Die bietet an: „Natürlich können auch Touristen jederzeit einen Blick in den Club werfen und auf ein frisches Bier bleiben.“ Das Angebot nehme ich an. Ich bin zwar keine Touristin, aber ich wohne im selben Stadtteil: Altona-Altstadt.
Beim Spazierengehen auf dem Altonaer Grünstreifen zwischen Holstenstraße und Fischmarkt findet man, etwas ab vom Weg, in der Ecke von Pepermöhlenbek und Breite Straße einen Anker mit Gedenktafel.
Das Flüchtlingsproblem – oder besser gesagt- die Probleme von flüchtenden Menschen treiben mich um. Darum habe ich am 27.Juni 2023 eine Veranstaltung im Körber-Forum besucht, wo es um Überlegungen zur Linderung dieser Probleme ging. Angesichts der schrecklichen Tatsache, dass in diesem Jahr bis Anfang Juni bereits 1.166 Menschen bei Fluchtversuchen im Mittelmeer ertrunken sind -seit 2014 mussten so 26.924 Menschen sterben- stellte die Körber-Stiftung als Veranstalter im Format VERSUS die Frage: „Brauchen wir eine staatliche Seenotrettung?“
Seit 2020 unterwegs: Sea-Watch 4, privater Seenotretter mit kirchlicher Unterstützung Foto:Friedrich Bungert/Süddeutsche Zeitung
Zur Beantwortung dieser Frage waren Liza Pflaum, Aktivistin bei United4Rescue-Gemeinsam Retten e.V. und der CDU Politiker Christoph Ploß eingeladen. Während die Aktivistin für ein klares JA eintrat, liefen die Antworten des CDU-Politikers auf ein NEIN hinaus. Pflaums Argumente waren humanitär bestimmt, Ploß hielt sich an Partei- und Europapolitik.
von links nach rechts: Christoph Ploß, CDU, Moderatorin Karoline Meta Beisel, Süddeutsche Zeitung und Liza Pflaum, United4Rescue Foto: Elisabeth Hartmann
Im Informationstext zur Veranstaltung hieß es : „ Ist es aber nicht gerade eine staatliche Aufgabe, Menschen in Seenot zu retten? Können Europa und Deutschland es ethisch vertreten, diese Aufgabe privaten Organisationen zu überlassen? Oder ist das Aussetzen staatlicher Programme Teil einer bitteren, aber notwendigen Absicherung europäischer Grenzen?“
Typisch für das Format VERSUS ist eine Abstimmung vom Publikum vor und nach der Debatte. Am 27.Juni stimmten vorher 86% für ein JA zu staatlicher Seenotrettung im Mittelmeer und nachher waren es 84%. Entweder haben es sich 2% während der Diskussion anders überlegt, oder es haben nachher mehr Leute abgestimmt, weil es anfangs mit dem Handy nicht so schnell geklappt hatte.
Und, wie hättest du dich entschieden?
Informationen zum Thema findest du im Internet zum Beispiel unter den Stichworten:„Flucht über das Mittelmeer“ oder „Asyl- und Migrationspolitik der EU“.
„Die Welt zu verbessern, ist in jedem Alter möglich“, heißt es in einem Text zum Zugabe Preis der Körber-Stiftung. Mit diesem Preis werden Menschen geehrt, die in ihrer zweiten Lebenshälfte Kraft und Mut aufbringen, ein Unternehmen mit sozialer Wirkung zu gründen. „Nicht reden sondern handeln“, war ein Motto des Stifters Kurt A. Körber. Der Preis wird jährlich verliehen, es gibt ihn seit 2019, dem 60. Jubiläumsjahr der Stiftung.
Am 15. Juni 2023 wurde nun im Lichtwark-Theater zum 5. Mal der Zugabe Preis an Unternehmensgründer*innen 60plus verliehen. Eine Frau und zwei Männer stellten ihr Projekt vor, für das sie jeweils 60.000 Euro gewannen.
Die Preisträger*innen 2023 von links nach rechts: Titus Bahner stellt sein Projekt vor, Judith Grümmer mit ihrer Preisurkunde zwischen den Juror*innen Brigitte Zypries und Lothar Dittmer, und Frank Hoffmann lauscht seiner Laudatio
Die Journalistin Judith Grümmer gibt mit der Produktion von Hörbüchern sterbenden Menschen eine Stimme, die den Kindern erzählt , wer Mutter oder Vater war, und der sterbende Mensch kann mit einfühlsamer Begleitung die Ernte seines Lebensackers betrachten.
Der Agrar- und Wirtschaftswissenschaftler Dr. Titus Bahner kauft mit der „Kulturlandschaft-Genossenschaft“ landwirtschaftliche Flächen, entzieht sie damit Spekulationsgeschäften mit intensivster Landwirtschaft oder einer Versiegelung und stellt sie ökologisch wirtschaftenden Bauern und Bäuerinnen unbefristet zur Verfügung.
Dr. Hoffmann unter der Veranschaulichung der Fähigkeit von taktiler Brustuntersuchung
Der Arzt Dr. Frank Hoffmann bildet stark sehbehinderte und blinde Frauen zu Medizinisch Taktilen Untersucherinnen (MTU) aus. Denn „Blinde sehen besser“, so Frank Hoffmann, und können Brustkrebs in einem sehr frühen Stadium erkennen, was die Heilungschancen enorm erhöht.
Die Sängerin Pe Werner gab mit Pianist und Tonmeister ein unterhaltendes Kontrast-Programm zu den bewegenden Berichten der einzelnen Projekte.
In lauer Sommernacht, bei Wein und Häppchen klang der Abend auf der Terrasse des Körber Hauses mit Gesprächen über das Gehörte oder Fragen an die Preisträger*innen aus.
„Ich ging durch einen grasgrü-ü-nen Wald und hörte die Vögelein singen… “ diese Liedzeile fällt mir immer ein, wenn ich durch einen grünen Mai-Wald spaziere und mich dabei des Lebens freue. Wenn dann die Blätter, vom Wind bewegt , leise rascheln und ein Bächlein gluckert, ist die Wald-Musik perfekt.
Für die Augen gibt es Grün, Grün ,Grün und nochmal Grün, alles noch ziemlich hell. Blüten von Wald-Sternmiere oder Waldmeister geben weiße Tupfer. Durch die Zweige schimmert der blaue Himmel.
links: Sternmiere – rechts: Waldmeister
Unter den Füßen fühle ich den weichen Waldboden, auch mal harte Baumwuzeln und spitze oder runde Steine. Die eine Baumrinde ist glatt die andere rau, einige Blätter sind samtweich andere pieksig.
Es duftet waldig aber noch frisch. Vom Waldmeister pflücke ich mir ein Sträußchen für zu Hause. Das hänge ich dort an einem Faden auf, denn Waldmeister entfaltet seinen Duft nach zitroniger Bittermandel erst, wenn er trocknet. Da kommt mir ein Hauch von Knoblauch in die Nase, das muss Bärlauch sein! Den mag ich, drum pflücke ich ein paar Blätter und nehme sie in einer Tüte mit nach Hause. Dort wird es Joghurt-Soße damit geben. Über Pellkartoffeln, Nudeln oder Salat eine Köstlichkeit!
Aber – man muss sich auskennen, damit man nicht Bärlauch mit Maiglöckchen verwechselt. Denn ein Gericht mit Maiglöckchen wäre tödlich! ☠️ Die Blätter der beiden Pflanzen ähneln sich, doch die Unterscheidung ist eigentlich ganz einfach. Geriebene Bärlauchblätter riechen nach Knoblauch. Wenn die Pflanzen blühen, ist die Untertscheidung leicht. (siehe unten)
links:Bärlauch – rechts:Maiglöckchen
So hat der Wald mit dieser Auswahl meinen Fünf Sinnen schon viel geboten. Jeder Waldspaziergang bringt immer wieder neue Erlebnisse und Eindrücke, von denen ich dann zu Hause in der Stadt träumen kann.
„Wertvolle und wohlfeile Bücher“ im Antiquariat HALKYONE in Altona-Altstadt wird es im April 2023, nach 27 Jahren nicht mehr geben. Die Redensart „Halkyonische Tage“ steht für Innehalten in turbulenten Zeiten.
In Hamburgs Westen wird nun Innehalten beim Stöbern in alten Büchern dann nicht mehr möglich sein. Weil der Ladeninhaber eine Mieterhöhung um 100 Prozent nicht tragen konnte, wurde ihm kurzerhand zum 31.März gekündigt. Er muss packen und hat keinen Ersatz gefunden, wo er seine Schätze weiter ausstellen kann, damit Kund*innen ein Buch vor dem Kauf in die Hand nehmen und dran schnuppern können.
Da halfen weder solidarische Berichte in zahlreichen Zeitungen und beim NDR, eine örtliche Demonstration noch eine Kleine Anfrage auf der Bezirksversammlung Altona zu dem Problem.
In der Großen Bergstraße und Umgebung müssen immer mehr Kleingewerbetreibende ihre Geschäfte aufgeben. Von politischer Seite gab es mitfühlende Worte aber keine Hilfe. Denn auf die Mietgestaltung der Eigentümer*innen hat ein Bezirksamt keinen Einfluss, die wird über den Markt gesteuert. Dieser Markt hat kein Interesse an alten Büchern, die man anfassen kann. Immer mehr Menschen lesen ja sowieso elektronisch, und bei IKEA, gleich nebenan in der Großen Bergstraße gibt es sogar Kinderbücher!
Aber soll man nur resigniert mit den Schultern zucken, wenn immer mehr inhabergeführte Läden durch konzerngeführte verdrängt werden, weil Konzerne Eigentümer mit hohen Mietangeboten dazu verführen, treuen Mietern zu kündigen? Man kann hier auch mal auf das Grundgesetz mit Artikel 14(2) pochen. Da steht: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“ Und für die Allgemeinheit, die Bewohner*innen von Altona-Altstadt geht es um nichts Geringeres als die Attraktivität ihres Zentrums. Dazu tragen gerade inhabergeführte Geschäfte, Cafés und Restaurants und moderate Mieten erheblich bei. IKEA-Kunden ist das wurscht, die stärken sich mit Kaffee und Salat in Bowls gleich vor Ort oder bei einer Ladenkette und fahren dann wieder nach Hause.
2015, ein Jahr nach der Eröffnung des Schwedischen Möbelhauses in der Großen Bergstraße konnte Heiner Schote von der Handelskammer Hamburg noch feststellen: „Die Große Bergstraße ist heute wieder ein Standort für inhabergeführte Unternehmen und ein lebendiger Teil Altonas.“ Sein Wort in Gottes Ohr und zur Befeuerung unseres Engagements gegen Gentrifizierung jetzt, acht Jahre später!
Aber für HALKYONE und eine besinnliche Zeit unter Büchern in Altona ist es leider zu spät. Danach muss jetzt in anderen Bezirken Hamburgs gesucht werden. Ach – „Where is human nature so weak as in a bookstore?“ , Henry Ward Beecher(Wo ist die menschliche Natur so schwach wie in einem Buchladen?) Quelle: mein englischer Sprachkalender von Harenberg.
Sie sind ihr bestimmt schon einmal begegnet. Die Kleine Braunelle, Blume des Jahres 2023, hat viele Orte, an denen sie gerne wächst, auch im Zierrasen taucht sie auf. Sie wächst in allen deutschen Bundesländern und ist (noch) ungefährdet, in einigen Regionen wird jedoch schon ein deutlicher Rückgang beobachtet. Die Loki-Schmidt-Stiftung will mit Wahl dieser „Allerweltsblume“ auf den schleichenden Prozess von Artenverlust aufmerksam machen.
Nektar und Pollen der Kleinen Braunelle sind Leckerbissen für Sechsbeiner. Und wenn Sie einen Rasen haben und in den Genuss von Summen und Brummen oder hübsche Anblicke kommen wollen, dann sollten Sie die Tipps der Stiftung beherzigen:
Auch Menschen bietet diese Pflanze Einiges. Die mit Wasser aufbereiteten Blätter geben ein Gurgelwasser ab, bei Augenentzündungen, Lungenleiden, Magen-Darmerkrankungen und Wunden sollen sie die Heilung unterstützen. Blätter und Blüten sind essbar. Sie geben dem Salat violette Farbtupfer.
Textquelle:Loki-Schmidt-Stiftung Broschüre zur Blume des Jahres 2023 Fotos: Julian Denstorf Text : Elisabeth Hartmann
Bei meinem Sonntagsspaziergan durch die Hafencity am 22. Januar konnte ich vor der Elbphilharmonie folgendes Foto schießen:
Was sagt mir dieses Bild?
Vor 60 Jahren wurde am 23. Januar ein deutsch-französischer Freundschaftsvertrag geschlossen, der so genannte Élysée-Vertrag. Bundeskanzler Adenauer und Staatspräsident De Gaulle gaben sich im Elyseepalast in Paris darauf die Hand, dass Deutschland und Frankreich nach jahrelanger Feindschaft Freunde sein wollen.
Toller Artikel - Ich habe jetzt richtig Appetit auf Stint bekommen. Stint sind wirklich eine Delikatesse