Aus der Region, Veranstaltungen

Kultur und Öffentlicher Nahverkehr

Beitrag: Jürgen Sakuth

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„Wie können noch mehr Menschen dazu bewegt werden, die vielfältigen Hamburger Theater zu besuchen“

Dies war ein Thema am Freitag beim Besuch der Intendantin des Ernst-Deutsch Theaters Isabella Vértes-Schütter im KörberHaus. Die Veranstaltung fand im Rahmen der Reihe „Altersbilder“ statt. Ich kann den Besuch dieser Gespräche nur empfehlen.

Dies war aber nur die Einleitung zu meinem eigentlichen Thema, denn am nächsten Tag waren wir im Theater und erlebten, wie Menschen wie wir, die Bus und Bahn benutzen, davon abgehalten werden.

Wir erlebten im Altonaer Theater „Der Club der toten Dichter“. Ein schöner Theaterabend. Die Vorstellung war nahezu ausverkauft und die Schauspieler wurden zu Recht mit stehenden Ovationen gefeiert.

Aber nach unserer Rückkehr hatten wir lange darüber gesprochen, ob wir so etwas noch einmal machen. Unsere Bahn fuhr nur bis zum Berliner Tor. Dort mussten wir in den Schienen-Ersatz-Verkehr umsteigen. Das lässt sich manchmal nicht vermeiden und war lange angekündigt. Trotzdem in dieser Form ärgerlich. Als wir von der Bahn in den Bus umsteigen wollten, sahen wir den abfahrenden Bus, der nur zu einem Drittel voll war. Viele winkten und riefen, um den Bus noch zu stoppen, vergeblich. Daneben stand die ganze Zeit ein vollbesetzter Dienstwagen mit laufendem Motor und der Aufschrift „Verkehrslenkung“, ohne einzugreifen.

Der irgendwann folgende Bus war dann natürlich übervoll. Als wir Billwerder-Moorfleet wieder in den Zug umsteigen wollten, stand dort schon eine Bahn. Ich sagte noch zu meiner Frau „Diesmal haben wir aber Glück“. Aber in dem Moment, in dem die Bus-Gäste ausstiegen, fuhr die Bahn ab.

Neben den Problemen der fehlenden Anschlussmöglichkeiten hatten wir in jedem Bahnabschnitt heruntergekommene jugendliche Bettler im Zug, aber das nur nebenbei.

Mich interessiert wie andere Bergedorfer das sehen.
Fahren Sie abends noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln in andere Hamburger Stadtteile?
Nutzen Sie nur noch den privaten PKW, falls vorhanden?
Oder nur noch Taxis?
Oder besuchen Sie keine Theater, Kinos oder Konzerte am Abend mehr, wenn Sie auf Bus und Bahn angewiesen sind?

Plattdeutsche Texte

Vergeterie

Beitrag: Jürgen Sakuth

Twee öllere Mannslüüd, Odje Packen un Kuddi Peters, draapt sik op’n
Markt vun Niemünster, de dor Grootplacken nöömt is. Dat is allerbest Summerweder, de Sünn schient, keen Wulken an’n Heven, un keen
Lüftchen weiht. So ’n recht Weder to’n Geneten, un de beiden sett sik
op ’ne Bank un laat sik dat goot gahn.
Maleenst seggt Kuddl:
„Du, Odje, bi dit schöne Weder harr ik egens mal so richtig Aptiet op’n
kolet les. Vanillje, Kassberen, Schokolaad, jo un denn noch ’n olligen
Dutt Slackermaschü dorop! Wat meenst du dorto?“
„Ik haal di dat geern, ik kann jo noch beter lopen as du“, seggt Odje dor.
„Na, denn man to“‚, meen nu Kuddl, „aver schriev di dat man lever op,
wat ik hebb’n will. Anners vergitts du dat weller bit du dor achter an’e
lesbood ankam’n büst!“
„Nee“, antert nu Odje, „ik vergeet dat nich, dor bruukst du keen Bang‘
vör to hebb’n!“
Na ’n Veertelstünn kümmt Odje weller to de Bank torüch un hett statts
les twee Braadwüst op’n Töller.
Dor meen Kuddl glieks:
„Sühstwull Odje, wat heff ik di seggt, lever allens opschrieven. Nu hest du doch glatt weller den Mostrich vergeten!“

Quelle: Heinrich Evers „Dat dröfft doch mal seggt warrn!“
(Balticum Verlagsgesellschaft und Werbeagentur GmbH)
Illustration: Elke Grotelüschen

Humorvolles

Männer, die am Herd stehen

Beitrag: Jürgen Sakuth

Photo by cottonbro studio on Pexels.com

Wir sind noch altmodisch und kochen unser Mittagessen selber. Normalerweise kocht meine Frau. Und sehr gut, wie ich finde.

Wenn sie Termine hat, bin ich auch mal dran. Ich wollte „Spaghetti alla Puttanesca“ machen (Spaghetti nach Hurenart). Eigentlich nicht besonders schwer.

Da ich schnell nervös werde, wollte ich gut vorbereitet sein und platzierte schon alle benötigten Töpfe auf die Herdplatten. Den Topf mit dem Nudelwasser stellte ich auf die höchste Stufe an. Dachte ich zumindest. Dann machte ich mich zunächst an das Schnippeln der Zutaten.

Nach einiger Zeit wollte ich Butter und Olivenöl in einem anderen leeren Topf langsam erhitzen. Als die Butter den Topfboden erreichte, passierte es. Ein explosionsartiges Zischen mit extremer Rauchentwicklung setzte ein. Ich hatte die falsche Platte angemacht.

In meiner Panik wollte ich den Topf mit Wasser schnell wieder abkühlen, was natürlich zu noch mehr Rauch- und Dampfentwicklung führte. In diesem Moment ertönte zusätzlich der laute Warnton des Rauchmelders. Und das in dem Augenblick, wo ich in der Küche kaum noch etwas sehen konnte.

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Aus der Region

Die letzten Sommertage

Beitrag: Jürgen Sakuth

An dieser Stelle habe ich vor einiger Zeit schon geschrieben, wie gerne ich besonders im Winter im Billebad im Außenbecken schwimme.

Jetzt habe ich für den Sommer noch etwas Besseres für mich entdeckt.

Ich fahre mit dem Fahrrad durch das Bergedorfer Gehölz, über die Pionierbrücke und das Billetal bis zum Tonteich in Wohltorf.

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Plattdeutsche Texte

Instellen

Beitrag: Jürgen Sakuth

De Direktor vun de Bank, Hubert Holthusen, is ’n bannig netten Keerl un hölpt elkeen, wo dat blots mööglich is. He ünnerstütt dat Kulturleven vun’e Stadt, is ’n goden Stadtvertreder, maakt as Brandmeester bi de Füerwehr heel goden Deenst, hett dat Seggen bi de Schüttengill, hölpt de Nedderdüütsch Bühn un sünnerlich ok de Maten vun’t Olenparlament vun’e Stadt. Een mutt also segg’n: Vun solk hölpen Lüüd kunn elk Stadt bannig veel bruken, solk Minschen muttst söken.

Man Hubert kann ok anners. He kriegt sik licht in’e Klatten, kann pennschieterig as ok’n övergroot Sluusohr sien. Dat wiest sik jümmers, wenn dat heet, en niegen Mitarbeider bi de Bank intostell’n.

So weer dat also ok, as Herr Direktor Holthusen mit den Bewarver för den Huusmeesterposten, Matten Ohlsen, dat Gesprääk to’n Instellen föhr. „Aso, mien leve Herr Ohlsen“, so füng de Direktor Holthusen dat Snakken an, „dat gifft twee Saken in uns Bank, de mi heel wichtig sünd. Dat Eerste is dat Schier maken un de Rennlichkeit. Mal ’n kotte Fraag blangenbi: Hebbt Se sik egens op de Footmatt vör mien Ruum de Fööt afpedd?“

Aver seker doch, Herr Direktor!“ anter Matten Ohlsen. „Un nu süllt Se ok noch erfohr’n, wat dat Twete is, op dat ik groten Weert legg. Dat is de Ehrlichkeit. Ik kann blots oprecht Lüüd bi mi bruken. Buten vör mien Döör liggt gor keen Footmatt!“

Quelle: Heinrich Evers „Dat dröfft doch mal seggt warrn!“
(Balticum Verlagsgesellschaft und Werbeagentur GmbH)
Illustration: Elke Grotelüschen

Freizeit & Reise

Die dicke Berta

Beitrag: Jürgen Sakuth

Ich war bei der dicken Berta. Die schlanke Anna habe ich nur in der Ferne gesehen.

Damit es kein Missverständnis gibt, eine kurze Erklärung: Es geht hier um zwei Leuchttürme an der Elbe in Cuxhaven.

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Plattdeutsche Texte

Op grote Fohrt

Beitrag: Jürgen Sakuth

Jichtenswann passeert dat jo in elk Familie: De Kinner sünd grötter worrn, hebbt de School achter sik, un de Tiet vun de Beroopswahl un Utbillen beginnt. Mien Naver, Peter Suerbohn, preestert denn jümmers: „Dat hebbt wi all achter uns. Nu beginnt de Eernst vun’t Leven!“

Man ik meen: Bang maken tellt nich. In’n Beroop mutt ok veel Spooß un Vergnögen dorbi sien, un dat sull een bi de Wahl afsluut bedenken.
Gerda un Odje Möller ut Lütt Slamien, de harrn annerletzt dormit to
doon. Ehr Söhn Robert harr op de Jacob-Lienau-School in Niestadt
in Holsteen den Realschoolafsluss maakt un wull sik nu sien Levens-
droom erfüll’n: To See for’n. Vadder Möller harr em över sien Skat-
broder en Steed to’n Utbillen op’n Hannelschipp in Hamborg
besorgen kunnt. Un nu sull dat losgahn.
Modder, Vadder un Robert Möller seten in’t Auto op’n Weg na Ham-
borg. Bi’t Afscheednehm’n an’e Kaimuer gifft Modder Möller ehrn Ro-
bert noch vele levenswichtige Raatslääg mit op’n Weg, so as:

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Humorvolles

Wenn die Zeit drängt….

Beitrag: Jürgen Sakuth

Photo by Olcay Ertem on Pexels.com

Clara, drei Jahre alt, soll zur Musikschule. Sie möchte sich die Schuhe selbst anziehen, aber kommt nicht voran.

Zwischendurch erzählt sie Oma, dass sie eigentlich lieber lila Schuhe gehabt hätte.

Oma wird ungeduldig und sagt zu Clara:

„In einem Jahr kannst du lilafarbene neue Schuhe bekommen, wenn deine Füße wieder gewachsen sind. Heute ziehst du diese Schuhe an.“

Als Clara weiter rumtrödelt und nicht vorankommt, will Oma ihr helfen.

Aber Clara hat schnell gelernt und sagt prompt:

„Oma, in einem Jahr kannst du mir helfen. Heute mache ich es alleine.“

Aus der Region

Gabriele und ich

Beitrag: Rieta Stukenbrock

Rieta Stukenbrock, Jahrgang 1944, blickt zurück auf ihren Berufsweg, der für sie begann, als sie 17 Jahre alt war.

Meine kleine Enkelin, 8 Jahre alt, verschwand sehr gerne ganz still und heimlich Richtung Dachboden. Dort gab es eine kleine Tür zur Abseite in der Dachschrägen. Man konnte dort Schätze finden, die seit vielen Jahren unbeachtet aufbewahrt wurden. So kroch sie eines Tages auf allen Vieren in diese dunkle Höhle hinein. Oma, Oma, du musst mir mal helfen, komm mal bitte hoch. Ich stieg die zwei Treppen zum Dachboden hoch. Sie hing halb in der kleinen, schmalen Tür und versuchte einen kofferartigen Gegenstand aus dem Dunkel herauszuziehen. Ach, du meine Güte! Sie hatte „Gabriele“ entdeckt, meine alte Reise- Schreibmaschine. Ganz aufgeregt und neugierig bat sie mich, den verstaubten grauen Deckel mit dem rostigen Schloss zu öffnen. „Kannst du damit mal was schreiben?“ fragte sie. Ich besorgte ein Blatt Papier, spannte es in die Maschine ein, schrieb ihren Namen und ein paar Sätze dazu. Das Geschriebene konnte man so eben lesen, das Farbband war schon sehr schwach.

Seit 1975 hatte ich die Schreibmaschine nicht mehr benutzt. Der Firmeninhaber von Triumph hat sie nach dem Namen seiner Tochter Gabriele benannt. Meine Enkelin, 2005 bereits im Computerzeitalter geboren, hatte noch nie eine Schreibmaschine gesehen und kam aus dem Staunen nicht heraus. Ich selbst war erfreut, dass meine Gabriele noch funktionierte. Ich dachte daran, wie viele Seiten ich auf dieser kleinen Schreibmaschine in meinem Leben schon geschrieben hatte. Immer war sie verlässlich und überall einsetzbar ohne Strom, Akkus und Programme.

Zum 15. Geburtstag hatte ich diese Schreibmaschine bekommen, nachdem einige Geldgeschenke zur Konfirmation für den Kauf reichten. Ich sollte auf eine berufsvorbereitende Handelsschule. Ich hatte die Aufnahmeprüfung bestanden, und für die Schule brauchte ich eine Schreibmaschine. Dort wurden Wirtschafts-fächer unterrichtet, aber auch Stenografie und Maschinenschreiben gehörten dazu und waren sehr wichtig. Das Maschinenschreiben musste man im 10-Finger-Blind-System erlernen. Das Ziel war, möglichst fehlerfrei, ohne auf die Tasten zu schauen, viele Anschläge in der Minute zu erreichen. Fleißig sein, bescheiden sein, höflich sein und vor allem der Mutter keine Sorgen bereiten – das hatte ich frühzeitig begriffen. Als Lohn für meinen Fleiß in der Schule mussten meine Eltern kein Schulgeld bezahlen. Mit 17 Jahren machte ich eine Ausbildung zur Bürokauffrau in einem großen Wohnungsunternehmen in Kiel. Ich hatte mich schnell eingelebt. Es machte mir Spaß Neues zu lernen, mit vielen jungen Menschen und netten Kollegen zusammenzuarbeiten.

Das letzte halbe Jahr meiner Ausbildung hatte mich die Chefsekretärin unter ihren Fittichen. Sie hatte eine elektrische Kugelkopfmaschine, die gerade vor zwei Jahren von IBM als technische Neuheit auf den Markt gekommen war.

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Aus der Region

Dat Auto quietscht …

Beitrag: Tom Schmidt

Als ich nach knapp 18 Jahren aus dem quirligen Stadtteil Winterhude in Hamburg in das beschauliche Kirchwerder in den Vier- und Marschlanden gezogen bin, habe ich mir nicht allzu viel Gedanken gemacht, was auf mich zukommt. Die Landschaft mit ihren historischen Fachwerkhäusern gefiel mir, ein Spaziergang an der Elbe mit seinen tuckernden Transportschiffen war wie Urlaub, und im Gegensatz zur Geräuschkulisse der Großstadt hatte die Stille etwas Beruhigendes nach einem langen Arbeitstag. Mein Freundeskreis nannte das, freundlich ausgedrückt, einen Kulturschock. Letztendlich aber bin ich wie ein Chamäleon, das sich jeder Situation anpassen kann. Also ging ich vorbehaltlos den Umzug von der Stadt aufs Land an.

Als zugezogener Hamburger steht man in den Vier- und Marschlanden natürlich die ersten Monate unter Beobachtung. Ungeachtet der eher zurückhaltenden Art der einheimischen Bevölkerung Zugezogenen gegenüber war aber unterschwellig schnell festzustellen, ganz ohne Informationen über den Neuling ging es nun auch nicht: Alter, Beruf, Familienstand, letzter Wohnort und sonstige Nebensächlichkeiten musste man zwecks Einordnung der Person schon wissen.

Aufgrund meiner Frau, in Kirchwerder geboren und gut vernetzt, hatte ich glücklicherweise einen Bonus und wurde relativ schnell von den Menschen akzeptiert. Die einzuhaltenden Regeln waren relativ einfach und doch für einen Städter etwas vollkommen Neues. Man grüßte sich, unabhängig davon, ob sich die Personen kannten oder nicht. Das Wort „Moin“ gehört heute zum festen Bestandteil meines Wortschatzes. Aber auch sonst ist Kommunikation alles, ein kurzer Klönschnack mit den Menschen war Pflicht. Man war halt neugierig, erfuhr aber auch Interessantes aus der Nachbarschaft und Umgebung. Ebenfalls neu war die Hilfsbereitschaft untereinander. Egal, ob bei den Nachbarn ein Baum gefällt werden muss, mal wieder eine Kuh ausgebüxt ist oder jemand einen Fahrdienst braucht, man hilft sich. Für mich, aus der Anonymität der Großstadt kommend, ungewohnt und ein positiver Indikator für den Zusammenhalt untereinander, den ich heute nicht mehr missen möchte. 

Obwohl sich auch in Kirchwerder der Strukturwandel bemerkbar macht, gibt es immer noch Gemüse- und Blumenanbaubetriebe. Das bedeutet, viele Anwohner haben häufig eine 7 Tage-Woche und wenig Zeit. Unabhängig davon wird aber auch gern gefeiert, häufig auf dem Saal und meistens bis in die Morgenstunden. Schnell lernte ich, was für ein feines Getränk der Sommerkorn ist. Es ist ein Überlebensgetränk, zumal beim Tanzen häufig nach jedem 2. Tanz eine Trinkpause eingelegt wird, um zum Beispiel einen Kurzen zu sich zu nehmen. Danach wechselt man die Tanzpartner, so dass alle Gäste in den Genuss kommen, ausgiebig zu tanzen und sich kennenzulernen. Das überleben bis zum nächsten Morgen wenige, aber der Sommerkorn (Wasser im Korn Glas) hilft Anfängern wie mir, wie ein trinkfester Vierländer den Abend zu überstehen. Das ist eine Kurzbeschreibung meines Eintritts ins Landgebiet von Kirchwerder. Auch wenn ich kein Einheimischer bin, gefühlt gehöre ich heute dazu.  

Und die Anzahl an Anekdoten ist unendlich und betrifft alle Lebensbereiche. So wie auch die kommende, banale Geschichte. Häufig, wenn ich morgens gegen 7.00 Uhr zur Arbeit gefahren bin, traf ich meinen Nachbarn Otto draußen. Er begrüßte mich immer vor dem Haus mit den Worten: „Na, geiht dat Elend wedder los?“ Das war der Opener für einen kleinen Plausch, der jedes Mal mit den Worten endete: „Wat mutt, dat mutt.“ Wenn Otto morgens verhindert war und mich nicht begrüßte, fehlte mir tatsächlich etwas, es war nach kurzer Zeit ein lieb gewordenes Ritual. 

Der Zufall wollte es, dass ich nach einigen Wochen einen neuen Firmenwagen bekommen habe. Für mich nichts Besonderes, da ich aufgrund der Leasingverträge alle drei Jahre ein neues Auto bekam. Als ich morgens dann zur Arbeit fahren wollte, war Otto bereits im Garten am Arbeiten. Ich freute mich wieder auf seinen Standardsatz, der dieses Mal ausblieb. „Dat Auto quietscht“, sagte er, ohne eine Miene zu verziehen. „Der ist neu“, antwortet ich umgehend, „hat gerade erst 25 Kilometer gelaufen“. „Dat Auto quietscht. Frog mol Bettina, dien Frau hat dat bestimmt ok all heurt.“. „Alles klar, mach ich“, war meine Antwort und fuhr zu Arbeit. Als ich meine Frau abends auf die ominöse Bemerkung ansprach, lachte sie laut los und erzählte mir, dass man für ein neues Autos in der Nachbarschaft einen ausgeben muss, damit er zukünftig nicht quietscht. Wurde natürlich umgehend gemacht, und das Auto freute sich, dank Otto nicht mehr quietschen zu müssen. Das war vor gut 20 Jahren. Letzte Woche lud unser Nachbar, auch ein Zugezogener, ebenfalls zum Umtrunk ein, da ein neuer Wagen vor seiner Tür stand. Entsprechend trafen sich die Nachbarn, um auch hier ein mögliches Quietschen des Autos im Vorfeld zu verhindern. Auch wenn der eine oder andere jetzt berechtigt anmerkt, Auto und Alkohol, das geht ja wohl gar nicht, hat er natürlich recht. Hier geht es aber nicht um eine Probefahrt, wobei probesitzen darf man auf Wunsch schon. Fazit: Es war wieder einmal ein gelungener Anlass, mit den Nachbarn entspannt zu klönen und sich auszutauschen. Das neue Auto hingegen war schnell vergessen.

Warum schreibe ich jetzt diese banale Geschichte? Weil es hier im Landgebiet aufgrund der Tradition und der Hilfsbereitschaft untereinander viele Anlässe und Möglichkeiten gibt, soziale Kontakte zu knüpfen. Immer unter dem Aspekt, dass man es auch möchte und es keine Verpflichtung gibt, immer dabei sein zu müssen. Und das nicht nur durch vermeintlich quietschende Autos oder Trecker, sondern auch durch das ausgeprägte Engagement der Bevölkerung im Ehrenamt. Wie ich feststellen konnte, sind die Möglichkeiten und die Vielfalt unendlich, bieten Jugendlichen, Erwachsenen und besonders Rentnern je nach Interesse ungeahnte Möglichkeiten, sich in im Landgebiet oder Bergedorf zu engagieren und entsprechend ihren Neigungen aktiv mit Gleichgesinnten Projekte mitzugestalten.