Dieses und Jenes

Busfahrten

Beitrag: Boike Jacobs

Mittags im Bus, ein Vater schiebt einen Buggy rein, setzt sich, der Bus fährt an, der etwa eineinhalbjährige Junge schaut zum Vater und fängt an zu schreien. Der Vater aber ist mit seinem Tablet beschäftigt. Der Junge schreit lauter, der Vater reagiert nicht, da ruft eine Frau ihm zu, er solle gefälligst auf sein Kind achten. Keine Reaktion, der Junge schreit noch lauter, und die Frau ruft ebenfalls lauter. Schließlich stellt der Vater ein Kinderprogramm ein und gibt das Tablet dem kleinen Jungen. Augenblicklich ist er still, starrt auf die bunten Bilder und drückt immer wieder eine der Tasten.

Mein Bus kommt, aber als ich zur geöffneten Tür gehen will, rast ein E-Biker in hohem Tempo an mir vorbei. Er klingelt nicht, blickt durch seine Sonnenbrille starr über mich hinweg und setzt wortlos seine Fahrt fort. Fußgänger drängen sich zur Seite, schauen dem Mann nach, und eine Frau schreit: „Verdammte Radfahrer, eines Tages geschieht hier noch ein Unglück!“

Es soll in den kommenden Tagen sehr heiß werden, und so kaufe ich mehr Obst, Saft und Wasser ein als ursprünglich geplant. Wie kann ich mit dem Einkaufstrolley und der Tasche die Treppe neben der Bushaltestelle bewältigen? Zwei junge Männer kommen mir entgegen, angeregt in ein Gespräch vertieft. „Können Sie mir das hier bitte hoch tragen, damit ich meinen Bus noch kriege?“, frage ich sie. „Natürlich, natürlich“, sagt der Größere, greift zu und trägt alles leichtfüßig die Treppe hoch, während sein Kumpel fragt, ob ich es allein schaffe oder lieber seinen Arm nehmen wolle. „Ich helfe Ihnen auch in den Bus.“ Beide Angebote nehme ich dankbar an, und als der Bus anfährt, winken mir beide zu.

Vor wenigen Wochen hat meine 70-jährige Freundin eine Hüftoperation mit anschließender Reha hinter sich gebracht. Sie hat noch Schmerzen, bewegt sich mühsamer als sonst, aber sie kann immerhin gehen. Unser Bus ist voll, kein Sitzplatz frei, so frage ich ein junges Mädchen, ob sie wohl für meine Freundin aufstehen würde. Doch ehe die sich von ihrem Sitz erhoben hat, wehrt meine Freundin bereits ab. „Das brauch ich nicht“, wendet sie sich energisch mir zu, „so alt bin ich doch nun wirklich nicht.“ Schweigend lehnt sich das junge Mädchen wieder zurück und tippt erneut auf seinem Smartphone.

Am Busbahnhof ist mir genau vor der Nase mein 135-er davongefahren. Der nächste kommt erst in zehn Minuten, müde gehe ich zur Bank. Nur ein Platz ist noch frei, denn ein Mann hat sich quer über die übrigen Sitze gelegt. Schläft er? Nein, er raucht und trinkt dazwischen ein Dosenbier, Zigarettenschachtel und Feuerzeug liegen auf dem Boden, ein Stück weit von ihm entfernt. „Hallo“, sage ich, „denken Sie an Ihr Feuerzeug, das könnte sonst jemand wegnehmen.“ Keine Reaktion, er macht nur einen tiefen Zug und schnippt die Asche unter die Bank. Der 124-er fährt bis zum Hauptbahnhof, und als er ankommt, richtet der Mann sich mühsam auf, greift nach Zigarettenschachtel und Feuerzeug und steigt langsam in den Bus ein.

Fotos: pexels

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