Dieses und Jenes

Blind Date in einer Buchhandlung

Beitrag: Tom Harden

Hatten Sie eigentlich schon einmal ein Blind Date? Nein? Dann geht es Ihnen wie mir, ich kenne auch nicht die klassische Situation, in einem Restaurant mit einem unverwechselbaren Erkennungszeichen zu sitzen und zu warten, wer durch die Tür das Restaurant betritt. Zugegebenermaßen ein Vabanquespiel mit offenem Ausgang, verbunden mit der Hoffnung, dass die Idee zu einem Blind Date letztendlich glimpflich ausgeht und nicht im Desaster endet.

Aber wie ich jetzt gemerkt habe, ist es nie zu spät für ein Blind Date, wobei mein Blind Date keine Verabredung mit einer unbekannten Person war, sondern sich durch Zufall im CCB ergeben hat. Der Grund war ein massiver Regenschauer, der mich dorthin flüchten ließ. Um die Zeit zu überbrücken, schlenderte ich dann durch das Erdgeschoss und kam an der Buchhandlung Heymann vorbei. Sofort fiel mein Blick auf einen größeren Tisch in der Nähe des Eingangsbereichs, auf dem unzählige braune Päckchen lagen. Da an diesem Tisch bereits einige Kunden standen, jeweils mit einem Päckchen in der Hand, und vertieft darauf schauten, wurde ich neugierig und steuerte umgehend auf den Tisch zu.

Als ich vor dem Tisch stand, war die Überraschung groß: Unzählige Bücher, eingewickelt in einfaches, braunes Packpapier und umbunden mit einem groben Bindfaden, an dem ein beschriebener Geschenkanhänger befestigt ist. Auf dem Buch, das ich als erstes ein wenig „lost“ in der Hand hielt, stand auf dem Anhänger „Blind Date mit einem Roman“. Direkt daneben auf dem Packpapier stand anscheinend eine Kurzbeschreibung, die für mich keinen Sinn ergab. Wie sich später herausstellte, waren es die ersten beiden Sätze aus dem Roman, den ich in der Hand hielt. „Tolle Idee“, sagte ich zu dem Pärchen neben mir. „Bin gerade auf der Suche nach einem neuen Krimi,“ antwortete er mir. „Bisher habe ich immer Glück gehabt und trotz des Zufallsprinzips immer etwas Neues, Spannendes gefunden, was ich mir sonst nie gekauft hätte. Ich finde es einfach spannend, zu Hause ein Buch auszupacken, ohne zu wissen, was mich inhaltlich erwartet.“

Da ich anscheinend an diesem Verkaufstisch der Einzige war, der diese Aktion nicht kannte, sprach ich eine nette Buchhändlerin darauf an. Wie sich herausstellte, gibt es die „Aktion Blind Date“ mit einem Buch schon seit längerem und läuft sehr erfolgreich in vielen Buchhandlungen in ganz Deutschland. Die Idee dahinter ist ziemlich simpel: Die Angestellten der Buchhandlung wählen aus unterschiedlichen Genres Bücher aus, schreiben auf das Packpapier die ersten Sätze, verpacken es und machen dazu eine individuelle Zeichnung. Man lernt neue Autoren und Genres kennen, die man sich sonst wahrscheinlich nicht kaufen würde. Man schenkt sich ggf. selber ein attraktiv verpacktes Buch und genießt den Moment des Auspackens, verbunden mit der Spannung, was sich unter dem braunen Packpapier verbirgt. Oder man hat ein ideales Geschenk für leselustige Menschen mit dem Risiko wie bei jedem Blind Date, keinen Treffer gelandet zu haben.

Fotos: privat, benkirb kostenlos

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