Aus der Region, Damals war's

Damals in Bergedorf

Bergedorfer Bier

Beitrag: Jürgen Sakuth

Es ist kaum vorzustellen, aber es war so. Im Mittelalter gab es in Hamburg 527 selbständige Brauhäuser. Auch die Domherren hatten Lizenz, Bier zu brauen. So kam denn auf jeden Einwohner in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts ein jährlicher Verbrauch von 2000 – 3000 Liter Bier. Es war Volksgetränk.

Mit zwei Tonnen Bier neben einem fetten Ochsen und einem Ohm Wein begrüßten denn auch die Bürgermeister Dietrich Hohusen, Gert von Holte und Johann Hülpe Herrn Johannes Bugenhagen, der am achten Oktober 1528 in Hamburg eingetroffen war und durch seine „Kirchenordnung“ zum Reformator in der Hansestadt wurde. Der Spruch sagt alles: „Lübeck ein Kaufhaus, Köln ein Weinhaus, Lüneburg ein Salzhaus, Hamburg ein Brauhaus der Hanse.“ Und Hamburg exportierte sein Bier in die damalige weite Welt – nach Ost- und Westfriesland, nach Holland und Flandern, nach Jütland und Island.

In den Vierlanden aber wuchsen einst Hopfenpflanzen, die zuletzt als „Gartenflüchtlinge“ an Hecken und Telegraphenpfählen üppig wucherten. Arme Leute und Kinder rupften den Hopfen und verkauften ihn an die Bergedorfer Brauerei-Aktion von 1873. Heute gibt es sie nicht mehr. Auf dem sogenannten Hundebaum erinnern am Ende der Chrysanderstraße heute nur die Brauereiteiche und Kellergewölbe an ihre einstige Existenz. Wenn im Winter die Teiche zufrieren, tummeln sich heute die Schlittschuhläufer auf dem Eis. Nach der Fusion mit der Vereinsbrauerei übernahm im Jahre 1914 die Holstenbrauerei Hamburg-Altona das „Bergedorfer Beer“. Allerdings mit einer Klausel. Es durfte nur exportiert werden. Man muss schon nach Afrika reisen, will man „Bergedorfer Beer“ trinken.



Doch einmal kamen einige der Flaschen nach Bergedort. Als der historische Gasthof Stadt Hamburg“ in neuer Form eingeweiht wurde -, in den festlichen Tagen am 30 und 31. Mai 1959, – konnten sich die Bergedorfer mit Bergedorfer Bier aus der Holsten-Brauerei zuprosten.


Quelle: Hudemann / Daur: Bergedorf Vier- und Marschlande, Christians Verlag 1974

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