Beitrag: Boike Jacobs

Wenn ich zu nichts Lust habe, wenn ich mich ärgere, wenn ich abends nicht einschlafen kann … ach, es gibt für mich viele Gründe, am PC Solitaire zu spielen. Mit der Zeit habe ich mich gesteigert, spiele schneller und raffinierter und habe deshalb gestern auf die Statistik gesehen. Doch da war nicht nur verzeichnet, wie hoch meine Gewinnquote ist, da konnte ich auch lesen, wie viel Zeit ich mit diesem Spiel bereits verbracht habe: 10 Tage und 22 Stunden. O Gott! Schnell habe ich die Statistik wieder geschlossen. Tagelang die Zeit totgeschlagen, oder? Nennt sich das nun Spielsucht? Aber plötzlich erinnere ich mich an meine Mutter und ihren Satz kleiner Patience-Karten. Ich war immer fasziniert davon, wie schnell und konzentriert sie sie nach unterschiedlichen Varianten legen konnte. Seit wann gibt es dies Spiel überhaupt? War es für die bessere französische Gesellschaft gedacht?
Mit dieser Vermutung liege ich gar nicht so falsch. Eine weit verbreitete Erzählung besagt, dass ein Adliger während der Französischen Revolution im Gefängnis das Spiel aus Langeweile erfand. Beweise gibt es dafür zwar nicht, aber es breitete sich Ende des 18. Jahrhunderts rasant in Frankreich aus, erklärt mir die KI. Unzählige Varianten seien im Laufe der Zeit entwickelt worden, und da das Sortieren der Karten viel Ausdauer verlangte, hieß das Spiel schon bald „Patience – Geduld“.

Dass es damals noch ein Wettspiel für zwei Personen war, ist längst in Vergessenheit geraten, erst recht, dass man es sogar in einer Tipp-Gemeinschaft spielte, bei der Zuschauer wetteten, wer da wohl gewinnen würde. Aber das änderte sich durch Napoleon Bonaparte, der am liebsten alles allein entschied, so auch das Patience-Spiel. Schon früh legte er die Karten ohne ein Gegenüber, und während seiner Verbannung auf Elba wurde es für ihn zu einer regelrechten Sucht. So wurde aus „Patience – Geduld“ schließlich „Solitaire“, zu Deutsch „alleinstehend, einsam, einzigartig“. Soll ich das nun auf mich beziehen?
Wie auch immer, wie kam dies Kartenspiel überhaupt auf unsere Computer? Das sei mehr oder weniger ein Zufall gewesen, erklärt mir erneut die KI. „Solitaire schaffte den großen Durchbruch auf dem PC im Jahr 1990 mit Windows 3.0. Das Kartenspiel diente damals vor allem dazu, Nutzern spielerisch den Umgang mit der damals noch neuen Computermaus beizubringen.“ Das Prinzip aller Varianten sei leicht zu verstehen, biete aber dennoch genug Tüftelei für eine spannende Herausforderung. Und so eigne es sich perfekt für kurze Pausen, „da es den Kopf frei macht und ohne Zeitdruck oder Frust gespielt werden kann“.

Und das nicht nur an meinem Computer, sondern verblüfft und amüsiert erfahre ich nun, dass es sich schnell zu einem Phänomen in den Büros dieser Welt entwickelt hat. Offenbar auch längst nicht mehr nur in den Mittagspausen, sondern „Millionen von Arbeitsstunden“ seien damit gefüllt worden. Daran werde sich wohl auch in Zukunft nichts ändern.
Na, dann kann ich mich ja beruhigt wieder meinem Computer zuwenden. Die letzten fünf Spiele habe ich verloren, da kann doch der sechste nur ein Gewinn werden.
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