Aus der Region, Freizeit & Reise

Mensch und Baum

Beitrag: Sabine Ziesmer

Skulpturen am Elbufer…

Bäume haben ähnlich mannigfaltige Erscheinungen wie wir Menschen. Einige sind von beeindruckender Statur, hochgewachsen und majestätisch. Im Hirschpark an der Elbchaussee findet man einige dieser Bäume, die noch heute von ihrer langen Reise aus fernen Ländern und ihrem harten Leben fern der Heimat erzählen – wenn man ihnen zuhören möchte. Andere sind klein und unscheinbar, kämpfen um ihr Überleben und um ihre Sichtbarkeit. Es sind oft die Straßenbäume, die uns etwas Schatten und Freude spenden, aber nur zu oft vergessen werden und immer weichen müssen, wenn die Stadtplanung es so entscheidet. Aber fast alle Bäume haben ihre Liebhaber.

Ich wandere täglich durch die Elbauen in den Vier- und Marschlanden. Wie ein Urwald säumen makaberen Skulpturen das Elbufer. Diese Bäume sind Überlebenskünstler. Sie stehen oft tief im Elbwasser und recken ihre Äste hoch in den Himmel, oder sie scheinen über den Elbsand zu kriechen als suchten sie stets neuen Halt. Bei Ebbe krallen sich die freien Wurzeln in den Sand, um so dem Wind widerstehen zu können. Eine Illusion, weil jede Flut ihren Halt fortgespült. Ich begrüße die Bäume täglich wie alte Freunde. Ich streiche mit der Hand über die raue Rinde, steige über ein Labyrinth aus freiliegenden verholzten Wurzeln und genieße den herben Duft von Holz und Brackwasser. Während der blattlosen Zeit der Stürme und des Hochwassers bietet sich mir immer wieder ein neues Bild. Die große Gruppe der geraden, schlanken Bäume trauert um die Freunde, die nun zersplittert zu ihren Füßen liegen. Jeder Baum erzählt seine eigene Geschichte. Ihr ungewöhnlicher Wuchs berichtet vom unermüdlichen Ringen gegen Sturm und Elbwasser. Kein Baum gleicht dem anderen. Wenn man diesen Urwald durchschreitet, fühlt man sich nicht mehr allein. Die Bäume machen mir Mut, mich den Herausforderungen zu stellen, meine Wurzeln tief einzugraben, oder neue zu schlagen im unbekannten Untergrund. Nur aufgeben ist keine Option. 

Fotos: Sabine Ziesmer

Plattdeutsche Texte

Kavaleer

Beitrag: Jürgen Sakuth

Siet de Barocktiet kennt wi bi uns de Beteken „Kavaleer“. So nöömt
een ’n Keerl mit ridderliche Döögden un höfliche Ümgangsformen, hett mi „Mister Google“ verkloort.
Man ik verbinn mit düssen Utdruck en Beleevnis, wat sik in mien Lehrtiet an’n Enn vun de föfftiger Johren todragen hett.
Ik heff bi de Firma Kiesewetter in Grömz den Goornerberoop lehrt. To de Tiet weer dat bi de Goornerutbillen begäng, wat de Lehrjungs ok in’t Huus vun n Lehrmeester wahnten un eten.
Middeweeks müss ik jümmers to de Beroopsschool na Eutin. So kunn ik an’n Dingsdagavend al mit den letzten Bus vun Grömz na Niestadt in Holsteen fohr’n un in mien Öllernhuus övernachten. Düsse letzte Bus an’n Avend weer jümmers rappelvull. Ik weer bitieden dor west un harr en Platz achtern in’n Bus funnen. As Gerda Steensen op’n letzten Drücker mit ehrn lütten Jung to’n Bus kümmt, weern all Plätz al besett. Dor stünn in’e drütte Reeg en junge Mann op un bööd de Fru sien Sittplatz an.
„Is jo wunnerbor!“ see dor Gerda Steensen, „dat gifft doch jümmers noch Kavalere!“
Ik höör noch, wat de Jung sien Modder fraag: „Mami, wat sünd denn Kavalere?“ Gerda anter dor: „En Kavaleer is to’n Bispill en Mann, de en Fru mit en Kind sien Platz anbeden deit. Jüst so as de nette junge Mann dat even bi uns daan hett!“
Veerteihn Daag later wull dat de Tofall, wat ik op de Fohrt vun Grömz na Niestadt in Holsteen blangen Gerda Steensen to sitten keem, un se vertell mi:
„Ik keem annerletzt op’n letzten Drücker mit mien lütten Jochen tơ’n Bus, un de weer brekenvull. Dor hett uns doch so’n netten junge Mann sien Platz anboden, un ik heff em en Kavaleer nöömt!“
„Jo“, see ik, „dat heff ik mitkregen, Gerda. Ok wat du dien Jochen noch verkloort hest, wat ’n Kavaleer is!“

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Plattdeutsche Texte

Steveln antrecken

Beitrag: Jürgen Sakuth

Ji wart villicht denken, ik tüder ju wat vör. Man dat is redig wohr. De nafolgen Geschicht heff ik jichtenswenn – aver in Hoochdüütsch – bi‘n Gottsdeenst in de Niestädter Stadtkark vun Paster Rathjen in sien Predigt höört:
En lütt Jung harr dat bi’t Antrecken vun sien Steveln in’n Kinnergoorn bannig swoor. He keem un keem dor nich mit kloor. Nu güng sien Optreckersche in’e Kneen, üm em dorbi to hölpen. Gemeensam weern se an’t Stöten, Trecken un Rieten, üm den eersten as ok den tweten Stevel mit Duld un Düer an de Fööt to kriegen.
As de Lütt denn see: „De Steveln sünd jo an’n verkehrten Foot,“ müss de Optreckersche kort Luft halen, üm den Anfloog vun Grull daaltoslucken. Se keek unglöövsch op de Fööt vun den Jungen un müss togeven, de Lütt harr Recht, links un rechts weern redig vertuuscht.
Mit desülvige Möh un Plaag as bi’t Antrecken, kreeg se de Steven aver vun’e Fööt daal. Se betähm sik ok allerbest, ehr Verfaten to beholen. Man denn wörrn de Steveln tuscht un ünner gräsig groot Trecken un Stöten gemeensam weller antrocken.
As dat Wark vullbröcht weer, see de Lütt:
„Dat sünd aver gor nich mien Steveln!“
Na dat weer jo wat för de Optreckersche, sowat aver ok. Se beet sik op de Tung, dormit dat gemene Woort, wat dor jüst noch op legen harr, nich ut ehr Snuut rutkeem. Se see nu blots:
„Verdori, Jung, worüm üm allens in’e Welt vertellst du mi dat eerst nu?“ Man dat hölp jo allens nix, se güng noch mal in’e Kneen un reet un tröck an de wedderböstigen Steveln bit dat se uttrocken weern.
Dor verkloor de Lütt al ’n beten wat düütlicher: „Dat sünd nich mien Steveln! De Steveln höört mien Broder to. Aver mien Modder hett seggt, ik müss ehr vundaag bi de övergrote Küll antrecken.“
In düssen Momang wüss de Fru nich mehr, wat se luut schriegen or still wenen sull.

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Aus der Region, Wissenswertes

Plattdeutsch – Mehr als nur ein Dialekt!

Beitrag: Thorsten Werner

Warum wir unsere Wurzeln nicht vergessen sollten

Haben Sie schon mal gehört, wie sich ein echter Norddeutscher über sein Wetter beschwert oder wie ein Ostfriese einen guten Tee beschreibt? Dann haben Sie wahrscheinlich schon Plattdeutsch, oder Niederdeutsch, wie es offiziell heißt, gehört. Diese Sprache, die oft als „Dialekt“ abgetan wird, ist viel mehr als das. Sie ist ein Stück unserer Kultur, ein Teil unserer Identität und ein Schatz, den es zu bewahren gilt.

Plattdeutsch – eine Sprache mit Geschichte

Niederdeutsch ist keine bloße Abwandlung des Hochdeutschen, sondern eine eigenständige westgermanische Sprache. Sie hat eine lange Geschichte und war einst die Sprache der Hanse, die einen bedeutenden Einfluss auf den Handel und die Kultur in Norddeutschland hatte. Plattdeutsch hat sich über Jahrhunderte entwickelt und ist in zahlreiche Dialekte aufgeteilt, die sich oft von Dorf zu Dorf unterscheiden.

Warum ist Plattdeutsch so wichtig?

  • Kultur und Identität: Plattdeutsch ist ein wichtiger Bestandteil der norddeutschen Kultur. Sprichwörter, Lieder und Geschichten, die von Generation zu Generation weitergegeben werden, sind oft in Plattdeutsch verfasst. Die Sprache verbindet uns mit unseren Vorfahren und gibt uns ein Gefühl von Zugehörigkeit.
  • Sprachliche Vielfalt: Jede Sprache ist ein Schatz an Wissen und Erfahrung. Plattdeutsch trägt dazu bei, die sprachliche Vielfalt in Deutschland zu erhalten und zu fördern.
  • Tourismus: Plattdeutsch ist auch für den Tourismus interessant. Viele Besucher sind neugierig auf diese alte Sprache und möchten mehr darüber erfahren.
  • Bildung: Plattdeutsch zu lernen fördert das Sprachbewusstsein und die Fähigkeit, andere Sprachen zu lernen.

Plattdeutsch für die Zukunft

Plattdeutsch ist zwar eine alte Sprache, aber sie hat auch eine Zukunft. Immer mehr Menschen entdecken die Schönheit und den Wert dieser Sprache. Es liegt an uns allen, Plattdeutsch zu fördern und weiterzugeben, damit es auch für kommende Generationen erhalten bleibt.

Also, worauf warten sie noch? Wagen Sie den Sprung ins Plattdeutsche und entdecken Sie eine neue Welt voller Geschichten, Humor und Kultur!

Aus der Region, Wissenswertes

Die Lachmöwe braucht unsere Hilfe

Beitrag: Thorsten Werner

Lachmöwe
Foto: Pixabay

Ja, Sie haben richtig gelesen. Die Lachmöwe, unser quirliger Küsten- und Binnengewässerbewohner, ist zum Seevogel des Jahres 2025 gekürt worden. Aber warum eigentlich eine Möwe? Sind die nicht einfach nur laut und dreckig? Nun, da liegen sie ganz schön daneben! Die Lachmöwe ist viel mehr als nur ein Vogel, der uns gerne mal die Pommes stibitzt.

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Aus der Region, Wissenswertes

Hammer-Hü! Was ist das denn?

Beitrag: Sabine Ziesmer

Der meistgelesene Beitrag des Jahres 2024.

Rechtzeitig vor dem Aschermittwoch beginnt man in den Vier- und Marschlanden, Vorbereitungen zum Hammer-Hü-Laufen zu treffen. Es werden Vorräte an Süßigkeiten angelegt, und ein Brett oder eine Kiste wird schon mal griffbereit in die Nähe der Haustür gerückt. Trifft man Anfang Februar auf neue Nachbarn, sollte man sie unbedingt in die Geheimnisse des Brauchtums einweihen. So kann man Enttäuschungen rechtzeitig vorbeugen. Hammer-Hü-Laufen, erfährt man immer häufiger, nie gehört – was ist das denn?

Es handelt sich dabei um einen Fastnachtsbrauch in den Vier- und Marschlanden, der in Kirchwerder und Ochsenwerder gegangen wird. Am Faschingsdienstag beginnen nach der Schule die Kinder östlich des Kirchwerder Landwegs, Aschermittwoch folgt Kirchwerder westlich des Landwegs, und am Donnerstagvormittag, da fällt die Schule aus, endet der Spaß mit Ochsenwerder.

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Geschichten und Gedichte

Schenken? Ein ewiges Mysterium

Beitrag: Sabine Ziesmer

Wie können wir einander eine Freude machen? Was ist der beste Anlass? Wer steht im Mittelpunkt? Der Schenkende? Der Beschenkte? Oder alle beide? Diese Frage beschäftigt mich das ganze Jahr über, und die Antwort darauf hat sich immer wieder an mein Leben angepasst. Vielleicht fühle ich mich deshalb mit den „Heiligen Drei Königen“ so verbunden. Sie nehmen einen beschwerlichen Weg auf sich, um mit ihren Gaben das Erscheinen Gottes auf der Welt zu feiern. Schenken wird zu einer Form menschlicher Kommunikation.

Leider ist Schenken in vielen Bereichen unserer Gesellschaft zu einer Pflicht geworden, besonders an Weihnachten. Solange die Kinder noch jünger sind, kommt kaum eine Familie darum herum, möglichst viele nützliche oder auch ganz unnütze Gegenstände untereinander hin und her zu schieben. Zwischen Weihnachten und Neujahr werden die unliebsamen Gaben gnadenlos getauscht oder einfach zurückgeschickt.

Meine Tochter feierte diese Tauschaktionen mehr als den Akt des Schenkens an sich. Wollte ich als Schenkende dabei nicht vollkommen verzweifeln, musste ich meine Einstellung ändern. Es wurde fortan auf Bestellung geschenkt. Ich hielt es dennoch mit den Königen, die nichts über den zu Beschenkenden wussten und den Weg zu ihm nicht kannten. Würde man sich über ihre Geschenke freuen? Es machte mir immer größere Freude aus mir heraus, immer und überall andere Menschen zu beschenken. Jedes freundliche Wort, das ehrliche Interesse am Gegenüber, kleine Komplimente und ein freundliches Lächeln geben Beschenkten und Schenkenden so viel.

Diese Erfahrung habe ich bereits bei meiner Arbeit mit Kindern machen dürfen. Gerade sie sind Meister kleiner Komplimente und kritische Betrachter feststehender Regeln. Als ich die Geschichte der drei Weisen aus dem Morgenland und ihren mitgeführten Gaben erzählte, meldete sich eine Schülerin und erklärte mit ernster Miene: „Da bin ich aber froh, dass der Caspar nicht so ein teures Geschenk dabei hat. Der wollte mit seinen Möhren sicher den Esel des Jesuskindes beschenken.“ Diese kreative Änderung des Wortes „Myrrhe“ führte uns letztlich in ein fast philosophisches Gespräch über den Sinn des Schenkens. Jeden Montag haben wir dann kleine Komplimente verfasst, die wir gemeinsam lasen und uns darüber freuten. So erinnere ich mich an ein Kärtchen mit dem Satz „Du bist meine Pudelmütze, falls ich traurig werde.“ „Du bist eine tolle Nachbarin. Wir pusten graue Wolken weg.“ Zuletzt bekam ich ein zauberhaftes Kompliment von meiner Tochter: “Du liebst mich so wie ich bin, ganz bedingungslos.“ Schenken ist eigentlich kein Mysterium.

Foto: Sabine Ziesmer

Geschichten und Gedichte

Winterfreuden

Beitrag: Thorsten Werner

Endlich, der erste Schnee des Jahres. Plötzlich klingelte es an der Tür. Die Nachbarskinder wollten Schlitten fahren und fragten nach unserem Schlitten.

Mit der Taschenlampe fand ich ihn in der hintersten Ecke auf dem Dachboden. Schnell räumte ich ihn frei und gab den geduldig wartenden Kindern den Schlitten. Freudig zogen sie den Schlitten und brachten ihn gegen Abend dankbar wieder zurück.

Foto: Thorsten Werner