Text und Fotos: Edith Kalisch
nein, die Alster ist unser Ziel. Zu mindestens ein Stückchen am Alsterwanderweg von Poppenbüttel bis Ohlsdorf. Immerhin 10 km Fußmarsch.
Es wurde ja auch mal Zeit. Nebenfluss der Elbe, das hört sich so nichtssagend an. Klar, die Elbe ist breiter, ist länger, muss arbeiten, bringt uns bis zur Nordsee, hat Ufer, die einladen. Gibt noch viel zu sagen. Na, nun ist aber die Alster dran. Außerdem versorgt sie die Elbe auch mit Wasser, so ist es ja nun nicht. Und das bringt sie aus Schleswig Holstein mit, denn dort, 25 km nördlich von Hamburg, entspringt sie.
Kaum verlassen wir die befahrene und laute Straße, folgen wir einem kleinen Pfad hinter dem Restaurant Randel, das langsam verfällt, weil es so marode ist. Es steht unter Denkmalschutz. Was nützt es, wenn kein Geld vorhanden ist, es zu sanieren. So schade. Dabei hat es mehr als 100 Jahre „auf dem Buckel“. War ein beliebtes Ausflugslokal, wo Tanzbeine geschwungen, erlesen gegessen, Familienfeiern stattfanden. Vorbei, vorbei. Nun, vielleicht gibt es ja doch noch eine Rettung.
Diesem Randelpark mit brüchigem knisterndem Unterholz unter unseren Füssen gehen wir hinab. Eine kleine Brunnengruppe, die natürlich auch zu dem Ensemble Randel gehört(e), lässt uns stehenbleiben. Holprig geht´s weiter. Von oben sehen wir schon die Alster. Also den Wanderweg. Wir haben uns nicht verlaufen. Urwaldähnlich rechts und links. Altersschwache Bäume liegen auf der Seite, strecken ihre Wurzeln in die Höhe. Sie machen Platz für das junge Grün der sich aufreckenden, aufstrebenden „Jugend“, der neuen Generation. Hell leuchten die Blätter. Mal etwa dunkler, noch klein, die Knospen. Die Weiden lassen zarte Äste baumeln. Überall Frühling. Buschwindröschen, Scharbockskraut, Lärchensporn…alles, alles will ans Licht. Der Fluss plätschert gemächlich mäandernd, mal ein bisschen links, mal ein bisschen rechts. Er nimmt kleine Bäche auf, die unseren Weg vermatschen. Kleine Wiesen umranden kleine Teiche.


Ach so schön und so ruhig (kaum Menschen unterwegs). Nun, es ist auch kein Wochenende und leider, entgegen der Wettervorhersage, etwas kühl. Wir haben ein „Bütterchen“ und etwas zu trinken mitgenommen, weil es hier keine Einkehr gibt. Wir nehmen eine Bank als Rast. Geschmeckt hat es uns. Aber der Wind ist doch sehr, sehr erfrischend. Wir bleiben noch. In aller Ruhe fließt die Alster vor uns, nimmt gnädig kleine Blätter vom letzten Herbst mit auf ihre Reise in die Stadt. Ein Erpel reckt den Hals. Wohl nach der Liebsten. Nee, uns reicht´s jetzt. Romantik hin, Romantik her.
Wir erreichen das ehemalige Rittergut (1295 erstmals erwähnt). Das Torhaus mit seiner Uhr auf dem Dach, ehemals die Pferdeställe des Gutes. Heute ist hier das Alstermuseum untergebracht. Durch das Tor sehen wir das Herrenhaus Wellingsbüttel. Kaffee trinken könnte man, hätte es denn geöffnet. Museum ist auch verschlossen. Na, es lohnt ein Wiederkommen.



Wir verlassen nach einer guten Weile den Wanderweg. Überqueren nun die laute Straße zur Frank´schen Siedlung. Wer kennt sie? In den 1930er Jahren beschlossen zwei Brüder, nämlich Frank, auf dem Gelände, eine Reihenhaussiedlung zu bauen. Für Familien, die nicht so betucht waren. Im roten Backsteinstil entstanden 545 Wohnungen, mit kleinen schmalen Gärten, so dass man auch für Leib und Seele sorgen konnte. Der Wohnraum nahm 57 qm in Anspruch. Klein ja, aber wenn wir durch diese Straßen gehen, die so Namen wie „Övern Barg“ haben, stelle ich es mir gemütlich vor, hier zu leben. Aber vertragen muss man sich schon, auf so einem Areal.



Ja, und ein Stückchen noch, wir entdecken ein italienisches Eiscafé. Wir brauchen etwas Warmes, Cappuccino. Aufgewärmt passt auch noch ein Eis. Wenn wir schon mal hier sind.
Zurück wieder zu unserer Alster. Sie ist noch da.
Und auch die S Bahn nimmt uns wieder mit.
Hallo, mit Interesse habe ich den Bericht über den Wanderweg an der Alster gelesen. Besonders, weil mein Sohn vor 6 Monaten in die Frank‘sche Siedlung nach Klein Borstel gezogen ist und dort in die Straße Övern Barg. Es ist dort gemütlich, die Leute sind freundlich, grüßen, alle schmücken ihre Vorgärten, es ist wie ein kleines Dorf, aber eben in Hamburg
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Der Beitrag ist so schön, dass er länger oben sichtbar stehen bleiben sollte.
Meinen Plattdeutsch–Beitrag habe ich auf später verschoben.
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