Dieses und Jenes

Viel Applaus für die kleinen Akteure

Beitrag: Boike Jacobs

Immer wieder im Frühjahr lädt die Hamburgische Kulturstiftung zur Überraschungsgala ins Hansa Theater am Steindamm ein. In einem vielseitigen Programm präsentieren sich ausgewählte Förderprojekte der Stiftung. Gezeigt werden sowohl Ausschnitte aus Projekten junger Künstlerinnen und Künstler als auch der Kinder- und Jugendkultur. Vom Poetry Slam und musikalischen Acts, von Breakdance-Einlagen bis zum Kurzfim – das Programm macht die Bandbreite der Förderung durch die Hamburgische Kulturstiftung anschaulich. Und ist jedes Jahr voller Überraschungen.

Umfangreiche Vorbereitungen mit großartigem Ergebnis

Wie in den vergangenen Jahren war Bergedorf wieder mit einem Kurzfilm vertreten, und so gehörten auch an diesem Abend Regine Uhlig, Ute Klapschuweit und Sabine Erler sowie Regisseur und Filmemacher Paul Uhlig zu den Gästen. Unter ihrer Anleitung hatten die Kinder aus der Flüchtlings-Unterkunft an der Brookkehre in wochenlanger Arbeit gebastelt, angemalt, geklebt. Und auch die Texte, von Paul Uhlig geschrieben, präsentierten sie mit Charme, Witz und viel schauspielerischem Talent. Bei der Vorführung wurde jedenfalls viel gelacht und applaudiert.

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Orchesterprobe

Beitrag: Helmut Marquardt

                                                                                                                                                       
Den musikalischen Reigen
eröffnen heute die Geigen.
Wehe, wenn eine falsch klingt,
der Ton bis zum Dirigenten gar dringt,
lässt das dessen Blutdruck ansteigen.

Der Besitzer vom Cello
hat einen Hund namens Bello
Wenn der lässt sich kraulen,
beginnt er zu jaulen,
natürlich nur a ca bello.

Es klang die Trompete
wie wenn ein Hahn krähte.
Das kann ich viel besser
rief der Trompeter kesser
und die Trompete umdrehte.

Wo bleibt denn nur die Klarinette,
sie doch schon längst ihren Einsatz hätte.
Ein wildes Gerücht die Runde macht,
dass der Klarinettist nach durchzechter Nacht
liegt noch immer betrunken im fremden Bette.

Frau B. an der Harfe,
das war 'ne ganz Scharfe.
Wann immer sie spielte,
der Hornist nach ihr schielte.
Leider entsprach der nicht ihrem Bedarfe.

Ein falscher Ton der Querflöte
trieb dem Flötisten ins Gesicht tiefdunkle Röte.
So sehr er sich auch plagte,
die Flöte das Spiel ihm versagte
mit der Luft bekam er dann ganz arge Nöte.
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Der Tisch ist gedeckt

Seit 1997 gibt es die Bergedorfer Tafel und den Suppentopf

Wer hat sie nicht schon gesehen, die langen Schlangen von Menschen in der Schlossstraße am Gemeindehaus von St. Petri und Pauli? Manche stehen dort schon Stunden, bevor die Bergedorfer Tafel öffnet und Nummern verteilt werden, damit alle der Reihenfolge nach gespendete Lebensmittel in Empfang nehmen können – Brot, Brötchen, Kuchen, Joghurt, Obst und Gemüse und je nach Tagesangebot manches andere liegen dann zum kostenlosen Abholen bereit. Das alles ist in unserem Land reichlich vorhanden, aber 20 Prozent aller Lebensmittel werden weggeworfen. Dabei gibt es in Hamburg viele Menschen, die nicht genug zu essen haben, ein Drittel davon sind Kinder und Jugendliche.

Allerdings muss auch sichergestellt werden, dass dies Angebot nicht missbraucht wird, und daher gibt es eine Voraussetzung: „Bringen Sie uns eine Kopie Ihres Ausweises, ein Passfoto und ein amtliches Schriftstück, aus dem hervorgeht, dass Sie bedürftig sind. Erhalten Sie ALG II, ist das der Bescheid des Jobcenters. Haben Sie ein anderes geringes Einkommen (z.B. Rente, Lohn, Gehalt, Leistungen der Grundsicherung), bringen Sie bitte auch darüber einen Bescheid mit. Danach erhalten Sie von uns einen Abholausweis.“

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Gedächtnisstütze

Beitrag: Edith Kalisch

Lesestunde vorm Einschlafen. Ich sitze vorsichtig in einer Ecke des Hochbettes, das vor lauter Gewühle von Janosch hin und her geruckelt wird. Es werden Kissen drapiert, Kuscheltiere verteilt. Es dauert. Schließlich will er es ja gemütlich haben. Es knarzt und knackt. Meine Bedenken, dass irgendwann das Bett bestimmt zusammenkracht, werden mit einer empörten Bemerkung weggewischt. „Das hat Papa gebaut!“ Ja, wenn Papa es gebaut hat, können wir wühlen. Ich bin aber weiterhin vorsichtig. Schrauben könnten sich lösen zum Beispiel. Ich sag´ nichts mehr.

Endlich kann ich mit dem Vorlesen beginnen. Es wird die Lesezeit ausgehandelt. Da wird um Minuten gefeilscht.

Ich lese vor. Janosch gibt Kommentare zu einzelnen Szenen. Daran merke ich, dass er aufmerksam zuhört, obwohl er weiterhin das eine Kissen hierhin verlegt oder fast unter der Bettdecke verschwindet. Es ist schon ein ziemliches „Gewoddel“ hier oben.

Aber solange er zuhört …

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Es muss nicht immer Kaviar sein

Beitrag: Tom Schmidt

Sie essen gerne Fisch und möchten einmal etwas Neues ausprobieren? Bei uns quasi vor der Haustür aus der Elbe kommend? In geschrotetem Roggenmehl gewendet und mit Butter und Speck in der Pfanne goldbraun gebraten, serviert mit Bratkartoffeln oder warmen Kartoffelsalat und Gurkensalat? Dann dürften die Monate Februar und März etwas für Sie bereithalten, was für viele Fischliebhaber mittlerweile eine Delikatesse ist: Stint. Und auch für den Stint gilt, wie bei anderen Dingen des täglichen Lebens, entweder man mag ihn oder man mag ihn nicht.

Meine erste Berührung mit Stint war vor Jahren die gutgemeinte Frage an meinen Schwiegervater, ein alteingesessener Vierländer, ob wir mit der Familie einmal Stint essen gehen wollen. Wurde ja in fast allen Restaurants in der Region angepriesen. Den Blick und die Antwort werde ich nicht vergessen. „Dat kann man neet eten, dat smeckt nich. Dat hebbt wi froher de Schwene und Hühner zum fodern geven“, war seine lapidare Antwort. Der muss ja lecker schmecken, dachte ich mir. Meine Frau hingegen bekam leuchtende Augen und sagte: Stint ist eine Delikatesse, den musst du unbedingt probieren. Jetzt wollte ich es natürlich genauer wissen, bevor ich als vermeintlicher Testesser vor einem Überraschungsteller saß und letztendlich von einer Currywurst träumte.

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Ermüdungsbruch

Beitrag: Boike Jacobs

Katastrophe. Desaster. Drama epischen Ausmaßes. Riesenschock, so die deutschen Medien. Was ist geschehen? Wo bebt die Erde? Ist ein Vulkan ausgebrochen, reißt ein Tsunami alles nieder? Nichts dergleichen. Es geht lediglich um den Eiskunstlauf der Herren: Bei den Olympischen Spielen in Mailand zeigte der haushohe Favorit Ilia Malinin „eine Kür zum Vergessen“, bei der keiner seiner legendären Vierfach-Sprünge gelang. Im Internet hieß es: „ARD-Reporter entsetzt.“ Und die BILD-Zeitung titelte: „Der junge Gott ist abgestürzt.“

Man mag es kaum glauben, welche Ansprüche da an eine Sportart gestellt werden. Und was für ein Druck sich aufbaut in einem ehrgeizigen, talentierten 21-Jährigen, der am Ende vor den Augen der ganzen Welt sein Ziel weit verfehlte. Ein selbst gewähltes Ziel? Ein von der Gesellschaft herbei gejubeltes Ziel? Ein von den Eltern über viele Jahre gefordertes Ziel? In der wohl bislang größten Niederlage seines Sohnes wandte sich Ilia Malinins Vater demonstrativ ab – kein Trost, kein Mitgefühl.

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Valentinstag – mehr als ein Frühlingsgefühl

Beitrag: Sabine Ziesmer

Wer interessiert sich schon für den Valentinstag? Blumenhändler, Frauen, oder alle, die gerne schenken und sich beschenken lassen? Frau bin ich auch und zudem am Valentinstag geboren. Ich erinnere mich an Geburtstage, an denen nicht eine einzige kleine Blume meinen Gabentisch schmückte. Auch Süßigkeiten waren selten. Alle meine Lieben vertrösteten mich auf die Tage nach dem 14. Februar, da sollte es Blumen und Schokolade regnen, weil man dann garantiert ein Schnäppchen ergattern konnte. Natürlich geriet nach ausschweifender Geburtstagsparty der gute Vorsatz in Vergessenheit. Als wir alle begannen, kritisch über importierte Blumen und ungesunde Süßigkeiten nachzudenken, bekam ich Bücher und Gutscheine geschenkt. Ich kaufe mir die Blumen ohnehin am liebsten selbst, denn nur ich weiß, zu welcher Stimmung die richtige Blume passt. Für Rosen habe ich bis heute keine passende Stimmung ausmachen können, und laut Statistik liegt die Rose bei Frauen deutlich hinter der Tulpe. Wenn es Vierländer Tulpen zu kaufen gibt, steht immer ein frischer Strauß auf meinem Esstisch. Zwei Wochen vor meinem Geburtstag kaufe ich aber keine Tulpen mehr, denn seit einigen Jahren werde ich am 14. Februar mit Tulpen überhäuft. Mein Mann, meine Tochter, Freunde und Verwandte stehen strahlend mit üppigen Sträußen vor der Tür, denn nach dem schmalen Studentenbudget können wir uns den kleinen Luxus des Blumengeschenks am Valentinstag nun auch alle leisten. Die Zeiten von Mon Cherie sind sowieso längst vorbei, und ich liebe Tulpen.

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Von allem mehr – von nichts weniger

Beitrag: Sabine Ziesmer

Nun ist das Jahr 2026 bereits einige Wochen alt, und ich versuche immer noch, meine „guten Vorsätze“ zu sortieren. „Gute Vorsätze“ haben zu jedem Jahreswechsel Hochkonjunktur. Das merke ich am Massenauftrieb im Fitnessstudio. Ich blicke auf ein gutes 2025 zurück, wenn ich es ganz individuell betrachte. Vieles ist wider Erwarten gut verlaufen, anderes hat einfach an Bedeutung verloren, oder ich habe nicht mehr daran gedacht. Meine „guten Vorsätze“ für das vergangene Jahr sind einfach versandet. Mit dem neuen Jahr kommt das Versprechen, dass alles möglich wird, wenn man das will, was man sich im Oktober nicht einmal zu denken getraut hat.

Nun ertappe ich mich wieder, mit der Optimierung meiner Person und meiner Entscheidungen ins neue Jahr zu starten. Es ist völlig absurd, sich zum ersten Januar neu erfinden zu wollen. Nach nicht einmal vier Wochen habe ich bereits Schiffbruch erlitten und hadere mit mir. Habe ich mich für etwas entschieden, rücken andere Möglichkeiten bedrohlich in mein Blickfeld und ich versinke in Selbstzweifel. Guter Vorsatz für gerade jetzt: Mehr Selbstliebe praktizieren. Dann ist es einfach mal dumm gelaufen. Wer weiß welche Türen sich noch öffnen. Vielleicht sollte man die „guten Vorsätze“ einfach von Tag zu Tag neu formulieren und auch wirklich umsetzen. Ich werde auch ohne Lust morgen zum Sport gehen, den schlecht gelaunten Mitturnern gelassen und freundlich entgegentreten, mich auf keine unnötigen politischen Diskussionen einlassen, die Trainer aus vollem Herzen loben und dennoch nicht wissen, ob ich das übermorgen wieder so gut hinbekomme.

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Februar

Erich Kästner

Nordwind bläst. Und Südwind weht. 
Und es schneit. Und taut. Und schneit. 
Und indes die Zeit vergeht 
bleibt ja doch nur eins: die Zeit.

Pünktlich holt sie aus der Truhe 
falschen Bart und goldnen Kram. 
Pünktlich sperrt sie in die Truhe 
Sorgenkleid und falsche Scham.

In Brokat und seidnen Resten, 
eine Maske vorm Gesicht, 
kommt sie dann zu unsren Festen. 
Wir erkennen sie nur nicht.

Bei Trompeten und Gitarren 
drehn wir uns im Labyrinth 
und sind aufgeputzte Narren 
um zu scheinen, was wir sind.

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Dieses und Jenes

Früher war mehr Winter …

Beitrag: Boike Jacobs

3. Januar 2026: Rund um die Kirche St. Michael am Gojenbergsweg

Der Weihnachtsmarkt fiel auch in diesem Jahr ins Wasser. Und als die Budenbesitzer am ersten Tag des neuen Jahres ihre Sachen gepackt hatten, verdüsterte sich der Himmel, und leise rieselte der Schnee. White Christmas mit Verspätung, dann aber gleich aus dem Vollen. Eine Nacht brauchte es, bis Boden, Büsche, Bäume mit sanften, weißen Polstern bedeckt waren. Und still und starr ruhte der See. Ein Traum ging in Erfüllung, und die wunderbarsten Erinnerungen wurden wach an eine Kindheit, in der offenbar wochenlang gerodelt, Schlittschuh gelaufen, ein Schneemann gebaut und in Schneeballschlachten gekämpft wurde. Das erlebten wir nun endlich auch einmal wieder.

Welch ein Glück – oder doch nicht? Vorsichtig stiegen die Bergedorfer durch das feuchte Weiß, putzten mühsam und verärgert den Schnee von Windschutzscheibe und Autodach, immer in Gefahr, dabei auszurutschen. Und die Sommerreifen waren natürlich auch nicht ausgewechselt worden. Zum Glück gab es den Räumdienst, der die Straßen, sowie den verantwortungsbewussten Nachbarn, der die Gehwege frei schaufelte. Leider traf das am ersten und auch am zweiten Tag nur begrenzt zu, und so wurde aus der Angst vor der Erderwärmung umgehend die Empörung über das unbequeme Wetter: Klimakatastrophe!

Mit Geschwistern und Freunden auf der Graft

Früher war mehr Winter, und wir Kinder haben uns darüber gefreut, wie ein Foto aus den 50-er Jahren belegt. Damals wohnten wir auf einem stillgelegten norddeutschen Bauernhof, der wie alle Höfe ringsum von einer breiten sogenannten Graft umgeben war. War sie zugefroren, glitschten wir auf dem Eis herum oder schoben unsere beiden kleinen Geschwister auf Schlitten vor uns her, während die Jungs mit Stöcken und einer zertretenen Libby-Dose Eishockey spielten. Begeisterung pur!

Nicht ganz, wenn wir ehrlich sind. Unsere selbstgestrickten Wollhandschuhe waren schnell nass, ebenso wie die dicken, kratzigen Strümpfe, denn die von Cousinen geerbten Stiefel waren nicht mehr ganz wasserdicht. Nach ein, zwei Stunden froren wir nicht nur, Hände und Füße schmerzten in der Kälte und brannten, kaum dass wir die Wohnung betreten hatten. Das alte Hausmittel, die Füße in warmes Salzwasser zu stellen, regte zwar die Blutzirkulation wieder an, aber erst einmal heulten wir, weil gerade das so weh tat. Auch im Bett trugen wir nun Socken, denn die Schlafzimmer waren weder isoliert noch geheizt, und es dauerte, bis wir es unter der Decke einigermaßen warm hatten.

Schulausfall wegen Schnee und Eis? Das gab es damals noch nicht. Es war ganz einfach Winter, eine Jahreszeit, mit der man genauso umgehen musste wie mit verregnetem Frühling, heißem Sommer und stürmischem Herbst. Das trifft heute nicht mehr zu, das einfache Leben zu jeder Jahreszeit ist offenbar nur noch in der Erinnerung schön. Zwar ist der Schnee mittlerweile wieder geschmolzen, nur schmutzige Reste erinnern an die dramatischen zehn Tage zu Beginn des Jahres.

Aber die nächste Klimakatastrophe wird bereits angekündigt: Rund um den 25. Januar deute sich durch ein Russland-Hoch „Beast from the East“ an, eine neue markante Abkühlung. „Nach Schneechaos droht uns nun sibirische Kälte“, interpretiert eine Wochenzeitung die aktuelle Wettervorhersage. Na dann …

Fotos: Boike Jacobs, Ute Klapschuweit