Aus der Region, Wissenswertes

Hammer-Hü! Was ist das denn?

Beitrag: Sabine Ziesmer

Der meistgelesene Beitrag des Jahres 2024.

Rechtzeitig vor dem Aschermittwoch beginnt man in den Vier- und Marschlanden, Vorbereitungen zum Hammer-Hü-Laufen zu treffen. Es werden Vorräte an Süßigkeiten angelegt, und ein Brett oder eine Kiste wird schon mal griffbereit in die Nähe der Haustür gerückt. Trifft man Anfang Februar auf neue Nachbarn, sollte man sie unbedingt in die Geheimnisse des Brauchtums einweihen. So kann man Enttäuschungen rechtzeitig vorbeugen. Hammer-Hü-Laufen, erfährt man immer häufiger, nie gehört – was ist das denn?

Es handelt sich dabei um einen Fastnachtsbrauch in den Vier- und Marschlanden, der in Kirchwerder und Ochsenwerder gegangen wird. Am Faschingsdienstag beginnen nach der Schule die Kinder östlich des Kirchwerder Landwegs, Aschermittwoch folgt Kirchwerder westlich des Landwegs, und am Donnerstagvormittag, da fällt die Schule aus, endet der Spaß mit Ochsenwerder.

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Geschichten und Gedichte

Schenken? Ein ewiges Mysterium

Beitrag: Sabine Ziesmer

Wie können wir einander eine Freude machen? Was ist der beste Anlass? Wer steht im Mittelpunkt? Der Schenkende? Der Beschenkte? Oder alle beide? Diese Frage beschäftigt mich das ganze Jahr über, und die Antwort darauf hat sich immer wieder an mein Leben angepasst. Vielleicht fühle ich mich deshalb mit den „Heiligen Drei Königen“ so verbunden. Sie nehmen einen beschwerlichen Weg auf sich, um mit ihren Gaben das Erscheinen Gottes auf der Welt zu feiern. Schenken wird zu einer Form menschlicher Kommunikation.

Leider ist Schenken in vielen Bereichen unserer Gesellschaft zu einer Pflicht geworden, besonders an Weihnachten. Solange die Kinder noch jünger sind, kommt kaum eine Familie darum herum, möglichst viele nützliche oder auch ganz unnütze Gegenstände untereinander hin und her zu schieben. Zwischen Weihnachten und Neujahr werden die unliebsamen Gaben gnadenlos getauscht oder einfach zurückgeschickt.

Meine Tochter feierte diese Tauschaktionen mehr als den Akt des Schenkens an sich. Wollte ich als Schenkende dabei nicht vollkommen verzweifeln, musste ich meine Einstellung ändern. Es wurde fortan auf Bestellung geschenkt. Ich hielt es dennoch mit den Königen, die nichts über den zu Beschenkenden wussten und den Weg zu ihm nicht kannten. Würde man sich über ihre Geschenke freuen? Es machte mir immer größere Freude aus mir heraus, immer und überall andere Menschen zu beschenken. Jedes freundliche Wort, das ehrliche Interesse am Gegenüber, kleine Komplimente und ein freundliches Lächeln geben Beschenkten und Schenkenden so viel.

Diese Erfahrung habe ich bereits bei meiner Arbeit mit Kindern machen dürfen. Gerade sie sind Meister kleiner Komplimente und kritische Betrachter feststehender Regeln. Als ich die Geschichte der drei Weisen aus dem Morgenland und ihren mitgeführten Gaben erzählte, meldete sich eine Schülerin und erklärte mit ernster Miene: „Da bin ich aber froh, dass der Caspar nicht so ein teures Geschenk dabei hat. Der wollte mit seinen Möhren sicher den Esel des Jesuskindes beschenken.“ Diese kreative Änderung des Wortes „Myrrhe“ führte uns letztlich in ein fast philosophisches Gespräch über den Sinn des Schenkens. Jeden Montag haben wir dann kleine Komplimente verfasst, die wir gemeinsam lasen und uns darüber freuten. So erinnere ich mich an ein Kärtchen mit dem Satz „Du bist meine Pudelmütze, falls ich traurig werde.“ „Du bist eine tolle Nachbarin. Wir pusten graue Wolken weg.“ Zuletzt bekam ich ein zauberhaftes Kompliment von meiner Tochter: “Du liebst mich so wie ich bin, ganz bedingungslos.“ Schenken ist eigentlich kein Mysterium.

Foto: Sabine Ziesmer

Geschichten und Gedichte

Winterfreuden

Beitrag: Thorsten Werner

Endlich, der erste Schnee des Jahres. Plötzlich klingelte es an der Tür. Die Nachbarskinder wollten Schlitten fahren und fragten nach unserem Schlitten.

Mit der Taschenlampe fand ich ihn in der hintersten Ecke auf dem Dachboden. Schnell räumte ich ihn frei und gab den geduldig wartenden Kindern den Schlitten. Freudig zogen sie den Schlitten und brachten ihn gegen Abend dankbar wieder zurück.

Foto: Thorsten Werner
Humorvolles, Plattdeutsche Texte

Twüschen de Johr’n

Beitrag: Jürgen Sakuth

Fiete Piekenhogen dröppt bi’n Wiehnachtsinkoop in de Mönkebergstraat sien ole Flamm Mieke Bossbek weller.
„Verdori, Mieken!“ röppt he, wo geiht di dat denn! Du warrst jo jümmers smucker!“
Mieken löppt jo nu knallrot an.
„Minsch, Mieken! Köönt wi uns nich nochmol weller dropen, so op ’n lütt Rendevouz?“
„Ne, Fiete, dat geiht nu nich mehr, ik bün middewiel ünner de Huuv kamen!“
Fiete Piekenhogen, twischenin en erfolgreiche Börsenspekulant, kennt aver keen Bahnhoff un sett na:
„Och wat verheirat, Mieken! Ik geeev di hunnert Euro, so as fröher, na du weetst al!“
Mieken keek sik nu verschaamt üm.
„Na goot, Fiete, 100 Euro sünd 100 Euro, denn kumm du man twüschen de Johrn lang, dor is mien Mann mit sien Golfclub op Zypern!“
Un so hebbt Fiete un Mieken dat denn ok maakt.
Anfang Januor, keem ehr Mann vun Zypern torüch un meent bi’t Utpacken:
„Seggt mal, Mieken, is en gewisse Herr Piekenhagen twüschen de Johr’n hier west?“
Mieken kreeg jo nu ’n bannigen Schreck un stotter sik „Jo, jo, Herr Piekenhogen is hier west!“
„Un hett he di hunnert Euro geven?
Mieken wörr dat jo nu heel schummeri tomoot:
„Jo, he hett mi hunnert Euro geven!“
„Na also. Is doch ’n reellen Keerl, de Piekenhogen. He hett sik nämli vör Wiehnachten hunnert Euro bi mi pumpt un seggt:
„Se bekaamt ehr Geld noch vör Silvester torüch‘!“

Quelle: Heinrich Evers „Dat dröfft doch mal seggt warrn!“
(Balticum Verlagsgesellschaft und Werbeagentur GmbH)
Illustration: Elke Grotelüschen

Plattdeutsche Texte

Besöök to’n Fest

Beitrag: Jürgen Sakuth

Wiehnachten is doch so’n richtig kommodiges Familienvergnögen.
Jümmers to dat Fest kümmt doch mal weller Besöök in’t Huus, den
een sünst över’t Johr kuum mal or ok gor nich to Gesicht kriegen deit.
To Wiehnachten is manches opeenst ganz anners, Wiehnachten even.
So weer’t ok bi Guschi Madsen in Süsel. Tante Stine ut Barkelsby weer
an’n tweten Festdag to Besöök kamen.
As se nu den Koffie un Koken to Lief harr’n, de brennen Dannboomlich-
ten düsse kommodige Wiehnachtsstimmung vermaak, dor fröggt lütt
Greten maleenst:
„Tante Stine, is dat wirklich wohr, büst du ’n richtige Schauspeeler-
sche?“
„Aver Deern, siendaag nich, wo kummst du blots op so’ne Idee?“
smuustert Tante Stine nu los.
„Nu, uns Vadder hett vunmorgen bin Fröhstück seggt, wenn du kümmst,
denn gifft dat bestimmt weller Theater!“


Quelle: Heinrich Evers „Dat dröfft doch mal seggt warrn!“
(Balticum Verlagsgesellschaft und Werbeagentur GmbH)
Illustration: Elke Grotelüschen

Geschichten und Gedichte, Humorvolles

Schaurig schöne Weihnachten

Beitrag: Thorsten Werner

mein Chatfreund aus Boston erzählte mir von einem KI-Bilderwettbewerb seiner Uni und überredete mich, daran teilzunehmen.

„Das Thema ist: „Schaurig schöne Weihnachten“, denn wir wollen einmal etwas ganz anderes machen.“ „Hast Du schon eine Idee?“, fragte er neugierig.

„Na klar, ich generiere einen gruseligen Vampirweihnachtsmann in Transsilvanien bei einer Vollmondnacht mit Fledermäusen und Vampirschloss.“

Am nächsten Tag sendete ich ihm mein KI-generiertes Bild.

Bild: Thorsten Werner (KI generiert)
Aus der Region

Nachts am Baumwall

Beitrag: Jürgen Sakuth

Eigentlich bin ich kein Nachtmensch. Mich faszinieren aber immer wieder nächtliche Stadtsilhouetten. Und in der dunklen Jahreszeit muss man dafür gar nicht so lange aufbleiben oder nach New York fliegen.

Text und Fotos: Jürgen Sakuth

Wissenswertes

Was steckt hinter dem Phänomen Weihnachtsstern

„Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her,
bis er ankam und über dem Ort stillstand, wo das Kind war.“

Ein wandernder Stern? Kann das wirklich sein? Die Beschreibung der Himmelsphänomene, welche damals beobachtet wurden, war nicht eindeutig. Gelehrte und Astronomen aller Jahrhunderte zerbrachen sich die Köpfe darüber, was die drei Weisen aus dem Morgenland wohl gesehen haben könnten.

War es ein Komet?

Der lange Schweif eines Kometen passt gut zur Vorstellung über das Aussehen des Weihnachtssterns. Infrage käme als Weihnachtsstern der Halleysche Komet, aber dieser war nur im Jahr zwölf vor Christus zu sehen. Jesu Geburt wird jedoch heute von den Historikern auf das Jahr sieben bis vier vor Christus datiert.

Im unteren Foto sehen sie den Weihnachtskometen Lovejoy über Santiago de Chile. Diese Aufnahme wurde am 22.12.2011 gemacht.

Herkunftsnachweis: Y. Beletsky/ESO 

War es ein neuer Stern, eine Supernova?

„Nova“ ist das lateinische Wort für „neu“. Aber eine Supernova ist nicht die Geburt eines neuen Sterns, sondern das Aufblähen eines massereichen Sterns am Ende seines Lebens.

Im unteren Foto sehen sie eine Supernova in der Spiralgalaxie Messier 74.

Herkunftsnachweis: ESO/PESSTO/S. Smartt

Beide Phänomene sind nur relativ kurz am Himmel zu sehen.

Die Handelsstraße, auf der die Waren der drei Weisen: (Gold, Myrrhe und Weihrauch) nach Betlehem transportiert wurden, gab es wirklich. Sie führte bis in den Iran/Irak.
Wenn wir annehmen, dass die Weisen aus dem Iran kämen, bräuchten sie für die Vorbereitung und Durchführung der Reise mehrere Monate. Doch welches Himmelsphänomen ist so lange am Himmel zu sehen?

Die Dreier-Konjunktion der Planeten Jupiter und Saturn

Eine Planetenkonjunktion ist ein Begegnung mehrerer Planeten. Sie strahlen dabei besonders hell und sind mit bloßem Auge als ein Stern wahrnehmbar. Bei einer Dreier-Konjunktion kommen sich die Planeten nicht nur einmal, sondern dreimal hintereinander sehr nahe. Dieses Himmelsphänomen ist zwar nicht so spektakulär wie ein Komet, aber lange genug am Himmel zu sehen.

Eine solche Dreier-Konjunktion hat es im Jahr 6 vor Christus im Sternbild Fische wohl tatsächlich gegeben.

Bei der ersten Begegnung begannen die Drei mit der Planung der Reise und machten sich auf den Weg. Zwischen den Zusammentreffen der Planeten lagen nur wenige Monate, sodass sie beim dritten Zusammentreffen der Planeten in Bethlehem sein könnten.

Bild: Pixabay

Quellen: https://www.scinexx.de/wissenswert/gab-es-den-stern-von-bethlehem-wirklich/