Geschichten und Gedichte

Kinderwelten – „Wird schon“

Beitrag: Edith Kalisch

Wer mit Kindern geht, die noch nicht die Schule besuchen, braucht Zeit. Zeit, um anzukommen, wenn ein Ziel gesetzt ist. In diesem Falle: ein Spielplatz. Ach, Zeit haben wir, mein Enkel Janosch und ich. Er kennt den Weg genau. Erst einmal wird auf der Mauer balanciert, dann geschaut, ob die Schnecke von gestern noch an ihrem Platz sitzt. Natürlich nicht, sie will ja auch weiter. Dafür müssen wir eine Spinne betrachten. Sie wartet auf Nahrhaftes. Ob ihr wohl der Magen knurrt? Nach so vielem Netze weben? Wir wissen es nicht. Wir nehmen nun nicht den vorgegebenen Weg, sondern streifen über die Wiese. Hier steht noch ein alter Apfelbaum. Ein sehr alter. Wir überlegen. Es gab hier also mal einen Garten. Scheint lange her zu sein. Endlich erreichen wir unser Ziel. Noch nicht ganz. Plötzlich rennt Janosch voraus, wieder zurück. Ist aufgeregt. Ist empört. “Siehst du dahinten den Wendehammer, Oma?“ „Ja und, was ist mit dem?“ Ich gucke verständnislos. „Und Oma, siehst du irgendwo ein Sackgassenschild?“ Ich verneine es. Das muss gemeldet werden. Unbedingt. Na gut, aber erstmal zum Spielplatz.

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Geschichten und Gedichte

Septembermorgen

Beitrag: Thorsten Werner

Im Nebel ruhet noch die Welt, Noch träumen Wald und Wiesen: Bald siehst du, wenn der Schleier fällt, Den blauen Himmel unverstellt, Herbstkräftig die gedämpfte Welt In warmem Golde fließen.

Eduard Mörike

Indian Summer
Foto: Pixabay
Geschichten und Gedichte

Sicherer Indikator für das Altsein

Von wegen, man ist so alt wie man sich fühlt

Beitrag: Elisabeth Hartmann

Woran merkt man eigentlich, dass man alt wird oder ist? An fehlenden Zähnen, grauen Haaren, knackenden Hüften oder knirschendem Knie? Zu- oder Abnahme von Hobbys? Dass man sich häufiger langweilt, weil man alles schon weiß? Dass man freiwillig früher ins Bett geht und eher aufsteht? Oder sich ein E-Fahrrad kauft?

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Geschichten und Gedichte

Wie ich im Ruhestand doch Ruhe fand

Beitrag: Sabine Ziesmer

Twenty-four-seven beschreibt es schnörkellos und sachlich: Rund um die Uhr, 24 Stunden an 7 Tagen, sollte man erreichbar und einsatzbereit sein. Man beschreibt damit die Rolle des arbeitenden Menschen in einer digitalen Welt.

Ich bin 67 Jahre alt und seit nunmehr 18 Monaten im Ruhestand. Wenn ich früher nicht erreichbar sein wollte, musste ich nur nicht ans Telefon gehen und die Türklingel einfach Türklingel sein lassen. Wir waren halt analog unterwegs. Das ist allerdings sehr kurz gedacht. Ich habe Schule und Studium zumindest mitfinanzieren müssen, als Arbeiterkind waren die Spielräume eng. Rund um die Uhr kreisten die Gedanken um den Job und die Ausbildung. 24 Stunden an 7 Tagen erlebte ich Anstrengung und Existenzangst. Die ersten Berufsjahre überschnitten sich mit der Erziehung meiner Tochter und der Entscheidung, als alleinerziehende Mutter für alles zuständig sein zu wollen und zu müssen. Wieder twenty-four-seven und wieder unfreiwillig. Irgendwann beginnt man eine Abhängigkeit von dieser allgegenwärtigen Belastung zu entwickeln. Wenn ich nicht völlig erschöpft in meine Kissen sank, erklärte ich meinen Tag für unausgefüllt. Die Grenze der Belastbarkeit wird immer weiter nach oben verschoben. Das galt früher und gilt auch heute. Natürlich wurde das Arbeitsaufkommen für mich im Laufe der Zeit weniger und die Ruhephase länger, aber so ganz ohne Struktur und Stress wollte ich auch nicht sein und ich verstand es gut, mich und mein Leben in Bewegung zu halten.

Begeisterung für das Ehrenamt. Bildgestaltung: HGZstudioDE

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Geschichten und Gedichte

Aufrunden bitte

Beitrag: Thorsten Werner

Ich musste nur noch den Einkauf bezahlen, als mich die Kassiererin freundlich ansprach: „Wollen Sie für den Guten Zweck aufrunden?“ „Natürlich, Kleinvieh macht ja auch Mist. Wenn viele mitmachen, bringt es viel.“ „Ja, wenn…“ antwortete die freundliche Frau leise. Da keine Schlange hinter mir war, kamen wir ins Gespräch. „Krieg und Klima sind sehr wichtig für die Menschen“ sagte ich etwas lauter und merkte wie sich eine kleine Schlange überwiegend gut gekleidete Senior*innen hinter mir bildete. „Ja, unbedingt“, „Natürlich“, „Man muss an die Zukunft denken“ hörte ich die Menschen hinter mir sagen. Inzwischen standen zahlreiche Kund*innen um mich herum und kaum jemand an der Nebenkasse. „Aber wer kümmert sich um die Obdachlosen und Armen?“ fragte ich. Die Kassiererin deutete mit dem Finger hinter mich. Die Leute standen plötzlich alle an der Nebenkasse.

„Niemand“ sagte die Kassiererin schließlich.

Geschichten und Gedichte

Kein Karneval im Norden

Beitrag: Boike Jacobs

Marc Chagall: Karneval

O wär im Februar doch auch,
Wie`s ander Orten ist der Brauch
Bei uns die Narrheit zünftig!
Denn wer, so lang das Jahr sich misst,
Nicht einmal herzlich närrisch ist,
Wie wäre der zu andrer Frist
Wohl jemals ganz vernünftig.

Theodor Storm

Geschichten und Gedichte

Logisch …

Beitrag: Edith Kalisch

Wir besuchen Janoschs Opa. Auf dem Land. Ein kleines Dorf. Viel Fachwerk. Und es gibt auch einen Wald.

Wir müssen also an die frische Luft. Immer. Das ist das Prinzip meiner Tochter. Einmal am Tag, das Wetter mag sein, wie es will.

Immer auf der Suche. Foto: Edith Kalisch

Ein Wald, vor allem dieser, weil er sich wie ein Urwald präsentiert. Wir erkunden ihn. Stolpern über Äste, pieksen uns an Brombeersträuchern, treten in Mäuselöcher.  Wege sind nicht zu finden. Spannend, spannend. Janosch sammelt unentwegt Blätter, kleine Zweige, winzige Federn. Überreicht alles uns. Wir müssen tragen. Argumente dagegen gelten nicht. Zur Not haben wir ja Taschen in unseren Anoraks. Er muss weitersuchen und hat deshalb keine Hand frei.

Nun entdecken wir kleine Mulden, die mit grauen fluschigen Haaren (?) ausgepolstert sind. Nanu? Interessant.

Anna fragt ihn: “Wer meinst du, hat hier wohl geschlafen?“

Kurzes Überlegen:  „OMA!“

Geschichten und Gedichte

Oma, beruhig‘ dich

Veröffentlichung: Jürgen Sakuth

Text: Claudia Hafemann

Max (Name geändert) ist mal wieder bei uns. Die Ferienbetreuung in der Schule ist heute nicht ganz nach seinem Geschmack. Da geht er doch lieber zu den Großeltern.

Seine neues BMX-Rad und ein Basketball kommen mit. Das Programm steht also fest.

Photo by Darcy Lawrey on Pexels.com

Aber zuerst spielen wir ein altes Spiel aus der Kindheit seiner Mutter: „Schweinerei.“ Man würfelt 2 Mini-Plastikschweine. Je nachdem, worauf sie zum Stehen kommen, Füße, Backe, Rücken, gibt es Punkte. Max findet es voll cool. Aber nach kurzer Zeit findet er sie doch zu klebrig. „Die sind schon ein bisschen alt, oder?“

Wir gehen lieber auf den nahegelegenen Basketball-Platz. Max natürlich mit seinem neuen BMX-Rad. Auf meinen ängstlichen Hinweis, dass es auf dem Weg viele Auto-Ausfahrten gibt, höre ich nur: „Oma, beruhig‘ dich!“

Das neue Fahrrad muss bei Ankunft mit Opas absolut sicheren Fahrradschloss angeschlossen werden, auch wenn wir uns in 5 Meter Sichtweite aufhalten.

Max wirft jetzt immer wieder Bälle auf den Basketball-Korb. Nie ohne einen Seitenblick, ob Oma auch guckt.

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Ein Licht im Dunkeln

Beitrag: Thorsten Werner

Mich beschäftigt der Krieg im Nahen Osten und dessen Folgen. Wenn mich etwas bewegt, verarbeite ich es oft künstlerisch.

Meine Großmutter sagte immer:
„Wenn Du denkst es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her.“
Dieses wünsche ich Allen.

Bild: Thorsten Werner (KI generiert)

Wie ist es mit Ihnen liebe Leser/innen?
Wie verarbeiten Sie Ihre Gedanken?
Schreiben Sie uns gerne einen Kommentar.

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Ein anderer Tatort

Text und Fotos: Edith Kalisch

Es ist weder Sonntag (oder Zufall).  Nicht abends (oder Zufall). Auf gar keinem Fall Couch, Sessel und gemütliches Zurücklehnen. Und – ganz  wichtig – das Fernsehgerät hat Pause.

Aber trotzdem Krimi!

Krimidinner gibt es schon seit langem. Nun auch bei uns. Es ist ganz einfach. Es gibt in Buchhandlungen oder Spielwarengeschäften entsprechende Vorlagen. Wir haben uns für ein mörderisches Klassentreffen entschieden. Wir sind ja schon ein paar Jährchen älter, haben so einiges erlebt. Berichten davon. Versuchen bei den früheren Mitschülerinnen und Mitschülern ein bisschen anzugeben. Also ganz wie im richtigen Leben.

Es gilt natürlich etwas vorzubereiten.

Wir hocken zusammen. Wir zwei. Erst einmal stellt sich die Frage: Wer hat Lust mitzumachen? Zum Glück kennen wir so einige Leutchen, die wir überzeugen müssen. Unbedingt. Wir sind uns sicher.

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