Geschichten und Gedichte

Wie ich im Ruhestand doch Ruhe fand

Beitrag: Sabine Ziesmer

Twenty-four-seven beschreibt es schnörkellos und sachlich: Rund um die Uhr, 24 Stunden an 7 Tagen, sollte man erreichbar und einsatzbereit sein. Man beschreibt damit die Rolle des arbeitenden Menschen in einer digitalen Welt.

Ich bin 67 Jahre alt und seit nunmehr 18 Monaten im Ruhestand. Wenn ich früher nicht erreichbar sein wollte, musste ich nur nicht ans Telefon gehen und die Türklingel einfach Türklingel sein lassen. Wir waren halt analog unterwegs. Das ist allerdings sehr kurz gedacht. Ich habe Schule und Studium zumindest mitfinanzieren müssen, als Arbeiterkind waren die Spielräume eng. Rund um die Uhr kreisten die Gedanken um den Job und die Ausbildung. 24 Stunden an 7 Tagen erlebte ich Anstrengung und Existenzangst. Die ersten Berufsjahre überschnitten sich mit der Erziehung meiner Tochter und der Entscheidung, als alleinerziehende Mutter für alles zuständig sein zu wollen und zu müssen. Wieder twenty-four-seven und wieder unfreiwillig. Irgendwann beginnt man eine Abhängigkeit von dieser allgegenwärtigen Belastung zu entwickeln. Wenn ich nicht völlig erschöpft in meine Kissen sank, erklärte ich meinen Tag für unausgefüllt. Die Grenze der Belastbarkeit wird immer weiter nach oben verschoben. Das galt früher und gilt auch heute. Natürlich wurde das Arbeitsaufkommen für mich im Laufe der Zeit weniger und die Ruhephase länger, aber so ganz ohne Struktur und Stress wollte ich auch nicht sein und ich verstand es gut, mich und mein Leben in Bewegung zu halten.

Begeisterung für das Ehrenamt. Bildgestaltung: HGZstudioDE

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Wissenswertes

Die Säulen der Schöpfung

Eine neue Dimension der Sternentstehung

Beitrag: Thorsten Werner

Die „Säulen der Schöpfung“ im Herzen des Adlernebels haben seit ihrer berühmten Aufnahme durch das Hubble-Weltraumteleskop im Jahr 1995 die Vorstellungskraft vieler Menschen weltweit beflügelt. Diese majestätischen Strukturen, die wie riesige Finger aus interstellarem Staub und Gas in den Weltraum ragen, sind ein faszinierendes Beispiel für die Schönheit und Dynamik unseres Universums.

Durch die Kombination von sichtbarem Licht, das Hubble aufzeichnet, und Infrarotlicht, das vom James Webb-Weltraumteleskop erfasst wird, entsteht ein vielschichtiges Bild dieser Sternentstehungsregion. Der Kontrast zwischen den beiden Teleskopen hilft dabei, verschiedene Aspekte der Säulen zu verstehen und zu schätzen.

Credits: Visualization:
Greg Bacon (STScI), Ralf Crawford (STScI), Joseph DePasquale (STScI), Leah Hustak (STScI), Christian Nieves (STScI), Joseph Olmsted (STScI), Alyssa Pagan (STScI), Frank Summers (STScI), NASA’s Universe of Learning
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Freizeit & Reise

Im Museumscafé

Dort gibt es auch etwas zu sehen

Beitrag: Elisabeth Hartmann

Zur Erholung nach anstrengender Besichtigung gehe ich ins Museumscafé. Einen Pott Kaffee dazu ein Stück Blechkuchen gibt es für 6.20 €, und „Zahlung ist nur mit Karte möglich”. Die junge Frau, die den Kaffee einschenkt und den Schokoladenkuchen auf den Teller legt, sagt Bitte, Danke, Guten Appetit und Wiedersehen ohne aufzublicken. Ich finde einen guten Platz am Rande. Aber ich gucke nicht etwa einen Ausstellungskatalog an sondern beobachte die Leute und lasse dabei meiner Phantasie freien Lauf.

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Aus der Region

Gabriele und ich

Beitrag: Rieta Stukenbrock

Rieta Stukenbrock, Jahrgang 1944, blickt zurück auf ihren Berufsweg, der für sie begann, als sie 17 Jahre alt war.

Meine kleine Enkelin, 8 Jahre alt, verschwand sehr gerne ganz still und heimlich Richtung Dachboden. Dort gab es eine kleine Tür zur Abseite in der Dachschrägen. Man konnte dort Schätze finden, die seit vielen Jahren unbeachtet aufbewahrt wurden. So kroch sie eines Tages auf allen Vieren in diese dunkle Höhle hinein. Oma, Oma, du musst mir mal helfen, komm mal bitte hoch. Ich stieg die zwei Treppen zum Dachboden hoch. Sie hing halb in der kleinen, schmalen Tür und versuchte einen kofferartigen Gegenstand aus dem Dunkel herauszuziehen. Ach, du meine Güte! Sie hatte „Gabriele“ entdeckt, meine alte Reise- Schreibmaschine. Ganz aufgeregt und neugierig bat sie mich, den verstaubten grauen Deckel mit dem rostigen Schloss zu öffnen. „Kannst du damit mal was schreiben?“ fragte sie. Ich besorgte ein Blatt Papier, spannte es in die Maschine ein, schrieb ihren Namen und ein paar Sätze dazu. Das Geschriebene konnte man so eben lesen, das Farbband war schon sehr schwach.

Seit 1975 hatte ich die Schreibmaschine nicht mehr benutzt. Der Firmeninhaber von Triumph hat sie nach dem Namen seiner Tochter Gabriele benannt. Meine Enkelin, 2005 bereits im Computerzeitalter geboren, hatte noch nie eine Schreibmaschine gesehen und kam aus dem Staunen nicht heraus. Ich selbst war erfreut, dass meine Gabriele noch funktionierte. Ich dachte daran, wie viele Seiten ich auf dieser kleinen Schreibmaschine in meinem Leben schon geschrieben hatte. Immer war sie verlässlich und überall einsetzbar ohne Strom, Akkus und Programme.

Zum 15. Geburtstag hatte ich diese Schreibmaschine bekommen, nachdem einige Geldgeschenke zur Konfirmation für den Kauf reichten. Ich sollte auf eine berufsvorbereitende Handelsschule. Ich hatte die Aufnahmeprüfung bestanden, und für die Schule brauchte ich eine Schreibmaschine. Dort wurden Wirtschafts-fächer unterrichtet, aber auch Stenografie und Maschinenschreiben gehörten dazu und waren sehr wichtig. Das Maschinenschreiben musste man im 10-Finger-Blind-System erlernen. Das Ziel war, möglichst fehlerfrei, ohne auf die Tasten zu schauen, viele Anschläge in der Minute zu erreichen. Fleißig sein, bescheiden sein, höflich sein und vor allem der Mutter keine Sorgen bereiten – das hatte ich frühzeitig begriffen. Als Lohn für meinen Fleiß in der Schule mussten meine Eltern kein Schulgeld bezahlen. Mit 17 Jahren machte ich eine Ausbildung zur Bürokauffrau in einem großen Wohnungsunternehmen in Kiel. Ich hatte mich schnell eingelebt. Es machte mir Spaß Neues zu lernen, mit vielen jungen Menschen und netten Kollegen zusammenzuarbeiten.

Das letzte halbe Jahr meiner Ausbildung hatte mich die Chefsekretärin unter ihren Fittichen. Sie hatte eine elektrische Kugelkopfmaschine, die gerade vor zwei Jahren von IBM als technische Neuheit auf den Markt gekommen war.

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Freizeit & Reise

Hamburg Großneumarkt

Wo die Currywurst erfunden wurde

Beitrag: Elisabeth Hartmann

Hier am Großneumarkt wurde zwar die Currywurst erfunden, aber ich essen einen Schokoladenbecher! Während ich Eis und Sahne auf der Zunge zergehen lasse, schweift mein Blick vom Tischchen der Eisbude Porto Lucia, ein ehemaliges Klohäuschen im expressionistischen Stil, in die Runde. „Das Herz der Neustadt”, so nennen die Anwohner ihren Platz. Das Herz des Platzes ist für mich der Kandelaber aus Wilhelminischer Zeit mit einer Steinbank rundum. Da sitzt fast immer jemand, mal eine mit Buch, mal einer mit Bierflasche, mal eine ganze Familie mit Schleckeis.

Die hohen Linden spenden zur Mittagszeit lichten Schatten. Das ist gut, denn so können die Leute aus den umliegenden Büros, die an sommerlichen Markttagen wie Stare in die Imbissbuden einfallen, ihre Pause bei gedämpfter Hitze verbringen. Aber engagierte Anwohner sorgen sich: Hitze, Dürre, Versiegelung und Wurzelverletzungen bei Baumaßnahmen machen den alten Bäumen zu schaffen, hin und wieder fällt einer um. Leider sei für Baumschutzmaßnahmen kein Geld da, so wird die Bezirkspolitik zitiert. Für ein Dixieklo gibt es einen Spendenaufruf: „Sei dabei und spende jetzt für ein sauberes , gesundes Umfeld für Bäume und Menschen auf und um den Großneumarkt.”

In den Restaurants am Rande des Platzes essen und trinken entspannte Hamburger*Innen und Tourist*Innen. Letztere sind an fortgeschrittenem Alter zu erkennen. Denn ab 40 essen der Hanseat und die Hanseatin zu Hause oder in einer vornehmeren Gegend als es die am Großneumarkt ist. Apropos Essen, Uwe Timm verortet die Erfindung der Currywurst in seinem gleichnamigen Roman von 1993 auf den Großneumarkt. Hier soll die Wurstbude gestanden haben, in der in den 1940er Jahren alles seinen Anfang nahm. Heute ist in einer übrig gebliebenen Bude ein kleines Kulturzentrum für Jung und Alt untergebracht, und im Stadtgarten nebenan grünt und blüht es.

Mitten auf dem Großneumarkt gibt es diese wunderbare Eisbude, s.o.; am Rande und drum herum ist aber auch was los! Die ehemals berühmt-berüchtigte Kneipe Schmales Handtuch war hier, heute ist es eine Bier&Coctailbar und gehört einem gewissen Micky. Es soll dort den besten Caipirinha der Stadt geben!

Der Michel ist nicht fern. Am Alten Steinweg geht es immer noch ein paar Stufen runter in den Cotton Club, ein Kellerlokal aus den Hochzeiten des Hamburger Oldtime-Jazz. Mittwochs ist zum Kennenlernen der Eintritt frei. Im AKIKO, Wexstaße 39, gibt es Papier, Stoffe, Bücher und andere feine Sachen aus Japan.

Und in der Brüderstraße, gleich um die Ecke soll Uwe Timm bei seiner Tante zum Schreiben gekommen sein.

Text und Fotos: Elisabeth Hartmann

Aus der Region

Dat Auto quietscht …

Beitrag: Tom Schmidt

Als ich nach knapp 18 Jahren aus dem quirligen Stadtteil Winterhude in Hamburg in das beschauliche Kirchwerder in den Vier- und Marschlanden gezogen bin, habe ich mir nicht allzu viel Gedanken gemacht, was auf mich zukommt. Die Landschaft mit ihren historischen Fachwerkhäusern gefiel mir, ein Spaziergang an der Elbe mit seinen tuckernden Transportschiffen war wie Urlaub, und im Gegensatz zur Geräuschkulisse der Großstadt hatte die Stille etwas Beruhigendes nach einem langen Arbeitstag. Mein Freundeskreis nannte das, freundlich ausgedrückt, einen Kulturschock. Letztendlich aber bin ich wie ein Chamäleon, das sich jeder Situation anpassen kann. Also ging ich vorbehaltlos den Umzug von der Stadt aufs Land an.

Als zugezogener Hamburger steht man in den Vier- und Marschlanden natürlich die ersten Monate unter Beobachtung. Ungeachtet der eher zurückhaltenden Art der einheimischen Bevölkerung Zugezogenen gegenüber war aber unterschwellig schnell festzustellen, ganz ohne Informationen über den Neuling ging es nun auch nicht: Alter, Beruf, Familienstand, letzter Wohnort und sonstige Nebensächlichkeiten musste man zwecks Einordnung der Person schon wissen.

Aufgrund meiner Frau, in Kirchwerder geboren und gut vernetzt, hatte ich glücklicherweise einen Bonus und wurde relativ schnell von den Menschen akzeptiert. Die einzuhaltenden Regeln waren relativ einfach und doch für einen Städter etwas vollkommen Neues. Man grüßte sich, unabhängig davon, ob sich die Personen kannten oder nicht. Das Wort „Moin“ gehört heute zum festen Bestandteil meines Wortschatzes. Aber auch sonst ist Kommunikation alles, ein kurzer Klönschnack mit den Menschen war Pflicht. Man war halt neugierig, erfuhr aber auch Interessantes aus der Nachbarschaft und Umgebung. Ebenfalls neu war die Hilfsbereitschaft untereinander. Egal, ob bei den Nachbarn ein Baum gefällt werden muss, mal wieder eine Kuh ausgebüxt ist oder jemand einen Fahrdienst braucht, man hilft sich. Für mich, aus der Anonymität der Großstadt kommend, ungewohnt und ein positiver Indikator für den Zusammenhalt untereinander, den ich heute nicht mehr missen möchte. 

Obwohl sich auch in Kirchwerder der Strukturwandel bemerkbar macht, gibt es immer noch Gemüse- und Blumenanbaubetriebe. Das bedeutet, viele Anwohner haben häufig eine 7 Tage-Woche und wenig Zeit. Unabhängig davon wird aber auch gern gefeiert, häufig auf dem Saal und meistens bis in die Morgenstunden. Schnell lernte ich, was für ein feines Getränk der Sommerkorn ist. Es ist ein Überlebensgetränk, zumal beim Tanzen häufig nach jedem 2. Tanz eine Trinkpause eingelegt wird, um zum Beispiel einen Kurzen zu sich zu nehmen. Danach wechselt man die Tanzpartner, so dass alle Gäste in den Genuss kommen, ausgiebig zu tanzen und sich kennenzulernen. Das überleben bis zum nächsten Morgen wenige, aber der Sommerkorn (Wasser im Korn Glas) hilft Anfängern wie mir, wie ein trinkfester Vierländer den Abend zu überstehen. Das ist eine Kurzbeschreibung meines Eintritts ins Landgebiet von Kirchwerder. Auch wenn ich kein Einheimischer bin, gefühlt gehöre ich heute dazu.  

Und die Anzahl an Anekdoten ist unendlich und betrifft alle Lebensbereiche. So wie auch die kommende, banale Geschichte. Häufig, wenn ich morgens gegen 7.00 Uhr zur Arbeit gefahren bin, traf ich meinen Nachbarn Otto draußen. Er begrüßte mich immer vor dem Haus mit den Worten: „Na, geiht dat Elend wedder los?“ Das war der Opener für einen kleinen Plausch, der jedes Mal mit den Worten endete: „Wat mutt, dat mutt.“ Wenn Otto morgens verhindert war und mich nicht begrüßte, fehlte mir tatsächlich etwas, es war nach kurzer Zeit ein lieb gewordenes Ritual. 

Der Zufall wollte es, dass ich nach einigen Wochen einen neuen Firmenwagen bekommen habe. Für mich nichts Besonderes, da ich aufgrund der Leasingverträge alle drei Jahre ein neues Auto bekam. Als ich morgens dann zur Arbeit fahren wollte, war Otto bereits im Garten am Arbeiten. Ich freute mich wieder auf seinen Standardsatz, der dieses Mal ausblieb. „Dat Auto quietscht“, sagte er, ohne eine Miene zu verziehen. „Der ist neu“, antwortet ich umgehend, „hat gerade erst 25 Kilometer gelaufen“. „Dat Auto quietscht. Frog mol Bettina, dien Frau hat dat bestimmt ok all heurt.“. „Alles klar, mach ich“, war meine Antwort und fuhr zu Arbeit. Als ich meine Frau abends auf die ominöse Bemerkung ansprach, lachte sie laut los und erzählte mir, dass man für ein neues Autos in der Nachbarschaft einen ausgeben muss, damit er zukünftig nicht quietscht. Wurde natürlich umgehend gemacht, und das Auto freute sich, dank Otto nicht mehr quietschen zu müssen. Das war vor gut 20 Jahren. Letzte Woche lud unser Nachbar, auch ein Zugezogener, ebenfalls zum Umtrunk ein, da ein neuer Wagen vor seiner Tür stand. Entsprechend trafen sich die Nachbarn, um auch hier ein mögliches Quietschen des Autos im Vorfeld zu verhindern. Auch wenn der eine oder andere jetzt berechtigt anmerkt, Auto und Alkohol, das geht ja wohl gar nicht, hat er natürlich recht. Hier geht es aber nicht um eine Probefahrt, wobei probesitzen darf man auf Wunsch schon. Fazit: Es war wieder einmal ein gelungener Anlass, mit den Nachbarn entspannt zu klönen und sich auszutauschen. Das neue Auto hingegen war schnell vergessen.

Warum schreibe ich jetzt diese banale Geschichte? Weil es hier im Landgebiet aufgrund der Tradition und der Hilfsbereitschaft untereinander viele Anlässe und Möglichkeiten gibt, soziale Kontakte zu knüpfen. Immer unter dem Aspekt, dass man es auch möchte und es keine Verpflichtung gibt, immer dabei sein zu müssen. Und das nicht nur durch vermeintlich quietschende Autos oder Trecker, sondern auch durch das ausgeprägte Engagement der Bevölkerung im Ehrenamt. Wie ich feststellen konnte, sind die Möglichkeiten und die Vielfalt unendlich, bieten Jugendlichen, Erwachsenen und besonders Rentnern je nach Interesse ungeahnte Möglichkeiten, sich in im Landgebiet oder Bergedorf zu engagieren und entsprechend ihren Neigungen aktiv mit Gleichgesinnten Projekte mitzugestalten.  

Plattdeutsche Texte

Fraagerie

Beitrag: Jürgen Sakuth

Kinner künnt een jo ’n Lock in’n Buuk fragen. Ik besinn mi noch op ’n poor vergnöögte Fragen so as:
„Hebbt de Dinosauriers noch leevt as Opi to Welt keem?“
„Wo slöppt denn de Sünn, wenn dat bi uns Nacht warrt?“
„Papi, weerst du ok mal ’n lütt Kind?“
„Mami, as ik op de Welt keem, wo hest du her wusst, wat ik en Jung or
Deern bün?“


„Papi, kummt de Deerten ok
all in’n Heven?“
»Jo!“
„All?“
»Jo, al!!“
„Mieze un Bello ok?“ „Jo seker, ok Mieze un Bello!“
„Ok Swiens?“

Jo, ok Swiens!“
„Ok dat Swien, vun dat wi ehr
güstern de Kottletts eten hebbt?“
En Ertreckersche ut’n Kinnergoorn hett mi dorto verkloort: „Wees vergnöögt, wenn Kinner veel fraagt. Se sünd nu in dat Fraagöller. Dat mutt so sien. So warrt se bilütten jümmers klöker un blievt nich in’t Ent-wickeln torüch.“
Ik heff dacht, dat weer vörbi, as mien Grootdeern to School keem. Man dor harr ’n Uhl seten, de Fraagerie güng jümmers noch wieder. Anner-erletzt hett mi mien Enkelkind fraagt:
„Opi, was ist eine rythmische Reihe mit der Zahl zehn?“
Ik heff ehr dat so versöcht to verklor’n:
„Kiek mal, mien Deern, vör 10 Daag, an 20sten Märzmaand, hett dien Schoolmeestersche mit ehr 30 Johren na 40 Fohrstünnen, de jede 50 Euro kost hett, ehrn Föhrerschien kregen. Se hett sik en ole Bezinkutsch, Bujohr 60, mit ’n 70PS-Motor köfft un is denn mi 80 op de B 90 in en Rechtskurv fohrt. Nu liggt se in’t Krankenhuus op Zimmer 100, betahlt dorför jeden Dag 110 Euro dorto, un ehr Luun is blots noch op 120!“
Wat se dat begrepen hett? Ik bün dor nich ganz klook ut worrn!

Quelle: Heinrich Evers „Dat dröfft doch mal seggt warrn!“
(Balticum Verlagsgesellschaft und Werbeagentur GmbH)
Illustration: Elke Grotelüschen

Veranstaltungen

Verwandelter Abfall

Beitrag: Boike Jacobs

Umwerfend. Einzigartig. Wunderschön. Sprachlos stehe ich vor den rund 30 Arbeiten von Kathleen Ryan, die zur Zeit in der Hamburger Kunsthalle zu sehen sind. Besonders beeindrucken mich ihre übergroßen Früchte, Zitronen, Aprikosen, Kirschen, Melonen, voller Schimmel und Fäulnis. Und gerade diesen Prozess hat Kathleen Ryan durch Hunderte von farbigen Halbedelsteinen akribisch nachgebildet. Was ursprünglich abstoßend ist, erfährt auf diese Weise eine neue Schönheit, aus dem Glatten, Unberührten wird Bewegtes, Vielfarbiges.

Aprikose und Zitrone. Fotos: Ute Klapschuweit

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