Aus der Region, Veranstaltungen

Ausgezeichnet! Der Zugabe-Preis 2025

Beitrag: Sabine Ziesmer

Inka Schneider

Was ist der Zugabe-Preis? Es werden Gründerinnen und Gründer ab 60 Jahren geehrt, die auch im Alter ihren Auftrag darin sehen, die Welt ein bisschen lebenswerter zu machen. Engagement und Innovationskraft sind nicht der Jugend vorbehalten. Auch ältere Menschen können mit ihren Erfahrungen wichtige Beiträge zur Gestaltung der Gesellschaft leisten.

Ich hatte mich sehr auf diese Veranstaltung gefreut. Im letzten Jahr war ich von den Preisträgerinnen und Preisträgern, dem Ablauf der Veranstaltung und der Möglichkeit, bei einem perfekten Catering mit anderen Besucherinnen ins Gespräch zu kommen, begeistert. Nun saß ich wieder vor der Bühne des Lichtwark Theaters im KörberHaus, mit Stift und Block ausgestattet, um mich dann auch später an alles erinnern zu können, was vier Gründerinnen und Gründer zu ihren Projekten zu sagen hatten.

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Aus der Region, Veranstaltungen

AltersBilder

Beitrag: Sabine Ziesmer

In einem grünen Sommerkleid sitzt Frau Käßmann dem Moderator Andreas Bormann lachend gegenüber. Der Saal ist voll, die Laune auch des Publikums, dem wunderbaren Sommerwetter entsprechend, ausgelassen und der Start ins Gespräch launig. Gefragt nach ihrem Lieblingsfilm bekennt sie sich zu „Der Schatz im Silbersee“ von 1962 mit dem jugendlichen Götz George. Sie wuchs mit ihren beiden Schwestern in Stadtallendorf mit einem lebensfrohen Vater und einer strengen Mutter auf. Die Autowerkstatt des Vaters war für sie ein Lieblingsort um zu lernen und dem Vater nah zu sein. Er war ein fleißiger und geselliger Mensch, der mit Kunden und Freunden eher nachsichtig war und seiner Frau die buchhalterischen Aufgaben überließ. Ich bin derselbe Jahrgang wie Frau Käßmann. Mein Vater saß auch gern mit mir zusammen, um mir von seiner Welt im Hafen zu erzählen, mit mir zu lachen und kleine Geheimnisse zu teilen, während meine Mutter die Zügel fest in den Händen hielt. Diese Väter haben uns geprägt, gemacht haben uns die Mütter. Auf dem Gymnasium wurden wir darauf hingewiesen, dass Kinder aus der Arbeiter- und Handwerkerschicht nicht dorthin gehörten – Armes Deutschland!  So sitze ich mitten unter den Zuschauenden und dennoch zugleich mit der jungen Margot in einer bundesrepublikanischen Wirklichkeit der 70er Jahre, in der wir uns einen Platz hart erarbeiten mussten.

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Aus der Region, Freizeit & Reise

Mensch und Baum

Beitrag: Sabine Ziesmer

Skulpturen am Elbufer…

Bäume haben ähnlich mannigfaltige Erscheinungen wie wir Menschen. Einige sind von beeindruckender Statur, hochgewachsen und majestätisch. Im Hirschpark an der Elbchaussee findet man einige dieser Bäume, die noch heute von ihrer langen Reise aus fernen Ländern und ihrem harten Leben fern der Heimat erzählen – wenn man ihnen zuhören möchte. Andere sind klein und unscheinbar, kämpfen um ihr Überleben und um ihre Sichtbarkeit. Es sind oft die Straßenbäume, die uns etwas Schatten und Freude spenden, aber nur zu oft vergessen werden und immer weichen müssen, wenn die Stadtplanung es so entscheidet. Aber fast alle Bäume haben ihre Liebhaber.

Ich wandere täglich durch die Elbauen in den Vier- und Marschlanden. Wie ein Urwald säumen makaberen Skulpturen das Elbufer. Diese Bäume sind Überlebenskünstler. Sie stehen oft tief im Elbwasser und recken ihre Äste hoch in den Himmel, oder sie scheinen über den Elbsand zu kriechen als suchten sie stets neuen Halt. Bei Ebbe krallen sich die freien Wurzeln in den Sand, um so dem Wind widerstehen zu können. Eine Illusion, weil jede Flut ihren Halt fortgespült. Ich begrüße die Bäume täglich wie alte Freunde. Ich streiche mit der Hand über die raue Rinde, steige über ein Labyrinth aus freiliegenden verholzten Wurzeln und genieße den herben Duft von Holz und Brackwasser. Während der blattlosen Zeit der Stürme und des Hochwassers bietet sich mir immer wieder ein neues Bild. Die große Gruppe der geraden, schlanken Bäume trauert um die Freunde, die nun zersplittert zu ihren Füßen liegen. Jeder Baum erzählt seine eigene Geschichte. Ihr ungewöhnlicher Wuchs berichtet vom unermüdlichen Ringen gegen Sturm und Elbwasser. Kein Baum gleicht dem anderen. Wenn man diesen Urwald durchschreitet, fühlt man sich nicht mehr allein. Die Bäume machen mir Mut, mich den Herausforderungen zu stellen, meine Wurzeln tief einzugraben, oder neue zu schlagen im unbekannten Untergrund. Nur aufgeben ist keine Option. 

Fotos: Sabine Ziesmer

Aus der Region, Festliches, Veranstaltungen

Happy Birthday, KörberHaus

Beitrag: Sabine Ziesmer

Seit zwei Jahren bereicherst du nun schon unser Bergedorf. Du schaffst eine besonders einladende Umgebung für die schöne Bücherei, setzt auf deiner Theaterbühne viele unterschiedliche Stücke in Szene, bietest Möglichkeiten für uns Bergedorfer*innen, mitzumachen und mitzugestalten.  Du bist ein wunderbarer Ort der Begegnung für alle Generationen und Kulturen, auch in dem schönen Café im Erdgeschoss. Du beheimatest Kinder und Jugendliche aus verschiedensten Nationen und ermöglichst ihnen in heimeliger Atmosphäre miteinander zu lernen. Brauchen die Ehrenamtlichen einen Raum, um ihre Projekte umzusetzen, öffnest du ihnen deine Türen. Danke dafür. Ich wünsche dir, dass du wächst und gedeihst, um uns weiterhin ein Ort der gegenseitigen Unterstützung, der Toleranz und der Vielfalt zu sein.

Der zweite Geburtstag des KörberHauses fällt nun genau in die Weihnachtszeit. Man muss das besondere Haus wohl als Weihnachtsgeschenk betrachten. Diesen Eindruck konnte man gewinnen, als weihnachtliche Klänge im Foyer zu gemeinschaftlichem Adventssingen einluden. Hier scheint alles mit Blick auf das Zusammenführen von Menschen ausgerichtet zu sein. Ältere Besucher und Besucherinnen standen mit Liedertexten auf den offenen Etagen, junge Mütter tanzten mit ihren Kindern zur Weihnachtsmusik und der Christbaum funkelte mit den Augen der Kinder um die Wette. Neben der Information warteten Kinderstiefel auf den Nikolaus, der sie sicher füllen würde.

Auf allen Etagen wurden Bastelarbeiten angeboten und man konnte noch ein originelles Geschenk für seine Lieben entdecken. In einem Raum der ersten Etage, etwas versteckt, aber doch von so vielen gefunden, fand die Kleidertauschparty statt. Das Motto: Nachhaltigkeit steht dir finde ich wunderbar. Die vielen Tauschenden wohl auch. Weihnachtliche Klänge und freundliche Beratung: „Das Kleid steht Ihnen ganz ausgezeichnet“, sorgte für viel Begeisterung bei allen Interessierten. Der Kleidertausch wird ebenfalls von Ehrenamtlichen organisiert. Kleidung, die nicht in das Tauschkarussell gelangt, wird am Ende des Tages gespendet. So findet jedes Stück einen neuen Platz.

Ich bin noch neu in der Körber-Gemeinschaft. Als ich zum Winterfest der Ehrenamtlichen eingeladen wurde, war ich sehr gespannt. Auch hier wurde nichts dem Zufall überlassen. Die Begrüßung, die schöne Tischdekoration, das Büfett mit den wunderbaren Küchlein und der schmackhaften Pasta bot für alle etwas. Man kam ins Gespräch und lernte einander kennen. Aus dem Augenwinkel nahm ich einen himmelblauen Holzkasten wahr, der mich an eine Wahlkabine erinnerte. Damit lag ich gar nicht mal so falsch. Ich nahm dieses Objekt vorsichtig in Augenschein, las die Aufschrift Kompliment-O-MAT und durch ein kleines Blickfeld strahlten mich zwei Augenpaare an. Man bat mich, davor Platz zu nehmen.

Nun war meine Neugier geweckt. Die beiden Frauen hinter der Kabine befragten mich nach meinen Interessen und Gewohnheiten, fragten interessiert nach und reichten mir nach einigen Minuten nicht nur ein wirklich treffendes Portrait, sondern auch ein sehr schönes Kompliment. Ganz analog schafften es die beiden Frauen, mich glücklich und gerührt zu stimmen. Ich hatte die Wahl, mich auf das Experiment einzulassen, ich habe mich dafür entschieden und ließ mich für einen kurzen Moment verzaubern. Kompliment an die Erfinderinnen des Kompliment-O-MAT.

Manchmal sagt man mir nach, ich verwende viele Adjektive und beschreibe blumig Umgebungen und Ereignisse. Das mag vielleicht so sein. Wenn ich über das KörberHaus schreibe, drängeln sich die Adjektive vor meine Tastatur. Was ich in der Adventzeit, aber nicht nur da, im KörberHaus erleben dürfte, war in jeder Hinsicht wunderbar, beeindruckend, bunt und zauberhaft.

Einen guten Start in das dritte Jahr deines Bestehens, KörberHaus.

Fotos: Sabine Ziesmer

Veranstaltungen

Rechte Gewalt – „Nie wieder ist jetzt“

Ausstellung im Bezirksamt KörberHaus

Beitrag: Sabine Ziesmer

Im November gedenken wir Bergedorferinnen und Bergedorfer wieder gemeinsam der Opfer des Nationalsozialismus. Bereits vor einem Jahr habe ich einen Beitrag über das Gedenken und die Frage nach den Menschen, derer wir gedenken, in den Blog gestellt. Diese Frage treibt mich immer noch um. Durch den Besuch der Ausstellung „Rechte Gewalt in Hamburg von 1945 bis heute“ im KörberHaus wurde mein Fokus auf das gelenkt, was rechte Gewalt ausmachte und immer noch ausmacht. Rechtsextreme Überzeugungen, die Relativierung des Holocausts und antisemitische Positionen werden häufiger offen geäußert. Menschen mit Migrationsgeschichte erleben in ihrem Alltag viele Vorurteile und Ausgrenzungen, zunehmend auch Gewalt. In Bergedorf und dem „Drumrum“, wie es die „OMAS GEGEN RECHTS“ so treffend umschreiben, ist es ebenfalls Teil unseres gesellschaftlichen Diskurses geworden. Wahrscheinlich war es aber auch nie ganz weg, dieses verbindende Gefühl, rechte Weltanschauung zu vertreten.

Als ich am Montag zur Eröffnung der Ausstellung kam, war ich über den Ansturm zunächst erstaunt, dann aber vor allem begeistert, dass ein so großes Interesse bestand. Neben den vielen älteren Menschen konnte ich auch Jugendliche ausmachen, die in Gruppen beieinander standen und interessiert den Vorträgen der verschiedenen Unterstützer lauschten. Die „OMAS GEGEN RECHTS“ legten eine beeindruckende musikalische Performance hin, die die Kraft des Wortes und einer eindeutigen Haltung schwungvoll begleitete. In drei Räumen erfahren Besucher und Besucherinnen in Bild und Text schockierende Berichte über Menschen, die in Hamburg Opfer rechter Gewalt wurden. Schulklassen haben sich bereits für den Besuch der Ausstellung angemeldet. Engagierte Lehrerinnen und Lehrer können aus dem großen Angebot entsprechende Teilbereiche auswählen.

Im Rahmen der Wochen des Gedenkens werden aber auch Rundgänge angeboten, zum Beispiel auf dem Friedhof oder entlang der Stolpersteine, Konzerte gegeben, Filme gezeigt und Gottesdienste abgehalten. Im Mittelpunkt steht immer das Leitmotiv „Nie wieder ist jetzt“. Alle Angebote dienen dem Innehalten und Gedenken und helfen beim Erkennen und Benennen von Hetze und Lüge. Der „bedauerliche Einzelfall“ ist zum Alltag vieler Menschen geworden, die sich vermeintlich von der Masse unterscheiden. Die Gleichwertigkeit aller Menschen ist nicht nur wesentlicher Bestandteil unserer Verfassung, es muss auch ein erklärtes Ziel von uns allen sein, Verantwortung zu übernehmen und eigenes alltägliches Handeln immer wieder zu überprüfen. Das ist eine große Aufgabe, der sich die Initiatoren der Wochen des Gedenkens gestellt haben.

Als ich gegen 19.00 Uhr die Treppen zum Eingangsbereich des KörberHauses hinabstieg, konnte ich auf allen Ebenen junge Leute unterschiedlichster Herkunft und Sprache beobachten, die in Kleingruppen am Tablet oder mit Schulbüchern in die unterschiedlichsten Themen vertieft waren. Immer wenn ich hier sein kann, fallen mir diese fröhlich lernenden Jugendlichen auf. Das KörberHaus bietet ihnen einen Ort, an dem sie lernen, diskutieren, lachen und zusammenkommen dürfen. Das ist gelebtes Miteinander, Akzeptanz auf Augenhöhe und ein Stück Heimat. Diese Momente lassen mich hoffen.

Fotos aus dem Katalog zur Ausstellung „Rechte Gewalt in Hamburg: von 1945 bis heute“, KZ Gedenkstätte Neuengamme.

Festliches, Veranstaltungen

Erntedank

Beitrag: Sabine Ziesmer

Danke für die Gaben

„Was der Mensch sät, das wird er ernten“, so steht es bereits in der Bibel. Wir schenken der Arbeit von Bauern und Bäuerinnen nicht mehr die Beachtung, die sie früher einmal fand und die ihnen angesichts ihrer Bedeutung auch zusteht. Die Erzeugung unserer Grundnahrungsmittel ist in unserer Gesellschaft ein großes Mysterium. Wir kaufen unsere Lebensmittel in üppig gefüllten, hell ausgeleuchteten Supermärkten. Dass der Apfel aus Südafrika kommt, wenn bei uns die ersten Blüten an den Bäumen sichtbar werden, fällt uns bisweilen gar nicht auf. Erdbeeren im Dezember sind so normal wie Kartoffeln aus Ägypten. Aber auch hier hat der Mensch gesät und die Ernte eingebracht. Es stünde uns gut zu Gesicht, wenn wir darauf mit Dankbarkeit blickten.

Aus dieser Perspektive schaut man ganz anders auf das Erntedankfest, das bereits in der Antike gefeiert wurde. Es dient nicht nur der Freude, mit anderen Menschen die Fülle des Lebens zu bestaunen, es ist auch ein Innehalten in unserer schnellen und unübersichtlichen Welt.

Der große Festumzug, der an jedem ersten Sonntag im Oktober in Kirchwerder stattfindet und zu den bedeutendsten Ernteumzügen deutschlandweit zählt, bietet dazu Anlass. Seit annähernd 50 Jahren engagiert sich die bäuerliche Gemeinschaft aus den Vier- und Marschlanden, unterstützt von Vereinen, Handwerksbetrieben und verschiedensten Gruppen, für dieses Fest. 30 herbstlich geschmückte Wagen und noch einmal so viele Spielmannszüge, Pferdegespanne, Trachtengruppen, Sportvereine und Kindertagesstätten ziehen vorbei an mehreren zehntausend begeisterten Zuschauern und Zuschauerinnen Richtung Zollenspieker.  Ein Fest für die Sinne, angesichts der Farbenpracht, für die Kinder, deren Beutel sich mit bunten Bonbons füllen und für alle Beteiligten aus dieser Region. Sie fühlen sich in ihrer Arbeit gesehen und geschätzt. Ich mag die großen Erntekronen sehr, deren vier Streben für Hoffnung, Glaube, Dank und Fürsorge stehen. Darauf sollte man sich nicht nur zum Erntedankfest besinnen.

Am Zollenspieker findet ein kleiner Landmarkt statt, auf dessen Bühne neben den Ernteköniginnen auch der Hamburger Bürgermeister lobende Worte für das gelungene Fest findet und Musik und Kuchen von den Landfrauen für eine fröhliche Atmosphäre sorgen. Am Deich stehen die geschmückten Fahrzeuge, Menschen lachen miteinander, Kinder tauschen ihre Naschereien, die sie entlang des Umzuges einsammeln konnten und die Sonne taucht alles in herbstliches Licht.

Danke für diese Fülle an Fröhlichkeit und Vielfalt.

Fotos: Sabine Ziesmer

Aus der Region

Stadt, Land, Fluss

1.Oktober 2024

Beitrag: Sabine Ziesmer

Wenn ich mit meiner Tochter einmal wieder richtig schön bummeln gehen wollte, unterschied sie stets zwischen „Kleine Stadt“ und „Große Stadt“. Sie liebte das Überschaubare und Gemütliche. So fuhren wir, zumeist mit dem Fahrrad, fröhlich von Kirchwerder in den Vierlanden in die „Kleine Stadt“ Bergedorf.

Als ich mich am letzten Sonntag an eben diese Ausflüge erinnerte, kamen mir der „Landmarkt“ und der verkaufsoffene Sonntag sehr gelegen. Ich war überrascht, dass es so viele Menschen in meine „Kleine Stadt“ gezogen hatte. Das würde die verschiedenen Einzelhändler sicher sehr freuen. Es fühlte sich alles sehr städtisch an, Gedränge wie in der Mönckebergstraße. Ich suchte nun nach der Verbindung zum Land, das rund um Bergedorf mit den Vier- und Marschlanden immer gegenwärtig ist. Nach wenigen Metern konnte ich einen kurzen Blick auf 3 unglückliche Heidschnucken werfen, die auch dem intensivsten Locken der umstehenden Kinder widerstanden. Sie verließen ihren Hänger nicht. Streicheln oder Füttern rückten in weite Ferne. Mal schauen womit sich unsere ländliche Region besser präsentieren würde. Die überschaubare Ansammlung verschiedenster Kürbisse und der farbenfrohe Hinweis auf das Erntedankfest am 6.10. ließen mich hoffen. Der „Landmarkt“ entpuppte sich dann als das, was leider fast alle kleineren saisonalen Märkte kennzeichnet: eine Ansammlung von Kitsch und Tand zu Bratwurst und Bier. Der kleine kolumbianische Kaffeewagen lud mich dann doch zu einem kurzen Zwischenstopp ein, zumindest für einen guten Espresso. Ich werde lieber die nächsten Tage wiederkommen, denn Bergedorf bietet mit seiner Schlosskulisse und den vielen liebevoll gestalteten Cafés viele Möglichkeiten des Verweilens ganz ohne Landmarkt.

Im Anschluss an meinen misslungenen Versuch, Stadt und Land an diesem Sonntag in Bergedorf vereint zu sehen, zog es mich ans Wasser. Am Bergedorfer Hafen herrschte auch Gedränge und an der Elbe in Kirchwerder hatten die Angler alle Strandabschnitte belegt. So besuchte ich eine Freundin, die in unmittelbarer Nachbarschaft zur Reitbrooker Mühle ein schönes Wassergrundstück an der Dove Elbe ihr Eigen nennt. Es war an diesem sonnigen Tag ein versöhnlicher Ausklang am Fluss.

Fotos: Sabine Ziesmer

Festliches, Freizeit & Reise, Veranstaltungen

Wenn Bach Bienen gezüchtet hätte

Beitrag: Sabine Ziesmer

„Wenn Bach Bienen gezüchtet hätte“

Schöner könnte sich Hamburg an diesem Freitagabend nicht präsentieren. Ein Flirren und Summen hängt in der lauen Sommerluft. Von allen Seiten strömen Menschen zum Rathausplatz in Hamburg. Unter freiem Himmel wird Chefdirigent Kent Nagano die Hamburger Opernliebhaber mit einem besonderen Geschenk überraschen, der Kantate „Carmina Burana“ von Carl Orff. Auf 3000 eigens für diesen Anlass aufgestellten Stühlen freuen sich Zuschauer aller Altersgruppen auf dieses gemeinsame Erlebnis.

Man kann den Moment magisch nennen, als Kent Nagano den Taktstock hebt, um den Streichern das Summen eines Bienenschwarms zu entlocken. Das Stück trägt den Namen „Wenn Bach Bienen gezüchtet hätte…“ und fängt die Stimmung des Abends wunderbar ein, der auf eine unerwartet stille Art Harmonie und Verbundenheit weiterträgt.  Wie in einer blauen Wabe entwickeln sich die einzigartigen Klänge des Philharmonischen Orchesters und finden Widerhall in den Stimmen des Chores der Hamburger Staatsoper und des Hamburger Knabenchors. Auch das ehrwürdige Hamburger Rathaus und die umliegenden Fleete erstrahlen in diesem Blau.

(Anmerkung: die Veranstaltung ist barrierefrei, kostenlos und sehr gut organisiert)

Fotos: Sabine Ziesmer

Geschichten und Gedichte

Wie ich im Ruhestand doch Ruhe fand

Beitrag: Sabine Ziesmer

Twenty-four-seven beschreibt es schnörkellos und sachlich: Rund um die Uhr, 24 Stunden an 7 Tagen, sollte man erreichbar und einsatzbereit sein. Man beschreibt damit die Rolle des arbeitenden Menschen in einer digitalen Welt.

Ich bin 67 Jahre alt und seit nunmehr 18 Monaten im Ruhestand. Wenn ich früher nicht erreichbar sein wollte, musste ich nur nicht ans Telefon gehen und die Türklingel einfach Türklingel sein lassen. Wir waren halt analog unterwegs. Das ist allerdings sehr kurz gedacht. Ich habe Schule und Studium zumindest mitfinanzieren müssen, als Arbeiterkind waren die Spielräume eng. Rund um die Uhr kreisten die Gedanken um den Job und die Ausbildung. 24 Stunden an 7 Tagen erlebte ich Anstrengung und Existenzangst. Die ersten Berufsjahre überschnitten sich mit der Erziehung meiner Tochter und der Entscheidung, als alleinerziehende Mutter für alles zuständig sein zu wollen und zu müssen. Wieder twenty-four-seven und wieder unfreiwillig. Irgendwann beginnt man eine Abhängigkeit von dieser allgegenwärtigen Belastung zu entwickeln. Wenn ich nicht völlig erschöpft in meine Kissen sank, erklärte ich meinen Tag für unausgefüllt. Die Grenze der Belastbarkeit wird immer weiter nach oben verschoben. Das galt früher und gilt auch heute. Natürlich wurde das Arbeitsaufkommen für mich im Laufe der Zeit weniger und die Ruhephase länger, aber so ganz ohne Struktur und Stress wollte ich auch nicht sein und ich verstand es gut, mich und mein Leben in Bewegung zu halten.

Begeisterung für das Ehrenamt. Bildgestaltung: HGZstudioDE

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Aus der Region, Veranstaltungen

Dem Leben eine Zugabe abringen

Beitrag: Sabine Ziesmer

Was ist eigentlich der Zugabe-Preis des KörberHauses genau? Wir sitzen in unserer monatlichen Sitzung von „bergedorf.blog“ und sprechen über mögliche Themen und anstehende Veranstaltungen. Ich bin ja immer noch ein Neuling im Kreise der versierten Schreiber und Schreiberinnen. Also frage ich mich zuerst einmal durch. Eigentlich möchte ich gern die Veranstaltung „Der Zugabe-Preis 24“ besuchen, angemeldet hatte ich mich bereits. Was liegt näher als auch darüber zu schreiben. Nun fühle ich mich doch etwas gestresst. Ich weiß eigentlich wenig über den Preis. Zu wenig, um darüber zu schreiben. „Geh einfach hin, lasse es auf dich wirken und entscheide dann, was du aus deinen Eindrücken machst.“ Ich freue mich über die Gelassenheit meiner Kollegin und auf die anstehende Veranstaltung.

Gustav Peter Wöhler Band

Seit 2019 werden jährlich in einer festlichen Gala „Gründerinnen und Gründer 60 plus“ wegen ihres besonderen gesellschaftlichen Engagements geehrt. Jeder Platz im Lichtwark Theater ist besetzt. Es herrscht eine fröhlich gespannte Atmosphäre. Man kennt einander, wenn nicht, kommt man trotzdem ins Gespräch. Fast alle wohnen dieser Verleihung nicht zum ersten Mal bei. Ich freue mich auf Gustav Peter Wöhler, dessen Musik die Feierlichkeiten flankieren wird. Durch den Abend führt die charmante NDR-Moderatorin Inka Schneider.

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