Aus der Region, Veranstaltungen

Kultur und Öffentlicher Nahverkehr

Beitrag: Jürgen Sakuth

Photo by Wolfgang Weiser on Pexels.com

Wie können noch mehr Menschen dazu bewegt werden, die vielfältigen Hamburger Theater zu besuchen“

Dies war ein Thema am Freitag beim Besuch der Intendantin des Ernst-Deutsch Theaters Isabella Vértes-Schütter im KörberHaus. Die Veranstaltung fand im Rahmen der Reihe „Altersbilder“ statt. Ich kann den Besuch dieser Gespräche nur empfehlen.

Dies war aber nur die Einleitung zu meinem eigentlichen Thema, denn am nächsten Tag waren wir im Theater und erlebten, wie Menschen wie wir, die Bus und Bahn benutzen, davon abgehalten werden.

Wir erlebten im Altonaer Theater „Der Club der toten Dichter“. Ein schöner Theaterabend. Die Vorstellung war nahezu ausverkauft und die Schauspieler wurden zu Recht mit stehenden Ovationen gefeiert.

Aber nach unserer Rückkehr hatten wir lange darüber gesprochen, ob wir so etwas noch einmal machen. Unsere Bahn fuhr nur bis zum Berliner Tor. Dort mussten wir in den Schienen-Ersatz-Verkehr umsteigen. Das lässt sich manchmal nicht vermeiden und war lange angekündigt. Trotzdem in dieser Form ärgerlich. Als wir von der Bahn in den Bus umsteigen wollten, sahen wir den abfahrenden Bus, der nur zu einem Drittel voll war. Viele winkten und riefen, um den Bus noch zu stoppen, vergeblich. Daneben stand die ganze Zeit ein vollbesetzter Dienstwagen mit laufendem Motor und der Aufschrift „Verkehrslenkung“, ohne einzugreifen.

Der irgendwann folgende Bus war dann natürlich übervoll. Als wir Billwerder-Moorfleet wieder in den Zug umsteigen wollten, stand dort schon eine Bahn. Ich sagte noch zu meiner Frau „Diesmal haben wir aber Glück“. Aber in dem Moment, in dem die Bus-Gäste ausstiegen, fuhr die Bahn ab.

Neben den Problemen der fehlenden Anschlussmöglichkeiten hatten wir in jedem Bahnabschnitt heruntergekommene jugendliche Bettler im Zug, aber das nur nebenbei.

Mich interessiert wie andere Bergedorfer das sehen.
Fahren Sie abends noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln in andere Hamburger Stadtteile?
Nutzen Sie nur noch den privaten PKW, falls vorhanden?
Oder nur noch Taxis?
Oder besuchen Sie keine Theater, Kinos oder Konzerte am Abend mehr, wenn Sie auf Bus und Bahn angewiesen sind?

Wissenswertes

Nobelpreis für Physik 2024: Ein Durchbruch, der die Welt verändert

Beitrag: Thorsten Werner

Künstliche Intelligenz – das Gehirn im Computer?

Stell dir vor, ein Computer könnte so lernen wie ein Mensch. Klingt nach Science-Fiction? Nicht mehr! Der Physik-Nobelpreis 2024 geht an die beiden Pioniere des maschinellen Lernens, John Hopfield und Geoffrey Hinton. Ihre bahnbrechenden Arbeiten haben den Weg für die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz wie wir sie heute kennen geebnet.

KI – künstlerische Darstellung
Bild: Pixabay
Weiterlesen „Nobelpreis für Physik 2024: Ein Durchbruch, der die Welt verändert“
Plattdeutsche Texte

Vergeterie

Beitrag: Jürgen Sakuth

Twee öllere Mannslüüd, Odje Packen un Kuddi Peters, draapt sik op’n
Markt vun Niemünster, de dor Grootplacken nöömt is. Dat is allerbest Summerweder, de Sünn schient, keen Wulken an’n Heven, un keen
Lüftchen weiht. So ’n recht Weder to’n Geneten, un de beiden sett sik
op ’ne Bank un laat sik dat goot gahn.
Maleenst seggt Kuddl:
„Du, Odje, bi dit schöne Weder harr ik egens mal so richtig Aptiet op’n
kolet les. Vanillje, Kassberen, Schokolaad, jo un denn noch ’n olligen
Dutt Slackermaschü dorop! Wat meenst du dorto?“
„Ik haal di dat geern, ik kann jo noch beter lopen as du“, seggt Odje dor.
„Na, denn man to“‚, meen nu Kuddl, „aver schriev di dat man lever op,
wat ik hebb’n will. Anners vergitts du dat weller bit du dor achter an’e
lesbood ankam’n büst!“
„Nee“, antert nu Odje, „ik vergeet dat nich, dor bruukst du keen Bang‘
vör to hebb’n!“
Na ’n Veertelstünn kümmt Odje weller to de Bank torüch un hett statts
les twee Braadwüst op’n Töller.
Dor meen Kuddl glieks:
„Sühstwull Odje, wat heff ik di seggt, lever allens opschrieven. Nu hest du doch glatt weller den Mostrich vergeten!“

Quelle: Heinrich Evers „Dat dröfft doch mal seggt warrn!“
(Balticum Verlagsgesellschaft und Werbeagentur GmbH)
Illustration: Elke Grotelüschen

Festliches, Veranstaltungen

Erntedank

Beitrag: Sabine Ziesmer

Danke für die Gaben

„Was der Mensch sät, das wird er ernten“, so steht es bereits in der Bibel. Wir schenken der Arbeit von Bauern und Bäuerinnen nicht mehr die Beachtung, die sie früher einmal fand und die ihnen angesichts ihrer Bedeutung auch zusteht. Die Erzeugung unserer Grundnahrungsmittel ist in unserer Gesellschaft ein großes Mysterium. Wir kaufen unsere Lebensmittel in üppig gefüllten, hell ausgeleuchteten Supermärkten. Dass der Apfel aus Südafrika kommt, wenn bei uns die ersten Blüten an den Bäumen sichtbar werden, fällt uns bisweilen gar nicht auf. Erdbeeren im Dezember sind so normal wie Kartoffeln aus Ägypten. Aber auch hier hat der Mensch gesät und die Ernte eingebracht. Es stünde uns gut zu Gesicht, wenn wir darauf mit Dankbarkeit blickten.

Aus dieser Perspektive schaut man ganz anders auf das Erntedankfest, das bereits in der Antike gefeiert wurde. Es dient nicht nur der Freude, mit anderen Menschen die Fülle des Lebens zu bestaunen, es ist auch ein Innehalten in unserer schnellen und unübersichtlichen Welt.

Der große Festumzug, der an jedem ersten Sonntag im Oktober in Kirchwerder stattfindet und zu den bedeutendsten Ernteumzügen deutschlandweit zählt, bietet dazu Anlass. Seit annähernd 50 Jahren engagiert sich die bäuerliche Gemeinschaft aus den Vier- und Marschlanden, unterstützt von Vereinen, Handwerksbetrieben und verschiedensten Gruppen, für dieses Fest. 30 herbstlich geschmückte Wagen und noch einmal so viele Spielmannszüge, Pferdegespanne, Trachtengruppen, Sportvereine und Kindertagesstätten ziehen vorbei an mehreren zehntausend begeisterten Zuschauern und Zuschauerinnen Richtung Zollenspieker.  Ein Fest für die Sinne, angesichts der Farbenpracht, für die Kinder, deren Beutel sich mit bunten Bonbons füllen und für alle Beteiligten aus dieser Region. Sie fühlen sich in ihrer Arbeit gesehen und geschätzt. Ich mag die großen Erntekronen sehr, deren vier Streben für Hoffnung, Glaube, Dank und Fürsorge stehen. Darauf sollte man sich nicht nur zum Erntedankfest besinnen.

Am Zollenspieker findet ein kleiner Landmarkt statt, auf dessen Bühne neben den Ernteköniginnen auch der Hamburger Bürgermeister lobende Worte für das gelungene Fest findet und Musik und Kuchen von den Landfrauen für eine fröhliche Atmosphäre sorgen. Am Deich stehen die geschmückten Fahrzeuge, Menschen lachen miteinander, Kinder tauschen ihre Naschereien, die sie entlang des Umzuges einsammeln konnten und die Sonne taucht alles in herbstliches Licht.

Danke für diese Fülle an Fröhlichkeit und Vielfalt.

Fotos: Sabine Ziesmer

Wissenswertes

Nicht auf die lange Bank schieben

Beitrag: Boike Jacobs

„Das Formular hab ich, aber ich komm einfach nicht dazu, es auszufüllen.“ – „Meine Tochter drängt mich schon länger, aber das ist ja so ein Fummelkram.“ – „Lasst mich bloß mit der Patientenverfügung in Ruhe, ich will noch nicht an den Tod denken.“

Wer will das schon? Und wenn wir uns unseren eigenen Tod vorstellen, dann am liebsten so: einschlafen und nicht mehr aufwachen. Herzinfarkt, umkippen, und weg ist man. Aber da geht es schon los, denn in einem solchen Fall wird ja sofort der Krankenwagen gerufen, und die Sanitäter beginnen schon auf der Fahrt zum Krankenhaus mit der Reanimierung. Fortgesetzt werden diese und weitere Maßnahmen dann von Ärzten und Schwestern.

Weiterlesen „Nicht auf die lange Bank schieben“
Humorvolles

Männer, die am Herd stehen

Beitrag: Jürgen Sakuth

Photo by cottonbro studio on Pexels.com

Wir sind noch altmodisch und kochen unser Mittagessen selber. Normalerweise kocht meine Frau. Und sehr gut, wie ich finde.

Wenn sie Termine hat, bin ich auch mal dran. Ich wollte „Spaghetti alla Puttanesca“ machen (Spaghetti nach Hurenart). Eigentlich nicht besonders schwer.

Da ich schnell nervös werde, wollte ich gut vorbereitet sein und platzierte schon alle benötigten Töpfe auf die Herdplatten. Den Topf mit dem Nudelwasser stellte ich auf die höchste Stufe an. Dachte ich zumindest. Dann machte ich mich zunächst an das Schnippeln der Zutaten.

Nach einiger Zeit wollte ich Butter und Olivenöl in einem anderen leeren Topf langsam erhitzen. Als die Butter den Topfboden erreichte, passierte es. Ein explosionsartiges Zischen mit extremer Rauchentwicklung setzte ein. Ich hatte die falsche Platte angemacht.

In meiner Panik wollte ich den Topf mit Wasser schnell wieder abkühlen, was natürlich zu noch mehr Rauch- und Dampfentwicklung führte. In diesem Moment ertönte zusätzlich der laute Warnton des Rauchmelders. Und das in dem Augenblick, wo ich in der Küche kaum noch etwas sehen konnte.

Weiterlesen „Männer, die am Herd stehen“
Aus der Region

Stadt, Land, Fluss

1.Oktober 2024

Beitrag: Sabine Ziesmer

Wenn ich mit meiner Tochter einmal wieder richtig schön bummeln gehen wollte, unterschied sie stets zwischen „Kleine Stadt“ und „Große Stadt“. Sie liebte das Überschaubare und Gemütliche. So fuhren wir, zumeist mit dem Fahrrad, fröhlich von Kirchwerder in den Vierlanden in die „Kleine Stadt“ Bergedorf.

Als ich mich am letzten Sonntag an eben diese Ausflüge erinnerte, kamen mir der „Landmarkt“ und der verkaufsoffene Sonntag sehr gelegen. Ich war überrascht, dass es so viele Menschen in meine „Kleine Stadt“ gezogen hatte. Das würde die verschiedenen Einzelhändler sicher sehr freuen. Es fühlte sich alles sehr städtisch an, Gedränge wie in der Mönckebergstraße. Ich suchte nun nach der Verbindung zum Land, das rund um Bergedorf mit den Vier- und Marschlanden immer gegenwärtig ist. Nach wenigen Metern konnte ich einen kurzen Blick auf 3 unglückliche Heidschnucken werfen, die auch dem intensivsten Locken der umstehenden Kinder widerstanden. Sie verließen ihren Hänger nicht. Streicheln oder Füttern rückten in weite Ferne. Mal schauen womit sich unsere ländliche Region besser präsentieren würde. Die überschaubare Ansammlung verschiedenster Kürbisse und der farbenfrohe Hinweis auf das Erntedankfest am 6.10. ließen mich hoffen. Der „Landmarkt“ entpuppte sich dann als das, was leider fast alle kleineren saisonalen Märkte kennzeichnet: eine Ansammlung von Kitsch und Tand zu Bratwurst und Bier. Der kleine kolumbianische Kaffeewagen lud mich dann doch zu einem kurzen Zwischenstopp ein, zumindest für einen guten Espresso. Ich werde lieber die nächsten Tage wiederkommen, denn Bergedorf bietet mit seiner Schlosskulisse und den vielen liebevoll gestalteten Cafés viele Möglichkeiten des Verweilens ganz ohne Landmarkt.

Im Anschluss an meinen misslungenen Versuch, Stadt und Land an diesem Sonntag in Bergedorf vereint zu sehen, zog es mich ans Wasser. Am Bergedorfer Hafen herrschte auch Gedränge und an der Elbe in Kirchwerder hatten die Angler alle Strandabschnitte belegt. So besuchte ich eine Freundin, die in unmittelbarer Nachbarschaft zur Reitbrooker Mühle ein schönes Wassergrundstück an der Dove Elbe ihr Eigen nennt. Es war an diesem sonnigen Tag ein versöhnlicher Ausklang am Fluss.

Fotos: Sabine Ziesmer