Festliches, Plattdeutsche Texte

Wiehnachtsgedanken

Beitrag: Jürgen Sakuth

Wat dünkt wi uns blots stark un groot,
op Groot op Lütt, wi alltohoop.
Sull’n wi nich mal, op Jung or Deern,
to Wiehnachtstiet besünners geern,
ok eenst an uns’re Mitminsch‘ denken
un de ’n goot Gedanken schenken?

Gah‘ doch mal daal an Strand un Küst,
denn markst du dat, wat lütt du büst,
graad an de See bi Wind un Weder.
Weer dat nich mal ’n beten beter,
wi leden eens all’n Striet bisiet,
so as dat höört to Wiehnachtstiet?

Wenn wi verdeent dat an de See,
schenkt uns de Herrgott Wiehnacht‘ Snee
De Snee deckt allens af wat weer
verleden Johr un ok dorvör.
Verzeih’n, vergeten, denk mal no,
denn warrst du Wiehnacht‘ dubbelt froh.

Quelle: Heinrich Evers „Dat dröfft doch mal seggt warrn!“
(Balticum Verlagsgesellschaft und Werbeagentur GmbH)
Illustration: Elke Grotelüschen

Aus der Region, Festliches, Veranstaltungen

Happy Birthday, KörberHaus

Beitrag: Sabine Ziesmer

Seit zwei Jahren bereicherst du nun schon unser Bergedorf. Du schaffst eine besonders einladende Umgebung für die schöne Bücherei, setzt auf deiner Theaterbühne viele unterschiedliche Stücke in Szene, bietest Möglichkeiten für uns Bergedorfer*innen, mitzumachen und mitzugestalten.  Du bist ein wunderbarer Ort der Begegnung für alle Generationen und Kulturen, auch in dem schönen Café im Erdgeschoss. Du beheimatest Kinder und Jugendliche aus verschiedensten Nationen und ermöglichst ihnen in heimeliger Atmosphäre miteinander zu lernen. Brauchen die Ehrenamtlichen einen Raum, um ihre Projekte umzusetzen, öffnest du ihnen deine Türen. Danke dafür. Ich wünsche dir, dass du wächst und gedeihst, um uns weiterhin ein Ort der gegenseitigen Unterstützung, der Toleranz und der Vielfalt zu sein.

Der zweite Geburtstag des KörberHauses fällt nun genau in die Weihnachtszeit. Man muss das besondere Haus wohl als Weihnachtsgeschenk betrachten. Diesen Eindruck konnte man gewinnen, als weihnachtliche Klänge im Foyer zu gemeinschaftlichem Adventssingen einluden. Hier scheint alles mit Blick auf das Zusammenführen von Menschen ausgerichtet zu sein. Ältere Besucher und Besucherinnen standen mit Liedertexten auf den offenen Etagen, junge Mütter tanzten mit ihren Kindern zur Weihnachtsmusik und der Christbaum funkelte mit den Augen der Kinder um die Wette. Neben der Information warteten Kinderstiefel auf den Nikolaus, der sie sicher füllen würde.

Auf allen Etagen wurden Bastelarbeiten angeboten und man konnte noch ein originelles Geschenk für seine Lieben entdecken. In einem Raum der ersten Etage, etwas versteckt, aber doch von so vielen gefunden, fand die Kleidertauschparty statt. Das Motto: Nachhaltigkeit steht dir finde ich wunderbar. Die vielen Tauschenden wohl auch. Weihnachtliche Klänge und freundliche Beratung: „Das Kleid steht Ihnen ganz ausgezeichnet“, sorgte für viel Begeisterung bei allen Interessierten. Der Kleidertausch wird ebenfalls von Ehrenamtlichen organisiert. Kleidung, die nicht in das Tauschkarussell gelangt, wird am Ende des Tages gespendet. So findet jedes Stück einen neuen Platz.

Ich bin noch neu in der Körber-Gemeinschaft. Als ich zum Winterfest der Ehrenamtlichen eingeladen wurde, war ich sehr gespannt. Auch hier wurde nichts dem Zufall überlassen. Die Begrüßung, die schöne Tischdekoration, das Büfett mit den wunderbaren Küchlein und der schmackhaften Pasta bot für alle etwas. Man kam ins Gespräch und lernte einander kennen. Aus dem Augenwinkel nahm ich einen himmelblauen Holzkasten wahr, der mich an eine Wahlkabine erinnerte. Damit lag ich gar nicht mal so falsch. Ich nahm dieses Objekt vorsichtig in Augenschein, las die Aufschrift Kompliment-O-MAT und durch ein kleines Blickfeld strahlten mich zwei Augenpaare an. Man bat mich, davor Platz zu nehmen.

Nun war meine Neugier geweckt. Die beiden Frauen hinter der Kabine befragten mich nach meinen Interessen und Gewohnheiten, fragten interessiert nach und reichten mir nach einigen Minuten nicht nur ein wirklich treffendes Portrait, sondern auch ein sehr schönes Kompliment. Ganz analog schafften es die beiden Frauen, mich glücklich und gerührt zu stimmen. Ich hatte die Wahl, mich auf das Experiment einzulassen, ich habe mich dafür entschieden und ließ mich für einen kurzen Moment verzaubern. Kompliment an die Erfinderinnen des Kompliment-O-MAT.

Manchmal sagt man mir nach, ich verwende viele Adjektive und beschreibe blumig Umgebungen und Ereignisse. Das mag vielleicht so sein. Wenn ich über das KörberHaus schreibe, drängeln sich die Adjektive vor meine Tastatur. Was ich in der Adventzeit, aber nicht nur da, im KörberHaus erleben dürfte, war in jeder Hinsicht wunderbar, beeindruckend, bunt und zauberhaft.

Einen guten Start in das dritte Jahr deines Bestehens, KörberHaus.

Fotos: Sabine Ziesmer

Aus der Region, Festliches

Laterne, Laterne,

Sonne, Mond und Sterne …

Beitrag: Tom Schmidt

Brenne auf, mein Licht, brenne auf, mein Licht,
Aber nur meine liebe Laterne nicht

Laternenumzug in Kirchwerder
Fotos: Tom Schmidt

Warum beginne ich diese Geschichte mit der 1. Strophe eines Kinderlieds? Auf der einen Seite ist es einer der Klassiker bei jedem Laternenumzug, auf der anderen Seite habe ich ihn vor über 60 Jahren das erste Mal bei einem Laternenumzug in Reinbek gesungen. Und Sie werden es nicht glauben, ich habe ihn tatsächlich abgespeichert und bin immer noch textsicher. Mein ganzer Stolz war Anfang der 60er Jahre eine Laterne als Mond, natürlich rund, in Gelb gehalten mit einem freundlichen Lächeln und zu der Zeit noch mit einer richtigen Kerze. Der Laternenumzug war etwas ganz Besonderes für mich. Wie ich von meinen Eltern weiß, war ich den ganzen Tag aufgeregt und habe den Liedtext zum Leidwesen meiner Eltern in der Endlosschleife gesungen. Und wenn es dann endlich losging, war ich immer fasziniert von den unterschiedlichen Motiven der Laternen in der Dämmerung, die für mich mystische Lichter in der Nacht waren. Da die Laternen sich durch das Laufen ständig bewegten, sah es aus, als wenn sie tanzten.

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Festliches, Veranstaltungen

Erntedank

Beitrag: Sabine Ziesmer

Danke für die Gaben

„Was der Mensch sät, das wird er ernten“, so steht es bereits in der Bibel. Wir schenken der Arbeit von Bauern und Bäuerinnen nicht mehr die Beachtung, die sie früher einmal fand und die ihnen angesichts ihrer Bedeutung auch zusteht. Die Erzeugung unserer Grundnahrungsmittel ist in unserer Gesellschaft ein großes Mysterium. Wir kaufen unsere Lebensmittel in üppig gefüllten, hell ausgeleuchteten Supermärkten. Dass der Apfel aus Südafrika kommt, wenn bei uns die ersten Blüten an den Bäumen sichtbar werden, fällt uns bisweilen gar nicht auf. Erdbeeren im Dezember sind so normal wie Kartoffeln aus Ägypten. Aber auch hier hat der Mensch gesät und die Ernte eingebracht. Es stünde uns gut zu Gesicht, wenn wir darauf mit Dankbarkeit blickten.

Aus dieser Perspektive schaut man ganz anders auf das Erntedankfest, das bereits in der Antike gefeiert wurde. Es dient nicht nur der Freude, mit anderen Menschen die Fülle des Lebens zu bestaunen, es ist auch ein Innehalten in unserer schnellen und unübersichtlichen Welt.

Der große Festumzug, der an jedem ersten Sonntag im Oktober in Kirchwerder stattfindet und zu den bedeutendsten Ernteumzügen deutschlandweit zählt, bietet dazu Anlass. Seit annähernd 50 Jahren engagiert sich die bäuerliche Gemeinschaft aus den Vier- und Marschlanden, unterstützt von Vereinen, Handwerksbetrieben und verschiedensten Gruppen, für dieses Fest. 30 herbstlich geschmückte Wagen und noch einmal so viele Spielmannszüge, Pferdegespanne, Trachtengruppen, Sportvereine und Kindertagesstätten ziehen vorbei an mehreren zehntausend begeisterten Zuschauern und Zuschauerinnen Richtung Zollenspieker.  Ein Fest für die Sinne, angesichts der Farbenpracht, für die Kinder, deren Beutel sich mit bunten Bonbons füllen und für alle Beteiligten aus dieser Region. Sie fühlen sich in ihrer Arbeit gesehen und geschätzt. Ich mag die großen Erntekronen sehr, deren vier Streben für Hoffnung, Glaube, Dank und Fürsorge stehen. Darauf sollte man sich nicht nur zum Erntedankfest besinnen.

Am Zollenspieker findet ein kleiner Landmarkt statt, auf dessen Bühne neben den Ernteköniginnen auch der Hamburger Bürgermeister lobende Worte für das gelungene Fest findet und Musik und Kuchen von den Landfrauen für eine fröhliche Atmosphäre sorgen. Am Deich stehen die geschmückten Fahrzeuge, Menschen lachen miteinander, Kinder tauschen ihre Naschereien, die sie entlang des Umzuges einsammeln konnten und die Sonne taucht alles in herbstliches Licht.

Danke für diese Fülle an Fröhlichkeit und Vielfalt.

Fotos: Sabine Ziesmer

Festliches, Freizeit & Reise, Veranstaltungen

Wenn Bach Bienen gezüchtet hätte

Beitrag: Sabine Ziesmer

„Wenn Bach Bienen gezüchtet hätte“

Schöner könnte sich Hamburg an diesem Freitagabend nicht präsentieren. Ein Flirren und Summen hängt in der lauen Sommerluft. Von allen Seiten strömen Menschen zum Rathausplatz in Hamburg. Unter freiem Himmel wird Chefdirigent Kent Nagano die Hamburger Opernliebhaber mit einem besonderen Geschenk überraschen, der Kantate „Carmina Burana“ von Carl Orff. Auf 3000 eigens für diesen Anlass aufgestellten Stühlen freuen sich Zuschauer aller Altersgruppen auf dieses gemeinsame Erlebnis.

Man kann den Moment magisch nennen, als Kent Nagano den Taktstock hebt, um den Streichern das Summen eines Bienenschwarms zu entlocken. Das Stück trägt den Namen „Wenn Bach Bienen gezüchtet hätte…“ und fängt die Stimmung des Abends wunderbar ein, der auf eine unerwartet stille Art Harmonie und Verbundenheit weiterträgt.  Wie in einer blauen Wabe entwickeln sich die einzigartigen Klänge des Philharmonischen Orchesters und finden Widerhall in den Stimmen des Chores der Hamburger Staatsoper und des Hamburger Knabenchors. Auch das ehrwürdige Hamburger Rathaus und die umliegenden Fleete erstrahlen in diesem Blau.

(Anmerkung: die Veranstaltung ist barrierefrei, kostenlos und sehr gut organisiert)

Fotos: Sabine Ziesmer

Damals war's, Festliches, Wissenswertes

Der 8. Mai: Tag der Kapitulation

Beitrag: Thorsten Werner

Der 8. Mai hat in der Geschichte eine besondere Bedeutung, denn an diesem Tag endete im Jahr 1945 der Zweite Weltkrieg in Europa mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht. In einigen europäischen Ländern wird dieser Tag als Gedenktag der Befreiung vom Nationalsozialismus und Faschismus begangen.

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Festliches

ABC der Inspirationen für 2024

Beitrag: Sabine Ziesmer

A Akzeptanz – Meinungsvielfalt provoziert Gespräche.

B Barmherzigkeit – gemeinsame Wege suchen

C Chancengleichheit – von Geburt auch gleich

D Demut – wahrnehmen und würdigen

E Ermächtigung – wer eine Stimme hat, solle sie erheben

F Freiheit – folgt dem Frieden still nach

G Gelassenheit – das Ende destruktiver Aufgeregtheit

H Heimat – ein Ort im Innern der Seele

I Imagination – die Zukunft sichtbar machen

J Juwel – den Freund an der Seite erstrahlen lassen

K Klausur – Rückzug und Besinnung in der Stille

L Leichtigkeit – sich treiben lassen, den Augenblick spüren

M Momentum – im richtigen Moment am richtigen Ort

N Nonkonformismus – umdrehen und gehen

O Optimismus – ein frohes Herz sucht neue Wege

P Partizipation – Teilhabe ist teilen und vervielfältigen zugleich

Q Quadratur – des Kreises, alles kann gehen…..

R Reflektion – Streuung der Gedanken bis zur Wiederkehr

S Sackgasse – auch an ihr Ende gelangt Sonnenschein

T Tabernakel – Zelt Gottes, Geborgenheit auf dem Weg

U Utilitarismus – Moral als Summe des Wohlergehens

V Vanillegeruch – Erinnerungsräume aufsuchen

W Wunder – nicht nur eine Frage des Glaubens X/Y

Z Zartgefühl – beim Berühren der anderen Seele