Humorvolles, Plattdeutsche Texte

Op de Sooß kümmt dat an

Beitrag: Jürgen Sakuth

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Odje Möller un Matten Kohrs hebbt sik na vele Johr’n tofällig anin Haven drapen. Dor verwunnert dat nich, wat se al na in Veerdelstünn in de neegst legen Kööminsel landt sünd. All de olen Geschichten ut de Kinner-, School- un Jugendtiet kummt nu mit hoochrode Köpp op’n Disch, un männicheen Kööm un Beer hett mitholpen, wat dat Besinnen op de olen Tieden noch wat beter tostann’n keem.
An’n Enn kummt se ok op dat Eten to snacken, un se besinnt sik op all de smackliche Kost ut de Jugendtiet: Beern, Bohnen un Speck, Bookwetengrütt, Swattsuer, Gröönkohl mit Swiensback un bruunröst söte Kantüffeln, Boddermelksklümp un so wieder, un so wieder. Dor seggt Odje Möller miteenst:
„Weets du Matten, ik eet siet Johren an’n leefsten Hackfleeschklüten mit ’n pikante Sooß na’n egen Rezept!“
„Jümmers blots Hackfleeschklüten? Naja, Odje, dor harr ik denn aver bilütten keen Bock mehr op“, meen Matten Kohrs nu.
„Na kloor doch, dat kannst du mi glöven, mien leevst Eten is siet vele Johren mien huusmaakt Hackfleeschklüten!“
„Hest du denn ’n besünneres Rezept or besünneres Fleesch? Or wat is dien Geheemnis?“
„Och ne, dat egens nich. De Hackfleeschklüten, de maak ik jüst so as uns Möder dat fröher ok maakt hebbt. Man, wenn se goot bruunbraadt sünd, denn warrt de Pann mit söss Glöös Himbeergeist flambeert un mit’n lütten Schööt Berenlikör aflöscht!“
Minsch Odie“, meen Matten dor, „Kann een dat överhaupt so eten? Smeckt dat denn överhaupt?“
„Naja, de Hackfleschklüten, de smeckt jüst so, as solk Klüten nu mal smeckt. Aver na de Sooß, Matten, dat segg ik di, na de Sooß, dor lickst di all teihn Finger na af!“

Quelle: Heinrich Evers „Dat dröfft doch mal seggt warrn!“
(Balticum Verlagsgesellschaft und Werbeagentur GmbH)

Humorvolles, Plattdeutsche Texte

Dat heff ik mi dacht

Beitrag: Jürgen Sakuth

Berni Overdieck leep mit sien 39 Johren jümmers noch as Eenspänner dörch de Welt. He harr eenfach noch nich de Fru för’t Hart un Leven funnen. Man he weer egens mehr as tofreden mit düssen Tostand un dee sien Daagwark as Knecht op Buer Osterkamp sien Hoff in Seh lendörp mit Leev un Fliet.
Dat änner sik aver opeenst, as Stiene Schlichting op de Buernsteed vun’n Naver as Kööksch anfüng. Düsse Deern gefüll em bannig goot. Stiene, de müch he lieden.
Jo un Stiene, de harr em ok al de gröttst plattdüütsch Leevsverkloren tokamen laten, de dat bi de Plattdüütsche geven deit. Se harr to em seggt:
„Berni, du büst mi egens ok nich ganz unsympaatsch!“
Vunavend harrn de Twee weller ’n Verafreden, se wull’n sik mal weller drapen. Dor dat ’n zappendüüster Nacht weer, nehm Berni sik de bren nen Lantücht vun’n Haken, de in’n Düüstern vör de Schüün vun’n Hoff opbummelt weer.
As he graad los wull, keem Buer Osterkamp dor överto un wull sien Knecht mal so’n beten op’e Schipp nehm’n. He see mi’t swiensplietsch Smuustern:
„Wenn ik fröher to mien Wanda güng, Berni, heff ik nie nich ’n Lantücht mitnahmen. Dat güng doch ahn veel beter. Een harr denn doch tominnst beide Hannen frie!“ Berni grien torüch: „Dat heff ik mi doch glieks dacht, as ik dien Fru ankeken heff. Harrst man beter ok ’n Lantücht mitnahmen, Buer!“

Quelle: Heinrich Evers „Dat dröfft doch mal seggt warrn!“
(Balticum Verlagsgesellschaft und Werbeagentur GmbH)
Illustration: Elke Grotelüschen

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Meern ut’n Leven

Beitrag: Jürgen Sakuth

Hest du di al mal Lüüd ankek’n, de bummelig so oolt sünd as du sülvst?
Hest du dor ok mal bi dacht: Dat kann doch wull nich angahn, wat de
al so oolt un klapperig utseht. Mien Naversche hett mi annerletzt dorto
wat bericht. Se kümmt ut Ollenborg in Ollenborg, hett den smucken,
olen, freeschen Naam Marret un vertell mi:
Ik seet annerletzt in’n Töövruum vun mien niegen Tähnklempner. Ik harr
mien allereersten Termin bi em un keek mi ’n beten in sien’n Töövruum
üm. Weer jo allens wat Nieges för mi. An’e Finsterwand hüng ok sein
Diplom, un dat dröög sien’n vullen Naam: Willem Söötbeer.

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Sluckop

Beitrag: Jürgen Sakuth

Buer Willem Brodersen ut Marxdorp kummt in’e „Ule-stadt-Afteek“
vun Niestadt in Holsteen un fraagt den Pillendreiher glieks:
„Kann ik hier wull ’n heel godes Middel gegen so’n duersam wohren Sluckop köpen?
Ahn op den Buern sien Fraag intogahn un ahn lang en Woort to snacken,
geiht de Afteker na achtern in sien Warkruum, kummt mit ’n klitschnatt
Faatdook torüch un haut em dat links un rechts mit ollig Smackes üm
sien Horchlappens.
Denn fraagt he heel fründli: „Na, Willem, wat seggst du dorto, dien
Sluckop hest du nu wull al lang weller vergeten? So’n lütten Schock is
noch jümmers dat best‘ Huusmiddel. Laat di dat man vun so’n erfohren
Afteker as ik segg’n!“
Willem Brodersen löppt dat Water man so vun sien blootrode Wangen,
un he is messennatt an’n Liev.
Bannig vergretzt see he blots noch:
„Tscha, Herr Afteker, dat mit den Schock, dat mag jo wull so sien.
Dör möökt se mit Recht hebb’n. Aver, wat den Sluckop anlangt, den
Sluckop hett jo mien Fru un de sitt buten op mien Ackerwagen!“

Quelle: Heinrich Evers „Dat dröfft doch mal seggt warrn!“
(Balticum Verlagsgesellschaft und Werbeagentur GmbH)
Illustration: Elke Grotelüschen

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Fischsupp

Beitrag: Jürgen Sakuth

Elke Grotelüschen hett maleenst ’n nieget Rezept op’e Rücksiet vun’n
Klennerblatt funnen un wull dat glieks mal utprobeern: Fischsupp mit
Look.
Se güng an’n Friedag na’n Fischhöker op’n Wekenmarkt vun Niestadt
in Holsteen un seggt:
„Ik harr geern ’n lütt Stück Dösch!“
De Fischhöker wiest ehr mit sien Mess de Steed, wo he achtern vun
den groten Dösch wat afsnieden wull un fraagt:
„So veel?“
„Jo“, seggt se, „dat is akkerat so veel as ik bruuk. Maakt Se mi man ok
glieks noch de Graden rut!“

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80. Geboortsdag

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Beitrag: Helmut Marquardt

Opa fiert Geboortsdag hüüt,
Opa de ward 80 Johr.
Tau düssen Festdag kummt n’ Menge Lüüd,
düsse Dag ward richtig swoor.
Freuh an’n Morgen kummt vörbi
Paster Peter Pütten,
verdeelt sien Seegen näbenbi
un dann gifft dat noch’n Lütten.
Up eenmal is dann dor
Keunig Gustav mit sien Schütten.
De steiht Spalier, dat is doch kloor
un dat gifft dat noch ’n Lütten.
Klock 11 dann kummt Naber Nieden
mit sien dicke Olsch dortau.
Se snackt lang vun ole Tieden,
Opa seggt blots noch jo jo.
Dat Gesabbel deiht em nich veel nütten
un dann gifft dat noch’n Lütten.
Mit n‘ Mal steiht de Füerwehr in’ne Dör
de hebbt hüüt mal nix tau sprütten.
20 Mann sünd keen Malheur
un dann gifft dat noch’n Lütten.
Opa glövt, he hett sik verkäken,
in de Döör dor steiht Tant Krütten.
Mit de hett he nu gor nich räken
un dann gifft dat noch’n Lütten.
Vun Roden Krüüz dor kummt Fro Schlingen
ehr Gesicht is witt as Bütten.
Se deiht em n‘ Ständchen bringen
un dann gifft dat noch’n Lütten.
Ok de Fautballspeelers kaamt vörbi,
de bruukt he nich lang tau bidden.
Opa schickt jem up de Galerie
un dann gifft dat noch’n Lütten.
Tau Koffitiet dor kummt Armanda
se is mit sien Fro an’n knütten.
Sett sik mit ihr up de Veranda
un dann gifft dat noch’n Lütten.
Ok de Börgermeester kummt tau’n graleern
doch Opa will em gor nich seen.
Segg em man, he sall na Huus sik scheern,
denn sien Gesabbel, dat versteiht keeneen.
’n Menge Lüüd hett he hüüt drapen,
fief Buddel Kööm hebbst em utsapen
un Opa hett vun all de Lütten
an Avend düchtig een sitten.
Annern Dag’s is em dat kloor,
ok wenn man em deit düchtig bitten
dann gifft dat in’n taukamen Johr
tau sien Geboortsdag wiss k  e  e  n Lütten.                             

Photo by Gerd Altmann on Pexels.com

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Google weet allens

Beitrag: Jürgen Sakuth

As ik annerletzt in mien Köhlschapp keek, müss ik bang sien to verhun-
gern. Blots lütt beten Armlüüdbotter, en half Glas Mostrich un beten To-
matenschü kunn ik finnen. Allens annere weer opeten. Ik harr vergeten
intoköpen. Aver dat gifft jo ok in Niestadt in Holsteen per Klöönkasten
wat gegen dat Verhungern. Vun’t Fleesch mutt hier keeneen fall’in. Ik
reep also mien Pizzeria an:
„Hallo! Is dor de Pizzeria ‚La Trattoria“? Ik wörr geern wat to’n Eten
bestell’n!“
„Nein, hier ist der Pizza-Service von Google!“
„Dat deit mi leed. Denn heff ik mi wull ’n verkehrte Nummer opschre-
ven!“
„Nein, das haben Sie nicht! Google hat diese Nummer gekauft!“
„Na, dat sall mi recht sien. Denn müch ik geern…“
„Wollen Sie das Übliche?“
„Wat heet hier dat Übliche? Woher wüllt Se dat denn weten?“
„Laut unseren Aufzeichnungen haben Sie bei den letzten zehn Anrufen
immer die Pizza mit Käse, Salami und dicker Kruste bestellt!“
„Kloor, dat is richtig, un nipp un nau dat will ik vundaag ok weller
hebb’n!“
„Dürfte ich vorschlagen, daß Sie dieses Mal eine Pizza mit Paprika, Ru-
cula, Zwiebeln und getrockneten Tomaten bestellen?“
„Ne, laat mi an Land mit dat vele Grööntüüch. Ik will Wust un Kees op
mien Pizza hebb’n un dat, wenn’t geiht, nich to knapp!“
„Aber Ihre Cholesterin-Werte sind nicht so gut!“
„Wat weet Se denn vun mien Cholesterin-Weerten?“
„Aus Ihrem Gesundheits-Profil. Wir haben die Resultate Ihrer Blutwerte
der letzten acht Jahre!“
„Mien Heelmiddel nehm ik jümmers an’n Morgen in, un dat heff ik
vundaag ok daan. Man nu laat man dat Snacken na, ik will wat to Eten
hebb’n! Ik heff ’n bannigen Smacht!“

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Humorvolles

Techtelmechtel

Beitrag: Helmut Marquardt

In der Nordsee fanden sie zusammen,
die platte Scholle und der dicke Dorsch.
Der Schollen Herz sogleich stand lichterloh in Flammen,
denn sie wusste, so ein Dorsch ist unglaublich forsch.
Dieser auch nicht lange fackelt,
kurz mit seinen Kiemen wackelt
und auf dem Weg zum Nordseegrunde
reicht er die Flosse ihr zum Bunde.
Alsdann ging’s ab in Richtung Küste,
wo er ein stilles Plätzchen wüsste.
Da sprach die Scholle, sag mal ehrlich,
ist das für uns nicht zu gefährlich.
Der dicke Dorsch verzieht nicht eine Kieme,      
sagt der Scholle dann mit ernster Miene
Seit vielen Jahren schwimm ich hier in Gruppe
und niemand hat bisher gekrümmt mir eine Schuppe.
Du kannst mir glauben, ich weiß es besser,
dies hier ist ein sicheres Gewässer.
Die Scholl fasst allen Mut zusammen
und alsbald sie dann in Richtung Küste schwammen.
Allerdings schon auf dem Weg dort hin,
wurd’ der Dorsch dann sehr intim.
Und es staunt nicht schlecht die Scholl, die platte,
was der Dorsch alles so in petto hatte.
Jedoch nur kurz währt dieses Techtelmechtel,
mit seinem Kutter naht der Fischer Prechtel.
Die beiden sich im Netz verfingen
und fortan getrennte Wege gingen.
Sie macht Karriere als Scholl vom Kutter,
garniert mit Kräutern in zerlassner Butter.
Ihm geht es auch nicht sehr viel besser,
zerlegt mit einem scharfen Messer,
doch anstatt auf einem Teller
landet er im Tiefkühlkeller.
Das Techtelmechtel jedoch nicht ohne Folgen blieb,
und manch Fischer sich verdutzt die Augen rieb,
denn man fängt heut außer Scholl und Dorsch
in der Nordsee einen Fisch und der heißt Schorsch.

Bild: Jürgen Sakuth, generiert mit KI

Humorvolles

Abschied

Beitrag: Helmut Marquardt

Photo by Matthias Oben on Pexels.com

Neulich hat mein Rasierer den Geist aufgegeben.
Ich sag mir, nichts ist von Dauer, so ist das halt eben.
Mich von ihm zu trennen, fällt mir nicht schwer,
er landet im Müll und Ersatz muss jetzt her.
In einem Fachgeschäft, wie der Name schon sagt,
hat ein Fachverkäufer mich nach meinen Wünschen gefragt.
Ich erkläre ihm ganz kurz mein Problem
er meint, dass er dies in den Griff schon bekäm.
Langt ins Regal und dann steht auf dem Tresen
vor mir ein Rasierer, wie er noch nie dagewesen.
Dies ist unser neuestes Modell und ich hätte Glück,
es wäre der letzte, ein Ausstellungsstück.
Auch der Preis sei wirklich angemessen,
und so einen Rasierer hätt ich noch niemals besessen.
Bevor ich ihn unterbrechen kann,
zieht er mich mit Worten erneut in seinen Bann.
Dieser Rasierer, er sagts fast mit Liebe,
ist der einzige mit einem Tandemgetriebe.
Das ist schon speziell, doch es kommt noch viel besser
er verfügt über sechs, achteckig konkav geschliffene Messer.
Sie sind, um die Rasur zu optimieren,
kardanisch gelagert, da gibts kein Vibrieren.
Er besticht weiter und das ist enorm
durch seine extrem ergonomische Form.
Und dann noch, es ist wirklich unglaublich
dieser Rasierer ist extrem Wetter tauglich.
Sie sind in der Wüste und der Akku macht schlapp,
schalten Sie um auf Solar und der Strom wird nicht knapp.
Ausserdem, und seine Augen bekommen Glanz,
hat er eine ausgezeichnete Ökobilanz.
Denn dieser Rasierer, ich sags mit Verlaub
zerfällt nach 10 Jahren vollständig zu Staub.
Ich sag dem Verkäufer, es wäre am besten,
ich nähm ihn nach Haus, drei Tage zum testen.

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Humorvolles

Dumm gelaufen

Beitrag: Helmut Marquardt

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Den reifen Bananen, stets gelb und krumm,
war dieser Zustand auf Dauer zu dumm.
Sie kamen überein, sich dagegen zu wehren
und taten beim lieben Gott sich beschweren.
Der hatte für sie auch ein offenes Ohr
und sie trugen ihm ihr Anliegen vor.
Das Gelbe und Krumme, das wär nicht so fein,
gerade und rot, so wollten sie sein.
Der Herrgott sprach, das ist jammerschade,
es gäb keine Bananen, die rot sind und grade.
Er fügte hinzu ganz unverdrossen,
meine Schöpfung ist leider schon abgeschlossen
doch wollt ihr tatsächlich auf’s neue Outfit bestehen,
kann ich für Euch nur eine Möglichkeit sehen.
Ihr ändert den Namen, es geht leider nicht ohne,
dafür seid ihr gerade und rot, und heißt dann Binone.
Die Bananen packte blankes Entsetzen,
was, unseren Namen einfach ersetzen.
Das kam für sie überhaupt nicht in Frage,
deshalb verzichteten sie flugs auf ihre Klage.
Seitdem sehen wir die Bananen hier zu Lande
noch immer in ihrem krummen und gelben Gewande.

Photo by Aleksandar Pasaric on Pexels.com