Wissenswertes

Zeit für Riesenbeeren

Beitrag: Sabine Ziesmer

Das Laub hat seine grüne Farbe verloren und fällt langsam auf die Erde. In verschiedenen dunklen Gelbtönen, in Rot und Orange raschelt es unter unseren Füßen. Es ist Herbst. Der Regen prasselt gegen unsere Fensterscheiben, die Kinder sammeln Kastanien, es werden Erntefeste gefeiert, und wir freuen uns über die Farbvielfalt der Natur.

Ein Hauptakteur des Herbstes scheint seit einigen Jahren der Kürbis geworden zu sein. Auf vielen Wagen des schönen Vierländer Festumzugs zum Erntedankfest waren auch unterschiedlichste Kürbisse zu sehen. Der Kürbis hat sich seit einigen Jahren einen Stammplatz in den Herzen der Menschen erobert. Ursprünglich stammt er aus Süd- und Mittelamerika und wird dort seit über 12000 Jahren angebaut. Damit ist er das älteste landwirtschaftliche Produkt überhaupt. Nach Europa schaffte es der Kürbis erst im 15. Jahrhundert zusammen mit der Kartoffel und allem was nicht auf der langen Schiffsreise einging oder verfaulte.

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Freizeit & Reise

Mit dem Katamaran nach Helgoland

Beitrag: Boike Jacobs

Ein Glück, dass wir nicht mit „Detlef“ gefahren sind, mit dem Sturmtief, das kürzlich Fähren lahm legte und auch den Katamaran „Halunder Jet“ der Helgoline im Hamburger Hafen festhielt. Ein Glück, dass meine Tochter und ich uns schon vier Wochen zuvor auf den Weg nach Helgoland gemacht hatten – bei mäßigem Wetter, aber ohne Böen und Regengüsse. Beide waren wir noch nie mit einem Katamaran gefahren, beide hatten wir noch nie die Insel Helgoland besucht. Doch nun legten wir von den Landungsbrücken ab, und ein kleines Abenteuer begann.

Bei der Fahrt auf grauem Wasser unter grauem Himmel hätten wir wohl schnell die Orientierung verloren, aber große Bildschirme zeigten unseren jeweiligen Standort an, und aus den Lautsprechern gab es dazu Erklärungen. Hahnöfer Sand war mir bekannt, aber mir war nicht klar, dass es in der Elbmündung so viele Sände gibt, darunter Neßsand, Schweinesand, Hanskalbsand und Mühlenberger Loch. 1000 Kilometer bis Cuxhaven, und dann waren wir auf offener See.

Als schließlich Helgoland in Sicht kam, gab es auch enttäuschte Stimmen: „Wo sind denn die roten Felsen?“ Die sind natürlich zum Anlegen nicht geeignet, aber schon von fern waren die bunten Hummerbuden zu erkennen, die den Hafen säumen.

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Damals war's, Veranstaltungen

Mein Wirtschaftswunder

Beitrag: Sabine Ziesmer

Foto: Sabine Ziesmer

Ich gehe sehr gerne zu Vorträgen, die im KörberHaus angeboten werden. Sie finden immer in einer entspannten Atmosphäre mit vielen interessierten Zuhörern und Zuhörerinnen statt. Einige Themen beschäftigen mich häufig schon im Vorwege. So verhielt es sich auch mit der neuen ARTE-Dokumentation „Geraubtes Wirtschaftswunder“. Es sollten zahlreiche Mythen und Legenden rund um das deutsche Wirtschaftswunder entzaubert werden. Was weiß ich noch über die „Stunde Null“? Hat Ludwig Erhard die D-Mark und die Soziale Marktwirtschaft erfunden? Wie verhielt es sich mit Raub und Unrecht in der NS-Zeit?

Ja, ich werde mein Wissen mit Hilfe der Dokumentation noch einmal überprüfen. Den Zeitraum zwischen 1948 und 1973 kann ich noch zuordnen, alles andere basiert auf Erzählungen in der Kindheit, der eigenen Familie und der gesellschaftlichen Bubble, in der wir aufwuchsen.

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Aus der Region

Hamburger Schafe

Beitrag: Sabine Ziesmer

Wer seinem trubeligen Alltag einmal entfliehen möchte, dem empfehle ich einen kleinen Ausflug in die Vier- und Marschlande. Von April bis September stehen entlang der Deiche viele Schafe. Es ist ein unbeschreiblich friedliches Bild, das sich dem Betrachter bietet. Unsere Region, eindeutig Hamburger Stadtgebiet, ist nicht nur für Blumen und Gemüse berühmt, sondern auch für seine Schafe. Sie verrichten Tag für Tag ein strammes Arbeitspensum entlang des Deiches zwischen Tatenberg und Altengamme. Auf fast 30 Kilometern dienen sie unablässig und in unnachahmlicher Gleichmut der Deichsicherheit. Das ist so bedeutend, weil viele Gehöfte, Betriebe und Wohnhäuser direkt hinter dem Deich angesiedelt sind.

Was nun haben die Schafe mit Deichschutz zu tun? Dazu muss man wissen, dass die Deiche auf ihrer landwärts gerichteten Seite sowie der Deichkrone mit einer Grasnarbe versehen sind. Hier kommen die Schafe zum Einsatz, die das Gras sehr tief abrupfen und somit für einen dichten Grasbewuchs und Stabilität sorgen. Der „Trippelschritt“ der Schafe sorgt zusätzlich für Festigkeit. So eine Herde kann schon mal mit einer 3000 Kilogramm schweren Walze konkurrieren.

Von meinem Fenster aus kann ich zusehen, wie die Schäfer ihre Tiere Stück für Stück weitertreiben. Zuerst werden die Zäune versetzt, die Wasserstelle wird eingerichtet, und dann kommen Hund und Schafzüchter, um die Herde voranzutreiben. Nur dann reagieren die Tiere etwas hektisch, die ansonsten durch kaum etwas aus der Ruhe zu bringen sind. Manchmal stehen sie auch so, dass ein Überqueren der Straße unumgänglich ist. Geradezu generalstabsmäßig geht der Seitenwechsel vonstatten.

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Geschichten und Gedichte

Malwettbewerb

Beitrag: Edith Kalisch

Es ist nicht wichtig, ob man gut malen oder zeichnen kann. Wichtig ist nur der Spaß an der Sache.

Ja, Spaß haben wir, Janosch und ich. Wir haben es uns angewöhnt, neben vielen anderen Spielen einen Malwettbewerb zu veranstalten. Jedes Mal, wenn wir uns treffen. Und das ist nicht gerade selten.

Janosch malt für sein Leben gern. Viele Erlebnisse werden „auf Papier“ nachgearbeitet. Die Bilder kleben dann an Kacheln in der Küche und bei mir im Flur am Einbauschrank. Für alle gut sichtbar. Der Platz wird geringer. Wir müssen uns etwas einfallen lassen. Die Freude am Malen bleibt.

Auch jetzt wird Papier, werden Buntstifte auf dem Tisch verteilt. Es ist also wieder so weit. Das Thema oder „die Kategorie“ (wie Janosch sagt) wird ausgehandelt. Während er das Weltall bevorzugt oder die Unterwasserwelt, Dinos, Schiffe auf der Elbe, liegen diese Themen mir nicht so. Vor allem, weil wir die … na ja, hatten wir schon. So habe ich eine Chance, meinen Vorschlag einzubringen. Janosch ist immer begeistert. Kommentiert ihn mit „Gute Idee!“ Bin ich froh. Heute: Albrecht Dürers Eichhörnchen. Das sind Janoschs Lieblingstiere. Konnte ja nichts schiefgehen.

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Aus der Region

Eine lebenslange Liebe

Beitrag: Sabine Ziesmer

Ich wuchs in den 60er Jahren im Schanzenviertel auf. Bäume am Straßenrand gab es nicht, Ausflüge ins Grüne auch nur selten. Ein Ausflug führte uns in das Alte Land. Ich stand auf dem Deich und bestaunte die Elbe zu meinen Füßen. So kannte ich den Fluss, meinen Fluss, den ich tief im Herzen trage, noch nicht. Schöne alte Häuser schmiegten sich an den Deich, Schafe fraßen gleichmütig das Gras kurz, und es war so unendlich still.

Mit meinem Vater stand ich oft an den Landungsbrücken, von wo aus er und Hunderte andere Hafenarbeiter mit Barkassen zu den Schuppen gebracht wurden. Dort verteilten die Kaiarbeiter die Güter mit Hilfe von Kränen und einfachen Sackkarren vom Schuppen an den Kai oder umgekehrt. Mein Vater war ein Schauermann, wie diese Hafenarbeiter genannt wurden, deren Aufgabe im Be- und Entladen von Frachtschiffen bestand. Er war stolz auf sich und seine Arbeit.

An den Landungsbrücken war immer ein unüberschaubares Gewusel. Die Schornsteine der Schiffe entließen ihre giftige Last auf den ganzen Hafen. Es wurde manchmal nicht richtig hell. Arbeiter kamen zurück, andere begannen ihr Tagwerk – und das rund um die Uhr. Der größte Seehafen Deutschlands kam nie zur Ruhe.

Dass der Wandel vom Stückgut zum Container so kurz bevorstand, wussten wir zwei glücklichen Betrachter der Geschäftigkeit Mitte der 60er Jahre noch nicht. Mein Vater sollte das nicht mehr erleben. Sein Tod fiel mit der Aufstellung der ersten Containerbrücke am Burchardtkai 1968 zusammen.

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Wissenswertes

„Menschenähnliche Denkprozesse“

Beitrag: Boike Jacobs

„Hier ist ein Vorschlag für einen begleitenden Ausstellungstext bzw. ein Künstlerstatement, wie es in einer Galerie neben dem Bild präsentiert werden könnte: „Zwischenwelten“ 2025, Aquarell auf Papier Format: [Größe einfügen, z. B. „30 × 40 cm“] Künstlerstatement: „Zwischenwelten“ ist eine Einladung zum Innehalten – ein Moment, in dem sich Form und Bedeutung auflösen und Platz machen für das Ungewisse. Dieses Werk entstand aus dem Wunsch, das Ungeplante zuzulassen und den Farben den Raum zu geben, ihre eigene Geschichte zu erzählen. Die Aquarelltechnik ermöglicht dabei ein kontrolliertes Loslassen: Farben verlaufen, vermischen sich, stoßen aneinander – so wie Gedanken und Emotionen, die manchmal nur für einen Augenblick greifbar sind. Die Komposition lebt vom Spannungsverhältnis zwischen Bewegung und Stillstand, zwischen Licht und Schatten. Silhouetten tauchen auf, verschwinden wieder – wie Fragmente eines Traums. Ich sehe in diesem Bild keine feste Aussage, sondern eine offene Tür. Es lädt dazu ein, die eigene Interpretation zu finden – intuitiv, subjektiv, frei von Vorgaben. – [Dein Künstlername].“

Habe ich diesen Text verfasst? Um Gottes Willen! Ich habe dies Bild bei facebook veröffentlicht, und kurz darauf kam die Nachricht eines guten Bekannten: „Habe gerade Dein Aquarell gesehen & mal ChatGPT damit gefüttert, & siehe da, auch einen Namen hat es dem Bild gegeben.“

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Wissenswertes

Mit 70 noch über den Boden krabbeln?

Beitrag: Boike Jacobs

Noch nie habe ich bei facebook auf einen einfachen Kommentar so viele Antworten bekommen – alle negativ. Worum geht es dabei? Nun, Wirtschaftsministerin Katharina Reiche hat mit folgender Ankündigung für Wirbel gesorgt: „Der demographische Wandel und die weiter steigende Lebenserwartung machen es unumgänglich: Die Lebensarbeitszeit muss steigen.“ Es könne auf Dauer nicht gut gehen, nur zwei Drittel des Erwachsenenlebens zu arbeiten und ein Drittel in der Rente zu verbringen. „Bist Du bereit, für die deutsche Wirtschaft mehr und länger zu arbeiten?“, lautete daraufhin die Frage an die facebook community. Meine spontane Antwort: „Ja. Ich arbeite gerne, und wirtschaftlich können wir uns die von der SPD geforderte Rente ab 63 nicht leisten. Ich denke, ich stehe mit dieser Haltung nicht allein.“ Aber da hatte ich mich gründlich vertan. „Was arbeitest Du denn, Dachdecker?“, lautet die erste ironische Frage an mich. Und der Nächste legt nach: „Ich vermute, Sie sind mit 55 in Pension gegangen. Ich arbeite, seit ich 16 bin, im Drei-Schichten-System. Ich sehe mit meinen 55 Jahren und 39 Jahren Berufszeit nicht mehr so frisch aus wie Sie.“ Das war in diesem Fall gewiss nicht als Kompliment gemeint.

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Aus der Region

Blumen, die nicht welken

Beitrag: Boike Jacobs

Ach, meine Blumen auf der Terrasse! Sie haben den Wetterwechsel noch schlechter überstanden als ich. In den heißen Tagen waren sie um die Mittagszeit schutzlos der Sonne ausgeliefert, und auch vor den heftigen Regengüssen konnte ich nur einige bewahren. Habe ich sie in diesen Tagen zu viel oder zu wenig gegossen, oder haben sie den organischen Dünger nicht vertragen, mit dem ich ihnen Gutes tun wollte? Jedenfalls hat die Clematis sich ihrer Blütenpracht entledigt, ebenso die kleine Waldrebe. Und sogar der große irische Mohn steht mit einem Mal kahl da, rote, gelbe und weiße Blütenblätter liegen rund um seinen Topf. Dabei hatte ich mich so an meinen Pflanzen gefreut – wird das in diesem Jahr ganz vorbei sein? Da fallen mir mit einem Mal die Blumen ein, die ich in diesem Sommer gemalt habe.

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Aus der Region

Nackte Verzweiflung

Beitrag: Boike Jacobs

Trauer ist weiblich, und Trauer ist erotisch. Den Eindruck kann man jedenfalls bekommen, wenn man über ältere Friedhöfe geht. Von Barcelona bis Göteborg und von London bis Warschau, ganz besonders in Mailand und Genua, aber ebenso in Budapest, Wien, Paris oder Zürich. Und selbst der Ohlsdorfer Friedhof macht da keine Ausnahme. Auch hier findet man eine große Zahl von schönen Grabmal-Plastiken, in der überwiegenden Mehrzahl Frauen, einige von ihnen noch kindlich, andere reifer, die meisten in voller Blüte. Aber gemeinsam ist ihnen allen, dass sie lasziv, ja, unverhohlen sinnlich auf Grabsteinen liegen, sich an sie lehnen oder sich über sie werfen. Und zumeist fanden dort Männer ihre ewige Ruhe.

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