Aus der Region, Damals war's

Bergedorf vor 50 Jahren

Café Möller

Beitrag: Jürgen Sakuth

An der Fassade mit den elf Fenster, hinter deren blitzblankem Glas rosa Begonien unter gerafften Gardinen blühen, steht in klarer Schrift „Kaffee Möller“. Wer den Duden“ aufschlägt, wird nun beides finden: Kaffee-Haus und Café. Doch sei das französische Wort gebräuchlicher, bemerkt das kluge Buch. Auch Konditormeister Möller mag diese Bezeichnung lieber, nicht, weil sie etwa vornehmer klingt, sondern vielmehr an Sahnetorte und Butterkuchen erinnert. „Café“ – das ist zugleich auch Konditorei und keine Kaffeestube wie in Österreich, in der es kein Gebäck gibt. Da kommen sie ins „Café Möller“ auf eine Stippvisite in einer Pause, zu längerem Klönschnack auf Verabredung oder auch allein, Zeitung zu lesen und in Illustrierten zu blättern – die Händler vom Wochenmarkt und ihre Käufer, zumeist Hausfrauen und Rentner, Beamte und Angestellte, Richter und Anwälte vom nahen Gericht.

Einmal im Monat, wenn im nahegelegenen Gemeindehaus die Pflichtsitzung vorbei, besetzen eine der Boxen im hinteren Teil des Cafés in früherer Zeit zu erkennen an Kleidung und Gebaren – die Pastoren aus Bergedorf, Geesthacht und den Vier- und Marschlanden. Nicht ohne Stolz wollten sie Landprediger sein und hatten sich vor Zeiten zusammengeschlossen im „Verein Hamburgischer Landprediger“, kurz “ V. H.L.“ genannt. Das war ihre Wertmarke. Jeder einzelne hatte sein Profil.

Die fast immer dabei waren und zu den Getreuen im Lande gehörten, aber lange heimgingen, sollen genannt sen. Theodor Töners Patriarchengestalt gehörte zu Curslack. Fried Holz mit den markanten Zügen des Bauernpredigers, der so gerne Schach spielte, liebte seine Altengammer und ihre Kirche. Otto Grau aus Kirchwerder wurde zum Gründer einer Pastorengeneration in dieser großen Vierländer Gemeinde. Georg Behrmann, Sohn des bedeutenden Hauptpastors an St. Michaelis und Senior der Hamburgischen Landeskirche, war aus Mailand gekommen und wurde zum gütigen Seelsorger seiner Bergedorfer Gemeinde.

Im Café Möller ging es gemütlich zu, auch später noch, als die alten Landprediger und der rote Plüsch nicht mehr da waren und die neuen mit ihren Gemeinden im Strukturwandel der Zeiten immer mehr städtische Züge annahmen. Bei allem Ernst der Gespräche und der Problematik der Themen galt die Erfahrung eines schwäbischen Bauern auch für die norddeutschen Landprediger im Café Möller : „Der Humor kommt gleich nach dem heiligen Geist.“
Es wurde dort oft gelacht.

Quelle: Hudemann / Daur: Bergedorf Vier- und Marschlande, Christians Verlag 1974

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