Wer glaubt, er benötige nun Zettel und Bleistift, irrt sich.
Nein, jetzt ist ein Besuch in unserem Schloss, das seit mehr als 700 Jahren in Bergedorf steht, angesagt. Nicht Prinz und Prinzessin lebten hier, sondern für Herzöge und Beamte galt es als Residenz. Dass das Schloss das einzige erhaltene (in Harburg gibt es noch Fragmente eines weiteren) in Hamburg ist, weiß inzwischen Jeder.
Schon lange beherbergt es auch das Museum des Bezirkes Bergedorf. Kaum lasen wir etwas über den Beginn einer neuen Ausstellung – nämlich “ Stadt, Land, Fluss“ (aha), machten wir uns auf den Weg.
Die SchlosstürDer erste Raum, der uns empfängt
Museum!? Nicht so voreilig, liebe Leute. Hier ist nichts Verstaubtes, auch wenn die große dicke Tür, die schwer zu öffnen ist, es vermuten lässt. Wir betreten aber nun ein modernisiertes Foyer (ich nenn´ es mal so). Herrlich sommergrün, die Wände. Der Empfangstresen hat ordentlich Schwung bekommen. Rechts (es geht nur rechts) verhängen Rollos, leicht lichtdurchlässig die Fenster und zeigen zarte Fotos mit Motiven aus Bergedorf.
Wir besuchen Janoschs Opa. Auf dem Land. Ein kleines Dorf. Viel Fachwerk. Und es gibt auch einen Wald.
Wir müssen also an die frische Luft. Immer. Das ist das Prinzip meiner Tochter. Einmal am Tag, das Wetter mag sein, wie es will.
Immer auf der Suche. Foto: Edith Kalisch
Ein Wald, vor allem dieser, weil er sich wie ein Urwald präsentiert. Wir erkunden ihn. Stolpern über Äste, pieksen uns an Brombeersträuchern, treten in Mäuselöcher. Wege sind nicht zu finden. Spannend, spannend. Janosch sammelt unentwegt Blätter, kleine Zweige, winzige Federn. Überreicht alles uns. Wir müssen tragen. Argumente dagegen gelten nicht. Zur Not haben wir ja Taschen in unseren Anoraks. Er muss weitersuchen und hat deshalb keine Hand frei.
Nun entdecken wir kleine Mulden, die mit grauen fluschigen Haaren (?) ausgepolstert sind. Nanu? Interessant.
Anna fragt ihn: “Wer meinst du, hat hier wohl geschlafen?“
Es ist ewig her als ich noch ein Kind war. Ich erinnere, dass es zuhause manchmal Makkaroni zum Sonntagsessen gab. Vornehmlich zum Gulasch. Diese Nudeln wurden nicht al dente gekocht. Nicht nur, weil dieses Wort in unserem Vokabular fehlte, sondern weil alles ganz gar sein musste. Also weich. Auch das Gulasch lag eher faserig auf dem Teller. Nur die Fettstückchen, die blieben ganz labberig.
Damals wurde versehentlich schon nachhaltig gekocht. Nicht so schieres Gulasch, wie wir es heute zu essen pflegen. Aber die Fernsehköche weisen uns schon darauf hin, dass das Fleisch marmoriert sein sollte, weil es dann saftiger ist.
Es ist weder Sonntag (oder Zufall). Nicht abends (oder Zufall). Auf gar keinem Fall Couch, Sessel und gemütliches Zurücklehnen. Und – ganz wichtig – das Fernsehgerät hat Pause.
Aber trotzdem Krimi!
Krimidinner gibt es schon seit langem. Nun auch bei uns. Es ist ganz einfach. Es gibt in Buchhandlungen oder Spielwarengeschäften entsprechende Vorlagen. Wir haben uns für ein mörderisches Klassentreffen entschieden. Wir sind ja schon ein paar Jährchen älter, haben so einiges erlebt. Berichten davon. Versuchen bei den früheren Mitschülerinnen und Mitschülern ein bisschen anzugeben. Also ganz wie im richtigen Leben.
Es gilt natürlich etwas vorzubereiten.
Wir hocken zusammen. Wir zwei. Erst einmal stellt sich die Frage: Wer hat Lust mitzumachen? Zum Glück kennen wir so einige Leutchen, die wir überzeugen müssen. Unbedingt. Wir sind uns sicher.
Zu diesem kleinen Bericht muss ich ein kleines Vorwort schreiben. Es begreift sonst kein Mensch. Also, ich sammle Scherben. Warum? Ich weiß es doch auch nicht. Das war jetzt alles. Es gibt so eine Erinnerung an Erzählungen meiner Mutter, die den schrecklichen Angriff auf Hamburg im Juli 1943 miterleben musste. Wie so viele Menschen nahm sie einen kleinen Koffer mit den wichtigsten und liebsten Dingen in den Keller ihres Wohnhauses. Meine Oma hatte wohl an diesem Tag eine Ahnung. Sie wollte nicht den Keller aufsuchen. Sie flüchteten zum Bunker am Berliner Tor. Die Ahnung erwies sich als folgerichtig. Das Haus, in dem sie gelebt hatten, war nur noch ein Trümmerhaufen.
Zu diesem fürchterlichen Ereignis gibt es noch viel zu erzählen. Aber, wie Erich Kästner oft gesagt hat, das gehört hier nicht her.
Nur, dass ich später die geretteten Fotos aus dem kleinen Koffer, immer mal wieder ansah. Eines zeigt die Puppenstube meiner Mutter. Und von da an bat ich meine Mutter, doch mal mit mir nach Borgfelde zu fahren. „Vielleicht finden wir ja noch etwas in den Trümmern.“ Nein, sie wollte es nicht. Damals verstand ich ihre Reaktion nicht. Heute, ja heute kann ich es nachvollziehen. So blieb es dabei.
nein, die Alster ist unser Ziel. Zu mindestens ein Stückchen am Alsterwanderweg von Poppenbüttel bis Ohlsdorf. Immerhin 10 km Fußmarsch.
Es wurde ja auch mal Zeit. Nebenfluss der Elbe, das hört sich so nichtssagend an. Klar, die Elbe ist breiter, ist länger, muss arbeiten, bringt uns bis zur Nordsee, hat Ufer, die einladen. Gibt noch viel zu sagen. Na, nun ist aber die Alster dran. Außerdem versorgt sie die Elbe auch mit Wasser, so ist es ja nun nicht. Und das bringt sie aus Schleswig Holstein mit, denn dort, 25 km nördlich von Hamburg, entspringt sie.
Es gibt so viele Museen in Hamburg. Längst habe ich nicht alle besucht. Aber wie es so ist, kaum gibt´s was Neues, schon ist die Neugier erwacht. Eröffnet wurde das Achilles-Stiftung Glasmuseum im Oktober 2022. In einem Sektionssaal der ehemaligen Pathologie des denkmalgeschützten Krankenhauses in Barmbek.
Wen erst einmal die Sammelleidenschaft gepackt hat, kommt davon nicht mehr los. So erging es auch Edith Achilles (später auch ihrer Tochter). Sie begann bereits in den 60er Jahren Glas zu sammeln. Erst war es der Jugendstil, der sie begeisterte. Aber Jahre später versteigerte sie ihre Sammlung und widmete sich dem „schweren Glas“ (sagte sie von sich). Das kann ich nur bestätigen, nachdem wir die Sammlung angeschaut haben. Das sind „ganz schöne Brocken“. Das 20. Jahrhundert bis ins Heute war nun ihr Thema. Spannend!
April! April!
Der weiß nicht, was er will.
Bald lacht der Himmel klar und rein,
Bald schaun die Wolken düster drein,
Bald Regen und bald Sonnenschein!
Was sind mir das für Sachen,
Mit Weinen und mit Lachen
Ein solch Gesaus zu machen!
April! April!
Der weiß nicht, was er will.
O weh! O weh!
Nun kommt er gar mit Schnee!
Und schneit mir in den Blütenbaum,
In all den Frühlingswiegentraum!
Ganz greulich ist's, man glaubt es kaum:
Heut Frost und gestern Hitze,
Heut Reif und morgen Blitze;
Das sind so seine Witze.
O weh! O weh!
Nun kommt er gar mit Schnee!
Hurra! Hurra!
Der Frühling ist doch da!
Und kriegt der raue Wintersmann
Auch seinen Freund, den Nordwind, an
Und wehrt er sich, so gut er kann,
Es soll ihm nicht gelingen;
Denn alle Knospen springen,
Und alle Vöglein singen.
Hurra! Hurra!
Der Frühling ist doch da!
Heinrich Seidel
Ich hörte im Fernsehen, der meteorologische Frühling sei da.
Heute sieht es draußen auch recht hell aus. Es bietet sich an, ihn, diesen Frühling zu entdecken. Brhh, doch recht kalt. Nun, ich kann ja flotten Schrittes gehen, will nicht vor der Haustür festwachsen. Durch einen Torweg, der unserem Hof als Durchgang dient, beginne ich. Mit der Suche. Ein bisschen parkähnlich wurde er angelegt; mit modernen Blumenrabatten, die sich eliptisch und erhöht präsentieren. Eingefasst mit Cortenstahl. Ungewöhnlich, weil sie verrostet wirken. Aber es verwittert „edel“. Nicht Jeder mag´s. Ich ja. Aber die Stauden und Gräser nicken noch grau vor sich hin. Nichts von grün zu sehen. Na, wird schon.
Wie ich lese, ist man sich nicht so ganz sicher, sie wird in ca. 30.000 Jahren erwartet. Was für ein Glück für uns. Wir können also noch in aller Ruhe die Spuren der letzten Weichseleiszeit begutachten. Nämlich in dem Gebiet der Boberger Dünen. Am Ende dieser Eiszeit setzte die große Schmelze ein. Vor ca. 16.000 Jahren. Aus dem hohen Norden. Bestimmt schmuddelig, eisig, steinig. Im Laufe der Zeit schmirgelten sich die Steine ab, bis zuletzt dieser feinste Sand übrig blieb. Sogar am Berliner Tor soll es Dünen gegeben haben. Davon ist nichts mehr zu sehen, selbst wenn wir auf die Baustelle der S-Bahn die Hälse recken. Aber wichtig ist ja: Die Dünen sind hier. Hier bei uns in Boberg!
Wir überlegen nicht lange. Schließlich ist es Winter. Da bietet sich eine solche Wanderung an. Finden wir. Natürlich ist Matschwetter, und so nehmen wir nicht den Pfad oberhalb des Walter Hammer Weges; sondern gehen den breiten Weg an den Tennisplätzen vorbei. Links sehen wir Trockenrasen und graue Heidebüschel. Einige kleine Flecken sind eingezäunt. Bestimmt verstecken sich hier die auf der „Roten Liste“ stehenden Pflanzen. Schade, die Orchideen hätten wir gerne gesehen. Dafür strahlen Birkenstämme in herrlichem Weiß. Sind bestimmt die „Sibirischen“.
Nichts ist los. Mittagszeit. Das ändert sich nachdem wir den Boberger Furtweg überqueren. Hier gibt es auch einen Parkplatz. Für diejenigen, die von weither kommen.
Und hier leuchtet durch das karge Wäldchen der Dünensand. Jetzt ist selbst der Sand mit leichtem Reif überzogen. Auch schön. Nur kalt. Im Sommer würde er unsere „Barfüße“ kitzeln. Na ja , alles zu seiner Zeit. Wir können zwischen vier Wanderwegen wählen. Schließlich ist dieses Gebiet ca. 350 ha groß. Da ist es gut, sich zu entscheiden. Erst einmal auf dem Dünenweg, der mit einem Schmetterling gekennzeichnet ist. Die Dünen sind teils mit hartem Strandhafer befestigt, damit Sturm und Wind den Sand nicht wegpusten. Brav bleiben wir auf den ausgewiesenen Pfaden. Leider halten sich nicht alle Erholungssuchenden daran. Schilder weisen darauf hin, aber…
Danke für diesen schönen Beitrag, liebe Elisabeth. Vielleicht gelingt uns Geschwistern beim Familientreffen auch so ein Haiku. Fröhliche Weihnachten!