Es gibt Geschöpfe hier auf Erden, die sind wirklich eine Plage. Schwierig ist es, ihrer habhaft werden, oft ist man nicht Herr der Lage. Eins davon ist wohl bekannt, Flinkbuddler auch genannt. Beim Menschen ist er recht verhasst, denn dieses schwarze Individuum, hat es im Garten erst mal Fuß gefasst, gräbt dann mit Chance die ganzen Beete um. Auch Herr B. aus Wurmelingen wußt ein Lied davon zu singen. Als er morgens in den Garten schaute, seinen Augen er kaum traute. Denn im Rasen, welcher gestern noch schön eben, acht schwarze Hügel taten sich erheben. Sein Gesicht, das wurde kreidebleich, doch einen Plan hatte er sogleich. Ihm fiel ein der Rat vom Nachbarn Klopp nimm vom alten Fisch den Kopp, steck ihn in die Gänge rein und alsbald wird er verschwunden sein. Der Buddler jedoch sich nicht drum scherte sondern seine Haufen noch vermehrte. Schwager Willi war mit Rat zur Stell, füll saure Milch in seine Gänge. Du wirst sehen blitzeschnell, flieht er aus seiner dunklen Enge. Man ahnt, der Buddler hat sich nicht verzogen, die schwarze Erde hat’s ihm angetan, er schlug sogar noch einen Bogen und kam dann bei den Rosen an. Herrn B.’s Geduld war jetzt am Ende, er schnaubt, das mach ich nicht mehr mit. Er denkt, dies Mittel bringt bestimmt die Wende. Das Zauberwort heißt Dynamit. Es dauert dann auch gar nicht lange und er versenkt das Zeug im Buddlergange.
Fiete Matzen dröppt sien’n olen Fründ Hannes Mallmöhl op’n Markt vun Niestadt in Holsteen. Hannes is in sien best Schapptüüch un hett ’n Rükelbusch in’e Hannen.
„Wo wullt du denn in dien Verkleden op af?“ fraagt Fiete nielig. „Dat is doch noch keen Karnevalstiet!“
„Ik tööv op’n Taxi. Ik will na Olenkremp fohren un Wilma Bruhse fragen, wat se mien Frau warrn will!“
„Wat wullt du, Hannes? Du wisst Wilma frieg’n? Du büst jo wull mall in’n Kopp. Weetst du nich, wat se al wat mit all de Keerls ut Kremp hatt hett?
Dor laat blots de Finger vun. Gah man lever mit mi ’n poor Kööm un Beer drinken. Denn geiht di dat morgen villicht nich so goot, man de annern Daag aver veel beter!“
Na, Hannes lött sik flink wat vörsnacken, un se gaht tosamen to Kroog. Na veer Weken draapt sik de Twee tofällig weller. Düttmal hett aver Fiete Matzen sien’n Sünndagsantog an un ’n Blomenstruusch in de Hannen.
„Wat hett dat denn nu op sik? Du mit Blomen un in best Schapptüüch?“ fraagt Hannes.
„Dat bedüüdt, wat ik nu mit de Taxe na Kremp for un Wilma heiraden will. Ik bün bit Amt Niestadt Land west un heff mi klook maakt. So veel Mannslüüd gifft dat gor nich in Olenkremp!“
Illustration: Elke Grotelüschen
Quelle: Heinrich Evers „Dat dröfft doch mal seggt warrn!“ (Balticum Verlagsgesellschaft und Werbeagentur GmbH)
Wir hatten den ganzen Tag auf unsere kleinen Enkelinnen aufgepasst. Das war schön, aber auch sehr anstrengend. Am Abend wollten wir nur nach Hause, um uns auszuruhen.
Auf dem Bahnsteig Stadthausbrücke waren wir fast allein, als wir von einem aus unserer Sicht jungen Bettler (25 bis 30 Jahre) angesprochen wurden. Er bräuchte dringend Geld, weil er in einer Notlage ist. Er war sehr schmutzig und stank.
Meine Frau sagte ihm, dass wir ihm nichts geben. Daraufhin wurde er aggressiv: Wir sollten ihm das laut und deutlich ins Gesicht sagen und nicht so leise und verschämt. Sowas erlebt er immer wieder und „das gehe ihm auf den Senkel“. Er sprach weiter auf uns ein.
Wir fühlten uns stark belästigt und wussten nicht, wie wir mit der Situation umgehen sollten.
Ich bin über 40 Jahre täglich meist mit der Linie S3 aus dem Süden Hamburgs zur Arbeit gefahren, die als problematische Strecke gilt und habe während dieser Zeit nie Bettler erlebt außer zweifelhaften Musikdarbietungen mit anschließenden Geldwünschen.
Nach meinem persönlichen Empfinden nimmt die Zahl der Bettler im Moment stark zu. Ich gebe nichts, damit es nicht noch mehr werden, und ich glaube auch, dass man diesen Menschen mit ihren Drogenproblemen mittel- und langfristig durch monetäre Zuwendungen nicht hilft.
Mich würde interessieren, ob unsere Leser solche Situationen auch schon erlebt haben. Vielleicht haben Sie Tipps, wie man damit umgeht.
Horch, hörst Du den Frühling nicht, er naht auf leisen Schwingen. Wenn in der Früh beim ersten Tageslicht die Vögel ihm ein Ständchen bringen. Dann ist erfüllt die Luft mit froh Gesang, im Frühling jetzt, da sucht er seinesgleichen. Es ist dies ein besonderer Klang den nur im Frühjahr sie erreichen. Die Lebensfreude ist ihnen anzuhören, sie singen, trällern um die Wette und streiten sich, ich könnte schwören wer von ihnen denn die schönste Stimme hätte.
En olen Plattdüütschen, en bannig smucke Deern, en Nonn in ehr Dracht, as ok so’n aalglatten Snösel mit ’n Kaschmir-Paletot un ’n düre Rolex an’n Arm sitt güntsiet in de lesenbahn in en Afdeel. Miteens warrt dat pickendüüster. De Tog is in’n Tunnel föhrt, un to’n Unglück is ok noch dat Licht utfull’n.
Dor höört alltohoop miteens, wat een vun de Mitfohrers ’n olligen Backs kregen hett. As de Tog na’n Stoot weller ut’n Tunnel rut is, warrt de Mitfohrers dat wies: De Snösel hett een an’e Snuut kregen. Sien linke Back is jümmers noch heel root.He rifft sik dat Gesicht, un een süht, dat hett em wull böös wehdaan.
„Dat is Recht so“, denkt sik de Nonn. „De ole Snösel hett natüürlich versöcht, de junge Deern in Düüstern ’n lütt beten to begrappeln. Se wull dat aver nich un hett em bauts ene smeert.“
„Genau richtig,“ denkt de smucke Deern. „De aalglatte Snösel wull mi seker in Düüstern begrapschen, hett aver to sien Pech de Nonn erwischt. De wull dat aver natüürlich ok nich un hett em glieks ene ballert.“
„So ’n Mest aver ok“, denkt de Snösel dor. „De Plattdüütsche hett wull versöcht in’n Düüstern de smucke Deern to begrappeln. Hett dorbi aver de Nonn tofatenkregen, wat de aver nich wull. As se den Plattdüütschen een an de Riestüten geven wull, hett de Sausack wull wat markt, sik afduckt, un so heff ik den Slag vull afkregen.“
De plattdüütsch Mitfohrer dorgegen sinneert swiensplietsch: „Na, dat löppt jo allerbest vundaag. Wenn noch ’n Tunnel kummt, hau ik den affektierten Snösel noch een an’e Snuut.“
Quelle: Heinrich Evers „Fleitjepiepen, Utbüxen hölpt nix!“ (Balticum Verlagsgesellschaft und Werbeagentur GmbH) Illustration: Elke Grotelüschen
Es sind das Holz und die Farben, früher leuchtend grün und rot und golden, heute matter und gedämpfter, es sind die niedrige Decke und die Querbalken und auch die Bilder, die Bergedorfs St. Petri und Pauli-Kirche zu unseres Herrgotts Wohnstube machen.
Alt ist diese dörfliche Bürgerkirche, die an die Stelle einer noch älteren trat. Über deren Abbruch berichtet eine Abrechnung aus dem Jahre 1499. Nicht moderne Kühle, sondern anheimelnde Stille empfängt den Besucher. Eine Fülle von Bildern erzählen wie ein biblisches Lesebuch und ein buntes Buch der Geschichte. Von den Altar- und Emporebildern – „biblia pauperum“, die Bibel der Armen genannt – hielt Martin Luther viel. Von der Bilderstürmerei hielt er nichts.
Wenige Schritte von der Tür des Brauthauses, jenes besonderen Vorbaus, entfernt steht die Kanzel aus dem Jahre 1586. Magdalena von Stitten des derzeitigen Amtmannes Frantz von Stitten Gattin, hat sie gestiftet. Auf solcher Kanzel unter dem Schalldeckel und plattdeutschen Bibelsprüchen und lateinischer Widmung, den der Lübecker Ratsherr Gerd Grantzin, von 1596 bis 1602 Amtmann in Bergedorf, schenkte, macht sich der Prediger im hamburgischen Ornat mit der spanischen Krause besonders feierlich. Diese Kanzel hat Hamburgs einstiger Denkmalpfleger Professor Stettiner als eine der schönsten im norddeutschen Raum bezeichnet.
Die schöne genschnitzte Kanzel zeigt hier Kreuzigung und Auferstehung
Unter den mehr oder minder großen Epitaphien und Ölbildern fällt ein bescheidenes in einfachem Rahmen auf. Es ist das Bild des ersten evangelischen Bergedorfer Predigers, der hier wohl am Ende des Jahres 1543 seine Amtstätigkeit begann und fast 50 Jahre blieb. Verstaubt hatte es auf dem Kirchenboden gelegen. Die Kunst des Restaurators machte die Züge von Andreas Falckenberg wieder erkennbar. Es waren gewiss ehrwürdige Herren und Prediger von Gottes Wort, auch der geistvolle Johann Ludwig Schlosser, dessen Streit mit dem Hauptpastor Johann Melchior Goeze an St. Katharinen über die Frage, ob ein Pastor Theaterstücke schreiben dürfe, über Bergdorfs, ja Hamburgs Grenzen bekannt wurde. Einem Schiedsrichter ähnlich soll Gotthold Ephraim Lessing auf die Frage: „Darf ein Prediger Komödien machen? “ geantwortet haben: „Warum nicht, wenn er kann “ – und auf die andere: „Und darf ein Komödienschreiber Predigten machen“ – „Warum nicht, wenn er will.“
Jedenfalls füllte der berühmt gewordene Bergedorfer Pastor seine Kirche, so dass Klappsitze angebracht werden mussten. Wer aber die Sanduhr – vier geteilt – an der linken Seite der Kanzelwand mit der fröhlichen Bemerkung, „noch ein Gläschen, liebe Gemeinde“ umdrehte, wenn die Gemeinde das Amen vermutete, steht nicht fest. Viele Jahre später saß unter der Kanzel auf der Bank an der Treppe, die zur Kanzel heraufführte, ein fleißiger Gottesdienstbesucher, der es mit anderen Gläschen, Gläsern und Flaschen zu tun hatte. Es war ein Gastwirt. Er hieß Land. Weil das Wort des Propheten Jeremia über dem Platz auf der Bank geschrieben stand: „O Land, Land, höre des Herrn Wort“, nahm er diesen Platz so ganz persönlich für sich in Anspruch.
Die Kanzel und der Amts- oder Landherrenstuhl mit dem Hamburger Staatswappen flankieren den Chorraum, in dessen Mitte „die Taufe“ aufgestellt wird. Ihre beiden Getäfelstücke aus dem 16. Jahrhundert haben eine besondere Geschichte. Sie sollten einst die Kanzeltür gebildet haben, die Pastor Halske, von 1815 bis 1848 im Amt, als unbequem empfand. Darum ließ er sie entfernen. Der damalige Prokurator Meyns hat sie dadurch gerettet, dass er sie mit nach Hause nahm und als Ziertüren eines Schrankes einbauen ließ. Erben in des Prokurators Familie gaben sie dem Pfarramt zurück.
Fernand weer Matroos bi de Marine un to Tiet op’n Utlandinsatz vör de libaneesche Küst. Gottsleider kunn he vuntjohr ok över de Wiehnachtsdaag nich na Düütschland torüch. Wat harr doch sien hamborger Kaptein to em seggt: „Deenst is Deenst, un Snaps is Snaps!“ Man as all de annern Suldoten kreeg ok Fernand to Wiehnachten n Breef vun sien Leefste. Se schreev:
Fernand is jo nu total trecht mit de Nerven. Mit allens harr he jo rekent, man doch mit sowat nich. He baller sik nu eerstmal ollich een. De Weh-daag mutt jo jichtenswenn ok mal weller nalaten. Un as sien Verstand an’n tokamen Dag bilütten wellerkeem, harr he ’n plietschen Infall. He güng to all sien Kameraden un sammel all Biller in, de se över harrn. Biller vun Fründinnen, Süstern, Pin-Up-Girls, even allens, wat ’n beten na wat utseeg. Tosamen mit dat Bild vun Emma steek he nu all de Fotos vun de smucken Fruenslüüd in en Ümslag. Summa summarum 57 Stück harr he tohooosammelt. Dorto schreev he:
Quelle: Heinrich Evers „Fleitjepiepen, Utbüxen hölpt nix!“ Illustration: Elke Grotelüschen (Balticum Verlagsgesellschaft und Werbeagentur GmbH)
Hat mir sehr gut gefallen. Ich kenne Andrea und natürlich ihre wunderbare Kunst.