Sonne, Mond und Sterne …
Beitrag: Tom Schmidt
Brenne auf, mein Licht, brenne auf, mein Licht,
Aber nur meine liebe Laterne nicht

Fotos: Tom Schmidt
Warum beginne ich diese Geschichte mit der 1. Strophe eines Kinderlieds? Auf der einen Seite ist es einer der Klassiker bei jedem Laternenumzug, auf der anderen Seite habe ich ihn vor über 60 Jahren das erste Mal bei einem Laternenumzug in Reinbek gesungen. Und Sie werden es nicht glauben, ich habe ihn tatsächlich abgespeichert und bin immer noch textsicher. Mein ganzer Stolz war Anfang der 60er Jahre eine Laterne als Mond, natürlich rund, in Gelb gehalten mit einem freundlichen Lächeln und zu der Zeit noch mit einer richtigen Kerze. Der Laternenumzug war etwas ganz Besonderes für mich. Wie ich von meinen Eltern weiß, war ich den ganzen Tag aufgeregt und habe den Liedtext zum Leidwesen meiner Eltern in der Endlosschleife gesungen. Und wenn es dann endlich losging, war ich immer fasziniert von den unterschiedlichen Motiven der Laternen in der Dämmerung, die für mich mystische Lichter in der Nacht waren. Da die Laternen sich durch das Laufen ständig bewegten, sah es aus, als wenn sie tanzten.

Ende September dieses Jahres durften meine Frau und ich mit ihren beiden Patenkindern (5 und 7 Jahre alt) in Kirchwerder wieder einmal an einem Laternenumzug teilnehmen. Die Aufregung der beiden Mädchen und ihrer Freundinnen war groß und erinnerte mich an meinen ersten Laternenumzug in Reinbek. Natürlich sangen wir vorab auf dem Weg zum Start des Umzugs bei der Freiwilligen Feuerwehr Kirchwerder-Süd gemeinsam mit den Kindern schon einmal das Laterne-Lied, was hervorragend klappte, da die Kinder im Vorfeld natürlich geübt hatten. Als wir den Umzug erreicht hatten, begann der Spielmannszug zu spielen, was die Mädchen wie alle anderen Kinder umgehend in ihren Bann zog. Der Umzug setzte sich langsam in Bewegung, die Kinder sangen, die Erwachsenen unterhielten sich angeregt, die Geräuschkulisse hatte etwas ganz Besonderes. Und wie bei mir in den jungen Jahren trugen die Kinder stolz ihre Laternen, lächelten und begutachteten die bunte, leuchtende Vielfalt an Motiven, die mit zunehmender Dunkelheit ein faszinierendes Bild von geheimnisvollen Lichtern in der Nacht ergaben. Nachdem wir „die Wisch“ entlang der Wiesen zum Kirchwerder Elbdeich gegangen waren, erwartete uns auf dem alten Deich etwas ganz Besonderes. Die Vorgärten und Häuser waren festlich geschmückt, viele Bewohner säumten die Straßen, grüßten und winkten den Kindern zu.

Bei einem Fachwerkhaus aber wurde der Umzug langsamer. An diversen Leinen hingen unzählige Laternenmotive in allen Größen und Formen am Straßenrand und im Garten, dass man nicht wusste, wohin man zuerst schauen sollte. Es war faszinierend, wie viele unterschiedlich lachende Monde und Sonnen es gibt. Wie mystisch, fast unheimlich und doch schön sich unter anderem katzenartige Motive im leichten Wind bewegten, einen anschauten und stolz die Nacht erleuchteten. Selbst die Kinder, die aus ihrer Sicht schon seit Stunden unterwegs waren und bereits von der Hüpfburg oder einer Wurst beim Feuerwehrhaus träumten, blieben stehen und staunten mit offenem Mund aufgrund der Vielfalt an Motiven.


Fazit: Die Tradition des Laternenumzugs ist und bleibt ein Erlebnis für Jung und Alt. Und das seit Jahrzehnten, quasi in unveränderter Form mit Liedern, die man auch als Erwachsener noch kennt und mitsingen kann. Die Laternenumzüge enden leider im November. Das magische Leuchten der Laternen erlischt, und sie wandern zusammengefaltet in die Dunkelheit eines Kartons. In der Hoffnung, in einem Jahr wieder entdeckt zu werden und die Dunkelheit mit geheimnisumwobenen Lichtern zu verzaubern.