Beitrag: Sabine Ziesmer
Veröffentlichung: Jürgen Sakuth
Anlässlich der Woche des Gedenkens vom 20.10. bis 24.11.23 in Bergedorf stellt sich mir die Frage, wessen ich gedenken werde und wie. Ist das Gedenken ein stiller Akt der inneren Einkehr, oder ist es die aktive Auseinandersetzung mit allen zurückliegenden und aktuellen sozialen und politischen Katastrophen, die durch mangelnde Empathie und fehlende Bereitschaft zum Verständnis für alle Menschen, die in ihrem Menschsein gesehen und akzeptiert werden wollen, entstanden sind. Gedenke ich der Opfer von Faschismus und Totalitarismus, des Holocaust und der Progrome, dann muss sich das Gedenken auch einer deutlichen und lauten Sprache bedienen dürfen, um aufmerksam zu machen und wachzurütteln, damit wir niemals vergessen. Gedenke ich der Opfer des Kolonialismus und derer, die ihre Heimat oder ihr Leben wegen der Gewinnsucht der Großmächte verloren? Ja, auch ihrer gedenke ich mit lauter Stimme. Ich gedenke auch der Frauen, die im Kampf für Freiheit und Menschenrechte ihr Leben riskierten, verloren und es immer weiter riskieren werden, bis ihre Stimmen nicht mehr ungehört verhallen. Ich gedenke der Opfer aller brutalen Übergriffe, bei denen Menschen auf Grund ihrer Hautfarbe, Religion oder sexuellen Orientierung getötet und misshandelt wurden. Ich gedenke der Opfer aller Kriege und Kampfhandlungen, die es seit 1945 nicht in die Top Ten der Grausamkeiten geschafft haben. Es sind circa 70 Millionen Opfer in geschätzten 242 kriegerischen Handlungen weltweit. In den nicht enden wollenden Zug dieser Opfer reihen sich täglich neue ein. Still mahnen sie Menschlichkeit und Frieden an. Immer länger wird der Zug, dem sich nun auch Opfer des Überfalls auf die Ukraine, des Terroraktes in Israel und der Kämpfe in Gaza anschließen. Krieg, Hass, Gewaltherrschaft, Ausbeutung und Selbstüberhöhung machen alle Opfer gleich. Sie haben keine Stimme mehr, wir müssen ihnen unsere geben. Gedenken ist eine Möglichkeit. Sie beginnt in der Stille des Entsetzens und muss den Tätern laut entgegengeschleudert werden. Gedenken wird zur Haltung, wir müssen einander im Blick behalten und füreinander einstehen. Wir müssen gemeinsam gedenken – jeden Tag.
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Danke für diesen schönen Beitrag, liebe Elisabeth. Vielleicht gelingt uns Geschwistern beim Familientreffen auch so ein Haiku. Fröhliche Weihnachten!