Damals war's

Schweinsöhrchen und Kartoffelsalat

Beitrag: Boike Jacobs

Nun bin ich schon wieder drauf reingefallen. Zum Frühstücken war ich nicht gekommen, also im Bahnhof noch schnell etwas zu essen kaufen. Und da seh ich sie säuberlich aufgereiht in der Theke: Schweineohren oder „Schweinsöhrchen“, wie sie bei uns zu Hause hießen. Das klang freundlicher und schmeckte auch ganz anders. Aber alles der Reihe nach.

In meiner Kinderzeit wohnte mein Großvater bei uns im Haus, und wenn ich in der Schule eine besonders gute Note bekommen hatte, gab es auch eine besondere Belohnung. Zu Fuß gingen wir nachmittags zwei Kilometer vom Dorf ins Städtchen zum Café Central, und dort spendierte mein Großvater mir ein Schweinsöhrchen. Nicht auf die Hand, sondern wir saßen dazu am Fenstertisch wie feine Leute. Dies Knistern und Krümeln schon beim ersten Bissen war einfach herrlich. Dazu gab es eine Tasse Kakao mit Schlagsahne – echter Schlagsahne. Zu Hause gab es zum Geburtstagskuchen nur geschlagenes Eiweiß, nichts also im Vergleich zu dem, was ich mir im Café Central auf der Zunge zergehen lassen konnte.

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Humorvolles

Techtelmechtel

Beitrag: Helmut Marquardt

In der Nordsee fanden sie zusammen,
die platte Scholle und der dicke Dorsch.
Der Schollen Herz sogleich stand lichterloh in Flammen,
denn sie wusste, so ein Dorsch ist unglaublich forsch.
Dieser auch nicht lange fackelt,
kurz mit seinen Kiemen wackelt
und auf dem Weg zum Nordseegrunde
reicht er die Flosse ihr zum Bunde.
Alsdann ging’s ab in Richtung Küste,
wo er ein stilles Plätzchen wüsste.
Da sprach die Scholle, sag mal ehrlich,
ist das für uns nicht zu gefährlich.
Der dicke Dorsch verzieht nicht eine Kieme,      
sagt der Scholle dann mit ernster Miene
Seit vielen Jahren schwimm ich hier in Gruppe
und niemand hat bisher gekrümmt mir eine Schuppe.
Du kannst mir glauben, ich weiß es besser,
dies hier ist ein sicheres Gewässer.
Die Scholl fasst allen Mut zusammen
und alsbald sie dann in Richtung Küste schwammen.
Allerdings schon auf dem Weg dort hin,
wurd’ der Dorsch dann sehr intim.
Und es staunt nicht schlecht die Scholl, die platte,
was der Dorsch alles so in petto hatte.
Jedoch nur kurz währt dieses Techtelmechtel,
mit seinem Kutter naht der Fischer Prechtel.
Die beiden sich im Netz verfingen
und fortan getrennte Wege gingen.
Sie macht Karriere als Scholl vom Kutter,
garniert mit Kräutern in zerlassner Butter.
Ihm geht es auch nicht sehr viel besser,
zerlegt mit einem scharfen Messer,
doch anstatt auf einem Teller
landet er im Tiefkühlkeller.
Das Techtelmechtel jedoch nicht ohne Folgen blieb,
und manch Fischer sich verdutzt die Augen rieb,
denn man fängt heut außer Scholl und Dorsch
in der Nordsee einen Fisch und der heißt Schorsch.

Bild: Jürgen Sakuth, generiert mit KI

Aus der Region, Veranstaltungen

AltersBilder

Beitrag: Sabine Ziesmer

In einem grünen Sommerkleid sitzt Frau Käßmann dem Moderator Andreas Bormann lachend gegenüber. Der Saal ist voll, die Laune auch des Publikums, dem wunderbaren Sommerwetter entsprechend, ausgelassen und der Start ins Gespräch launig. Gefragt nach ihrem Lieblingsfilm bekennt sie sich zu „Der Schatz im Silbersee“ von 1962 mit dem jugendlichen Götz George. Sie wuchs mit ihren beiden Schwestern in Stadtallendorf mit einem lebensfrohen Vater und einer strengen Mutter auf. Die Autowerkstatt des Vaters war für sie ein Lieblingsort um zu lernen und dem Vater nah zu sein. Er war ein fleißiger und geselliger Mensch, der mit Kunden und Freunden eher nachsichtig war und seiner Frau die buchhalterischen Aufgaben überließ. Ich bin derselbe Jahrgang wie Frau Käßmann. Mein Vater saß auch gern mit mir zusammen, um mir von seiner Welt im Hafen zu erzählen, mit mir zu lachen und kleine Geheimnisse zu teilen, während meine Mutter die Zügel fest in den Händen hielt. Diese Väter haben uns geprägt, gemacht haben uns die Mütter. Auf dem Gymnasium wurden wir darauf hingewiesen, dass Kinder aus der Arbeiter- und Handwerkerschicht nicht dorthin gehörten – Armes Deutschland!  So sitze ich mitten unter den Zuschauenden und dennoch zugleich mit der jungen Margot in einer bundesrepublikanischen Wirklichkeit der 70er Jahre, in der wir uns einen Platz hart erarbeiten mussten.

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Wissenswertes

Freitag, der 13.: Warum wir bei dieser Kombi Herzklopfen bekommen

Beitrag: Thorsten Werner

Bild: Thorsten Werner (KI generiert)

Puh, schon wieder Freitag, der 13.? Für viele ist das ein Tag, an dem man lieber im Bett bleiben, schwarze Katzen meiden und auf keinen Fall unter einer Leiter durchgehen sollte. Aber warum eigentlich? Ist dieser Tag wirklich vom Pech verfolgt, oder ist das alles nur Aberglaube? Und apropos Unglückszahlen: Ist die 13 die einzige, die uns das Gruseln lehrt?

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Plattdeutsche Texte

Football

Beitrag: Jürgen Sakuth

Dat sall dat jo geven. En junges Poor hett den eersten Striet in ehr junge Eh. Se seggt:
„Du hest jo nix anners mehr in’n Kopp, as blots dien beschüerten Football. Morgens, meddags, avends, ik höör jümmers blots noch Football, Football.
Maakt wi dat Kiekschapp an, wat warrt keken? Football. An wat anners kannst du wull gor nich mehr denken, wat? Ik heff nu aver de Snuut vull! Dat is jo bilütten nich uttoholen!“
He lött dat aver nich gellen un antert:
„Dat is doch allens Tüünkraam, wat du dor seggst!“
Se meen denn lütt beten snippsch:
„Nu, mien Leven, denn verkloor mi doch mal, an welk Dag wi de Plünnen tohoopsmeten hebbt! Wannehr is denn uns Hochtietsdag?“ Nu kümmt he aver in Gang un seggt:
„Dat kann ik di akkerat segg’n, wann ik di friet heff. Dat weer an den Dag, as Bayern München dat eerste Door gegen den HSV schaten, aver to’n Glück doch noch mit 2:1 verloren hett!“

Quelle: Heinrich Evers „Dat dröfft doch mal seggt warrn!“
(Balticum Verlagsgesellschaft und Werbeagentur GmbH)
Illustration: Elke Grotelüschen

Veranstaltungen

Termine Juni

Beitrag: Jürgen Sakuth

Tipps aus der Redaktion

WannThemaWo
Mo, 2. Juni
um 19 Uhr 30
Filmvorführung : Das große Los

Schwarzhumorige französische Komödie
Sachsenwald-Forum

Hamburger Straße 8
Reinbek
Eintrittspreis 8 Euro
Online- Vorverkauf:
http://www.kultur-reinbek.de
Do, 5. Juni
um 19 Uhr
Open Mic of Generations

Offene Bühne mit Talenten aller Generationen
KörberHaus
Anmeldung erforderlich
http://www.koerberhaus.de
Di, 10. Juni
um 19 Uhr
Tech for Society Slam

Forschende präsentieren in zehnminütigen Slams ihre Ideen und Projekte
KörberHaus
Anmeldung erforderlich
http://www.koerberhaus.de
Fr, 13. Juni
um 19 Uhr
AltersBilder

mit Margot Käßmann
KörberHaus
Anmeldung erforderlich (ab 30. Mai)
http://www.koerberhaus.de
Sa,14. Juni
ab 11 Uhr
Das KörberHaus Sommerfest
KörberHaus
Mi, 25. Juni
um 19 Uhr
Festliche Gala zur Preisverleihung des Zugabe-PreisesKörberHaus
Anmeldung erforderlich (ab 11. Juni)
http://www.koerberhaus.de

Stand: 28. Mai

Aus der Region, Veranstaltungen

Auch die Älteren sind gefordert

Beitrag: Boike Jacobs

Ein „freiwilliges Gesellschaftsjahr für die jüngere Generation“ forderte der bekannte Schriftsteller Bernhard Schlink vor zwei Jahren und vermied damit das ungeliebte Wort „Wehrersatzdienst“. Prompt bekam er Antwort von Ben Jagasia, damals 17-jähriger Schüler, der in der Wochenzeitung „Die Zeit“ erklärte, er mache das gern, „allerdings nur, wenn dies auch für die ältere Generation gilt“. Das ließ aufhorchen, von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wurde er zu einem Gespräch eingeladen. Und auch ins KörberHaus lud Annalena Jonetzko ihn ein, seine Thesen vorzutragen und gemeinsam mit Jens Kreuter, dem ehemaligen Bundesbeauftragten für den Zivildienst, sowie dem Publikum darüber zu diskutieren.

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