Geschichten und Gedichte

Kein Karneval im Norden

Beitrag: Boike Jacobs

Marc Chagall: Karneval

O wär im Februar doch auch,
Wie`s ander Orten ist der Brauch
Bei uns die Narrheit zünftig!
Denn wer, so lang das Jahr sich misst,
Nicht einmal herzlich närrisch ist,
Wie wäre der zu andrer Frist
Wohl jemals ganz vernünftig.

Theodor Storm

Geschichten und Gedichte

Logisch …

Beitrag: Edith Kalisch

Wir besuchen Janoschs Opa. Auf dem Land. Ein kleines Dorf. Viel Fachwerk. Und es gibt auch einen Wald.

Wir müssen also an die frische Luft. Immer. Das ist das Prinzip meiner Tochter. Einmal am Tag, das Wetter mag sein, wie es will.

Immer auf der Suche. Foto: Edith Kalisch

Ein Wald, vor allem dieser, weil er sich wie ein Urwald präsentiert. Wir erkunden ihn. Stolpern über Äste, pieksen uns an Brombeersträuchern, treten in Mäuselöcher.  Wege sind nicht zu finden. Spannend, spannend. Janosch sammelt unentwegt Blätter, kleine Zweige, winzige Federn. Überreicht alles uns. Wir müssen tragen. Argumente dagegen gelten nicht. Zur Not haben wir ja Taschen in unseren Anoraks. Er muss weitersuchen und hat deshalb keine Hand frei.

Nun entdecken wir kleine Mulden, die mit grauen fluschigen Haaren (?) ausgepolstert sind. Nanu? Interessant.

Anna fragt ihn: “Wer meinst du, hat hier wohl geschlafen?“

Kurzes Überlegen:  „OMA!“

Geschichten und Gedichte

Oma, beruhig‘ dich

Veröffentlichung: Jürgen Sakuth

Text: Claudia Hafemann

Max (Name geändert) ist mal wieder bei uns. Die Ferienbetreuung in der Schule ist heute nicht ganz nach seinem Geschmack. Da geht er doch lieber zu den Großeltern.

Seine neues BMX-Rad und ein Basketball kommen mit. Das Programm steht also fest.

Photo by Darcy Lawrey on Pexels.com

Aber zuerst spielen wir ein altes Spiel aus der Kindheit seiner Mutter: „Schweinerei.“ Man würfelt 2 Mini-Plastikschweine. Je nachdem, worauf sie zum Stehen kommen, Füße, Backe, Rücken, gibt es Punkte. Max findet es voll cool. Aber nach kurzer Zeit findet er sie doch zu klebrig. „Die sind schon ein bisschen alt, oder?“

Wir gehen lieber auf den nahegelegenen Basketball-Platz. Max natürlich mit seinem neuen BMX-Rad. Auf meinen ängstlichen Hinweis, dass es auf dem Weg viele Auto-Ausfahrten gibt, höre ich nur: „Oma, beruhig‘ dich!“

Das neue Fahrrad muss bei Ankunft mit Opas absolut sicheren Fahrradschloss angeschlossen werden, auch wenn wir uns in 5 Meter Sichtweite aufhalten.

Max wirft jetzt immer wieder Bälle auf den Basketball-Korb. Nie ohne einen Seitenblick, ob Oma auch guckt.

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Geschichten und Gedichte

Ein Licht im Dunkeln

Beitrag: Thorsten Werner

Mich beschäftigt der Krieg im Nahen Osten und dessen Folgen. Wenn mich etwas bewegt, verarbeite ich es oft künstlerisch.

Meine Großmutter sagte immer:
„Wenn Du denkst es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her.“
Dieses wünsche ich Allen.

Bild: Thorsten Werner (KI generiert)

Wie ist es mit Ihnen liebe Leser/innen?
Wie verarbeiten Sie Ihre Gedanken?
Schreiben Sie uns gerne einen Kommentar.

Geschichten und Gedichte

Ein anderer Tatort

Text und Fotos: Edith Kalisch

Es ist weder Sonntag (oder Zufall).  Nicht abends (oder Zufall). Auf gar keinem Fall Couch, Sessel und gemütliches Zurücklehnen. Und – ganz  wichtig – das Fernsehgerät hat Pause.

Aber trotzdem Krimi!

Krimidinner gibt es schon seit langem. Nun auch bei uns. Es ist ganz einfach. Es gibt in Buchhandlungen oder Spielwarengeschäften entsprechende Vorlagen. Wir haben uns für ein mörderisches Klassentreffen entschieden. Wir sind ja schon ein paar Jährchen älter, haben so einiges erlebt. Berichten davon. Versuchen bei den früheren Mitschülerinnen und Mitschülern ein bisschen anzugeben. Also ganz wie im richtigen Leben.

Es gilt natürlich etwas vorzubereiten.

Wir hocken zusammen. Wir zwei. Erst einmal stellt sich die Frage: Wer hat Lust mitzumachen? Zum Glück kennen wir so einige Leutchen, die wir überzeugen müssen. Unbedingt. Wir sind uns sicher.

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Geschichten und Gedichte

Scherben … nichts als Scherben

 Beitrag: Edith Kalisch

Zu diesem kleinen Bericht muss ich ein kleines Vorwort schreiben. Es begreift sonst kein Mensch. Also, ich sammle Scherben. Warum? Ich weiß es doch auch nicht.  Das war jetzt alles.  Es gibt so eine Erinnerung an Erzählungen meiner Mutter, die den schrecklichen Angriff auf Hamburg im Juli 1943 miterleben musste. Wie so viele Menschen nahm sie einen kleinen Koffer mit den wichtigsten und liebsten Dingen in den Keller ihres Wohnhauses. Meine Oma hatte wohl an diesem Tag eine Ahnung. Sie wollte nicht den Keller aufsuchen. Sie flüchteten zum Bunker am Berliner Tor. Die Ahnung erwies sich als folgerichtig. Das Haus, in dem sie gelebt hatten, war nur noch ein Trümmerhaufen.

Zu diesem fürchterlichen Ereignis gibt es noch viel zu erzählen. Aber, wie Erich Kästner oft gesagt hat, das gehört hier nicht her.

Nur, dass ich später die geretteten Fotos aus dem kleinen Koffer, immer mal wieder ansah. Eines zeigt die Puppenstube meiner Mutter. Und von da an bat ich meine Mutter, doch mal mit mir nach Borgfelde zu fahren. „Vielleicht finden wir ja noch etwas in den Trümmern.“ Nein, sie wollte es nicht. Damals verstand ich ihre Reaktion nicht. Heute, ja heute kann ich es nachvollziehen.  So blieb es dabei.

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Geschichten und Gedichte

Oma, das schaffst du nicht

Veröffentlichung: Jürgen Sakuth

Text: Claudia Hafemann

Photo by Los Muertos Crew on Pexels.com

Es ist 7 Uhr morgens. Ein Handyanruf weckt mich. Nach einer Schrecksekunde bin ich am Telefon. „Wer ist da?“

Max (Name geändert): „Oma, kann ich zu euch kommen? Papa ist zur Arbeit, Mama im Home-Office. Mir ist so langweilig. Meine Schulklasse macht einen Ausflug, aber ich habe solche Kopfschmerzen.“

Eigentlich ist heute unser freier Tag, kein Aushilfsjob, kein Babysitting, kein Ehrenamt, zumindest dachte ich das. Aber mein Herz schmilzt wie Butter in der Sonne schnell dahin.

Ich frage: „Wann bist du da?“

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Geschichten und Gedichte

Der Juli

Still ruht die Stadt. Es wogt die Flur.
Die Menschheit geht auf Reisen
oder wandert sehr oder wandelt nur.
Und die Bauern vermieten die Natur
zu sehenswerten Preisen.

Sie vermieten den Himmel, den Sand am Meer,
die Platzmusik der Ortsfeuerwehr
und den Blick auf die Kuh auf der Wiese.
Limousinen rasen hin und her
und finden und finden den Weg nicht mehr
zum Verlorenen Paradiese.

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