommen

Beitrag: Thorsten Werner

Bild: Thorsten Werner (KI generiert)

Puh, schon wieder Freitag, der 13.? Für viele ist das ein Tag, an dem man lieber im Bett bleiben, schwarze Katzen meiden und auf keinen Fall unter einer Leiter durchgehen sollte. Aber warum eigentlich? Ist dieser Tag wirklich vom Pech verfolgt, oder ist das alles nur Aberglaube? Und apropos Unglückszahlen: Ist die 13 die einzige, die uns das Gruseln lehrt?

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Plattdeutsche Texte

Football

Beitrag: Jürgen Sakuth

Dat sall dat jo geven. En junges Poor hett den eersten Striet in ehr junge Eh. Se seggt:
„Du hest jo nix anners mehr in’n Kopp, as blots dien beschüerten Football. Morgens, meddags, avends, ik höör jümmers blots noch Football, Football.
Maakt wi dat Kiekschapp an, wat warrt keken? Football. An wat anners kannst du wull gor nich mehr denken, wat? Ik heff nu aver de Snuut vull! Dat is jo bilütten nich uttoholen!“
He lött dat aver nich gellen un antert:
„Dat is doch allens Tüünkraam, wat du dor seggst!“
Se meen denn lütt beten snippsch:
„Nu, mien Leven, denn verkloor mi doch mal, an welk Dag wi de Plünnen tohoopsmeten hebbt! Wannehr is denn uns Hochtietsdag?“ Nu kümmt he aver in Gang un seggt:
„Dat kann ik di akkerat segg’n, wann ik di friet heff. Dat weer an den Dag, as Bayern München dat eerste Door gegen den HSV schaten, aver to’n Glück doch noch mit 2:1 verloren hett!“

Quelle: Heinrich Evers „Dat dröfft doch mal seggt warrn!“
(Balticum Verlagsgesellschaft und Werbeagentur GmbH)
Illustration: Elke Grotelüschen