Vor einigen Jahren wurde nahe der Justus- Brinckmann-Straße ein Weg eingeweiht, der an den Juden Michel Nathan erinnert. 1841 erwarb er an dieser Stelle für sich und seine Familie ein Friedhofsgelände. Sogar eine kleine Betstube gab es damals in der heutigen Sachsenstraße 23 – ein Zeichen für ein einvernehmliches Miteinander von Bergedorfer Juden und Christen?
Von 1858 bis 1867 schrieb meine Ur-Urgroßmutter Amalie Niemeyer ihrer jüngsten Tochter Emilie regelmäßig Briefe, die bis heute erhalten sind. Dann aber zog Emilie in die Nachbarschaft ihrer Eltern, denn sie heiratete den Redakteur Wilhelm Benrath, Compagnon ihres Vaters in der gemeinsamen Druckerei und Musikalienhandlung. Emilie und Hermann Benrath bekamen fünf Kinder, und Emilies Liebling war Nesthäkchen Carl, mein späterer Großvater. Nach dem Abitur machte er auf Geheiß des Vaters eine kaufmännische Ausbildung und übernahm bald danach als Angestellter bei der HAPAG einen Auslandsposten in Hamburgs Partnerstadt Yokohama nahe Tokio.
Der Bau der Berlin-Hamburger Eisenbahn im Jahre 1846 hatte den Anstoß für eine rasante Entwicklung Reinbecks gegeben, das sich damals noch mit „ck“ schrieb. Der Ort hatte zu dieser Zeit weniger als 300 Einwohner. Wohlhabende Hamburger Bürger erkannten den Reiz der Landschaft und bauten hier ihre Villen. Die Kaltwasserheilanstalt Sophienbad machte Reinbeck für einige Jahrzehnte sogar zum Kurort. Durch zahlreiche Ausflugslokale wurde der Ort so beliebt, dass sonntags zeitweise Extrazüge von Hamburg nach Reinbeck fuhren. So blühten Gastgewerbe, Handel und Handwerk auf.
Der Ort, bisher nur eine Ansammlung einzelner Häuser, entwickelte sich zu einem bevorzugten Wohnort im Grünen. Und auch meine Ur-Urgroßmutter und ihre Familie gehörten zu den Ausflüglern, die einen Tag lang das Reinbecker Gehölz genossen.
Danke für diesen schönen Beitrag, liebe Elisabeth. Vielleicht gelingt uns Geschwistern beim Familientreffen auch so ein Haiku. Fröhliche Weihnachten!