An der alten Durchgangsstraße von Hamburg nach Lauenburg, an der Billefurt, lag Bergedorf, klein und unscheinbar, aber nicht ohne Bedeutung, nachdem Schloss, Kirche und Mühle, dazu ein Gasthaus entstanden waren. Für die Abdämmung der Bille, den Bau der Kornwassermühle und die Gründung eines Klosters, das bald wieder einging, sorgte als Statthalter seines Onkels, des Dänenkönigs Waldemar II., Graf Albrecht von Orlamünde. Zwei Jahrzehnte dauerte die dänische Herrschaft. In dieser Zeit soll Graf Albrecht auch das Schloss, oft „das Haus“ genannt, gebaut haben. Jedenfalls hat er 1224 eine Urkunde ausgestellt. Am Maria-Magdalenen-Tag, dem 22. Juli 1227, fand die Schlacht bei Bornhöved statt. Mit dem Sieg der deutschen Fürsten, Holsteins Adeligen und Bauern, Lübecker und Hamburger Bürgern, mit Adolf IV. von Schauenburg und den von den Dänen abgefallenen Dithmarscher Bauern über Dänemarks König Waldemar II. ging dessen Herrschaft zu Ende. Damit begann auch für Bergedorf ein neuer Abschnitt seiner Geschichte. Jetzt übernahmen hier die sächsischen Herzöge die Macht. Im Jahre 1275 verlieh Johann I. Bergedorf, das nun „das Städtchen“ wurde, Möllner Stadtrecht. Damit galt auch in Bergedorf Lübisches Recht. Ein kleines Quartheft von nur 12 Blättern aus Pergament enthält Eintragungen aus den Fahren 1437 – 1495. Dieses älteste Bergedorfer Stadtbuch hat Professor Hans Kellinghusen schon in seiner Studentenzeit bearbeitet. Interessant ist Kellinghusens Beschreibung des Ortes Bergedorf im 15. Jahrhundert: „Das Stadtbuch lässt in dem Bergedorf des 15. Jahrhunderts eine kleine Stadt mit ärmlichen Verhältnissen erkennen, wie dies auch sonst bezeugt ist. Nur drei Straßen waren vorhanden. Von der Hauptstraße mit dem Markt gingen die beiden anderen „Up dem Koberghe“ und „By dem Graven“ ab. Der Blickgraben schloss damals das ganze „Blek“ (Flecken) ein. Die Hude, die 1477 vom Rat angekauft wurde, sollte für ewige Zeiten ein freier Weideplatz sein.
An der Fassade mit den elf Fenster, hinter deren blitzblankem Glas rosa Begonien unter gerafften Gardinen blühen, steht in klarer Schrift „Kaffee Möller“. Wer den Duden“ aufschlägt, wird nun beides finden: Kaffee-Haus und Café. Doch sei das französische Wort gebräuchlicher, bemerkt das kluge Buch. Auch Konditormeister Möller mag diese Bezeichnung lieber, nicht, weil sie etwa vornehmer klingt, sondern vielmehr an Sahnetorte und Butterkuchen erinnert. „Café“ – das ist zugleich auch Konditorei und keine Kaffeestube wie in Österreich, in der es kein Gebäck gibt. Da kommen sie ins „Café Möller“ auf eine Stippvisite in einer Pause, zu längerem Klönschnack auf Verabredung oder auch allein, Zeitung zu lesen und in Illustrierten zu blättern – die Händler vom Wochenmarkt und ihre Käufer, zumeist Hausfrauen und Rentner, Beamte und Angestellte, Richter und Anwälte vom nahen Gericht.
Einmal im Monat, wenn im nahegelegenen Gemeindehaus die Pflichtsitzung vorbei, besetzen eine der Boxen im hinteren Teil des Cafés in früherer Zeit zu erkennen an Kleidung und Gebaren – die Pastoren aus Bergedorf, Geesthacht und den Vier- und Marschlanden. Nicht ohne Stolz wollten sie Landprediger sein und hatten sich vor Zeiten zusammengeschlossen im „Verein Hamburgischer Landprediger“, kurz “ V. H.L.“ genannt. Das war ihre Wertmarke. Jeder einzelne hatte sein Profil.
Ostfassade bei Nacht (Copyright: Großmarkt-Hamburg.de)
Es ist 23.00 Uhr, das Aroma des frisch gebrühten Espresso duftet bereits, die Brote sind geschmiert. Ein Blick auf die Uhr sagt mir, in 30 Minuten geht es los. Gegen 24.00 Uhr soll ich auf dem Blumen Großmarkt in Hamburg sein und auf dem Verkaufsstand meines Schwagers aushelfen, da ein Mitarbeiter ausgefallen ist. Ohne konkret zu wissen, was letztendlich auf mich zu kommt, ging ich die erste Nachtschicht in meinem Leben entspannt an.
Der Hamburger Großmarkt befindet sich zwischen dem Oberhafen und der Amsinckstraße im Stadtteil Hammerbrook auf einem 27,3 ha großen Grundstück. Der alte Spruch „die Nacht zum Tage machen“ trifft hier uneingeschränkt zu, gearbeitet wird nachts!
Als ich auf dem Großmarkt Hamburg die Schranke am Haupttor Ost passiert hatte und in Richtung der imposanten, bogenförmigen Hallen fuhr, herrschte auf dem Parkplatz vor der Halle des Gemüsemarkts bereits ein reges Treiben. Dazu muss man wissen, Gemüse – und Blumen Großmarkt sind in nebeneinander liegenden Hallen untergebracht, und der Arbeitsbeginn in den Hallen des Obst- und Gemüse Großmarktes liegt vor dem des Blumen Großmarktes. Vorsichtig fuhr ich weiter, achtete darauf, nicht mit einem der unzähligen Gabelstapler, die vollbeladen mit ihren Paletten zwischen den LKWs herum wuselten, zusammen zu stoßen.
Endlich angekommen, hatte ich noch Zeit, mich ein wenig umzusehen. Das ist also einer der größten Blumen Großmärkte in Deutschland, dachte ich mir. Von hier aus werden unzählige Wochenmärkte und Geschäfte des Blumenfachhandels in ganz Norddeutschland mit Blumen und Zierpflanzen versorgt. Ungefähr 100 Anbieter, die sich aus Erzeugern, Großhändlern und Kommissionären zusammensetzen, bieten hier in einer 180 Meter langen, 57 Meter breiten und 14 Meter hohen Halle ihre Waren an. Und wer sich für Architektur interessiert: Die Hallen sind eine der eindrucksvollsten Beton Schalenkonstruktionen in Hamburg, ähnlich wie das zur Universität zählende Audi Max im Stadtteil Rotherbaum, und stehen seit 1996 unter Denkmalschutz. Der Umzug des Blumen Großmarktes erfolgte 1984 von den Deichtorhallen auf das Gelände des Großmarktes neben der Halle des Obst – und Gemüsemarktes.
Mein Schwager war mittlerweile angekommen und somit betraten wir das Herzstück des Blumen Großmarktes. Mein Blick streifte kurz durch die gigantische Halle und ich wurde zu dieser unchristlichen Zeit von einer Blüten- und Farbenpracht begrüßt, die ihresgleichen sucht. Mit Sicherheit gibt es schlechtere Arbeitsplätze als diesen, sagte ich mir. Mal schauen, ob ich das in acht Stunden immer noch denke.
Nach einer kurzen Einweisung ging es los, den Stand möglichst schnell für die Kunden vorzubereiten. Zum Transport bzw. zur Präsentation auf dem Stand werden die Pflanzen in CC-Container gepackt. Die Container sind auf dem Großmarkt nicht wegzudenken, haben einen festen Boden und durchschnittlich vier bis sechs weitere Bretter, die individuell je nach Bedarf und Pflanzenhöhe verstellt werden können. Da die beiden vorderen Rollen lenkbar sind, bedeutet das für einen Anfänger wie mich, dass diese Transportmittel schnell ein Eigenleben entwickeln können. Besonders, wenn man mit zwei Containern voll bepackt auf dem Großmarkt unterwegs ist und ziehend oder schiebend und gleichzeitig lenkend alles umkurven muss, was einem in den engen Gängen entgegenkommt oder im Weg steht. Für einen Anfänger eine schweißtreibende Fortbewegung, zumal die „Biester“ voll bepackt schwer sind. Passend dazu der Spruch eines Kollegen, als ich mich wieder einmal voll bepackt mit zwei Containern durch die Gänge schlängelte und natürlich irgendwo hängen blieb: „Wir sind hier nicht auf dem Übungsplatz des ADAC.“ Entsprechend waren die Container letztendlich heute Nacht meine ganz persönliche Herausforderung.
Die Lokomotive mit dem stolzen Namen „Hansa “ stand auf dem Bahnhof am Deichtor. Auf Wartezeit gestellt, wie ein zur Parade geschmücktes Pferd. Sie hatte am siebten Mai 1842 in feierlicher Eröffnung der Bahnstrecke Hamburg – Bergedorf den ersten Zug mit den Gästen in „das Städtchen “ bringen sollen. Doch seit der Nacht vor dem Himmelfahrtsfest, vom vierten auf den fünften Mai, war der große Brand im Gang, der sich nicht hatte eindämmen lassen. Wie es zu der Zeit in Bergedorf aussah, erzählte der Ratmann Andreas Spiering im Jahr 1892 im Rückblick auf die Zeit damals vor 50 Jahren: „Beim großen Hamburger Brand wurde die hiesige Feuerwehr durch die Trommel, welche der Stadtsoldat Sager rührte, zum Alarmplatz gerufen. Bei der Stadtjugend hieß der wackere Sager „Kriegsknecht Hartwig “ Bei der ersten Kunde vom Brand war Ratmann Schlebusch nach Hamburg geeilt. Er kam in großer Hast in seinem Einspänner über die Mühlenbrücke angefahren und hielt bei der Wache, wo er den Befehl zum Ausrücken der Spritzen gab und Sager losschickte, die Spritzenleute zusammenzutrommeln. Der Schuljugend, die auf dem Kirchhof spielte, gab Sager die Weisung: „Jungs, nu lopt man vorut und segt, daß hier in Bardorp keen Füür is; ober de Sprütten sollt na Hamborg, um to helpen. “ Am achten Mai 1842 nachmittags zwei Uhr konnte der Rat das Ende des großen Brandes der Bevölkerung mitteilen. Seine Kundgebung schloss mit dem Satz: „Unser geliebtes Hamburg ist nicht verloren, und unsere regsamen Hände werden, wenn auch allmählich und in Monaten und Jahren das schon wieder aufzubauen wissen, was das furchtbare Element in Stunden und Tagen so heftig zerstörte. Gott mit uns!“
Die STEB — Stiftung für Engagement in Bergedorf öffnet in diesem Advent täglich ein digitales Türchen: wir zeigen nicht nur, wen wir gefördert haben, sondern auch was durch unsere Unterstützung entstanden ist. So möchten wir Leserinnen und Leser inspirieren, selbst zum Fördertopf beizutragen und damit weitere wertvolle Projekte möglich zu machen.
Unser Adventskalender macht sichtbar, wie vielfältig Engagement in Bergedorf ist – von kulturellen Initiativen über soziale Projekte bis hin zu innovativen Ideen für mehr Teilhabe. Jede Geschichte ist ein Beispiel dafür, wie Spenden direkt Wirkung entfalten.
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Es begann in der Großen Pause. Nawal war mit ihrer Familie aus der Flüchtlingsunterkunft in der Bergedorfer Brookkehre nach Duvenstedt gezogen, die Freundinnen und Nachbarn blieben zurück, alles war noch fremd. Aber da spielten Kinder auf dem Schulhof Fußball, und die ebenso sportliche wie mutige Nawal gesellte sich dazu und spielte mit. Dass daraus schon bald eine Erfolgsgeschichte werden würde, ahnte sie in diesem Augenblick noch nicht.
„Muslimische Mädchen dürfen auch in Deutschland nicht Fußball spielen“, sagt mein Nachbar entschieden. Aber da liegt er wie viele andere falsch. „Es gibt im Islam kein solches religiöses Verbot für Mädchen und Frauen“, betont Nawals Vater. Und das gilt auch für diejenigen, die wie seine Töchter ein Kopftuch, einen sogenannten Hijab (sprich Hidschab), tragen. Damit beim Rennen und Schießen die meist dichten, langen Haare der Mädchen niemanden beeinträchtigen können, muss der Hijab fest anliegen wie eine Badekappe. Sogar Nike wirbt mittlerweile damit.
Das mache ich gerne, wird ergänzt.