Aus der Region, Wissenswertes

„Mit Hexen kein Mitleid haben“

Beitrag: Boike Jacobs

Was haben Abelke Bleken aus Ochsenwerder, Mette Harden und Cathrin Danckwers aus Kirchwerder, Cathrin Schmalfeldes aus Curslack und Margareth Uhler aus Bergedorf miteinander gemein? Zwischen 1583 und 1676 wurden sie der Hexerei bezichtigt, im Kerker an Ketten gelegt und gefoltert, und eine der fünf Frauen wurde schließlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Ängste und Aberglauben führten in dieser Zeit zu Anschuldigungen und Verurteilungen, deren Opfer fast ausschließlich Frauen waren. Typisch katholisch, oder?

Lucas Cranach: Hexenverbrennung in Wittenberg im Jahre 1540

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Aus der Region

Was Kirchen vom HSV lernen können

Gastbeitrag: Pastor Jonas Goebel

Ich glaube: Fußballvereine und Kirchen haben mit Blick auf ihre Fans bzw. Mitglieder große Ähnlichkeiten. Es gibt alles von Ultras bis Erfolgsfans. Dabei können Kirchen im Umgang mit ihren Mitgliedern einiges von den Vereinen lernen. Ich bin HSV-Fan, weil ich aus Hamburg komme und weil wir bei uns in der Familie alle HSV-Fans sind. Ich war sogar beim letzten Spiel in der ersten Bundesliga dabei, also bei dem Spiel, als der HSV das erste Mal abgestiegen ist. Das war traurig, aber meine Welt ist jetzt nicht zusammengebrochen. Und da habe ich festgestellt: Es ist mit den Kirchen ein wenig wie mit dem HSV.

HSV-Fans vor dem Anpfiff. Foto: Archiv

Die treuesten HSV-Fans sind erstaunlich wenig am Spiel selbst interessiert. Es wird eigentlich durchgehend gesungen, relativ egal, was auf dem Platz geschehen ist. Es gibt auch Konflikte im Block, und die sind dann auch erstmal wichtiger als das Spiel.

Die treuesten HSV-Fans kommen aus sozialen Gründen. Es gibt zwar Stress zwischen Gruppen, aber innerhalb der Gruppe passt man sehr auf sich auf. Also kurzgefasst war ich immer erstaunt, dass die „richtigen Fans“ aus meiner Sicht eigentlich das Spiel mehr als Funktion nutzten.

Insgesamt würde ich sagen: Da kommen Menschen aus sehr unterschiedlichen Gründen zum HSV. Die deutliche Minderheit sind treue Fans wie meine Brüder. Der absolute Großteil sind Fans wie ich oder ähnlich wie ich. Doch so ein Spiel bzw. ein Stadion wäre ganz schön „tot“, wenn es nicht diese treuen Fans in der Minderheit gäbe. Ganz ehrlich: Mit Leuten wie mir kommt kaum Stimmung ins Stadion. Und erst recht käme keine Unterstützung für Mannschaft zustande, selbst wenn das Spiel schlecht läuft.

Also: Die meisten Fans kommen ab und zu. Die meisten Fans kommen, wenn die Mannschaft erfolgreicher ist. Die meisten Fans kommen, weil sie das Spiel wirklich sehen wollen. Aber den meisten Fans würde am Stadion-Erlebnis etwas fehlen, wenn die treuen Fans in der Minderheit nicht dabei wären.

Was können wir als Kirchen davon lernen? Auch wir haben verschiedene „Fans“ (Mitglieder). Wir haben „Ultras“, die kommen jeden Sonntag in den Gottesdienst. Wir haben Leute, die kommen ab und zu. Beide Gruppen sind wichtig. Auch bei uns machen die „treuen Fans“ oft die Stimmung (singen laut mit). Aber auch bei uns wird der Laden allein mit ihnen nicht voll.

Pastor Jonas Goebel in der Auferstehungskirche am Kurt-Adam-Platz in Lohbrügge. Foto: privat

Wenige engagieren sich, die meisten konsumieren. Beim HSV engagieren sich die treuen Fans sehr stark – aber die allermeisten Fans engagieren sich gar nicht. Sie konsumieren nur. Das ist aber kein Mangel, kein Fehler, das ist am Ende sogar in Teilen notwendig:

Die Vielen sind finanziell wichtiger. Auch bei uns gilt, dass wir mit den wenigen treuen Fans uns nicht finanzieren können. Aber die Masse hilft auf andere Weise: mit Geld. Sie engagiert sich vielleicht nicht, sie singt nicht laut mit – aber sie kommt, macht das Stadion voll und zahlt dafür gerne.

Ultras dürfen nicht zu viel Macht erhalten. Ich könnte auch sagen: Wenn wir uns nur auf den „inneren Kern“ konzentrieren, auf unsere „Kirchen-Ultras“, dann ist das ein Weg aufs Abstellgleis. Ein Verein, der sich zu stark von seinen Ultras sagen lässt, was er zu tun hat, ist kein erfolgreicher Verein. Aber gleichzeitig dürfen diese treuen Fans auch nicht ignoriert, vergessen oder verdrängt werden. Wir brauchen sie mindestens für die Stimmung und für das Engagement.

Der HSV lebt im Luxus, dass das Stadion fast immer voll ist, obwohl die Mannschaft weder besonders attraktiv, noch besonders erfolgreich spielt. Wir Kirchen spielen meistens auch nicht besonders attraktiv, wir steigen von Jahr zu Jahr irgendwie weiter ab – und bei uns gibt es keine vollen Stadien, sondern immer leerere Kirchen. Was bleibt, sind oft unsere Ultras. Die, für die aber auch gilt, dass sie sich erstaunlich oft erstaunlich wenig für das „Spiel“ interessieren, und die in den meisten Fällen vor allem mit sich selbst beschäftigt sind und zu großen Teilen aus sozialen Gründen kommen.

Ich behaupte: Wir müssen als Kirchen vom HSV lernen, dass es nicht darum geht, nur unsere Ultras glücklich zu machen. Wir wollen ein volles Stadion! Und das bekommen wir nicht voll, wenn wir uns zu sehr von ihnen diktieren lassen, wo es lang geht und was wir anbieten.

Aus der Region, Veranstaltungen

Lese-Opi on Tour

Beitrag: Jürgen Sakuth

Seit etwas über einem Jahr bin ich ehrenamtlicher Leselernhelfer an einer 2. Klasse in einer Grundschule in Bergedorf.

Kurz vor Beginn der ersten großen Pause komme ich in die Schule. Jedes Mal frage ich mich, ob überhaupt Schüler*Innen da sind, weil es ziemlich ruhig ist.

Aber der erste Schüler, der mich sieht, ruft in dem Moment laut in die Klasse „Herr Sakuth ist da“ und schon gehen alle Finger hoch. Dann ist große Aufregung in der Klasse. Fast jeder möchte zur Pause mit mir in die Bücherei gehen.

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Aus der Region

Bergedorf hat endlich ein Hospiz

Gastbeitrag von Lilo Schneider

Als ich beim Tag der Offenen Tür das neue „Hamburger Hospiz am Deich“ in der ehemaligen Alten Schule Allermöhe zum ersten Mal gesehen habe, war ich angenehm überrascht. Das Gebäude, das lange Zeit leer stand, sieht nun hell und freundlich aus, und die Lage im Grünen ist sehr schön.

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Aus der Region, Freizeit & Reise

Mein St. Pauli

Beitrag: Thorsten Werner

St. Pauli ist mehr als nur ein Stadtteil, es ist eine Lebenseinstellung.
Hier pulsiert das Herz von Hamburg, hier gibt es alles, was das Leben spannend macht: Musik, Kunst, Kultur, Erotik, Politik, Geschichte.

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Aus der Region, Freizeit & Reise

Hamburg, meine Perle – das Portugiesenviertel

Beitrag: Thorsten Werner

Das Portugiesenviertel ist ein Quartier im südlichen Teil der Hamburger Neustadt, das von portugiesischen und spanischen Restaurants geprägt ist. Es liegt direkt am Hafen und ist leicht mit der U-Bahn oder dem Bus zu erreichen.

Das Portugiesenviertel ist ein besonderer Ort in Hamburg, der dir einen Einblick in die Geschichte und Kultur der portugiesischen Einwanderer gibt. Es ist ein lebendiges Viertel mit viel Charme und Flair, das einen Besuch wert ist. Um dich auf den Geschmack zu bringen, zeige ich dir einen kleinen Rundgang, welcher dir das Viertel mit seinen Sehenswürdigkeiten und kulinarischen Spezialitäten näher bringt.

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Aus der Region

Auf der Suche nach dem Frühling

Beitrag: Edith Kalisch

Ich hörte im Fernsehen, der meteorologische Frühling sei da.

Heute sieht es draußen auch recht hell aus. Es bietet sich an, ihn, diesen Frühling zu entdecken. Brhh, doch recht kalt. Nun, ich kann ja flotten Schrittes gehen, will nicht vor der Haustür festwachsen. Durch einen Torweg, der unserem Hof als Durchgang dient, beginne ich. Mit der Suche. Ein bisschen parkähnlich wurde er angelegt; mit modernen Blumenrabatten, die sich eliptisch und erhöht präsentieren. Eingefasst mit Cortenstahl. Ungewöhnlich, weil sie verrostet wirken. Aber es verwittert „edel“. Nicht Jeder mag´s. Ich ja. Aber die Stauden und Gräser nicken noch grau vor sich hin. Nichts von grün zu sehen. Na, wird schon.

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Aus der Region, Veranstaltungen, Wissenswertes

„NAO, kannst du singen?“

Beitrag: Thorsten Werner

„Nein, erst wenn Schweine fliegen gelernt haben.“

Der 17 Jährige humanoide Roboter NAO war anlässlich der eingeloggt! Woche zu Gast in der Bücherhalle Bergedorf und beantwortete mehr oder weniger bereitwillig die Fragen der Besucher*innen.

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Aus der Region, Wissenswertes

Hamburgs Westen verliert eine Perle

Der Markt bestimmt wo´s lang geht

„Wertvolle und wohlfeile Bücher“ im Antiquariat HALKYONE in Altona-Altstadt wird es im April 2023, nach 27 Jahren nicht mehr geben. Die Redensart „Halkyonische Tage“ steht für Innehalten in turbulenten Zeiten.

In Hamburgs Westen wird nun Innehalten beim Stöbern in alten Büchern dann nicht mehr möglich sein. Weil der Ladeninhaber eine Mieterhöhung um 100 Prozent nicht tragen konnte, wurde ihm kurzerhand zum 31.März gekündigt. Er muss packen und hat keinen Ersatz gefunden, wo er seine Schätze weiter ausstellen kann, damit Kund*innen ein Buch vor dem Kauf in die Hand nehmen und dran schnuppern können.

Da halfen weder solidarische Berichte in zahlreichen Zeitungen und beim NDR, eine örtliche Demonstration noch eine Kleine Anfrage auf der Bezirksversammlung Altona zu dem Problem.

In der Großen Bergstraße und Umgebung müssen immer mehr Kleingewerbetreibende ihre Geschäfte aufgeben. Von politischer Seite gab es mitfühlende Worte aber keine Hilfe. Denn auf die Mietgestaltung der Eigentümer*innen hat ein Bezirksamt keinen Einfluss, die wird über den Markt gesteuert. Dieser Markt hat kein Interesse an alten Büchern, die man anfassen kann. Immer mehr Menschen lesen ja sowieso elektronisch, und bei IKEA, gleich nebenan in der Großen Bergstraße gibt es sogar Kinderbücher!

Aber soll man nur resigniert mit den Schultern zucken, wenn immer mehr inhabergeführte Läden durch konzerngeführte verdrängt werden, weil Konzerne Eigentümer mit hohen Mietangeboten dazu verführen, treuen Mietern zu kündigen? Man kann hier auch mal auf das Grundgesetz mit Artikel 14(2) pochen. Da steht: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“ Und für die Allgemeinheit, die Bewohner*innen von Altona-Altstadt geht es um nichts Geringeres als die Attraktivität ihres Zentrums. Dazu tragen gerade inhabergeführte Geschäfte, Cafés und Restaurants und moderate Mieten erheblich bei. IKEA-Kunden ist das wurscht, die stärken sich mit Kaffee und Salat in Bowls gleich vor Ort oder bei einer Ladenkette und fahren dann wieder nach Hause.

2015, ein Jahr nach der Eröffnung des Schwedischen Möbelhauses in der Großen Bergstraße konnte Heiner Schote von der Handelskammer Hamburg noch feststellen: „Die Große Bergstraße ist heute wieder ein Standort für inhabergeführte Unternehmen und ein lebendiger Teil Altonas.“ Sein Wort in Gottes Ohr und zur Befeuerung unseres Engagements gegen Gentrifizierung jetzt, acht Jahre später!

Aber für HALKYONE und eine besinnliche Zeit unter Büchern in Altona ist es leider zu spät. Danach muss jetzt in anderen Bezirken Hamburgs gesucht werden. Ach – „Where is human nature so weak as in a bookstore?“ , Henry Ward Beecher(Wo ist die menschliche Natur so schwach wie in einem Buchladen?) Quelle: mein englischer Sprachkalender von Harenberg.

Text und Fotos: Elisabeth Hartmann