Plattdeutsche Texte

Kavaleer

Beitrag: Jürgen Sakuth

Siet de Barocktiet kennt wi bi uns de Beteken „Kavaleer“. So nöömt
een ’n Keerl mit ridderliche Döögden un höfliche Ümgangsformen, hett mi „Mister Google“ verkloort.
Man ik verbinn mit düssen Utdruck en Beleevnis, wat sik in mien Lehrtiet an’n Enn vun de föfftiger Johren todragen hett.
Ik heff bi de Firma Kiesewetter in Grömz den Goornerberoop lehrt. To de Tiet weer dat bi de Goornerutbillen begäng, wat de Lehrjungs ok in’t Huus vun n Lehrmeester wahnten un eten.
Middeweeks müss ik jümmers to de Beroopsschool na Eutin. So kunn ik an’n Dingsdagavend al mit den letzten Bus vun Grömz na Niestadt in Holsteen fohr’n un in mien Öllernhuus övernachten. Düsse letzte Bus an’n Avend weer jümmers rappelvull. Ik weer bitieden dor west un harr en Platz achtern in’n Bus funnen. As Gerda Steensen op’n letzten Drücker mit ehrn lütten Jung to’n Bus kümmt, weern all Plätz al besett. Dor stünn in’e drütte Reeg en junge Mann op un bööd de Fru sien Sittplatz an.
„Is jo wunnerbor!“ see dor Gerda Steensen, „dat gifft doch jümmers noch Kavalere!“
Ik höör noch, wat de Jung sien Modder fraag: „Mami, wat sünd denn Kavalere?“ Gerda anter dor: „En Kavaleer is to’n Bispill en Mann, de en Fru mit en Kind sien Platz anbeden deit. Jüst so as de nette junge Mann dat even bi uns daan hett!“
Veerteihn Daag later wull dat de Tofall, wat ik op de Fohrt vun Grömz na Niestadt in Holsteen blangen Gerda Steensen to sitten keem, un se vertell mi:
„Ik keem annerletzt op’n letzten Drücker mit mien lütten Jochen tơ’n Bus, un de weer brekenvull. Dor hett uns doch so’n netten junge Mann sien Platz anboden, un ik heff em en Kavaleer nöömt!“
„Jo“, see ik, „dat heff ik mitkregen, Gerda. Ok wat du dien Jochen noch verkloort hest, wat ’n Kavaleer is!“

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Plattdeutsche Texte

Steveln antrecken

Beitrag: Jürgen Sakuth

Ji wart villicht denken, ik tüder ju wat vör. Man dat is redig wohr. De nafolgen Geschicht heff ik jichtenswenn – aver in Hoochdüütsch – bi‘n Gottsdeenst in de Niestädter Stadtkark vun Paster Rathjen in sien Predigt höört:
En lütt Jung harr dat bi’t Antrecken vun sien Steveln in’n Kinnergoorn bannig swoor. He keem un keem dor nich mit kloor. Nu güng sien Optreckersche in’e Kneen, üm em dorbi to hölpen. Gemeensam weern se an’t Stöten, Trecken un Rieten, üm den eersten as ok den tweten Stevel mit Duld un Düer an de Fööt to kriegen.
As de Lütt denn see: „De Steveln sünd jo an’n verkehrten Foot,“ müss de Optreckersche kort Luft halen, üm den Anfloog vun Grull daaltoslucken. Se keek unglöövsch op de Fööt vun den Jungen un müss togeven, de Lütt harr Recht, links un rechts weern redig vertuuscht.
Mit desülvige Möh un Plaag as bi’t Antrecken, kreeg se de Steven aver vun’e Fööt daal. Se betähm sik ok allerbest, ehr Verfaten to beholen. Man denn wörrn de Steveln tuscht un ünner gräsig groot Trecken un Stöten gemeensam weller antrocken.
As dat Wark vullbröcht weer, see de Lütt:
„Dat sünd aver gor nich mien Steveln!“
Na dat weer jo wat för de Optreckersche, sowat aver ok. Se beet sik op de Tung, dormit dat gemene Woort, wat dor jüst noch op legen harr, nich ut ehr Snuut rutkeem. Se see nu blots:
„Verdori, Jung, worüm üm allens in’e Welt vertellst du mi dat eerst nu?“ Man dat hölp jo allens nix, se güng noch mal in’e Kneen un reet un tröck an de wedderböstigen Steveln bit dat se uttrocken weern.
Dor verkloor de Lütt al ’n beten wat düütlicher: „Dat sünd nich mien Steveln! De Steveln höört mien Broder to. Aver mien Modder hett seggt, ik müss ehr vundaag bi de övergrote Küll antrecken.“
In düssen Momang wüss de Fru nich mehr, wat se luut schriegen or still wenen sull.

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Humorvolles, Plattdeutsche Texte

Twüschen de Johr’n

Beitrag: Jürgen Sakuth

Fiete Piekenhogen dröppt bi’n Wiehnachtsinkoop in de Mönkebergstraat sien ole Flamm Mieke Bossbek weller.
„Verdori, Mieken!“ röppt he, wo geiht di dat denn! Du warrst jo jümmers smucker!“
Mieken löppt jo nu knallrot an.
„Minsch, Mieken! Köönt wi uns nich nochmol weller dropen, so op ’n lütt Rendevouz?“
„Ne, Fiete, dat geiht nu nich mehr, ik bün middewiel ünner de Huuv kamen!“
Fiete Piekenhogen, twischenin en erfolgreiche Börsenspekulant, kennt aver keen Bahnhoff un sett na:
„Och wat verheirat, Mieken! Ik geeev di hunnert Euro, so as fröher, na du weetst al!“
Mieken keek sik nu verschaamt üm.
„Na goot, Fiete, 100 Euro sünd 100 Euro, denn kumm du man twüschen de Johrn lang, dor is mien Mann mit sien Golfclub op Zypern!“
Un so hebbt Fiete un Mieken dat denn ok maakt.
Anfang Januor, keem ehr Mann vun Zypern torüch un meent bi’t Utpacken:
„Seggt mal, Mieken, is en gewisse Herr Piekenhagen twüschen de Johr’n hier west?“
Mieken kreeg jo nu ’n bannigen Schreck un stotter sik „Jo, jo, Herr Piekenhogen is hier west!“
„Un hett he di hunnert Euro geven?
Mieken wörr dat jo nu heel schummeri tomoot:
„Jo, he hett mi hunnert Euro geven!“
„Na also. Is doch ’n reellen Keerl, de Piekenhogen. He hett sik nämli vör Wiehnachten hunnert Euro bi mi pumpt un seggt:
„Se bekaamt ehr Geld noch vör Silvester torüch‘!“

Quelle: Heinrich Evers „Dat dröfft doch mal seggt warrn!“
(Balticum Verlagsgesellschaft und Werbeagentur GmbH)
Illustration: Elke Grotelüschen

Plattdeutsche Texte

Besöök to’n Fest

Beitrag: Jürgen Sakuth

Wiehnachten is doch so’n richtig kommodiges Familienvergnögen.
Jümmers to dat Fest kümmt doch mal weller Besöök in’t Huus, den
een sünst över’t Johr kuum mal or ok gor nich to Gesicht kriegen deit.
To Wiehnachten is manches opeenst ganz anners, Wiehnachten even.
So weer’t ok bi Guschi Madsen in Süsel. Tante Stine ut Barkelsby weer
an’n tweten Festdag to Besöök kamen.
As se nu den Koffie un Koken to Lief harr’n, de brennen Dannboomlich-
ten düsse kommodige Wiehnachtsstimmung vermaak, dor fröggt lütt
Greten maleenst:
„Tante Stine, is dat wirklich wohr, büst du ’n richtige Schauspeeler-
sche?“
„Aver Deern, siendaag nich, wo kummst du blots op so’ne Idee?“
smuustert Tante Stine nu los.
„Nu, uns Vadder hett vunmorgen bin Fröhstück seggt, wenn du kümmst,
denn gifft dat bestimmt weller Theater!“


Quelle: Heinrich Evers „Dat dröfft doch mal seggt warrn!“
(Balticum Verlagsgesellschaft und Werbeagentur GmbH)
Illustration: Elke Grotelüschen

Aus der Region

Nachts am Baumwall

Beitrag: Jürgen Sakuth

Eigentlich bin ich kein Nachtmensch. Mich faszinieren aber immer wieder nächtliche Stadtsilhouetten. Und in der dunklen Jahreszeit muss man dafür gar nicht so lange aufbleiben oder nach New York fliegen.

Text und Fotos: Jürgen Sakuth

Plattdeutsche Texte

Wiehnachtsbraden

Beitrag: Helmut Marquardt

Photo by Engin Akyurt on Pexels.com

Düt Johr, tau Wiehnacht, hebbt wü  beslaten,
gifft dat’n ganz besünnern Wienachtsbraden.
Mudder mellt sik glieks tau Stell
un ehr Ogen, de ward bannig hell.
Se hätt dor wat in’n Kääsblatt läsen
un meent, so leeg kann dat nich wäsen.
Hätt ok fix dat Blatt parat
un wies uns all dat Inserat.
Wat dor in dat Blatt binnen steiht,
ok Vadder meist sien Puust versleit.
1 Gans direkt ab Wiese
60,00 Euro kostet diese.
De Kinner schreen, dat is famos
tau’n Wiehnachtsfest n‘ scheune Goos
un hebbt dann in Gedanken all,
up’n Disch de Goos, bruun un drall.
Se föhrt glieks hen na Buer Drischen,
de wiest jem de Göös up sien Wischen,
grient dann mit sien breden Snuut:
Nu söök di man de allerbest dor ruut. 
All Ogen sünd up Vadder richt,
doch de meent blots, dat mak ik nich.
Wü hebbt em upletzt noch rümkrägen
un mit bäbern Knee is he in’t Gatter stägen.
Hett sik ok n‘ Goos utkäken,
man, blots mit de Goos hett he nich räken.
Se kiekt uns Vadder in’t Gesicht,
as wenn se seggen will, mien Fründ dat büst du nich.
As se nu markt, dat ehr dat an’n Kragen geiht,
se düchtig mit de Flünken sleit.
Un ogenblicklich geiht doch düsse Goos
op uns verdutzten Vadder los.
De dreiht sik üm un so gau he kann,
nimmt he de Been dann in sien Hann.
Achter em een groot Gesnatter
un mit een Satz is he över’t Gatter.
Vadder is noch fix up Tour’n
un wies uns all sien groot Blessuurn.
In denn Oors hett se em bieten,
dorbi n’Stück Stoff ut de Büx rutrieten,
wieter rünner an sien linken Been
kannst fief blaue Placken sehn.
De Blessuurn, de sünd al lang Geschicht,
Vadder kann ok wedder richtig sitten,
aver äten hett he n‘ Goos vundaag noch nich
dor hölpt keen Beddeln un ok keen Bidden.

Photo by Maria Orlova on Pexels.com

Aus der Region, Veranstaltungen

Vorlesetag im KörberHaus

Beitrag: Jürgen Sakuth

Vorleserinnen in Aktion

Der einsame kleine Elefant Winzig hätte sich sicher gefreut, dass so viele Kinder gekommen waren.

Zum bundesweiten Vorlesetag war es einmal andersherum. Nicht die Kinder hatten uns Leselernhelfern vorgelesen.
Wir lasen stattdessen den Kindern selbst etwas vor. Dazu hatten wir in einen Extraraum der Bücherhalle im KörberHaus eingeladen.

Es kamen mehr Kinder als erwartet und die Stimmung war prächtig. Zur Leseunterstützung hatten wir auch tierische Helfer dabei. Die Handpuppen Leserabe, Schaf und Wolf machten das Ganze noch anschaulicher.

Handpuppen Wolf und Schaf

Eigentlich hatten wir mehrere Leseabschnitte mit unterschiedlichen Kindergruppen geplant, aber nach den Pausen kamen die gleichen Kinder immer wieder. Die meisten der anwesenden Kinder waren noch ziemlich klein, so dass die Aufmerksamkeit zwischendurch immer mal nachließ.

Trotzdem empfanden wir unsere Veranstaltung als vollen Erfolg. Das wollen wir im nächsten Jahr wiederholen.

Text und Fotos: Jürgen Sakuth

Plattdeutsche Texte

Bi’n Putzbüdel

Beitrag: Jürgen Sakuth

Dat is nu puttegal, wat een to’n Keerl seggt, de di de Hoor snieden or den Boort raseren deit: Hoorsnieder, Putzbüdel, Barbeer, Barbutsch or Snutensraper, wohr is, du höörst jümmers dat Niegeste ut’e Stadt, or beleevst dor faken wat Vergnöögtet. Guschi Reddmann vertell mi, wat em annerletzt in Eckernföör passeert weer. En lütt Jung keem in den Salon, un de Putzbüdel fluuster sien Kunn op’n Stohl to:
„Dat is wull dat döschigste Kind vun’e Stadt, glööv mi dat. Wenn ik mit dat Hoorsnieden bi di trecht bün, warr ik di dat wiesen!“ As de Kunn betahlt harr, nimmt de Barbeer in de een Hand en Fief-Euro-Schien un in de anner Hand twee Een-Euro-Münten, geiht op den Jung to, wiest op sien Hannen un seggt: „Na, mien Jung, wüllt wi mal weller uns lütt Speel maken? Söök di doch wat ut!“ De lütt Buttjer grippt na de twee Geldstücken un haut foorts af. „Na, wat heff ik di seggt“, meen de Hoorsnieder nu heel spöttsch to sien Kunn, „de Jung lehrt dat wull nie nich. He warrt un warrt nich klöker!“
Lütt beten later geiht de Kunn ut den Salon un süht den lütten Knirps mit’n groot les vör de lesdeel stahn. Nielig fraagt de Mann em: „Hey, mien Lütten, vertell mi doch blots mal, worüm du de twee Een-Euro-Münten namen hest un nich den Fief-Euro-Schien!“ „Nee, ik bün doch plietsch. Denn speelt de Frisör doch nie weller mit mi!“

Quelle: Heinrich Evers „Dat dröfft doch mal seggt warrn!“
(Balticum Verlagsgesellschaft und Werbeagentur GmbH)
Illustration: Elke Grotelüschen

Aus der Region, Veranstaltungen

Kultur und Öffentlicher Nahverkehr

Beitrag: Jürgen Sakuth

Photo by Wolfgang Weiser on Pexels.com

Wie können noch mehr Menschen dazu bewegt werden, die vielfältigen Hamburger Theater zu besuchen“

Dies war ein Thema am Freitag beim Besuch der Intendantin des Ernst-Deutsch Theaters Isabella Vértes-Schütter im KörberHaus. Die Veranstaltung fand im Rahmen der Reihe „Altersbilder“ statt. Ich kann den Besuch dieser Gespräche nur empfehlen.

Dies war aber nur die Einleitung zu meinem eigentlichen Thema, denn am nächsten Tag waren wir im Theater und erlebten, wie Menschen wie wir, die Bus und Bahn benutzen, davon abgehalten werden.

Wir erlebten im Altonaer Theater „Der Club der toten Dichter“. Ein schöner Theaterabend. Die Vorstellung war nahezu ausverkauft und die Schauspieler wurden zu Recht mit stehenden Ovationen gefeiert.

Aber nach unserer Rückkehr hatten wir lange darüber gesprochen, ob wir so etwas noch einmal machen. Unsere Bahn fuhr nur bis zum Berliner Tor. Dort mussten wir in den Schienen-Ersatz-Verkehr umsteigen. Das lässt sich manchmal nicht vermeiden und war lange angekündigt. Trotzdem in dieser Form ärgerlich. Als wir von der Bahn in den Bus umsteigen wollten, sahen wir den abfahrenden Bus, der nur zu einem Drittel voll war. Viele winkten und riefen, um den Bus noch zu stoppen, vergeblich. Daneben stand die ganze Zeit ein vollbesetzter Dienstwagen mit laufendem Motor und der Aufschrift „Verkehrslenkung“, ohne einzugreifen.

Der irgendwann folgende Bus war dann natürlich übervoll. Als wir Billwerder-Moorfleet wieder in den Zug umsteigen wollten, stand dort schon eine Bahn. Ich sagte noch zu meiner Frau „Diesmal haben wir aber Glück“. Aber in dem Moment, in dem die Bus-Gäste ausstiegen, fuhr die Bahn ab.

Neben den Problemen der fehlenden Anschlussmöglichkeiten hatten wir in jedem Bahnabschnitt heruntergekommene jugendliche Bettler im Zug, aber das nur nebenbei.

Mich interessiert wie andere Bergedorfer das sehen.
Fahren Sie abends noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln in andere Hamburger Stadtteile?
Nutzen Sie nur noch den privaten PKW, falls vorhanden?
Oder nur noch Taxis?
Oder besuchen Sie keine Theater, Kinos oder Konzerte am Abend mehr, wenn Sie auf Bus und Bahn angewiesen sind?