Geschichten und Gedichte, Humorvolles

Mittelpunkt

Beitrag: Helmut Marquardt

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In unserm Garten steht ein Apfelbaum,
die Äste knorrig und uralt.
Darunter träumt ich schon so manchen Traum,
über mir seine mächtige Gestalt.
Er ist d e r Mittelpunkt im Garten,
und dies scheint er auch zu wissen.
Kann er es doch kaum erwarten,
dass im Frühjahr seine Knospen sprießen.
Diese Blütenpracht, die er dann entfaltet,
ist ein wahrer Augenschmaus.
Wenn er den Garten so auf seine Art gestaltet,
spendet Mutter Natur ihm noch Applaus.
Selbst die Bienen, die ihn jetzt besuchen,
sie haben alle Flügel voll zu tun,
hört man laut vor Freude juchen,
können sie doch kaum ausruh’n.
Seine Krone, belaubt bis an die Ränder,
und dies nur in der Sommerzeit,
ist für mich der ideale Schattenspender,
der angenehmste weit und breit.
Wenn der Sommer dann zum End sich neigt,
die letzten Vögel noch gen Süden zieh’n,
der Apfelbaum jetzt seine Früchte zeigt,
welche dann rot in der Abendsonne glüh’n.
Alle Äste, sie stark sich neigen,
unter der süßen, schweren Last.
Es ist, als wollten sie jetzt zeigen,
dass man die Ernte nicht verpasst.
Danach wird’s einsam hier im Apfelbaum,
Früchte und Blätter haben ihn verlassen,
denn ganz allmählich, man spürt es kaum,
hat die Natur den Herbst jetzt eingelassen.
Dieser zeigt nun auch seine rauhen Seiten,
hat starke Stürme im Gepäck,
lautes Tosen sie begleiten,
fegen über’s Land hinweg.
Auch der Apfelbaum bekommt’s zu spüren,
der Sturm an seiner Krone rüttelt,
seine Äste fast den Grund berühren,
so wird er hin- und hergeschüttelt.
Letztlich das Schicksal ihn ereilt,
ein Blitz fährt aus den Wolken nieder,
der den Baum der Länge nach zweiteilt,
seine volle Pracht, ich seh sie nimmer wieder.

In unserm Garten stand ein Apfelbaum.

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