Beitrag: Edith Kalisch
Zu diesem kleinen Bericht muss ich ein kleines Vorwort schreiben. Es begreift sonst kein Mensch. Also, ich sammle Scherben. Warum? Ich weiß es doch auch nicht. Das war jetzt alles. Es gibt so eine Erinnerung an Erzählungen meiner Mutter, die den schrecklichen Angriff auf Hamburg im Juli 1943 miterleben musste. Wie so viele Menschen nahm sie einen kleinen Koffer mit den wichtigsten und liebsten Dingen in den Keller ihres Wohnhauses. Meine Oma hatte wohl an diesem Tag eine Ahnung. Sie wollte nicht den Keller aufsuchen. Sie flüchteten zum Bunker am Berliner Tor. Die Ahnung erwies sich als folgerichtig. Das Haus, in dem sie gelebt hatten, war nur noch ein Trümmerhaufen.
Zu diesem fürchterlichen Ereignis gibt es noch viel zu erzählen. Aber, wie Erich Kästner oft gesagt hat, das gehört hier nicht her.
Nur, dass ich später die geretteten Fotos aus dem kleinen Koffer, immer mal wieder ansah. Eines zeigt die Puppenstube meiner Mutter. Und von da an bat ich meine Mutter, doch mal mit mir nach Borgfelde zu fahren. „Vielleicht finden wir ja noch etwas in den Trümmern.“ Nein, sie wollte es nicht. Damals verstand ich ihre Reaktion nicht. Heute, ja heute kann ich es nachvollziehen. So blieb es dabei.

Aber, wenn ich Spaziergänge unternehme durch Wald, auf Wegen, die mit dunklem Sand und kleinen Scherben von Glas- oder bzw. und winzigen Geschirrsplittern bedeckt sind, hebe ich den einen oder anderen auf. Viele Muster kenne ich. Stroh- und Zwiebelmuster, China blau. Merkwürdig fand ich, dass nie mehrere ähnliche Scherben dort liegen. Aber die Leidenschaft zu sammeln ist und bleibt geweckt.
Ich stelle mir vor, wie dieses Service gekauft, als Aussteuer gesammelt, letztlich von den Tellern gegessen wurde. Zu Zeiten, als noch nicht diese schrecklichen Bomben fielen.


Inzwischen habe ich natürlich recherchiert. Tatsächlich wurde der Trümmerschutt zur Befestigung von Wegen verwendet. Zerschreddert und verteilt. Öjendorfer Park, die Parkanlage Thörls in Borgfelde. Überall. Der Elbstrand bekam einen großen Teil ab.
Herr Heckel erzählte mir bei einem Kurs im Haus im Park, dass es eine Künstlerin gibt, von der ich doch bestimmt schon mal gehört hätte. Oder? Nein, hatte ich nicht. Sie sammelt ebenso wie ich. Viel professioneller als ich. Sie ist eben Künstlerin und hat auf ihrer Website sehr gut erklärt, warum und wieso sie sich mit dem Thema des Sammelns befasst. Nun begreife ich mich auch. Ich kann sie allen empfehlen, die neugierig geworden sind.
Mir spricht sie aus dem Herzen. Und so „sammle“ ich auch weiter. Vielen Dank Frau Nettelmann.
Dagmar Nettelmann Schuldt
Fotos: Edith Kalisch
Liebe Edith!
Scherben haben also doch einen Sinn, wie ich von Dir gelernt habe.
Ein schönes Hobby, das Du mit Begeisterung ausfüllt.
Scherben bringen Glück, bestimmt Dir auch. Deine Elke.
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Liebe Edith, ich werde also weiterhin Scherben sammeln.
Mal blau mal weiß mal grün.
Wo immer ich gehe denke ich dann, dass wäre vielleicht etwas für Edith
Lg Ingrid
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