Aus der Region, Damals war's

Bergedorf vor 50 Jahren

Unseres Herrgotts Wohnstube

Beitrag: Jürgen Sakuth

Es sind das Holz und die Farben, früher leuchtend grün und rot und golden, heute matter und gedämpfter, es sind die niedrige Decke und die Querbalken und auch die Bilder, die Bergedorfs St. Petri und Pauli-Kirche zu unseres Herrgotts Wohnstube machen.

Alt ist diese dörfliche Bürgerkirche, die an die Stelle einer noch älteren trat. Über deren Abbruch berichtet eine Abrechnung aus dem Jahre 1499. Nicht moderne Kühle, sondern anheimelnde Stille empfängt den Besucher. Eine Fülle von Bildern erzählen wie ein biblisches Lesebuch und ein buntes Buch der Geschichte. Von den Altar- und Emporebildern – „biblia pauperum“, die Bibel der Armen genannt – hielt Martin Luther viel. Von der Bilderstürmerei hielt er nichts.

Wenige Schritte von der Tür des Brauthauses, jenes besonderen Vorbaus, entfernt steht die Kanzel  aus dem Jahre 1586. Magdalena von Stitten des derzeitigen Amtmannes Frantz von Stitten Gattin, hat sie gestiftet. Auf solcher Kanzel unter dem Schalldeckel und plattdeutschen Bibelsprüchen und lateinischer Widmung, den der Lübecker Ratsherr Gerd Grantzin, von 1596 bis 1602 Amtmann in Bergedorf, schenkte, macht sich der Prediger im hamburgischen Ornat mit der spanischen Krause besonders feierlich. Diese Kanzel hat Hamburgs einstiger Denkmalpfleger Professor Stettiner als eine der schönsten im norddeutschen Raum bezeichnet.

Die schöne genschnitzte Kanzel zeigt hier Kreuzigung und Auferstehung

Unter den mehr oder minder großen Epitaphien und Ölbildern fällt ein bescheidenes in einfachem Rahmen auf. Es ist das Bild des ersten evangelischen Bergedorfer Predigers, der hier wohl am Ende des Jahres 1543 seine Amtstätigkeit begann und fast 50 Jahre blieb. Verstaubt hatte es auf dem Kirchenboden gelegen. Die Kunst des Restaurators machte die Züge von Andreas Falckenberg wieder erkennbar. Es waren gewiss ehrwürdige Herren und Prediger von Gottes Wort, auch der geistvolle Johann Ludwig Schlosser, dessen Streit mit dem Hauptpastor Johann Melchior Goeze an St. Katharinen über die Frage, ob ein Pastor Theaterstücke schreiben dürfe, über Bergdorfs, ja Hamburgs Grenzen bekannt wurde. Einem Schiedsrichter ähnlich soll Gotthold Ephraim Lessing auf die Frage: „Darf ein Prediger Komödien machen? “ geantwortet haben: „Warum nicht, wenn er kann “ – und auf die andere: „Und darf ein Komödienschreiber Predigten machen“ – „Warum nicht, wenn er will.“

Jedenfalls füllte der berühmt gewordene Bergedorfer Pastor seine Kirche, so dass Klappsitze angebracht werden mussten. Wer aber die Sanduhr – vier geteilt – an der linken Seite der Kanzelwand mit der fröhlichen Bemerkung, „noch ein Gläschen, liebe Gemeinde“ umdrehte, wenn die Gemeinde das Amen vermutete, steht nicht fest. Viele Jahre später saß unter der Kanzel auf der Bank an der Treppe, die zur Kanzel heraufführte, ein fleißiger Gottesdienstbesucher, der es mit anderen Gläschen, Gläsern und Flaschen zu tun hatte. Es war ein Gastwirt. Er hieß Land. Weil das Wort des Propheten Jeremia über dem Platz auf der Bank geschrieben stand: „O Land, Land, höre des Herrn Wort“, nahm er diesen Platz so ganz persönlich für sich in Anspruch.

Die Kanzel und der Amts- oder Landherrenstuhl mit dem Hamburger Staatswappen flankieren den Chorraum, in dessen Mitte „die Taufe“ aufgestellt wird. Ihre beiden Getäfelstücke aus dem 16. Jahrhundert haben eine besondere Geschichte. Sie sollten einst die Kanzeltür gebildet haben, die Pastor Halske, von 1815 bis 1848 im Amt, als unbequem empfand. Darum ließ er sie entfernen. Der damalige Prokurator Meyns hat sie dadurch gerettet, dass er sie mit nach Hause nahm und als Ziertüren eines Schrankes einbauen ließ.  Erben in des Prokurators Familie gaben sie dem Pfarramt zurück.

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Aus der Region, Veranstaltungen

Termine März

Beitrag: Jürgen Sakuth

Tipps aus der Redaktion

WannThemaWo
Mo, 2. März
19 Uhr 30





Filmvorführung :
Extrawurst

Deutscher Spielfilm
mit Hape Kerkeling, Christoph Maria Herbst und Fahri Yardim
Sachsenwald-Forum

Hamburger Straße 8
Reinbek
Eintrittspreis 8 Euro
Online- Vorverkauf:
http://www.kultur-reinbek.de
Fr, 13. März
17 Uhr

Kochen:

Interkultureller Kochabend



KörberHaus




Fr, 20. März
18 Uhr 30

Tanzen:

Faltenrock

Ü60 Tanzabend
KörberHaus
Mi, 25. März
19 Uhr 30

Lesung:

Henrik Szántó
Treppe aus Papier


SerrahnEins, Serrahnstraße1

Karten zu 15 Euro in der Sachsentor Buchhandlung
So, 29. März
19 Uhr

Konzert:

Elbe Saiten Quartett


Bergedorfer Schloss

Eintritt 15 Euro

Karten im Vorverkauf im Schloss oder online oder an der Abendkasse

Stand: 24. Februar

Humorvolles, Plattdeutsche Texte

Emmas letzte Breef

Beitrag: Jürgen Sakuth

Fernand weer Matroos bi de Marine un to Tiet op’n Utlandinsatz vör de libaneesche Küst. Gottsleider kunn he vuntjohr ok över de Wiehnachtsdaag nich na Düütschland torüch. Wat harr doch sien hamborger Kaptein to em seggt:
„Deenst is Deenst, un Snaps is Snaps!“
Man as all de annern Suldoten kreeg ok Fernand to Wiehnachten n Breef vun sien Leefste. Se schreev:

Fernand is jo nu total trecht mit de Nerven. Mit allens harr he jo rekent, man doch mit sowat nich. He baller sik nu eerstmal ollich een. De Weh-daag mutt jo jichtenswenn ok mal weller nalaten. Un as sien Verstand an’n tokamen Dag bilütten wellerkeem, harr he ’n plietschen Infall. He güng to all sien Kameraden un sammel all Biller in, de se över harrn. Biller vun Fründinnen, Süstern, Pin-Up-Girls, even allens, wat ’n beten na wat utseeg. Tosamen mit dat Bild vun Emma steek he nu all de Fotos vun de smucken Fruenslüüd in en Ümslag. Summa summarum 57 Stück harr he tohooosammelt.
Dorto schreev he:

Quelle: Heinrich Evers „Fleitjepiepen, Utbüxen hölpt nix!“
Illustration: Elke Grotelüschen
(Balticum Verlagsgesellschaft und Werbeagentur GmbH)

Aus der Region, Damals war's

Bergedorf vor 50 Jahren

Urkunden

Beitrag: Jürgen Sakuth

An der alten Durchgangsstraße von Hamburg nach Lauenburg, an der Billefurt, lag Bergedorf, klein und unscheinbar, aber nicht ohne Bedeutung, nachdem Schloss, Kirche und Mühle, dazu ein Gasthaus entstanden waren. Für die Abdämmung der Bille, den Bau der Kornwassermühle und die Gründung eines Klosters, das bald wieder einging, sorgte als Statthalter seines Onkels, des Dänenkönigs Waldemar II., Graf Albrecht von Orlamünde. Zwei Jahrzehnte dauerte die dänische Herrschaft. In dieser Zeit soll Graf Albrecht auch das Schloss, oft „das Haus“ genannt, gebaut haben. Jedenfalls hat er 1224 eine Urkunde ausgestellt.
Am Maria-Magdalenen-Tag, dem 22. Juli 1227, fand die Schlacht bei Bornhöved statt. Mit dem Sieg der deutschen Fürsten, Holsteins Adeligen und Bauern, Lübecker und Hamburger Bürgern, mit Adolf IV. von Schauenburg und den von den Dänen abgefallenen Dithmarscher Bauern über Dänemarks König Waldemar II. ging dessen Herrschaft zu Ende.
Damit begann auch für Bergedorf ein neuer Abschnitt seiner Geschichte. Jetzt übernahmen hier die sächsischen Herzöge die Macht. Im Jahre 1275 verlieh Johann I. Bergedorf, das nun „das Städtchen“ wurde, Möllner Stadtrecht. Damit galt auch in Bergedorf Lübisches Recht. Ein kleines Quartheft von nur 12 Blättern aus Pergament enthält Eintragungen aus den Fahren 1437 – 1495. Dieses älteste Bergedorfer Stadtbuch hat Professor Hans Kellinghusen schon in seiner Studentenzeit bearbeitet.
Interessant ist Kellinghusens Beschreibung des Ortes Bergedorf im 15. Jahrhundert: „Das Stadtbuch lässt in dem Bergedorf des 15. Jahrhunderts eine kleine Stadt mit ärmlichen Verhältnissen erkennen, wie dies auch sonst bezeugt ist. Nur drei Straßen waren vorhanden. Von der Hauptstraße mit dem Markt gingen die beiden anderen „Up dem Koberghe“ und „By dem Graven“ ab. Der Blickgraben schloss damals das ganze „Blek“ (Flecken) ein. Die Hude, die 1477 vom Rat angekauft wurde, sollte für ewige Zeiten ein freier Weideplatz sein.


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Geschichten und Gedichte

Weltweit

Beitrag: Helmut Marquardt

Photo by Ddou Dou on Pexels.com

                                                            
Herr und Frau F. aus Altenahr
waren ein gut betuchtes Ehepaar.
Weil sie konnten es sich leisten,
taten sie meist eines nur, sie reisten.
Beinah schon um die ganze Welt,
es mangelte ihnen ja nicht an Geld.
Von dieser Reise sie noch träumten,
weil sie die bisher versäumten.
Eine Kreuzfahrt auf der Hurtigruten,
wollten sie sich noch zumuten.
Zum Nordkap sollt‘ die Reise geh’n,
denn das hatten sie noch nicht geseh’n.
In Hamburg dann, ganz unbefangen,
sind die beiden hier an Bord gegangen.
Wenig später hieß es Leinen los,
ihre Erwartungen waren groß.
Entlang an Bergen und an Fjorden
gings ab Richtung Kap im Norden.
Es kam die Zeit, sich zu bequemen,
im Salon die Speisen einzunehmen.
Daraufhin begannen die beiden,
sich dementsprechend einzukleiden
und ihre Garderobe bitte sehr
gab doch wirklich schon was her.
Das Buffet war reich und haltig
und die Auswahl ganz gewaltig.
Frau F., ihr Name war Beate,
probierte zunächst mal die Salate.
Danach die Suppe mit der Zwiebel,
das Rezept, das stand schon in der Bibel.
Dazu vier leckre Taubenbrüstchen,
gehüllt in leckre Mandelkrüstchen.
Alwin, ihr Gatte, das Buffet erstürmt,
Fleisch sich auf seinem Teller türmt.
Dann, er konnt’s einfach nicht lassen,
als würd‘ er irgendwas verpassen,
kamen noch hinzu, statt nacheinander,
drei Filets vom leckren Zander.
Derweil ist hier im hohen Norden,
die See etwas rauher schon geworden.

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Aus der Region, Veranstaltungen

Termine Februar

Beitrag: Jürgen Sakuth

Tipps aus der Redaktion

WannThemaWo
Mo, 2. Februar
um 19 Uhr 30




Filmvorführung :
Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße

Deutscher Spielfilm
mit Charly Hübner

Sachsenwald-Forum

Hamburger Straße 8
Reinbek
Eintrittspreis 8 Euro
Online- Vorverkauf:
http://www.kultur-reinbek.de
Sa, 7. Februar
19 Uhr 30 Uhr bis 21Uhr 30

best of poetry slam




Lichtwark Theater im KörberHaus




ab Do, 12. Februar bis 14. März
Ausstellung:
Ausgeraubt vor der Deportation. NS-Verfolgte im Fokus der Hamburger Finanzverwaltung
KörberHaus
Foyer


FR, 13. FebruarVortrag und Gespräch:

Gregor Gysi
Lichtwark Theater im KörberHaus
Do, 19. FebruarLesung:
Henrik Szántó
Treppe aus Papier
SerrahnEins, Serrahnstraße1

Karten zu 15 Euro in der Sachsentor Buchhandlung

Stand: 29. Januar

Aus der Region, Damals war's

Bergedorf vor 50 Jahren

Café Möller

Beitrag: Jürgen Sakuth

An der Fassade mit den elf Fenster, hinter deren blitzblankem Glas rosa Begonien unter gerafften Gardinen blühen, steht in klarer Schrift „Kaffee Möller“. Wer den Duden“ aufschlägt, wird nun beides finden: Kaffee-Haus und Café. Doch sei das französische Wort gebräuchlicher, bemerkt das kluge Buch. Auch Konditormeister Möller mag diese Bezeichnung lieber, nicht, weil sie etwa vornehmer klingt, sondern vielmehr an Sahnetorte und Butterkuchen erinnert. „Café“ – das ist zugleich auch Konditorei und keine Kaffeestube wie in Österreich, in der es kein Gebäck gibt. Da kommen sie ins „Café Möller“ auf eine Stippvisite in einer Pause, zu längerem Klönschnack auf Verabredung oder auch allein, Zeitung zu lesen und in Illustrierten zu blättern – die Händler vom Wochenmarkt und ihre Käufer, zumeist Hausfrauen und Rentner, Beamte und Angestellte, Richter und Anwälte vom nahen Gericht.

Einmal im Monat, wenn im nahegelegenen Gemeindehaus die Pflichtsitzung vorbei, besetzen eine der Boxen im hinteren Teil des Cafés in früherer Zeit zu erkennen an Kleidung und Gebaren – die Pastoren aus Bergedorf, Geesthacht und den Vier- und Marschlanden. Nicht ohne Stolz wollten sie Landprediger sein und hatten sich vor Zeiten zusammengeschlossen im „Verein Hamburgischer Landprediger“, kurz “ V. H.L.“ genannt. Das war ihre Wertmarke. Jeder einzelne hatte sein Profil.

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Geschichten und Gedichte, Plattdeutsche Texte

Ut mien Kinnertiet

Beitrag: Helmut Marquardt

Photo by Polesie Toys on Pexels.com

Denk ik an mien Kinnertiet,
is de so leeg nich wäsen.
Un güng dat up de Wintertiet,
wörr Freid in mien Gesicht tau läsen.
Wenn ick vun Dag dat vör mi seh,
ward mi so egen üm dat Hatt,
denn ok de Wintertiet mit Ies un Snee
harr männicheen Vergnögen praat.
Ick rüüsch dann buckligen Barg hendal
up mien olen Iesensläden.
Dat wörr’n Geföhl, ick segg dat mal,
as op’n willen Peerd büst reden.

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Dieses und Jenes

Wegschmeißen kann Spaß machen

Beitrag: Elisabeth Hartmann

Wenn Mülleimer interessant sind, fällt das Wegschmeißen nicht schwer. Schwierig ist allerdings das Aussortieren vorher. Aber davon ist jetzt nicht die Rede, obwohl das ein gutes Thema für den Jahresanfang wäre.

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Wissenswertes

Mit 70 noch über den Boden krabbeln?

Der meistgelesene Beitrag des Jahres 2025.

Beitrag: Boike Jacobs

Noch nie habe ich bei facebook auf einen einfachen Kommentar so viele Antworten bekommen – alle negativ. Worum geht es dabei? Nun, Wirtschaftsministerin Katharina Reiche hat mit folgender Ankündigung für Wirbel gesorgt: „Der demographische Wandel und die weiter steigende Lebenserwartung machen es unumgänglich: Die Lebensarbeitszeit muss steigen.“ Es könne auf Dauer nicht gut gehen, nur zwei Drittel des Erwachsenenlebens zu arbeiten und ein Drittel in der Rente zu verbringen. „Bist Du bereit, für die deutsche Wirtschaft mehr und länger zu arbeiten?“, lautete daraufhin die Frage an die facebook community. Meine spontane Antwort: „Ja. Ich arbeite gerne, und wirtschaftlich können wir uns die von der SPD geforderte Rente ab 63 nicht leisten. Ich denke, ich stehe mit dieser Haltung nicht allein.“ Aber da hatte ich mich gründlich vertan. „Was arbeitest Du denn, Dachdecker?“, lautet die erste ironische Frage an mich. Und der Nächste legt nach: „Ich vermute, Sie sind mit 55 in Pension gegangen. Ich arbeite, seit ich 16 bin, im Drei-Schichten-System. Ich sehe mit meinen 55 Jahren und 39 Jahren Berufszeit nicht mehr so frisch aus wie Sie.“ Das war in diesem Fall gewiss nicht als Kompliment gemeint.

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