Geschichten und Gedichte, Wissenswertes

Alles Geschmacksache

Beitrag: Edith Kalisch

Gefüllte Heißwecken

Dresdner Stollen. Alles rutscht in die Erinnerungskiste.

Das Jahr neigte sich dem Ende zu. Der Januar dauerte und dauerte. Nun lockt der Februar mit Helau und Alaaf. Die sogenannten tollen Tage. Das reizt mich zwar nicht so sehr. Aber davor, davor gibt es Leckeres. Die gefüllten Heißwecken! Es heißt aufpassen. Nicht, dass man es verpasst. Den Blick zur Kuchenvitrine lenken. Lange gibt es diese Köstlichkeit nicht. Nur bis zum Aschermittwoch. Warum eigentlich?

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Geschichten und Gedichte

Schenken? Ein ewiges Mysterium

Beitrag: Sabine Ziesmer

Wie können wir einander eine Freude machen? Was ist der beste Anlass? Wer steht im Mittelpunkt? Der Schenkende? Der Beschenkte? Oder alle beide? Diese Frage beschäftigt mich das ganze Jahr über, und die Antwort darauf hat sich immer wieder an mein Leben angepasst. Vielleicht fühle ich mich deshalb mit den „Heiligen Drei Königen“ so verbunden. Sie nehmen einen beschwerlichen Weg auf sich, um mit ihren Gaben das Erscheinen Gottes auf der Welt zu feiern. Schenken wird zu einer Form menschlicher Kommunikation.

Leider ist Schenken in vielen Bereichen unserer Gesellschaft zu einer Pflicht geworden, besonders an Weihnachten. Solange die Kinder noch jünger sind, kommt kaum eine Familie darum herum, möglichst viele nützliche oder auch ganz unnütze Gegenstände untereinander hin und her zu schieben. Zwischen Weihnachten und Neujahr werden die unliebsamen Gaben gnadenlos getauscht oder einfach zurückgeschickt.

Meine Tochter feierte diese Tauschaktionen mehr als den Akt des Schenkens an sich. Wollte ich als Schenkende dabei nicht vollkommen verzweifeln, musste ich meine Einstellung ändern. Es wurde fortan auf Bestellung geschenkt. Ich hielt es dennoch mit den Königen, die nichts über den zu Beschenkenden wussten und den Weg zu ihm nicht kannten. Würde man sich über ihre Geschenke freuen? Es machte mir immer größere Freude aus mir heraus, immer und überall andere Menschen zu beschenken. Jedes freundliche Wort, das ehrliche Interesse am Gegenüber, kleine Komplimente und ein freundliches Lächeln geben Beschenkten und Schenkenden so viel.

Diese Erfahrung habe ich bereits bei meiner Arbeit mit Kindern machen dürfen. Gerade sie sind Meister kleiner Komplimente und kritische Betrachter feststehender Regeln. Als ich die Geschichte der drei Weisen aus dem Morgenland und ihren mitgeführten Gaben erzählte, meldete sich eine Schülerin und erklärte mit ernster Miene: „Da bin ich aber froh, dass der Caspar nicht so ein teures Geschenk dabei hat. Der wollte mit seinen Möhren sicher den Esel des Jesuskindes beschenken.“ Diese kreative Änderung des Wortes „Myrrhe“ führte uns letztlich in ein fast philosophisches Gespräch über den Sinn des Schenkens. Jeden Montag haben wir dann kleine Komplimente verfasst, die wir gemeinsam lasen und uns darüber freuten. So erinnere ich mich an ein Kärtchen mit dem Satz „Du bist meine Pudelmütze, falls ich traurig werde.“ „Du bist eine tolle Nachbarin. Wir pusten graue Wolken weg.“ Zuletzt bekam ich ein zauberhaftes Kompliment von meiner Tochter: “Du liebst mich so wie ich bin, ganz bedingungslos.“ Schenken ist eigentlich kein Mysterium.

Foto: Sabine Ziesmer

Geschichten und Gedichte

Winterfreuden

Beitrag: Thorsten Werner

Endlich, der erste Schnee des Jahres. Plötzlich klingelte es an der Tür. Die Nachbarskinder wollten Schlitten fahren und fragten nach unserem Schlitten.

Mit der Taschenlampe fand ich ihn in der hintersten Ecke auf dem Dachboden. Schnell räumte ich ihn frei und gab den geduldig wartenden Kindern den Schlitten. Freudig zogen sie den Schlitten und brachten ihn gegen Abend dankbar wieder zurück.

Foto: Thorsten Werner
Geschichten und Gedichte, Humorvolles

Schaurig schöne Weihnachten

Beitrag: Thorsten Werner

mein Chatfreund aus Boston erzählte mir von einem KI-Bilderwettbewerb seiner Uni und überredete mich, daran teilzunehmen.

„Das Thema ist: „Schaurig schöne Weihnachten“, denn wir wollen einmal etwas ganz anderes machen.“ „Hast Du schon eine Idee?“, fragte er neugierig.

„Na klar, ich generiere einen gruseligen Vampirweihnachtsmann in Transsilvanien bei einer Vollmondnacht mit Fledermäusen und Vampirschloss.“

Am nächsten Tag sendete ich ihm mein KI-generiertes Bild.

Bild: Thorsten Werner (KI generiert)
Geschichten und Gedichte

Kinderwelten – „Wird schon“

Beitrag: Edith Kalisch

Wer mit Kindern geht, die noch nicht die Schule besuchen, braucht Zeit. Zeit, um anzukommen, wenn ein Ziel gesetzt ist. In diesem Falle: ein Spielplatz. Ach, Zeit haben wir, mein Enkel Janosch und ich. Er kennt den Weg genau. Erst einmal wird auf der Mauer balanciert, dann geschaut, ob die Schnecke von gestern noch an ihrem Platz sitzt. Natürlich nicht, sie will ja auch weiter. Dafür müssen wir eine Spinne betrachten. Sie wartet auf Nahrhaftes. Ob ihr wohl der Magen knurrt? Nach so vielem Netze weben? Wir wissen es nicht. Wir nehmen nun nicht den vorgegebenen Weg, sondern streifen über die Wiese. Hier steht noch ein alter Apfelbaum. Ein sehr alter. Wir überlegen. Es gab hier also mal einen Garten. Scheint lange her zu sein. Endlich erreichen wir unser Ziel. Noch nicht ganz. Plötzlich rennt Janosch voraus, wieder zurück. Ist aufgeregt. Ist empört. “Siehst du dahinten den Wendehammer, Oma?“ „Ja und, was ist mit dem?“ Ich gucke verständnislos. „Und Oma, siehst du irgendwo ein Sackgassenschild?“ Ich verneine es. Das muss gemeldet werden. Unbedingt. Na gut, aber erstmal zum Spielplatz.

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Geschichten und Gedichte

Septembermorgen

Beitrag: Thorsten Werner

Im Nebel ruhet noch die Welt, Noch träumen Wald und Wiesen: Bald siehst du, wenn der Schleier fällt, Den blauen Himmel unverstellt, Herbstkräftig die gedämpfte Welt In warmem Golde fließen.

Eduard Mörike

Indian Summer
Foto: Pixabay
Geschichten und Gedichte

Sicherer Indikator für das Altsein

Von wegen, man ist so alt wie man sich fühlt

Beitrag: Elisabeth Hartmann

Woran merkt man eigentlich, dass man alt wird oder ist? An fehlenden Zähnen, grauen Haaren, knackenden Hüften oder knirschendem Knie? Zu- oder Abnahme von Hobbys? Dass man sich häufiger langweilt, weil man alles schon weiß? Dass man freiwillig früher ins Bett geht und eher aufsteht? Oder sich ein E-Fahrrad kauft?

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Geschichten und Gedichte

Wie ich im Ruhestand doch Ruhe fand

Beitrag: Sabine Ziesmer

Twenty-four-seven beschreibt es schnörkellos und sachlich: Rund um die Uhr, 24 Stunden an 7 Tagen, sollte man erreichbar und einsatzbereit sein. Man beschreibt damit die Rolle des arbeitenden Menschen in einer digitalen Welt.

Ich bin 67 Jahre alt und seit nunmehr 18 Monaten im Ruhestand. Wenn ich früher nicht erreichbar sein wollte, musste ich nur nicht ans Telefon gehen und die Türklingel einfach Türklingel sein lassen. Wir waren halt analog unterwegs. Das ist allerdings sehr kurz gedacht. Ich habe Schule und Studium zumindest mitfinanzieren müssen, als Arbeiterkind waren die Spielräume eng. Rund um die Uhr kreisten die Gedanken um den Job und die Ausbildung. 24 Stunden an 7 Tagen erlebte ich Anstrengung und Existenzangst. Die ersten Berufsjahre überschnitten sich mit der Erziehung meiner Tochter und der Entscheidung, als alleinerziehende Mutter für alles zuständig sein zu wollen und zu müssen. Wieder twenty-four-seven und wieder unfreiwillig. Irgendwann beginnt man eine Abhängigkeit von dieser allgegenwärtigen Belastung zu entwickeln. Wenn ich nicht völlig erschöpft in meine Kissen sank, erklärte ich meinen Tag für unausgefüllt. Die Grenze der Belastbarkeit wird immer weiter nach oben verschoben. Das galt früher und gilt auch heute. Natürlich wurde das Arbeitsaufkommen für mich im Laufe der Zeit weniger und die Ruhephase länger, aber so ganz ohne Struktur und Stress wollte ich auch nicht sein und ich verstand es gut, mich und mein Leben in Bewegung zu halten.

Begeisterung für das Ehrenamt. Bildgestaltung: HGZstudioDE

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Geschichten und Gedichte

Aufrunden bitte

Beitrag: Thorsten Werner

Ich musste nur noch den Einkauf bezahlen, als mich die Kassiererin freundlich ansprach: „Wollen Sie für den Guten Zweck aufrunden?“ „Natürlich, Kleinvieh macht ja auch Mist. Wenn viele mitmachen, bringt es viel.“ „Ja, wenn…“ antwortete die freundliche Frau leise. Da keine Schlange hinter mir war, kamen wir ins Gespräch. „Krieg und Klima sind sehr wichtig für die Menschen“ sagte ich etwas lauter und merkte wie sich eine kleine Schlange überwiegend gut gekleidete Senior*innen hinter mir bildete. „Ja, unbedingt“, „Natürlich“, „Man muss an die Zukunft denken“ hörte ich die Menschen hinter mir sagen. Inzwischen standen zahlreiche Kund*innen um mich herum und kaum jemand an der Nebenkasse. „Aber wer kümmert sich um die Obdachlosen und Armen?“ fragte ich. Die Kassiererin deutete mit dem Finger hinter mich. Die Leute standen plötzlich alle an der Nebenkasse.

„Niemand“ sagte die Kassiererin schließlich.

Geschichten und Gedichte

Kein Karneval im Norden

Beitrag: Boike Jacobs

Marc Chagall: Karneval

O wär im Februar doch auch,
Wie`s ander Orten ist der Brauch
Bei uns die Narrheit zünftig!
Denn wer, so lang das Jahr sich misst,
Nicht einmal herzlich närrisch ist,
Wie wäre der zu andrer Frist
Wohl jemals ganz vernünftig.

Theodor Storm