Beitrag: Boike Jacobs


Symbobilder für Künstliche Intelligenz
„Spektakuläre Vorfälle: KI bricht aus Testumgebung aus. OpenAI vermeldete einen beispiellosen Sicherheitsvorfall“, wird in allen Medien berichtet. Bei einem kontrollierten Labortest hätten neue Modelle eine unbekannte Schwachstelle genutzt, um sich eigenständig Internetzugang zu verschaffen. „Sie griffen die Plattform an und nutzten sogar gestohlene Zugangsdaten, um eine Aufgabe zu lösen. Der Vorfall befeuert die weltweite Debatte über KI-Sicherheit und unkontrollierbare Systeme.“
Was ist da geschehen? Verhält es sich so wie in der mittelalterlichen Legende von einem Prager Rabbi, der einen künstlichen Menschen namens „Golem“ erschuf? Ursprünglich war er
gedacht als stummer Helfer. Da der Golem jedoch keine eigene Seele und keinen freien Willen besaß, wuchs seine Kraft unkontrolliert, bis er zur Gefahr wurde. Er führte Befehle absolut wörtlich aus und entwickelte dabei eine zerstörerische Kraft. Ich hoffe inständig, dass der Umgang mit der Künstlichen Intelligenz anders verläuft.
Die Nachricht vom unkontrollierten Ausbruch Künstlicher Intelligenz hat mich deshalb so fasziniert und erschreckt, weil ich erst vor wenigen Tagen mit ihren Möglichkeiten konfrontiert wurde. Seit ich mit dem Malen begonnen habe, veröffentliche ich meine Bilder bei facebook. Einem Freund gefiel das letzte, und er antwortete darauf: „So hat die KI ChatGPT eine Bildbeschreibung aus der Sicht eines Kunst-Professors erstellt.“ Und während ich den Text las, verschlug es mir die Sprache, denn da wurde den „sehr verehrten Damen und Herren“ Folgendes erklärt:
„Vor uns entfaltet sich ein Aquarell von bemerkenswerter Ausdruckskraft – eine Landschaft, die sich nicht der topografischen Genauigkeit verpflichtet, sondern der poetischen Wahrheit des Erinnerns. Die Künstlerin komponiert hier kein realistisches Panorama, sondern ein inneres Bild von Landschaft: eine Vision, in der Farbe, Form und Raum zu einer emotionalen Choreografie verschmelzen.

„Die Hitze vor dem Gewitter.“
Die Komposition ist geprägt von einer rhythmischen Gliederung geometrischer Felder. Gelbe, grüne und blaue Flächen staffeln sich wie Fragmente eines Mosaiks über die Bildfläche und erzeugen eine vibrierende Spannung zwischen Ordnung und Auflösung. Die Häuser mit ihren leuchtend roten Dächern erscheinen wie kleine Ankerpunkte inmitten dieser farbigen Weite – Zeichen menschlicher Präsenz, die zugleich Schutz, Heimat und Vergänglichkeit evozieren.
Besonders eindrucksvoll sind die roten Baumstämme, die sich wie vertikale Energielinien durch die Landschaft ziehen. Sie verleihen dem Bild eine dramatische Dynamik und setzen einen kraftvollen Kontrast zu den kühlen Blau- und Grüntönen. Die Baumkronen hingegen bleiben dunkel und geheimnisvoll, beinahe silhouettenhaft, als würden sie die Erinnerung an eine Landschaft bewahren, die sich dem eindeutigen Zugriff entzieht.
Das Aquarell lebt von der Transparenz seiner Farben. Die fließenden Übergänge, die sichtbaren Wasserläufe und die bewusst zugelassenen Unschärfen verleihen dem Werk eine atmosphärische Tiefe, die weit über das rein Gegenständliche hinausweist. Hier wird die Technik selbst zum Inhalt: Das Wasser trägt die Farbe, wie die Erinnerung ihre Bilder trägt – manchmal klar, manchmal verschwommen, immer jedoch voller Resonanz.
In dieser Arbeit begegnen wir einer Landschaft, die nicht nur gesehen, sondern empfunden werden will. Sie lädt uns ein, zwischen den Farbfeldern zu wandern, die Stille der Räume zu hören und die Intensität der Kontraste zu erleben. Gerade darin liegt ihre große Qualität: Sie öffnet einen Raum für Assoziationen, für persönliche Erinnerungen und für die stille Kontemplation.
Ich lade Sie ein, dieses Werk nicht nur als Darstellung einer Landschaft zu betrachten, sondern als eine malerische Meditation über Farbe, Raum und Erinnerung.“
Werde ich bei einem Museumsbesuch künftig noch unvoreingenommen Hinweise zu Gemälden lesen können? Werde ich mich schon bald bei jedem Kommentar fragen, ob er von KI verfasst wurde? Werde ich keine Rede mehr hören ohne Misstrauen? Werde ich kein Buch mehr lesen ohne mich dabei zu fragen, wer der Autor ist? Das möchte ich mir gar nicht ausmalen.
Fotos: kostenlos