Beitrag: Tom Schmidt


Über jemanden zu schreiben, den jeder kennt (zumindest in den Vier -und Marschlanden), über den, in all den letzten Jahren, bereits alles Wissenswerte berichtet worden ist und der im Fernsehen diverse Male zu sehen war, ist eigentlich überflüssig. Natürlich kannte ich als Zugezogener seinen Namen, viele haben mir von ihm erzählt und ich dachte immer, der Mensch hat hier im Landgebiet Legendenstatus. Ich hatte aber nie die Möglichkeit, ihn persönlich kennenzulernen. Ihn zu fragen, was ihn all die Jahre antreibt, 5 Tage die Woche dafür zu sorgen, die Menschen im Landgebiet mit seinem Verkaufswagen mit dem nötigsten zu versorgen. Viele werden jetzt sagen, das kann nur Peter Schütze sein, eine Institution auf 4 Rädern mit unzähligen Aufgaben, die heutzutage ein wenig aus der Zeit gefallen und in Städten undenkbar sind.
So einen Menschen muss man einfach persönlich kennen lernen, dachte ich mir. Ein Gesprächstermin mit Peter war schnell vereinbart, gestaltete sich aber ein wenig schwierig, da wir uns an seinem Verkaufswagen am Kirchwerder Landweg 190 gegen 7.15 Uhr verabredet hatten, wo er jeden Morgen von 6 – 8 Uhr vor seinen Touren durch das Landgebiet steht. Zu dieser Uhrzeit keine gute Idee, wie ich an der Schlange merkte, denn an dem Wagen steppte der Bär. Brötchen, Croissants, belegte Brötchen oder Coffee to go gingen hier im Sekundentakt über den Tresen. Ein neuer Termin war schnell ausgemacht und es erwartete mich ein äußerst spannendes Gespräch mit einem Menschen, dem man gleich zu Beginn des Gesprächs anmerkte, hier sitzt jemand, dessen Beruf seine Berufung ist. Ein Mensch, für den der Kontakt zu seinen Kunden Lebenselixier ist, der über ein hohes Maß an Empathie verfügt, gut zuhören kann und hilfsbereit ist, wenn es darauf ankommt. Also jemand, über den sich die Kundinnen und Kunden freuen, wenn er mit seinem Verkaufswagen bei Ihnen vorfährt. Und auf etwas ist er besonders stolz: Seine Pünktlichkeit auf den jeweiligen Touren. So ist es nicht unüblich, dass seine überwiegend weibliche Kundschaft bei gutem Wetter an der Straße steht und auf ihn wartet.
Die Idee zum Verkaufswagen hatte sein Vater 1964. Eine vollkommen andere Zeit, in der es im Landgebiet weder Edeka oder Rewe gab und lediglich kleine Einzelhandelsgeschäfte für die Grundversorgung vorhanden waren. Der Einkaufswagen, gefüllt mit Backwaren war somit das Bindeglied für die in den Gartenanbaubetrieben 7 Tage die Woche arbeitende Bevölkerung, um aufgrund fehlender Zeit die nötigsten Einkäufe vor der Haustür erledigen zu können. 1990 hat Peter dann den Verkaufswagen von seinem Vater übernommen, der bis 2016 mit einem wesentlich umfangreicheren Sortiment ausgestattet und begehbar war. Mit dem Anfang der 2000er-Jahre beginnenden Strukturwandel in Deutschland veränderte sich auch sukzessive das Einkaufsverhalten im Landgebiet, dass von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen besonders betroffen war. Die leidige Coronazeit hingegen brachte einen unerwarteten Aufschwung, der Einkaufswagen war im Dauereinsatz und für unzählige Menschen der rettende Anker.
In diesen unruhigen Zeiten war Peter für seine Kunden weiterhin der Fels in der Brandung und das gilt in unserer schnelllebigen Zeit heute mehr denn je. In seinem kleinen, aber feinen Einkaufsparadies können die Kundinnen und Kunden unter anderem Brot und Backwaren, Getränke, Kaffee, Eier, Süßwaren, Kekse, Milch, Marmelade, Zeitschriften etc. kaufen. Seine absoluten Renner sind unverändert Dinkelvollkornbrot, Butterkuchen und Mohnzopf. Viele seiner Produkte bezieht er selbstverständlich von örtlichen Anbietern, das ist eine Voraussetzung für seinen Erfolg. Selbstredend können Bestellungen aufgegeben werden, viele seiner Kunden sind älter, zum Teil alleinstehend und nicht mehr so mobil unterwegs. Somit kommen wir zu einer weiteren Funktion von Peter: immer ein offenes Ohr haben für Klatsch und Trasch im Landgebiet oder Gesprächspartner für zwischenmenschliche und gesundheitliche Probleme oder sonstigen aktuellen Ereignissen. Verschwiegenheit ist hier die Basis für das Vertrauen, dass die Menschen ihm entgegenbringen.

Peter ist also ein Mensch mit vielen Talenten und unzähligen Aufgaben. Und das fünf Tage die Woche. Hat so jemand überhaupt Zeit für Hobbys? Hat er natürlich. So ist er unter anderem Mitorganisator des größten Events in den Vier – und Marschlanden, dem Erntedankfest und seit Jahrzehnten Mitglied in der Vierländer Speeldeel. In der Öffentlichkeit zu stehen, kennt er. Entsprechend ist er Mitglied des Ensemble Speeldeel Fründschaft in Altengamme, einer plattdeutsche Laientheatergruppe.

Fazit: Die Überschrift lautet „Eine Institution auf 4 Rädern“. Im übertragenen Sinne drückt der Begriff „Institution“ Beständigkeit, Verlässlichkeit und hohe gesellschaftliche Anerkennung aus. Ich denke, diese Attribute charakterisieren Peter Schütze hervorragend.
Fotos: Tom Schmidt