Jedes Jahr, wenn die Blätter golden werden und die Nächte länger, tauchen Kürbisse mit gruseligen Fratzen auf, und die Welt bereitet sich auf eine Nacht voller Geister, Hexen und zuckersüßer Erpressung vor.
Doch während wir heute an Halloween vor allem an Kostüme und Süßigkeiten denken, reicht der Ursprung dieses Festes tief in die Geschichte zurück – bis zu einem uralten keltischen Fest, das das Ende der Ernte und den Beginn der Dunkelheit feierte: Samhain.
Ich gehe sehr gerne zu Vorträgen, die im KörberHaus angeboten werden. Sie finden immer in einer entspannten Atmosphäre mit vielen interessierten Zuhörern und Zuhörerinnen statt. Einige Themen beschäftigen mich häufig schon im Vorwege. So verhielt es sich auch mit der neuen ARTE-Dokumentation „Geraubtes Wirtschaftswunder“. Es sollten zahlreiche Mythen und Legenden rund um das deutsche Wirtschaftswunder entzaubert werden. Was weiß ich noch über die „Stunde Null“? Hat Ludwig Erhard die D-Mark und die Soziale Marktwirtschaft erfunden? Wie verhielt es sich mit Raub und Unrecht in der NS-Zeit?
Ja, ich werde mein Wissen mit Hilfe der Dokumentation noch einmal überprüfen. Den Zeitraum zwischen 1948 und 1973 kann ich noch zuordnen, alles andere basiert auf Erzählungen in der Kindheit, der eigenen Familie und der gesellschaftlichen Bubble, in der wir aufwuchsen.
Bildergeschichten: In meiner Fotothek finde ich Bilder vom Gruenspan. Dazu fällt mir ein:
1968: Auf dem Kiez rund um die Reeperbahn gab es einen neuen Tanzschuppen: den Grünspan. (Wir sagten wirklich der Grünspan.) Ich war dabei. (Dabei denke ich immer, es war früher als ´68.) Das Gruenspan (heutige Schreibweise) soll laut Wikipedia ein Ziel von Hippie- und Beattypen, Studenten, Kunstjüngern, verlassenen Ehemännern, jungen Intellektuellen und der ganzen Boheme von nah und fern gewesen sein. Meine Freundin und ich hatten einen handfesten Bezugspunkt: Wir kannten einen Kellner. Und neugierig auf diesen Schuppen waren wir natürlich auch.
Als ich vor einigen Tagen wieder einmal in Bergedorf den Wiebekingweg entlang am Hotel Kuhberg Richtung Sachsentor ging, freute ich mich schon, sie wieder zu sehen und war gespannt, was sie denn heute zu berichten hatte. Und wie immer lächelte sie mich an und trug stolz ein neues, buntes Outfit, angestrahlt durch die Mittagssonne. Sie ist groß, wohl proportioniert und hat ein gepflegtes Äußeres. Einfach eine auffällige Erscheinung, an der man nicht vorbeikommt, ohne stehenzubleiben: Die Grande Dame der Außenwerbung! Es handelt sich hier um eine der wenig verbliebenen „klassischen Litfaßsäulen“ in Bergedorf, die in unterschiedlichen Größen ausschließlich mit Plakaten für kulturelle Veranstaltungen in Hamburg beklebt werden.
Nun bin ich schon wieder drauf reingefallen. Zum Frühstücken war ich nicht gekommen, also im Bahnhof noch schnell etwas zu essen kaufen. Und da seh ich sie säuberlich aufgereiht in der Theke: Schweineohren oder „Schweinsöhrchen“, wie sie bei uns zu Hause hießen. Das klang freundlicher und schmeckte auch ganz anders. Aber alles der Reihe nach.
In meiner Kinderzeit wohnte mein Großvater bei uns im Haus, und wenn ich in der Schule eine besonders gute Note bekommen hatte, gab es auch eine besondere Belohnung. Zu Fuß gingen wir nachmittags zwei Kilometer vom Dorf ins Städtchen zum Café Central, und dort spendierte mein Großvater mir ein Schweinsöhrchen. Nicht auf die Hand, sondern wir saßen dazu am Fenstertisch wie feine Leute. Dies Knistern und Krümeln schon beim ersten Bissen war einfach herrlich. Dazu gab es eine Tasse Kakao mit Schlagsahne – echter Schlagsahne. Zu Hause gab es zum Geburtstagskuchen nur geschlagenes Eiweiß, nichts also im Vergleich zu dem, was ich mir im Café Central auf der Zunge zergehen lassen konnte.
Sie war immer und in vielen Bereichen aktiv, vor allem in der Gemeinde St. Petri und Pauli, aber auch im Haus im Park. Hier gründete sie diesen Blog, den sie bis vor kurzem mit ihren Beiträgen bereicherte. Es ist daher nicht verwunderlich, dass eine große Menschenmenge am 14. April die Kirche füllte, als der Trauer-Gottesdienst für Ursel Tenne gehalten wurde. In dankbarer Erinnerung an sie drucken wir hier einen ihrer Beiträge ab, in dem sie ganz persönlich ihr Schicksal nach der furchtbaren „Operation Gomorrha“ im Spätsommer 1943 schilderte, die auch ihr Leben von Grund auf veränderte.
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Wir wohnten in der Wendenstraße in Hammerbrook, in der Nähe der Hamburger Innenstadt. Meine Eltern hatten einen „Seifenladen“ – so nannte man damals eine Art von Drogerie. Unsere Wohnung war zwar klein, aber in meinen Erinnerungen erlebte ich eine kurze glückliche Kindheit, trotz der vielen Luftangriffe. In einem großen Hof hinter den vielen Wohnblocks traf ich mich täglich mit vielen Kindern zum Spielen. Dann kam der Tag, der mein und das Leben meiner Eltern von nun an total verändern sollte.
Nachmittags beschloss meine Mutter, mit mir auf dem Fahrrad zu meinen Großeltern zu fahren – mein Vater musste im Geschäft bleiben, versprach uns aber, später nachzukommen. Auf dem Weg zu den Großeltern stürzte ich mit dem Rad, mein Knie blutete, und meine Mutter wollte wieder nach Hause fahren. Ich weinte aber, wollte unbedingt zur Oma, und meine Mutter gab nach. Wie sich später herausstellte, rettete diese Entscheidung unser Leben.
Wir fuhren also weiter nach Winterhude in die Gertigstraße, wo meine Großeltern wohnten. Dort verbrachten wir die kommende Nacht im Bunker, (der übrigens noch heute steht), wo ich wieder mit Kindern spielen konnte. So habe ich den allerschlimmsten Angriff auf Hamburg nicht bewusst miterleben müssen, denn Winterhude wurde in dieser Nacht nicht bombardiert.
Beruf und Berufung – passt das immer zusammen? War das gleichermaßen möglich zwischen den Jahren 1950 und 2010? Oder kann ein aus Not gewählter Beruf später zur Berufung werden? Fragen, die offenbar alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer berührten, die am 10. Juni ins KörberHaus kamen zur Vorstellung des Buches „45 Berufe geträumt, gelebt, verwirklicht“. Durch eine Anzeige neugierig gemacht, bildeten vor einem Jahr fünf Frauen und vier Männer unter der Leitung von Pastorin Angelika Schmidt ein Team, das in oft vielstündigen Interviews die Berufsbiografien von Menschen aus Bergedorf erfragten. Dabei sei schnell klar geworden, „wie abhängig wir in unseren Möglichkeiten und Entscheidungen sind von dem, was zu dieser Zeit gerade gesellschaftlich und wirtschaftlich in unserem Land angesagt ist“, so Pastorin Schmidt.
Der 8. Mai hat in der Geschichte eine besondere Bedeutung, denn an diesem Tag endete im Jahr 1945 der Zweite Weltkrieg in Europa mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht. In einigen europäischen Ländern wird dieser Tag als Gedenktag der Befreiung vom Nationalsozialismus und Faschismus begangen.
Es ist ewig her als ich noch ein Kind war. Ich erinnere, dass es zuhause manchmal Makkaroni zum Sonntagsessen gab. Vornehmlich zum Gulasch. Diese Nudeln wurden nicht al dente gekocht. Nicht nur, weil dieses Wort in unserem Vokabular fehlte, sondern weil alles ganz gar sein musste. Also weich. Auch das Gulasch lag eher faserig auf dem Teller. Nur die Fettstückchen, die blieben ganz labberig.
Damals wurde versehentlich schon nachhaltig gekocht. Nicht so schieres Gulasch, wie wir es heute zu essen pflegen. Aber die Fernsehköche weisen uns schon darauf hin, dass das Fleisch marmoriert sein sollte, weil es dann saftiger ist.
Anlässlich der Woche des Gedenkens vom 20.10. bis 24.11.23 in Bergedorf stellt sich mir die Frage, wessen ich gedenken werde und wie. Ist das Gedenken ein stiller Akt der inneren Einkehr, oder ist es die aktive Auseinandersetzung mit allen zurückliegenden und aktuellen sozialen und politischen Katastrophen, die durch mangelnde Empathie und fehlende Bereitschaft zum Verständnis für alle Menschen, die in ihrem Menschsein gesehen und akzeptiert werden wollen, entstanden sind. Gedenke ich der Opfer von Faschismus und Totalitarismus, des Holocaust und der Progrome, dann muss sich das Gedenken auch einer deutlichen und lauten Sprache bedienen dürfen, um aufmerksam zu machen und wachzurütteln, damit wir niemals vergessen. Gedenke ich der Opfer des Kolonialismus und derer, die ihre Heimat oder ihr Leben wegen der Gewinnsucht der Großmächte verloren? Ja, auch ihrer gedenke ich mit lauter Stimme. Ich gedenke auch der Frauen, die im Kampf für Freiheit und Menschenrechte ihr Leben riskierten, verloren und es immer weiter riskieren werden, bis ihre Stimmen nicht mehr ungehört verhallen. Ich gedenke der Opfer aller brutalen Übergriffe, bei denen Menschen auf Grund ihrer Hautfarbe, Religion oder sexuellen Orientierung getötet und misshandelt wurden. Ich gedenke der Opfer aller Kriege und Kampfhandlungen, die es seit 1945 nicht in die Top Ten der Grausamkeiten geschafft haben. Es sind circa 70 Millionen Opfer in geschätzten 242 kriegerischen Handlungen weltweit. In den nicht enden wollenden Zug dieser Opfer reihen sich täglich neue ein. Still mahnen sie Menschlichkeit und Frieden an. Immer länger wird der Zug, dem sich nun auch Opfer des Überfalls auf die Ukraine, des Terroraktes in Israel und der Kämpfe in Gaza anschließen. Krieg, Hass, Gewaltherrschaft, Ausbeutung und Selbstüberhöhung machen alle Opfer gleich. Sie haben keine Stimme mehr, wir müssen ihnen unsere geben. Gedenken ist eine Möglichkeit. Sie beginnt in der Stille des Entsetzens und muss den Tätern laut entgegengeschleudert werden. Gedenken wird zur Haltung, wir müssen einander im Blick behalten und füreinander einstehen. Wir müssen gemeinsam gedenken – jeden Tag.
Hat mir sehr gut gefallen. Ich kenne Andrea und natürlich ihre wunderbare Kunst.