Aus der Region

Rätselhafte Wahlplakate

Beitrag: Boike Jacobs

Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht. Nein, anders: Man sieht die Bäume vor lauter Wahlplakaten nicht, wenn man z.B. den Serrahn hinunter bummelt. Hat man eines nach dem anderen betrachtet, weiß man genau, wo man am 23. Februar und am 2. März seine Kreuzchen hinsetzen wird. Oder etwa nicht?

„Auf Hamburg sein Nacken“ lese ich irritiert. Ein Rechtschreibfehler? Ein Scherz? Auch die Bilder geben keine Auskunft auf diese Frage: Ein Kinderfoto, die Gesichter mit Herzchen verdeckt, ein Arm in gestreiftem Pullover. Abschlussarbeit Kunst in Klasse 4, würde ich sagen. Aber nein, auf diese Weise wirbt die Linke, deren Kandidat ein T-Shirt trägt mit der Aufschrift „Tax the Rich“. Aha.

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Aus der Region, Freizeit & Reise

Mensch und Baum

Beitrag: Sabine Ziesmer

Skulpturen am Elbufer…

Bäume haben ähnlich mannigfaltige Erscheinungen wie wir Menschen. Einige sind von beeindruckender Statur, hochgewachsen und majestätisch. Im Hirschpark an der Elbchaussee findet man einige dieser Bäume, die noch heute von ihrer langen Reise aus fernen Ländern und ihrem harten Leben fern der Heimat erzählen – wenn man ihnen zuhören möchte. Andere sind klein und unscheinbar, kämpfen um ihr Überleben und um ihre Sichtbarkeit. Es sind oft die Straßenbäume, die uns etwas Schatten und Freude spenden, aber nur zu oft vergessen werden und immer weichen müssen, wenn die Stadtplanung es so entscheidet. Aber fast alle Bäume haben ihre Liebhaber.

Ich wandere täglich durch die Elbauen in den Vier- und Marschlanden. Wie ein Urwald säumen makaberen Skulpturen das Elbufer. Diese Bäume sind Überlebenskünstler. Sie stehen oft tief im Elbwasser und recken ihre Äste hoch in den Himmel, oder sie scheinen über den Elbsand zu kriechen als suchten sie stets neuen Halt. Bei Ebbe krallen sich die freien Wurzeln in den Sand, um so dem Wind widerstehen zu können. Eine Illusion, weil jede Flut ihren Halt fortgespült. Ich begrüße die Bäume täglich wie alte Freunde. Ich streiche mit der Hand über die raue Rinde, steige über ein Labyrinth aus freiliegenden verholzten Wurzeln und genieße den herben Duft von Holz und Brackwasser. Während der blattlosen Zeit der Stürme und des Hochwassers bietet sich mir immer wieder ein neues Bild. Die große Gruppe der geraden, schlanken Bäume trauert um die Freunde, die nun zersplittert zu ihren Füßen liegen. Jeder Baum erzählt seine eigene Geschichte. Ihr ungewöhnlicher Wuchs berichtet vom unermüdlichen Ringen gegen Sturm und Elbwasser. Kein Baum gleicht dem anderen. Wenn man diesen Urwald durchschreitet, fühlt man sich nicht mehr allein. Die Bäume machen mir Mut, mich den Herausforderungen zu stellen, meine Wurzeln tief einzugraben, oder neue zu schlagen im unbekannten Untergrund. Nur aufgeben ist keine Option. 

Fotos: Sabine Ziesmer

Aus der Region, Wissenswertes

Plattdeutsch – Mehr als nur ein Dialekt!

Beitrag: Thorsten Werner

Warum wir unsere Wurzeln nicht vergessen sollten

Haben Sie schon mal gehört, wie sich ein echter Norddeutscher über sein Wetter beschwert oder wie ein Ostfriese einen guten Tee beschreibt? Dann haben Sie wahrscheinlich schon Plattdeutsch, oder Niederdeutsch, wie es offiziell heißt, gehört. Diese Sprache, die oft als „Dialekt“ abgetan wird, ist viel mehr als das. Sie ist ein Stück unserer Kultur, ein Teil unserer Identität und ein Schatz, den es zu bewahren gilt.

Plattdeutsch – eine Sprache mit Geschichte

Niederdeutsch ist keine bloße Abwandlung des Hochdeutschen, sondern eine eigenständige westgermanische Sprache. Sie hat eine lange Geschichte und war einst die Sprache der Hanse, die einen bedeutenden Einfluss auf den Handel und die Kultur in Norddeutschland hatte. Plattdeutsch hat sich über Jahrhunderte entwickelt und ist in zahlreiche Dialekte aufgeteilt, die sich oft von Dorf zu Dorf unterscheiden.

Warum ist Plattdeutsch so wichtig?

  • Kultur und Identität: Plattdeutsch ist ein wichtiger Bestandteil der norddeutschen Kultur. Sprichwörter, Lieder und Geschichten, die von Generation zu Generation weitergegeben werden, sind oft in Plattdeutsch verfasst. Die Sprache verbindet uns mit unseren Vorfahren und gibt uns ein Gefühl von Zugehörigkeit.
  • Sprachliche Vielfalt: Jede Sprache ist ein Schatz an Wissen und Erfahrung. Plattdeutsch trägt dazu bei, die sprachliche Vielfalt in Deutschland zu erhalten und zu fördern.
  • Tourismus: Plattdeutsch ist auch für den Tourismus interessant. Viele Besucher sind neugierig auf diese alte Sprache und möchten mehr darüber erfahren.
  • Bildung: Plattdeutsch zu lernen fördert das Sprachbewusstsein und die Fähigkeit, andere Sprachen zu lernen.

Plattdeutsch für die Zukunft

Plattdeutsch ist zwar eine alte Sprache, aber sie hat auch eine Zukunft. Immer mehr Menschen entdecken die Schönheit und den Wert dieser Sprache. Es liegt an uns allen, Plattdeutsch zu fördern und weiterzugeben, damit es auch für kommende Generationen erhalten bleibt.

Also, worauf warten sie noch? Wagen Sie den Sprung ins Plattdeutsche und entdecken Sie eine neue Welt voller Geschichten, Humor und Kultur!

Aus der Region, Wissenswertes

Die Lachmöwe braucht unsere Hilfe

Beitrag: Thorsten Werner

Lachmöwe
Foto: Pixabay

Ja, Sie haben richtig gelesen. Die Lachmöwe, unser quirliger Küsten- und Binnengewässerbewohner, ist zum Seevogel des Jahres 2025 gekürt worden. Aber warum eigentlich eine Möwe? Sind die nicht einfach nur laut und dreckig? Nun, da liegen sie ganz schön daneben! Die Lachmöwe ist viel mehr als nur ein Vogel, der uns gerne mal die Pommes stibitzt.

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Aus der Region, Wissenswertes

Hammer-Hü! Was ist das denn?

Beitrag: Sabine Ziesmer

Der meistgelesene Beitrag des Jahres 2024.

Rechtzeitig vor dem Aschermittwoch beginnt man in den Vier- und Marschlanden, Vorbereitungen zum Hammer-Hü-Laufen zu treffen. Es werden Vorräte an Süßigkeiten angelegt, und ein Brett oder eine Kiste wird schon mal griffbereit in die Nähe der Haustür gerückt. Trifft man Anfang Februar auf neue Nachbarn, sollte man sie unbedingt in die Geheimnisse des Brauchtums einweihen. So kann man Enttäuschungen rechtzeitig vorbeugen. Hammer-Hü-Laufen, erfährt man immer häufiger, nie gehört – was ist das denn?

Es handelt sich dabei um einen Fastnachtsbrauch in den Vier- und Marschlanden, der in Kirchwerder und Ochsenwerder gegangen wird. Am Faschingsdienstag beginnen nach der Schule die Kinder östlich des Kirchwerder Landwegs, Aschermittwoch folgt Kirchwerder westlich des Landwegs, und am Donnerstagvormittag, da fällt die Schule aus, endet der Spaß mit Ochsenwerder.

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Aus der Region

Nachts am Baumwall

Beitrag: Jürgen Sakuth

Eigentlich bin ich kein Nachtmensch. Mich faszinieren aber immer wieder nächtliche Stadtsilhouetten. Und in der dunklen Jahreszeit muss man dafür gar nicht so lange aufbleiben oder nach New York fliegen.

Text und Fotos: Jürgen Sakuth

Aus der Region, Festliches, Veranstaltungen

Happy Birthday, KörberHaus

Beitrag: Sabine Ziesmer

Seit zwei Jahren bereicherst du nun schon unser Bergedorf. Du schaffst eine besonders einladende Umgebung für die schöne Bücherei, setzt auf deiner Theaterbühne viele unterschiedliche Stücke in Szene, bietest Möglichkeiten für uns Bergedorfer*innen, mitzumachen und mitzugestalten.  Du bist ein wunderbarer Ort der Begegnung für alle Generationen und Kulturen, auch in dem schönen Café im Erdgeschoss. Du beheimatest Kinder und Jugendliche aus verschiedensten Nationen und ermöglichst ihnen in heimeliger Atmosphäre miteinander zu lernen. Brauchen die Ehrenamtlichen einen Raum, um ihre Projekte umzusetzen, öffnest du ihnen deine Türen. Danke dafür. Ich wünsche dir, dass du wächst und gedeihst, um uns weiterhin ein Ort der gegenseitigen Unterstützung, der Toleranz und der Vielfalt zu sein.

Der zweite Geburtstag des KörberHauses fällt nun genau in die Weihnachtszeit. Man muss das besondere Haus wohl als Weihnachtsgeschenk betrachten. Diesen Eindruck konnte man gewinnen, als weihnachtliche Klänge im Foyer zu gemeinschaftlichem Adventssingen einluden. Hier scheint alles mit Blick auf das Zusammenführen von Menschen ausgerichtet zu sein. Ältere Besucher und Besucherinnen standen mit Liedertexten auf den offenen Etagen, junge Mütter tanzten mit ihren Kindern zur Weihnachtsmusik und der Christbaum funkelte mit den Augen der Kinder um die Wette. Neben der Information warteten Kinderstiefel auf den Nikolaus, der sie sicher füllen würde.

Auf allen Etagen wurden Bastelarbeiten angeboten und man konnte noch ein originelles Geschenk für seine Lieben entdecken. In einem Raum der ersten Etage, etwas versteckt, aber doch von so vielen gefunden, fand die Kleidertauschparty statt. Das Motto: Nachhaltigkeit steht dir finde ich wunderbar. Die vielen Tauschenden wohl auch. Weihnachtliche Klänge und freundliche Beratung: „Das Kleid steht Ihnen ganz ausgezeichnet“, sorgte für viel Begeisterung bei allen Interessierten. Der Kleidertausch wird ebenfalls von Ehrenamtlichen organisiert. Kleidung, die nicht in das Tauschkarussell gelangt, wird am Ende des Tages gespendet. So findet jedes Stück einen neuen Platz.

Ich bin noch neu in der Körber-Gemeinschaft. Als ich zum Winterfest der Ehrenamtlichen eingeladen wurde, war ich sehr gespannt. Auch hier wurde nichts dem Zufall überlassen. Die Begrüßung, die schöne Tischdekoration, das Büfett mit den wunderbaren Küchlein und der schmackhaften Pasta bot für alle etwas. Man kam ins Gespräch und lernte einander kennen. Aus dem Augenwinkel nahm ich einen himmelblauen Holzkasten wahr, der mich an eine Wahlkabine erinnerte. Damit lag ich gar nicht mal so falsch. Ich nahm dieses Objekt vorsichtig in Augenschein, las die Aufschrift Kompliment-O-MAT und durch ein kleines Blickfeld strahlten mich zwei Augenpaare an. Man bat mich, davor Platz zu nehmen.

Nun war meine Neugier geweckt. Die beiden Frauen hinter der Kabine befragten mich nach meinen Interessen und Gewohnheiten, fragten interessiert nach und reichten mir nach einigen Minuten nicht nur ein wirklich treffendes Portrait, sondern auch ein sehr schönes Kompliment. Ganz analog schafften es die beiden Frauen, mich glücklich und gerührt zu stimmen. Ich hatte die Wahl, mich auf das Experiment einzulassen, ich habe mich dafür entschieden und ließ mich für einen kurzen Moment verzaubern. Kompliment an die Erfinderinnen des Kompliment-O-MAT.

Manchmal sagt man mir nach, ich verwende viele Adjektive und beschreibe blumig Umgebungen und Ereignisse. Das mag vielleicht so sein. Wenn ich über das KörberHaus schreibe, drängeln sich die Adjektive vor meine Tastatur. Was ich in der Adventzeit, aber nicht nur da, im KörberHaus erleben dürfte, war in jeder Hinsicht wunderbar, beeindruckend, bunt und zauberhaft.

Einen guten Start in das dritte Jahr deines Bestehens, KörberHaus.

Fotos: Sabine Ziesmer

Aus der Region, Veranstaltungen

Vorlesetag im KörberHaus

Beitrag: Jürgen Sakuth

Vorleserinnen in Aktion

Der einsame kleine Elefant Winzig hätte sich sicher gefreut, dass so viele Kinder gekommen waren.

Zum bundesweiten Vorlesetag war es einmal andersherum. Nicht die Kinder hatten uns Leselernhelfern vorgelesen.
Wir lasen stattdessen den Kindern selbst etwas vor. Dazu hatten wir in einen Extraraum der Bücherhalle im KörberHaus eingeladen.

Es kamen mehr Kinder als erwartet und die Stimmung war prächtig. Zur Leseunterstützung hatten wir auch tierische Helfer dabei. Die Handpuppen Leserabe, Schaf und Wolf machten das Ganze noch anschaulicher.

Handpuppen Wolf und Schaf

Eigentlich hatten wir mehrere Leseabschnitte mit unterschiedlichen Kindergruppen geplant, aber nach den Pausen kamen die gleichen Kinder immer wieder. Die meisten der anwesenden Kinder waren noch ziemlich klein, so dass die Aufmerksamkeit zwischendurch immer mal nachließ.

Trotzdem empfanden wir unsere Veranstaltung als vollen Erfolg. Das wollen wir im nächsten Jahr wiederholen.

Text und Fotos: Jürgen Sakuth

Aus der Region, Festliches

Laterne, Laterne,

Sonne, Mond und Sterne …

Beitrag: Tom Schmidt

Brenne auf, mein Licht, brenne auf, mein Licht,
Aber nur meine liebe Laterne nicht

Laternenumzug in Kirchwerder
Fotos: Tom Schmidt

Warum beginne ich diese Geschichte mit der 1. Strophe eines Kinderlieds? Auf der einen Seite ist es einer der Klassiker bei jedem Laternenumzug, auf der anderen Seite habe ich ihn vor über 60 Jahren das erste Mal bei einem Laternenumzug in Reinbek gesungen. Und Sie werden es nicht glauben, ich habe ihn tatsächlich abgespeichert und bin immer noch textsicher. Mein ganzer Stolz war Anfang der 60er Jahre eine Laterne als Mond, natürlich rund, in Gelb gehalten mit einem freundlichen Lächeln und zu der Zeit noch mit einer richtigen Kerze. Der Laternenumzug war etwas ganz Besonderes für mich. Wie ich von meinen Eltern weiß, war ich den ganzen Tag aufgeregt und habe den Liedtext zum Leidwesen meiner Eltern in der Endlosschleife gesungen. Und wenn es dann endlich losging, war ich immer fasziniert von den unterschiedlichen Motiven der Laternen in der Dämmerung, die für mich mystische Lichter in der Nacht waren. Da die Laternen sich durch das Laufen ständig bewegten, sah es aus, als wenn sie tanzten.

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Aus der Region, Veranstaltungen

Kultur und Öffentlicher Nahverkehr

Beitrag: Jürgen Sakuth

Photo by Wolfgang Weiser on Pexels.com

Wie können noch mehr Menschen dazu bewegt werden, die vielfältigen Hamburger Theater zu besuchen“

Dies war ein Thema am Freitag beim Besuch der Intendantin des Ernst-Deutsch Theaters Isabella Vértes-Schütter im KörberHaus. Die Veranstaltung fand im Rahmen der Reihe „Altersbilder“ statt. Ich kann den Besuch dieser Gespräche nur empfehlen.

Dies war aber nur die Einleitung zu meinem eigentlichen Thema, denn am nächsten Tag waren wir im Theater und erlebten, wie Menschen wie wir, die Bus und Bahn benutzen, davon abgehalten werden.

Wir erlebten im Altonaer Theater „Der Club der toten Dichter“. Ein schöner Theaterabend. Die Vorstellung war nahezu ausverkauft und die Schauspieler wurden zu Recht mit stehenden Ovationen gefeiert.

Aber nach unserer Rückkehr hatten wir lange darüber gesprochen, ob wir so etwas noch einmal machen. Unsere Bahn fuhr nur bis zum Berliner Tor. Dort mussten wir in den Schienen-Ersatz-Verkehr umsteigen. Das lässt sich manchmal nicht vermeiden und war lange angekündigt. Trotzdem in dieser Form ärgerlich. Als wir von der Bahn in den Bus umsteigen wollten, sahen wir den abfahrenden Bus, der nur zu einem Drittel voll war. Viele winkten und riefen, um den Bus noch zu stoppen, vergeblich. Daneben stand die ganze Zeit ein vollbesetzter Dienstwagen mit laufendem Motor und der Aufschrift „Verkehrslenkung“, ohne einzugreifen.

Der irgendwann folgende Bus war dann natürlich übervoll. Als wir Billwerder-Moorfleet wieder in den Zug umsteigen wollten, stand dort schon eine Bahn. Ich sagte noch zu meiner Frau „Diesmal haben wir aber Glück“. Aber in dem Moment, in dem die Bus-Gäste ausstiegen, fuhr die Bahn ab.

Neben den Problemen der fehlenden Anschlussmöglichkeiten hatten wir in jedem Bahnabschnitt heruntergekommene jugendliche Bettler im Zug, aber das nur nebenbei.

Mich interessiert wie andere Bergedorfer das sehen.
Fahren Sie abends noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln in andere Hamburger Stadtteile?
Nutzen Sie nur noch den privaten PKW, falls vorhanden?
Oder nur noch Taxis?
Oder besuchen Sie keine Theater, Kinos oder Konzerte am Abend mehr, wenn Sie auf Bus und Bahn angewiesen sind?