Plattdeutsche Texte

Fraagerie

Beitrag: Jürgen Sakuth

Kinner künnt een jo ’n Lock in’n Buuk fragen. Ik besinn mi noch op ’n poor vergnöögte Fragen so as:
„Hebbt de Dinosauriers noch leevt as Opi to Welt keem?“
„Wo slöppt denn de Sünn, wenn dat bi uns Nacht warrt?“
„Papi, weerst du ok mal ’n lütt Kind?“
„Mami, as ik op de Welt keem, wo hest du her wusst, wat ik en Jung or
Deern bün?“


„Papi, kummt de Deerten ok
all in’n Heven?“
»Jo!“
„All?“
»Jo, al!!“
„Mieze un Bello ok?“ „Jo seker, ok Mieze un Bello!“
„Ok Swiens?“

Jo, ok Swiens!“
„Ok dat Swien, vun dat wi ehr
güstern de Kottletts eten hebbt?“
En Ertreckersche ut’n Kinnergoorn hett mi dorto verkloort: „Wees vergnöögt, wenn Kinner veel fraagt. Se sünd nu in dat Fraagöller. Dat mutt so sien. So warrt se bilütten jümmers klöker un blievt nich in’t Ent-wickeln torüch.“
Ik heff dacht, dat weer vörbi, as mien Grootdeern to School keem. Man dor harr ’n Uhl seten, de Fraagerie güng jümmers noch wieder. Anner-erletzt hett mi mien Enkelkind fraagt:
„Opi, was ist eine rythmische Reihe mit der Zahl zehn?“
Ik heff ehr dat so versöcht to verklor’n:
„Kiek mal, mien Deern, vör 10 Daag, an 20sten Märzmaand, hett dien Schoolmeestersche mit ehr 30 Johren na 40 Fohrstünnen, de jede 50 Euro kost hett, ehrn Föhrerschien kregen. Se hett sik en ole Bezinkutsch, Bujohr 60, mit ’n 70PS-Motor köfft un is denn mi 80 op de B 90 in en Rechtskurv fohrt. Nu liggt se in’t Krankenhuus op Zimmer 100, betahlt dorför jeden Dag 110 Euro dorto, un ehr Luun is blots noch op 120!“
Wat se dat begrepen hett? Ik bün dor nich ganz klook ut worrn!

Quelle: Heinrich Evers „Dat dröfft doch mal seggt warrn!“
(Balticum Verlagsgesellschaft und Werbeagentur GmbH)
Illustration: Elke Grotelüschen

Veranstaltungen

Ab die Post!

Beitrag: Jürgen Sakuth

„Was geht up mann?“, schreibt Klara (Name geändert) an ihre Freundin.
So einfach kann ein erster Satz sein, über den sich die Literaten
so viele Gedanken machen.

Ich darf als Leselernhelfer mit „meiner“ dritten Schulklasse an einem Workshop mit der Kinderbuchillustratorin Antje von Stemm teilnehmen.

Zunächst geht es um das fast vergessene Briefeschreiben und verschiedene Briefformen. Nach einer kurzen Anleitung schreiben und basteln die Kinder eigene Briefe.

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Plattdeutsche Texte

Ackermann

Beitrag: Jürgen Sakuth

As ik nülichs mit mien lütten Hutschefiedel an’e Tanksteed föhr, heff
ik mien olen Fründ Ackermann wellerdrapen. He steeg ut sien groten
swatten Mercedes un weer püükfien kleedt.
Ik gah op em to un see:
„Moin, Ackermann, dat is jo en Tofall, wat ik di mal weller draap. Wi
hebbt uns jo ’n Ewigkeit nich sehn. Aver novel büst du
worrn, siet du di domals in’e Dosenfabrik vun’e Glücksklee in Niestadt in Holsteen afmaracht hest!“
„Ik heff ni nich bi de Glücksklee-Fabrik in Niestadt arbeidt. Dat mutt ’n
Irrtum sien!“
„Nanu? Wi hebbt aver doch beide vele Johrn ünner Kalle Struck in’e Niestädter Liedertafel in’n tweten Tenor sungen!“
„Ik bün mien Leevdaag nich Maat vun’e Niestädter Liedertafel west! Ik
kann gar nich singen!“
„Minsch, Ackermann, wi Twee hebbt doch ok so manchen Kliester tosamen
hatt. Wat weern wi doch faken na de Chorproov sprüttenduun.
Kannst du di dor gor nich mehr op besinnen?“
„Dat kann ik utslüten. Mit mien kranke Lebber drink ik al siet Johrteihnten
keen Spriet mehr!“
Ik heff luut lacht un meent:
„Nu fehlt blots noch, wat du seggst, dien Naam is nich Ackermann!“
„Nee, so heet ik ok nich!“
Dor heff ik em blots noch duersam ankeken un seggt:
„Minsch, Ackermann, wat hest du di verännert!“

Quelle: Heinrich Evers „Dat dröfft doch mal seggt warrn!“
(Balticum Verlagsgesellschaft und Werbeagentur GmbH)

Aus der Region, Veranstaltungen

„Das kann meine Frau nicht“

Beitrag: Jürgen Sakuth

Auszug aus: Wozu bin ich berufen? „45 Berufe geträumt, gelebt, verwirklicht“

Die Gespräche mit Annelene, geboren 1934 habe ich, Jürgen Sakuth, per Telefon geführt. Je öfter wir telefonierten, desto mehr Details aus ihrem Leben fielen ihr ein.
Annelene erzählt:

Wir, fünf Schwestern und ein Bruder, wuchsen in einem Dorf in Dithmarschen alle im Krieg auf. Die Dorfschule wurde besucht, so gut es ging. Ostern 1940 wurde ich im Alter von fünf Jahren eingeschult. In der Grundschule hatte ich täglich zwei Stunden Unterricht. Ein ganzes Schuljahr fiel total aus, da die Klassenräume mit Flüchtlingen aus Kiel und Hamburg belegt waren.
Die vier besten Schüler, ein Junge und drei Mädchen, zu denen ich auch gehörte, kamen in die Kreisstadt Heide auf die Oberschule. Wir waren stolz, aber total überfordert, mussten ganz schnell wieder abbrechen.

Trotz der schweren Zeit im Krieg hatten wir eine relativ gute Kinderzeit. Wir hatten unsere Pflichten und unsere Freizeit. Im Dorf war schon eine Badeanstalt. Obwohl es keine Badeaufsicht gab, ist nie etwas Schlimmes passiert. Dort lernten alle das Schwimmen, man half sich gegenseitig.


Unsere Eltern hatten ein Haus mit Gemüse- und Obstgarten, zwei Kühe auf einem Stück Pachtland, zwei Schweine im Stall, Hühner, Kaninchen, Enten und drei Gänse. Wir waren sogenannte Selbstversorger. Im Wohnhaus auf dem Boden befand sich eine große Räucherkammer. Dort wurden im Winter für die Dorfbewohner alle Sorten Wurst, Speck und Schinken geräuchert. Es war schwere schmutzige Arbeit. Die Schinken waren riesig. Ob es sich finanziell gelohnt hat, kann ich nicht beurteilen.


Unsere Mutter war eine tüchtige Frau, konnte gut kochen, backen, nähen, säen und ernten. Obwohl sie ständig arbeitete, war sie doch immer ansprechbar für uns Kinder. Sie hat uns gut auf das Leben vorbereitet. Unser Vater kehrte irgendwann schwer traumatisiert aus dem Krieg zurück. Zeitweise arbeitete er als Verwalter auf einem Bauernhof, dessen Besitzer noch im Krieg war, später als Friedhofsverwalter. Der Vater verstarb früh.

Mit 13 Jahren bekam ich mein Abschlusszeugnis und das Thema Schule war durch. Ich ging als Dienstmädchen oder Magd, wie es damals hieß, zum Bauern
ganz weg von zu Hause. Eine berufliche Ausbildung war für Mädchen in diesen schweren Zeiten nicht möglich.

Eigentlich wollte ich gerne einen Bauern heiraten. Doch meine Mutter sagte: „Das wird nichts, mein Kind. Wir sind viel zu arm. Dich nimmt keiner.“ Als ich das hörte, wollte ich ab sofort nicht mehr für die Bauern arbeiten und machte mich 1951 auf den Weg nach Hamburg. Meine ältere Schwester war schon dort. Sie hat dafür gesorgt, dass ich Arbeit und Unterkunft bekam. Dort lernte ich meinen Mann kennen, den ich 1956 heiratete. Wir bekamen eine Tochter. Mein Mann war Feinmechaniker, und wir kamen über die Runden.

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Plattdeutsche Texte

Beitrag: Jürgen Sakuth

Een kann dat jo fast nich glöven, man ik heff leest, wat över en Halfpart vun’e Düütschen nich weet, wat an Pingsten egens vun uns fiert warrt. Dorbi is Pingsten doch neven Oostern un Wiehnachten en vun de dree groten Christenfesten.
Wi hebbt dat doch allens mal in de Pasterstünn höört un lehrt, wat de Jünger an Pingsten mit ’n groot Brusen an’n Heven vun den Hilligen Geist överrascht wörrn. Denkt wi doch mal torüch: Wo weer dat doch noch mit dat Utsennen vun den Hilligen Geist un de Füertungen op de Köpp vun de Apostel? De Bibel beschrifft dat Pingstwunner in’e Apostelgeschicht üm un bi so:
De Junger Jesu fringen dorna, fuilt vun den Hiligen Geist, dat Predigen in vele frömde Spraken an: „Jesus, wo ji meent, wat he doot is, Jesus leevt un snackt dörch uns to ju!“ Pingsten gilt ok as de Geboortsstünn vun de „Christlich Kark“.
De Duuv is al siet dat sösste Johrhunnert en vun de bekannsten Pingstsymbolen. In vele Karken smückt en Duuv dat Karkenschipp, dat Dööpbecken or de Kanzel. Neven den biblischen Oorsprung hett de witt Duuv jo ok in vele anner Kulturen dat Bedüden vun Reenheit, Freden, Höpen un Niebeginn.
As ik maleenst en Open-Air-Pingstgottsdeenst op de Appelwiesch vun Borby mitfiert heff, harr ik en Beleevnis, wat mi vundaag noch jümmers lütt beten smuustergrienen lött.
En blaaggriese Duuv seet de hele Tiet in en vun’e Appelbööm, wieldess de Paster över dat Utsennen vun de Hilligen Geist preestern de. „Keen harr de Duuv op den Infall bröcht, den Gottsdeenst bitowahnen?“ heff ik simuleert. Un se hett redig leevt. An’n Enn vun den Gottsdeenst heff ik de Duuv sülvst wegflegen seh’n.
Aver ik müß ok an’n Geschicht denken, de ik in en vun mien velen plattdüütschen Böker maleenst över en Duuv to Pingsten leest harr:
In en Gottsdeenst in Dithmarschen vör över hunnert John harr sik de Paster wat Besünneres to Pingsten utklamüstert. He wull sien unglöövschen Buern vun de grote Kraft vun den Hiligen Geist övertügen. Dorto köff he sik en witte Duuv un geev de sien Küster mit de Wöör:
 „Wannehr ik an’t Enn vun mien Predigt luut roop: Nu kumm, Hillige Geist‘, sodennig löttst du düsse witte Duuv vun de Empore daalflegen!“ „Dat geiht kloor, so warrt dat maakt“, see de Küster un nehm de Duuv an sik. Nu, an’n Enn vun de Predigt reep de Paster luut un düütlich: „Nu kumm, Hillige Geist!“

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Humorvolles

Wer wohnt im Duschgel?

Beitrag: Jürgen Sakuth

Meine Frau holt Max (8 Jahre) mit dem Auto von der Schule ab. Während der Fahrt fragt Max sie: „Oma, weißt du eigentlich, dass es bald selbst fahrende Autos gibt, die von ganz alleine fahren?“

Nach kurzer Pause kommt ihm die Frage wohl so absurd vor, dass er sie selbst beantwortet:

„Oma, das erlebst du sowieso nicht mehr.“

Zuhause machen sie Hausaufgaben. Im Lesebuch müssen Wissensfragen mit „ja“ oder „nein“ beantwortet werden.

Auf der linken Seite ist viermal „ja“ die richtige Antwort.

Als auf der rechten Seite dreimal „nein“ die richtige Antwort ist, sagt Max: „Wenn die vierte Antwort auch „nein“ wäre, das wäre doch perfekt.“
Als die vierte Antwort „ja“ ist, ist er sichtlich enttäuscht.

Aber wer wohnt im Duschgel?

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Veranstaltungen

Plattdeutschtag im KörberHaus

Beitrag: Jürgen Sakuth

Zum Plattdeutschtag am 20. April in Hamburg fanden auch einige Veranstaltungen im KörberHaus statt. Ich war bei zwei Höhepunkten dabei. Eigentlich hätte dieser Beitrag auch auf Plattdeutsch geschrieben werden sollen, aber leider kann ich Platt nur verstehen und nicht schreiben.

Der erste Höhepunkt war die gut besuchte Lesung von Ove Thomsen im Körber Saal. Er las aus seinem ersten Kinderbuch „Regen im Kopf“ (oder op Platt „Regen in’n Kopp“)

Das Thema ist nicht nur für Kinder interessant, sondern auch für Erwachsene. Ich denke, wir alle kennen das. Man will zu viel schaffen und macht sich selbst am meisten Druck. Wie meine Frau immer sagt, wenn ich mir zu viel vornehme: „Musst du schon wieder Haken setzen?“

Das Buch (Jumbo-Verlag) ist wunderschön und sehr empfehlenswert. Auch die Illustrationen von Melf Petersen sind phantastisch.

Ove Thomsen ist auch Liedermacher. Zwischen den Lesungen hat er eigene Lieder vorgetragen.

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Plattdeutsche Texte

He kennt Dr. Luther nich

Beitrag: Jürgen Sakuth

To de Tieden, as in Niestadt noch ’n
Amtsgericht west is, dor hett de Topleger,
Wally Möllemann ut Olenkremp, mal as
Tüüg to Gericht sullt.
Dor fröggt de Amtsrichter em to Beginn
so allerhand to sien Person. He wull sien
Öller weten, fraag na sien Profeschoon
un Ehstand un to’n Sluss ok na sien’n
Gloven. „Wat meent Se denn dormit, Herr Amtsrichter?“ fraagt de.
„Auf welches Glaubensbekenntnis sind
Sie denn getauft worden, Herr Mölle-
mann?“

Jo, Herr Amtsrichter, dor weet wi op’n Dörp doch nix vun. Dor küm-
mert wi uns ok nich üm. Se künnt dorvun utgahn, dat Se un ik den
sülvigen Gloven hebbt. Dat mutt doch nu langen!“
„Sie sind aber doch ein gläubiger Christ?“
Jo, dat is richtig. Ik gah ok na de Kark, un dor heff ik Se ok al mal
seh’n, denk ik. Dorüm meen ik, wi twee glöövt seker datsülvige, Herr
Amtsrichter!“
Ja, aber Sie müssen doch wissen, ob Sie evangelisch oder katholisch
sind‘?“
Minsch, Herr Amtsrichter, dor weet unsereen op’n Lann doch nix vun
af!“
„Ja, aber Sie haben doch sicherlich schon einmal etwas von Dr. Martin
Luther gehört, Herr Möllemann?“
„Siendaag nich, Herr Richter, in mien ganzet Leven nich. Wenn un-
sereen mal krank is, denn schickt wi jümmers na Hermann-Doktor ut
Niestadt in Holsteen!“

Quelle: Heinrich Evers „Dat dröfft doch mal seggt warrn!“
(Balticum Verlagsgesellschaft und Werbeagentur GmbH)
Illustration: Elke Grotelüschen

Aus der Region

Babuschka entdeckt ihre Talente

Der lange Weg zum Erfolg

Beitrag: Sabine Ziesmer

Auszug aus: Wozu bin ich berufen? „45 Berufe geträumt, gelebt, verwirklicht“

Berufsbiografie von Sabine Ziesmer, Jahrgang 1957

Wir waren als geburtenstarker Jahrgang überall und stets viele. Mit 36 anderen Mädchen kam ich 1964 in die erste Klasse. Auf den Straßen und in den Hinterhöfen des Schanzenviertels im Herzen Hamburgs mangelte es nie an Spielkameraden. So lernten wir früh, dass Gemeinschaft auch Geborgenheit verhieß und im Teilen ungeahnte Möglichkeiten lagen.

Es war eine Zeit des Aufbruchs. Ich war ein Arbeiterkind im besten Sinne, der Vater immer fröhlich und aufgeschlossen für die neuen Dinge, die die 60er Jahre verhießen. Die Mutter ehrgeizig und stolz, aber auch enttäuscht vom eigenen engen Leben im Arbeitermilieu.  Ihr würde ich es zu verdanken haben, dass meine Schulbildung auch in harten Jahren immer an erster Stelle stand. 

Mit einem guten Abiturzeugnis in den Händen und einer begeisterten Mutter an meiner Seite, startete ich mein Lehramtsstudium an der Universität Hamburg. Wieder waren wir viele, die auf den Gängen und auf den Treppen der Universitätsgebäude den Vorlesungen folgten. Hier spürten wir zum ersten Mal, dass wir nun Konkurrent*innen waren, wir strebten alle, wie durch einen engen Flaschenhals, in den Schuldienst. 

Mein Studium konnte ich erfolgreich beenden und so stand der Suche nach einer geeigneten Schule für das Referendariat nichts mehr im Wege.  Ich hatte meine Chancen bekommen, ich hatte sie genutzt und ich würde meinen Weg natürlich fortsetzen. Ich war ja schließlich noch lange nicht am Ziel. Auf Hindernisse war ich ja gefasst, dass es sich derart schwierig gestalten würde, konnte ich nicht ahnen. Und das war auch gut so.

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