Beitrag: Tom Schmidt
Der folgende Artikel ist eine Vorabveröffentlichung der Biografiegruppe Bergedorf aus dem Buch „45 Berufe geträumt, gelebt, verwirklicht. Berufsbiografien von Menschen aus Hamburg-Bergedorf“. Das Buch erscheint am 05. April 2024 und ist unter anderem in der Sachsentor Buchhandlung Jörg Johannsen erhältlich.
Tom Schmidt im Gespräch mit Jürgen Schmekal, * 1940, und seiner Frau Erika
Wolfsburg 1946. Jürgen Schmekal, sechs Jahre alt, machte sich gemeinsam mit seiner Mutter und den drei Geschwistern zurück auf den Weg in seine Heimatstadt Hamburg. Da die Familie 1943 in Hamburg ausgebombt wurde und keine Unterkunft fand, waren sie gezwungenermaßen zu Verwandten nach Wolfsburg gezogen. Ihren Mann hatte seine Mutter im Krieg verloren. Nun galt es, irgendwie einen Neuanfang zu schaffen. In Kirchwerder, in den Vier- und Marschlanden, erwartete sie und ihre Kinder eine karge und typische Flüchtlingsbaracke, die überall in Deutschland den Bewohnern nach dem Krieg lediglich ein Dach über dem Kopf bot. Nach drei langen Jahren hatte Familie Schmekal endlich die Möglichkeit, nach Bergedorf umzusiedeln. Jürgen besuchte mittlerweile die Grundschule, danach die Realschule, und vor dem erfolgreichen Abschluss stellte sich die Frage, wie es weitergehen sollte. Für seine Mutter stand primär der finanzielle Aspekt im Vordergrund, denn eins der Kinder musste jetzt langfristig zusätzlich zu ihrem Gehalt Geld verdienen. Da Jürgen aus einer traditionellen Handwerkerfamilie kam, die die letzten Generationen über als Tischler gearbeitet hatten, war der berufliche Weg eigentlich vorgezeichnet. Aufgrund einer Holzstauballergie aber kam diese Berufswahl nicht in Frage. Handwerklich begabt bewarb sich Jürgen jetzt bei der Hanseatischen Universelle, abgekürzt Hauni, für eine dreijährige Lehre als Maschinenschlosser. Das war eine der besten Adressen in Bergedorf für eine fundierte Ausbildung mit Übernahmegarantie, wenn ein guter Prüfungsabschluss vorlag.
Die Hauni war 1946 von Kurt A. Körber gegründet worden und hatte sich in kürzester Zeit zu einem der wichtigsten Arbeitgeber in Bergedorf entwickelt. Körber kam aus Dresden und hatte dort in der Dresdener Universelle als technischer Direktor und Erfinder gearbeitet. Als sich die Teilung Deutschlands nach dem Krieg abzeichnete, ging er mit seinen Patenten nach Westdeutschland, gründete in Bergedorf die Hauni und beschäftigte sich anfangs mit der Reparatur von Zigarettenmaschinen und der Produktion von Handtabakschneidern. Keiner der Mitarbeiter ahnte zu der Zeit, dass er hier in den alten Fabrikhallen im Weidenbaumsweg in einem zukünftigen Weltunternehmen arbeitete.
Weiterlesen „Mit der Hauni um die Welt“










Unglaublich spannend - danke für diesen informativen Beitrag!